Hätte man in einem Wettbüro versucht, zehn Euro auf „wenn die USA in Berlin eine Botschaft bauen, hagelt es Kritik an architektonischer Großmannssucht“ zu setzen, die Wettbetreiber hätten einen ausgelacht und eine Quote von 0,9 zu 1 geboten. Die US-kritischen Argumente sind kulturkritischer Standard und werden bei jeder Gelegenheit hervorgeholt: Größenwahn, Weltmachtgehabe, Arroganz, Isolationismus, Glattheit, postmoderne Beliebigkeit. Und jetzt das: Da eröffnen die Amerikaner eine Botschaft, auf die diese Begriffe alle nicht passen! Ein Gebäude, das sich selber klein macht. Das devot daherkommt und offenkundig jeden Eindruck von Sonderstellung vermeiden möchte. Das sich in seiner architektonischen Trivialität perfekt in die Biederkeit des Pariser Platzes als Ganzem einpasst…
Klar ist es eine ästhetische Sünde, die die Amis da begangen haben, aber auch ein diplomatisches Meisterstück. Denn worüber soll sich der gemeine Amerikakritiker nun echauffieren? Nicht mal so richtig postmodern unernst kommt der Bau von Buzz Yudell und John Ruble ja daher, mal abgesehen vom albern geschwungenen Vordach, das die SZ nicht zu Unrecht an ein Spaßbad erinnert (http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/589/184015/). Ansonsten aber erfüllt der anbiedernd sandfarbene Bau die ganzen pseudotraditionsbewussten Berliner Bauregeln und unterläuft so alle denkbaren US-spezifischen Gegenargumente. Entsprechend halbherzig und bemüht fällt die Kritik aus. Die SZ musste sogar den Paradebau der Machtmanie, den 50er-Jahre-Botschaftsklotz der Sowjets ein paar hundert Meter weiter, als positives Gegenmodell heranziehen. „Hoheitsvoll und achtunggebietend“ sei dieser, mussten die erschreckten SZ-Stammleser da lesen, anders als der neutrale US-Bau. Wie, und das soll gut sein, fragten sich Sozialkundelehrer in ganz Deutschland irritiert.