Die Plaza Mayor im Herzen Madrids macht ihrem Namen alle Ehre: Sie ist 129 Meter lang und 94 Meter breit und umgeben von viergeschossigen Wohngebäuden mit 237 Balkonen und umlaufenden Säulengängen. In der Mitte prangt ein bronzenes Reiterstandbild von Phillip III., der 1619 den Bau der Anlage im Zentrum der spanischen Hauptstadt in Auftrag gegeben hatte. Außerdem finden sich in dem Geviert vier riesige Kandelaber. Bäume gibt es keine, und im Sommer kann es hier mächtig heiß werden. Dann schleppen sich höchstens ein paar verirrte Touristen über den Platz, und die Schankwirte erfrischen ihre keuchenden Gäste mit unter den Sonnenschirmen installierten Anlagen, die einen kühlen Wassernebel versprühen. Die Madrilenen sind jetzt da, wo man im Sommer in Spanien hingehört: am Meer.
Der Münchner Marienplatz ist rund ein Drittel kleiner als die Plaza Mayor. Ein Reiterstandbild gibt es nicht, dafür die schlichte Mariensäule und statt Kandelaber nur spießige Fußgängerzonenlampen. Auch der Marienplatz ist wie sein spanisches Pendant vegetabil unbelebt, mit Ausnahme von ein paar Blumenkübeln. In München ist es im Sommer lange nicht so heiß wie in Madrid, meistens regnet es und die Touristen huschen dann, unter ihre Regenschirme gekauert, über den zugigen Platz. Das Meer ist in München ziemlich weit weg; wenn es mal warm ist in Oberbayern, zieht es die Landeshauptstädter an die nahen Seen, wenn sie nicht längst in Italien am Strand grillen – oder in Spanien.
Wahrscheinlich würden es die meisten Menschen begrüßen, wenn es in Oberbayern im Sommer ein wenig beständiger und wärmer wäre. Nur die Grünen, ihnen artverwandte Parteien wie die SPD und die Fridays for Future machen tief besorgte Mienen, wenn das Thermometer mal an der 25-Grad-Marke kratzt oder unerhörterweise über 30 Grad klettert. Schon im Jahr 2100 soll es in München laut städtischer Klimamodelle 44,4 Tage mit einer Temperatur von 30 Grad und mehr geben. Da lacht der Madrilene, und die Sevillanos wundern sich. Wenn es denn wirklich so kommt, denn bis zum Jahr 2100 sind es ja nur noch schlappe 75 Jahre. Vielleicht ist bis dahin der Golfstrom versiegt und wir haben schon wieder Eiszeit.
„Komplexität der Gesamtmaßnahme“
Für Bäume sind 75 Jahre indes keine allzu lange Zeitspanne, und deswegen drückt die Münchner Stadtverwaltung jetzt aufs Tempo, wenn es darum geht, einen Stadtratsbeschluss in die Tat umzusetzen, der die Pflanzung von mehr als 100 „Schattenspendern“ in der große Teile der Altstadt umfassenden Fußgängerzone vorsieht. Was sich auf den ersten Blick recht sympathisch ausnimmt, weil Bäume wie Wale immer sympathisch sind, entpuppt sich als der mittlerweile notorische, landauf-landab grassierende Öko-Irrsinn. Denn jeder dieser Bäume, die künftig die Münchner und ihre Gäste im Sommer beim Bummeln, beim Behördengang oder beim Sightseeing vor einem Hitzschlag bewahren sollen, kostet bis zu 100.000 Euro, wie gesagt pro Stück. Das liegt daran, dass eine Innenstadt eben kein Acker und keine Waldlichtung ist, wo man einfach mal ein Loch gräbt. Jede Baumpflanzung erfordert umfängliche Baumaßnahmen, die mächtig ins Geld gehen, wobei das Grünzeug selbst kostenseitig kaum ins Gewicht fällt.
An einer seit Frühjahr 2024 laufenden „vertieften Untersuchung“ der Großpflanzaktion war auch ein Planungsbüro beteiligt, das sein diesbezügliches städtebauliches Konzept bis auf das 11. Jahrhundert zurückführt, als es in München gerade mal Anfänge einer „Siedlungsverdichtung“ rund um eine Burganlage der Wittelsbacherherzöge gab. Aufgrund dieses Konzeptes konnte das Münchner Baureferat die „grundsätzliche Realisierbarkeit“ von zunächst 125 neuen Baumstandorten im Bereich der Fußgängerzone bestätigen. Die Betonung liegt auf dem Wörtchen „grundsätzlich“, denn die dafür erforderlichen Baumaßnahmen erinnern in ihrer Gesamtheit fast ein bisschen an die unterirdische Megabaustelle der neuen zweiten S-Bahnlinie unter der City.
Die „Komplexität der Gesamtmaßnahme“ sei „enorm“, schreibt das Baureferat. Es habe sich nämlich herausgestellt, dass die Baumstandorte unterschiedliche Betroffenheiten (Feuerwehr, Sparten, laufende einzelne anliegende Baustellen, Großbaustelle 2. S-Bahn-Stammstrecke, Freischankflächen, Gewerbetreibende etc.) auslösten, was „lokal unterschiedlichste Lösungen erforderlich“ mache. „Die Klärung aller Betroffenheiten an allen Standorten mit dutzenden unterschiedlichen Stakeholdern ist zeitnah nicht handhabbar, insbesondere die Vielzahl an laufenden, geplanten und absehbaren Baustellen macht eine gleichzeitige Abstimmung aller Baumstandorte unmöglich.“
Nicht restlos von der Sinnhaftigkeit des Projektes überzeugt
Um der angeblichen „Dringlichkeit der Baumpflanzungen“ infolge fortschreitender Klimakatastrophe gerecht zu werden, werde daher vorgeschlagen, „die Pflanzung der Bäume nicht als Gesamtprojekt weiter zu verfolgen, sondern die Realisierung der neuen Baumstandorte als Einzelmaßnahmen voranzutreiben“. Wenn man sich von dem Behördenkauderwelsch ein wenig erholt hat, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Behörde selbst nicht restlos von der Sinnhaftigkeit des Projektes überzeugt und vielleicht bestrebt ist, das Schlimmste zu verhindern, indem man die Maßnahme zeitlich so lange streckt, bis das Geld für solcherlei grünen Unfug ausgegangen ist.
Zur nächstmöglichen Realisierung ab Herbst dieses Jahres stehen nun erst einmal 24 Standorte der „Kategorie 1“ an, wo die Nutzungskonflikte laut Untersuchung vergleichsweise überschaubar sind, darunter vier am Rande des Marienplatzes, sechs in der (recht engen und schattigen) Dienerstraße bis hinauf zum Delikatessenhaus Dallmayr sowie weitere 14 Bäume an der Sendlingerstraße sowie der Frauen- und Peterskirche. Die Gesamtkosten in dieser Kategorie werden auf 1,8 bis 2,3 Millionen Euro taxiert – für die Herstellung der Baugrube, Schutzmaßnahmen benachbarter Versorgungsleitungen, „auspflasterbare Baumscheiben“, gegebenenfalls erforderliche „Wurzelkammersysteme“, Beschaffung bereits größerer Bäume, deren Pflanzung und „fünfjährige Entwicklungspflege“. Das entspricht pro Baum den schon erwähnten 75.000 bis 100.000 Euro, dem Gegenwert von bis zu vier VW-Golfs in der Basisversion.
In den Kategorien 2 bis 4 dürften die Kosten noch einmal deutlich höher liegen, weil hier zum Teil „großräumige Spartenumlegungen oder individuell abgestimmte Sonderlösungen“ erforderlich seien, um das angestrebte Ziel einer klimaresilienten Innenstadt erreichen zu können. Man darf also hoffen, dass es bei den derzeit anvisierten maximal 35 Bäumen der ersten und zweiten Kategorie bleibt und sich irgendwann einmal die Realität bemerkbar macht, nicht die Klimarealität, sondern die finanzielle. München ist heute schon die am höchsten verschuldete deutsche Großstadt.
Nachdem die Sammelaktion „Schatten spenden“ gerade mal den Gegenwert von rund drei Bäumen erbrachte, verlegt man sich vielleicht ja doch noch auf kostengünstigere Maßnahmen, um das „Wohlbefinden der Besucher*innen und die Verweildauer in der Fußgängerzone“ zu erhöhen. Etwa auf Sonnenschirme mit Wassersprühanlagen wie in Madrid. Oder man legt den Münchnern und ihren Gästen nahe, es so zu machen wie in New York, wo man sich an kochend heißen Tagen, wie es sie hier schon immer gab, in eine klimatisierte Shopping Mall flüchtet oder einfach zu Hause bleibt und die Klimaanlage einschaltet.

@ Lars Tragl: „Ohne das noch nicht durchgeknallte Bayern wäre München nicht lebensfähig.“ Google KI sieht das nicht so dramatisch: „Wirtschaftliche Stärke: München zählt zu den Städten mit der höchsten … Wirtschaftskraft in Deutschland. Die Stadt ist ein führendes Zentrum für Technologie, Versicherungen und Medien. Abhängigkeit von Umland: Die Stadt ist wirtschaftlich eng mit der Metropolregion München verflochten. Eine Trennung von Bayern könnte die Infrastruktur und die Arbeitsmarktintegration der Region schwächen.“
Doch das lässt sich gendern, pardon, ändern: Die Wahl des grünen Oberbürgermeisters und der Grünen als stärkster Partei im Stadtrat zeigt in Richtung des Hamburger Zukunftsentscheids für eine beschleunigte Klimapolitik. Schau ma mal, dann mach mas schon.
Im Übrigen ist München nur deshalb die am höchsten verschuldete deutsche Großstadt, weil Berlin und Hamburg nicht nur Großstädte sondern primär eigene Bundesländer sind. Als drittgrößte Stadt sind zugleich die drittgrößten Schulden nicht unwahrscheinlich. Berlin 65-70 Milliarden Schulden, Hamburg halb soviel, München 1/3 von Hamburg. Pro-Kopf-Verschuldung in Berlin über 17.000, in Hamburg ähnlich wenn nicht mehr, in München etwa 10.000 weniger.
Wie all diese Städte im Jahr 2100 aussehen werden, muss mich erfreulicherweise keinen feuchten Kehricht oder Dreck interessieren. Allen Nicht-Verlogenen Alles Gute!
„…am höchsten verschuldete deutsche Großstadt.“
Und Berlin mit seinen 67 Mrd. ?
Ich gehe jetzt mal Bananenkaufen. Bevor sie alle sind.
Man müsste die Gesamtmaßnahme mit der Gesamtsituation abwägen. Im Hinterkopf die Gesamtfinanzierung. Und falls man dann unzufrieden ist, einfach Entscheidungen treffen. Aber treffen ist nicht so einfach. Wenn der Einäugige ein Auge zudrückt, wird es finster. Aber wir haben ja noch die Zwieeebeltrüssse, innen.
@Uwe Schäfer : >>Wenn ich die Ausschreibung zufällig gefunden hätte, hätte ich mich beurlauben lassen und schnell eine Gartenbaufirma gegründet. Für 80 Riesen pro Stück den Auftrag geschnappt und danach aufs Altenteil… Idiotistan in Reinkultur.<<
## Kann ja eigentlich mit Ausschreibung nicht viel zu tun gehabt haben? Oder?
@Bernd Fielitz : >>Warum stoppt niemand diesen WAHNSINN!!!<<
## Ja, wer solls denn machen? Die Stichwahl in M drehte sich um, … äh…, das reiche ich nach.
@Thomin Weller : >>Aufgrund eines Bürgerentscheids im Jahr 2004 dürfen neue Hochhäuser die Traufhöhe der Frauenkirche (ca. 99 Meter) im Innenstadtbereich nicht überschreiten.<<
## Ja, lustig. Wenn man dann noch weiß, dass in den Türmen der BND seine Antennen zum Abedecken des gesamten Stadtbereichs untergebracht hatte und vermutlich auch noch hat, bekommt das plötzlich einen ganz andere Färbung.
Ich habe allerdings vor einiger Zeit aus Südafrika, oder war es Australonien?, ein JSon-Protokoll zugeschickt bekommen, wo mit genauer GPS-Koordinate, Feldstärke und „Vulnerabilität“ verschiedene Points rund um den Marienplatz benannt waren. Ich glaube Passworte waren nicht dabei, aber ein Attribut „no passwd“ glaube ich mich zu erinnern. Ob oder bei welchen Points das valide Daten hatte, kann ich nicht erinnern. Zum Glück habe ich das Dokument sofort vernichtet, weil es nicht an mich gerichtet war. Das ist ja im Funkverkehr Pflicht, etwaige Aufzeichnungen, die nicht für einen selbst bestimmt sind, sofort zu vernichten, vor dem Lesen. Auch alle Kopien. Also das ist weg, komplett und spurlos. Höchstens die NSA hat noch eine Kopie, aber die dürften das nicht verraten. Jetzt ist sogar schon der FBI-Chef unter Druck sagt man bei uns. Ja, Antennenhöhen sind ein ernstes Thema, aber seit es Drohnen gibt, alles kalter Kaffee.
In meinen Comic-Kinderzeitschriften hatten Drohnen damals immer böse Gesichter. Männerfeindlichkeit, obwohl man gar nicht weiß, ob das wirklich die Männer der Binenkönigin sind. Aber sie nützen nichts, wie die Männer. Das ist unbestritten. Und damals waren die noch schwarz-gelb. Das ist lange her.