Gitarrenriffs sind einprägsam und besitzen einen hohen Wiedererkennungswert. Mit ihrer Hilfe wurde die E-Gitarre zum stilprägenden Instrument einer ganzen Ära.
Mit Elvis' „Jailhouse Rock“ fing alles an: Das Gitarrenriff war geboren. Noch nicht sonderlich elaboriert, aber es war da – und eroberte in der Folge die Welt der Rockmusik. Mit einher gingen technische Innovationen und Weiterentwicklungen in der Tonabnehmer- und Verstärkertechnologie, insbesondere das Aufkommen von klangverzerrenden Fuzz-Pedalen. Im Zuge dessen trat die elektrische Gitarre ihren Siegeszug an und wurde zum populärsten Musikinstrument des 20. Jahrhunderts.
Die Wurzeln des Gitarrenriffs gehen auf den Blues zurück. Als frühe Vorläufer lassen sich exemplarisch John Lee Hooker mit seinem „Boogie Chillen“ von 1948 oder Muddy Waters' „(I'm Your) Hoochie Coochie Man“ von 1954 anführen, wie auch die Gitarren-Intros von Chuck Berry ab Mitte der 50er Jahre. So ziemlich alle Rockriffs bauen auf der fünftönigen Pentatonikskala auf, die ausgehend von der afrikanischen Musiktradition Eingang ins Blues-Genre gefunden hat.
Im Unterschied zu einer normalen Gitarrenbegleitung, einer Melodie oder einem Solo, besteht ein Gitarrenriff aus einer kurzen Abfolge von rhythmisch prägnant angeschlagenen Einzeltönen oder Akkorden, die einen besonders hohen Wiedererkennungswert besitzt und zumeist über zwei, nicht selten auch über vier Takte geht. Beispiele für Akkordriffs wären etwa „I Can't Explain“ von The Who oder „You Really Got Me“ von den Kinks. Auch Deep Purples „Smoke on the Water“ darf aufgrund seines zweistimmigen Aufbaus zu den Akkordriffs gezählt werden.
Verzerrte E-Gitarren...
Bekannte Riffs, die sich aus Einzeltönen zusammensetzen, sind zum Beispiel „In-A-Gadda-Da-Vida“ von Iron Butterfly oder „(I Can't Get No) Satisfaction“ von den Rolling Stones. Wobei gerade letzteres sehr stark von dem Sound profitiert, den Keith Richards mit dem ersten serienmäßig gefertigten Verzerrer-Pedal, dem Maestro FZ-1 Fuzz-Tone, erzeugt hat. Als Pionier des verzerrten Gitarrensounds ist allen voran der US-Amerikaner Link Wray zu nennen, der schon in den 50er Jahren auf die Idee kam, seinen Röhrenverstärker so laut aufzudrehen, bis er übersteuerte.
Damit nicht genug: Wray durchlöcherte zusätzlich die Lautsprechermembran seines Gitarrenverstärkers mit einem Bleistift, um einen noch dreckigeren Sound zu erzielen. Das Resultat ist in seinem einflussreichen Instrumentalstück „Rumble“ von 1958 zu hören. Als Erfinder – oder besser: Entdecker des Fuzz-Effekts gilt jedoch ein Studiogitarrist namens Grady Martin, bei dem während einer Aufnahmesession in Nashville im Jahr 1961 ein technisches Problem auftrat, das zu einem extrem verzerrten Klang seines Gitarrensignals führte.
Als Übeltäter konnte ein defekter Vorverstärker im Mischpult des Studios ermittelt werden. Martin kehrte kurz darauf dorthin zurück, um mit dem kaputten Preamp das Instrumentalstück „The Fuzz“ aufzunehmen, das noch im selben Jahr veröffentlicht wurde. Als das der beliebten Instrumentalband The Ventures zu Ohren kam, baten sie einen befreundeten Soundtechniker, diesen Effekt nachzubilden, was zur ersten Fuzz-Box der Musikgeschichte führte. Nachzuhören in dem Stück „The 2000 Pound Bee“ von 1962.
… gehören heute längst zum Mainstream
Die verzerrte E-Gitarre setzte sich immer mehr durch und wurde spätestens ab Mitte der 1960er Jahre zur akustischen Speerspitze einer aufbegehrenden Jugendbewegung, die sich vom Westen aus über die ganze Welt ausbreitete. In dem rabiaten Klang der Fuzz-Gitarre spiegelten sich der Zorn, die Rebellionsgelüste und der unbändige Freiheitsdrang einer neuen Generation, die sich zum Ziel gesetzt hatte, das einschnürende Korsett der alten Welt zu sprengen.
Inzwischen hat die verzerrte E-Gitarre viel von ihrer revolutionären Strahlkraft eingebüßt und lockt heute kaum noch jemanden hinterm Ofen hervor. Hard Rock, Heavy Metal, Punk und Grunge gehören längst zum Mainstream. Sogar im modernen deutschen Schlager sind metal-mäßig verzerrte E-Gitarren zu hören. Auch ist es längst überhaupt kein Problem mehr, selber den brachialsten Zerrsound herzustellen: entweder mithilfe eines Gitarrenverstärkers mit übersteuerbarer Gain-Vorstufe oder mit einem der unzähligen Overdrive-, Distortion- oder Fuzz-Pedale, die der Musikmarkt bereit hält.
Nichtsdestotrotz können vielleicht auch die Spätgeborenen noch erahnen, was das eine oder andere Rockriff seinerzeit für einen Alarm gemacht haben muss. Ohnehin hat man den Eindruck, dass in der Musikwelt nicht wirklich viel Neues mehr passiert. So gut wie alle Zeichen stehen auf Retro: E-Gitarren im Vintage-Look, Röhrenverstärker, Wiederauflagen von alten Effektpedalen aus den 60ern und 70ern, Renaissance der Vinyl-Schallplatte... Sogar die gute alte Musikkassette erlebt derzeit ein Comeback.
Die 10 schärfsten Rockriffs
Aber wieder zurück zu den Gitarrenriffs. Bleibt noch zu erwähnen, dass es neben solchen, die sich aus Einzeltönen oder Akkorden zusammensetzen, es auch welche gibt, in denen beides in Kombination auftritt. Dies trifft etwa auf das Riff von „Sunshine of Your Love“ von Cream zu, wie auch auf Metallicas „Enter Sandman“. Kommen wir nun jedoch, nach einem viel zu lang geratenen Intro, endlich zu den 10 schärfsten Rockriffs aller Zeiten (according to moi).
Natürlich ist das wieder eine sehr subjektive Auflistung (jeder hat da seine ganz eigenen Favoriten). Und die schärfsten Gitarrenriffs müssen auch nicht unbedingt die berühmtesten sein. Ich legte bei meiner Auswahl besonderen Wert auf den dramatischen Gehalt der jeweiligen Ton- oder Akkordfolge. Aus Gründen der Komplexitätsreduktion fanden die bereits erwähnten Riffs darin keine Berücksichtigung mehr, obwohl jedes einzelne für sich ein absoluter Klassiker ist.
Platz 10: „Barracuda“ (Heart)
Platz 9: „Wishing Well“ (Free)
Platz 8: „Children of the Revolution (T. Rex)
Platz 7: „Ain't Talkin' 'Bout Love“ (Van Halen)
Platz 6: „Paperback Writer“ (The Beatles)
Platz 5: „Purple Haze“ (The Jimi Hendrix Experience)
Platz 4: „Jumpin' Jack Flash“ (The Rolling Stones)
Platz 3 „Symptom of the Universe“ (Black Sabbath)
Platz 2: „Whole Lotta Love“ (Led Zeppelin)
Platz 1: „Let There Be Rock“ (AC/DC)
Hans Scheuerlein verarbeitet auf der Achse des Guten seit 2021 sein Erschrecken über die Tatsache, dass viele der Schallplatten, die den Soundtrack seines Lebens prägten, inzwischen ein halbes Jahrhundert alt geworden sind.
Beitragsbild: Hannu Lindroos / Lehtikuva - http://hs.mediadelivery.io/img/1920/9dbb99ea6c89473c9c8cec20806fa7b9.jpg, Public Domain, via Wikimedia Commons

Platz 1 ist berechtigt. Schon alleine wegen des himmlischen Videos.
Musik Theorie. Ich Musikbanause. Einziges Kriterium, Musik gefällt mir oder gefällt mir nicht . Es war glaube ich ( oder mein Gehirn) ein Buchtitel „Das musikalische Gehirn“? Ihre Liste Heart und T.Rex, damit bin ich und mein nicht so musikalische Gehirn aufgewachsen.
Für einen alten Schwermetaller ist verzerrte Gitarre ja in der Tat schon lange Normalzustand und Clean eher die Ausnahme. Gain hat man eben niemals genug. ;-) Was die im Artikel genannte Auswahl an „schärfsten Riffs“ betrifft, so liegt bei mir Platz 10 auf der eins. Ich habe die Scheibe sogar noch im Original als Pressung aus den 70ern. Unglaublich wie alt man schon geworden ist, obwohl ich mich heute bisweilen fitter und lebendiger fühle als noch als kleiner übergewichtiger Bengel von damals. Aber ein Riff müsste auf jeden Fall auch noch mit rein in die Liste. Chuck Berry wird im Text ja aufgeführt. Sein Hit „Johnny B. Goode“ leider nicht. Am besten in der Version von Marty McFly, aber dann gespielt über einen Verstärker mit 1.21 Gigawatt Leistung und einem angeschlossenen 80 Zoll Lautsprecher. :-D Als ich den Film vor 40 Jahren das erste mal zu sehen und die Version zu hören bekam, habe ich mich fast eingenässt vor lachen. Hätte mir damals jemand gesagt, was der Song in meinem Leben mal für eine unglaublich wichtige Bedeutung spielen würde, ich hätte ihn für bekloppt gehalten…
Die wirklich besten fehlen natürlich in der Aufzählung. „Sultans of Swing“ in der Live Aid Version mit Mark Knopfler und Eric Clapton, das „Church Solo“ von Slash aus Guns and Roses November Rain, sowie das Solo aus der live Version von Jimmy Hendrix Interpretation von „All Along the Watchtower. Weiter gäbe es noch “Stairway to Heaven„ von Led Zeppelin, sowie das Solo aus “Time„ von Pink Floyd. Ihre Auflistung entzieht sich zu 100 Prozent meinem subjektiven Musikgeschmack. Aber ich verstehe auch nichts davon.
Über die Liste kann man natürlich diskutieren …
Aber das sagt nichts gegen die inhaltliche Beschreibung. Herzlichen Dank wieder einmal.
Herrlich!
Na toll, Gitarrenriffs bestehen anscheinend aus Werbespots (Lidl)
oder sonst irgendeiner Pampe.