Die neuseeländischen Marine bereitet gerade die Ablösung seiner in die Jahre gekommenen Fregatten vor. Ich las vergangene Woche den Entwurf eines entsprechenden Planungspapiers, das der pensionierte Generalmajor der neuseeländischen Marine, John Howard, verfasst hat, als ich Nachrichten aus Berlin hörte.
Deutschland hat soeben sein größtes Kriegsschiffprogramm seit 1945 gestrichen. Ich suchte sofort John Howard auf, um darüber zu sprechen. Wir beide sahen darin auf Anhieb die Parallelen zu den Herausforderungen, vor denen Neuseelands Marine steht, und beschlossen, dass die Entwicklungen in Deutschland ein oder zwei Absätze in dem Planungspapier wert seien.
Deutschlands jüngstes Beschaffungsdesaster folgt einem alten Muster, das man wie folgt beschreiben kann: Gib einem Staat mehr Geld, als er zu verwenden weiß, und er wird mit der Zeit zeigen, worin er am schlechtesten ist.
Deutschland befindet sich mitten in der Offenlegung seiner militärischen Inkompetenz. Zwei Jahrzehnte lang war seine Armee ein schlechter Witz in Europa: Sie konnte gerade einmal neun einsatzfähige Panzer aufbieten – bei einer NATO-Anforderung von nur 44 Stück. Bis vor kurzem war keines seiner sechs U-Boote in der Lage, den Hafen zu verlassen.
Piratenjagd und gelegentliche Friedensmissionen
Dann begann Russland seine großangelegte Invasion der Ukraine, und Bundeskanzler Olaf Scholz rief eine Zeitenwende aus, abgesichert durch ein Sondervermögen zur Wiederbewaffnung und Ertüchtigung der Bundeswehr von 100 Milliarden Euro. Doch dieses Geld floss in Programme, die Jahre zuvor in einer friedlicheren Welt erdacht worden waren. Was dann folgte, war eine Blamage nach der anderen.
Die 166 Meter lange F126-Fregatte – geplant, um U-Boote im gesamten Nordatlantik zu jagen – kostete bereits 2,3 Milliarden Euro. Sie wurde nie zu Wasser gelassen. Das Schiff war in jenen ruhigen Zeiten in Auftrag gegeben worden, als die Marine noch mit einem Jahrzehnt Piratenjagd und vielleicht gelegentlichen Friedensmissionen rechnete. Also sollte das Schiff nahezu alles können. Man plante an einer eierlegenden Wollmilchsau herum: Die F126 sollte die seegängige Version davon sein. Sie erwies sich als ungefähr so realistisch wie das Fabeltier.
Die F126 war ein neuartiger Entwurf, überfrachtet mit tausenden von maßgeschneiderten Anforderungen. Mit jedem zusätzlichen Feature stieg das Budget für sechs Rümpfe von 10 Milliarden Euro in Richtung 18 Milliarden Euro, und die erste Auslieferung verschob sich von 2028 in Richtung 2032.
Konstruktionsdaten gelangten nicht zuverlässig vom Zeichenbüro zur Werft
Es kommt noch schlimmer. Eine niederländische Firma entwarf das Schiff, doch deutsche Werften sollten es bauen. Die deutsche Beschaffungsbehörde verlangte ihre Unterlagen jedoch auf Papier und auf Deutsch, sodass die Konstruktionsdaten nicht zuverlässig vom Zeichenbüro zur Werft gelangten. Dass der Auftragnehmer in seiner niederländischen Heimat wegen Bestechung und Lieferung von Schiffsrümpfen nach Russland – unter Umgehung von Sanktionen – vor Gericht stand, half ebenfalls nicht in puncto Problembewusstsein bei den Deutschen.
Boris Pistorius, der deutsche Verteidigungsminister, der nun die F126 gestrichen hat, ist überraschenderweise der beliebteste Politiker des Landes, obwohl er keine verteidigungspolitische Leistung vorzuweisen hat. Aber er sieht nach seiner Rolle aus, hält gute Reden – und vielleicht hat sein Name auch einen gewissen militärischen Klang. Pistorius erbte das Programm, als er 2023 Verteidigungsminister wurde. Im Zeitenwende-Eifer bestellte er selbst noch zwei weitere der insgesamt sechs Schiffe.
Sich von solchen unwiederbringlich versenkten Kosten zu lösen, war daher mutiger, als es zunächst aussieht. Es ist ein deutliches Eingeständnis des Scheiterns. Normalerweise beharren Regierungen auf solchen versenkten Steuermilliarden und verteidigen zum Scheitern verurteilte Vorhaben ewig weiter – gerade weil sie zum Scheitern verurteilt und teuer sind und die peinliche Rechtfertigung dann fällig wird. Die Fähigkeit, solche Projekte zu stoppen, ist eine weit seltenere Kunst. Pistorius tat also das Richtige – dennoch zu spät.
Die üblichen industriepolitischen Streitigkeiten der EU-Nachbarländer
Doch zu wissen, wann man Planungsdesaster beenden muss, ist kein Ersatz dafür, zu wissen, was man kaufen sollte. Und das gilt nicht nur für Schiffe. Anfang dieses Monats stieg Deutschland auch aus FCAS aus, dem deutsch-französischen Kampfjetprogramm, das Frankreichs Präsident Macron und Bundeskanzlerin Merkel 2017 aufgelegt hatten. Neun Jahre und 4 Milliarden Euro später hatte das Prestigeprojekt keinen einzigen Prototyp hervorgebracht.
Das Problem war, dass Frankreich ein Flugzeug wollte, das von seinen Flugzeugträgern aus starten und Atombomben abwerfen kann. Deutschland hingegen wollte weder das eine noch das andere und wollte schon gar nicht für beides bezahlen. Darunter lagen die üblichen industriepolitischen Streitigkeiten der EU-Nachbarländer darüber, welche heimischen Unternehmen nun den Großteil von FCAS bauen würden.
Und so wurden zwei Vorzeigeprogramme der Landesverteidigung, die Zukunft der Flotte und die Zukunft der Luftwaffe, innerhalb eines einzigen Monats beerdigt.
Dringlichkeit verkam zu sehr teurer Hastigkeit
Der Planungsstratege John Howard verwendet dafür eine Formulierung: (Militärische) Fähigkeiten müssten „mit der Geschwindigkeit der Relevanz“ bereitstehen. Das bedeutet, dass ein finanziertes Programm nichts wert ist, wenn das Schiff oder der Jet zu spät kommt – oder eben nie. Im Fall der Fregatten verstand Deutschland, dass Geschwindigkeit zählt.
Bundeskanzler Merz hat der NATO die zusätzliche Kapazität noch pünktlich zugesagt und sogar die Verfassung geändert, um sie zu finanzieren – unter Druck von US-Präsident Donald Trump. Doch moderne Kriegsschiffe und Kampfjets gehören zu den schwierigsten Dingen, die ein Staat in Auftrag geben kann, und die Dringlichkeit verkam zu sehr teurer Hastigkeit. Auf diese Weise könne Deutschland keinen künftigen Krieg gewinnen, bemerkte Howard mir gegenüber. Als Deutscher konnte ich nur hinzufügen, dass mein Land glücklicherweise seit 1871 keinen mehr gewonnen hat.
Man könnte meinen, Deutschlands Beschaffungsdesaster hätten uns wenig zu lehren. Und in gewisser Weise stimmt das, denn Neuseeland könnte sich nie auf Programme von der Größe und Maßanfertigung einlassen, wie Deutschland sie versucht hat. Um die Größenordnung zu verdeutlichen: Zwischen der gestrichenen Fregatte F126 und dem aufgegebenen Kampfjet FCAS hat Deutschland gerade mehr Geld verschwendet, als Neuseeland in einem ganzen Jahr für seine gesamte Verteidigungsstreitmacht ausgibt.
Aus einem bewährten Schiff wieder einen Prototyp machen
Dass wir nicht in Deutschlands Größenordnung scheitern können, ist auf seine Weise ein Glück. Der neuseeländische Instinkt ist vernünftigerweise, das zu kaufen, was andere bereits erprobt haben – so wie wir es mit den Anzac-Fregatten gemeinsam mit Australien getan haben. Die alternden Te Kaha und Te Mana sollen daher entweder durch Japans Mogami oder Großbritanniens Type 31-Fregatten ersetzt werden, die sich beide in größeren Marinen als der neuseeländischen bewährt haben. Eine Empfehlung an das Kabinett wird bis Ende nächsten Jahres erwartet.
Aber ist Neuseeland wirklich besser aufgestellt, um das Geld vernünftig auszugeben? Das würde eine andere Art von Disziplin erfordern: nämlich einen Schiffstyp zu beschaffen und fast nichts daran zu verändern. Sobald man anfängt, über „Verbesserungen“ nachzudenken, macht man aus einem bewährten Schiff wieder einen Prototyp.
Neuseeland beabsichtigt nun, fast alles neu aufzubauen, was schwimmt oder fliegt, und die Ausgaben nach zwei Jahrzehnten bei kaum einem Prozent auf zwei Prozent des BIP anzuheben. Doch das gesamte Vorhaben ruht auf einem Verteidigungsministerium mit nur wenigen hundert Beamten.
John Howards Planungspapier, das wir im Juli veröffentlicht wird, zeigt auf, dass Geld auszugeben der einfachere Teil ist. Es gut und zielgerecht auszugeben, ist viel schwieriger. Deutschland ist groß genug, um ein ganzes Kriegsschiffprogramm an einem Nachmittag abzuschreiben und neu anzufangen. Neuseeland muss dies jedoch gleich beim ersten Mal richtig machen.
Der Beitrag erschien zuerst auf der Website von Oliver Marc Hartwich und in Newsroom.co.nz (Wellington).
„Gib einem Staat mehr Geld, als er zu verwenden weiß, und er wird mit der Zeit zeigen, worin er am schlechtesten ist.“ – Das kann hierzulande auch zB eine 20 000-Einwohner-Kleinkleckers-Gemeinde in NRW, die seit ca. 10 Jahren an der Sanierung seiner Gesamtschule herumdoktert, die Kosten von zuerst ca. 25 Millionen auf aktuell ca. 125 Millionen hochgejubelt hat, weil „nachhaltig“, „zukunftsfähig“ etc , auf jeden Fall „grün“ und irgendwas mit „Klima“ ist ja Pflicht. Nachdem schon mal angefangen wurde, die externe „Bauplanung“ geschasst wurde, 10 000e an diverse externe Planer gezahlt sind, haben „Experten“ nun festgestellt, daß bei den Bausummen ein Neubau doch wirtschaftlicher sei. Der könnte auf dem direkt nebenan befindlichen Sportplatz erstellt werden. Ob das das Ende des Steuergeld verjubelnden Planens ist oder noch ein paar Kreativlinge mit weiteren neuen Ideen um die Ecke kommen, wer weiß es. Das einfach mal hochgerechnet auf das Werkeln der Masse der im Lande Geld verbratenden sich selbst verwaltenden Kommunen, und ich weiß das Gejammer ihrer Pleitesituation sehr wohl zu begründen. Und das sind nur die Kommunen, bei den diversen Behörden wird es nicht anders aussehen.
Vielen Dank @ Ralf Rath! Ihr Beitrag führt zum Begriff des Hallodri, wabei das Wörterbuch DWDS Allotria als Stamm vermutet, um einen leichtsinnigen und unzuverlässigen Charakter zu beschreiben. Als Beispiel wird Kanzler Schröder vorgeführt, den die Zeit als machohaften Hallodri herauskehrte. Die Lockerung der Sonntagsruhe hätte eigentlich ein Kommentar der apokalyptischen Liga verdient, da der westfälische Friede als wichtigen Reform-Hammer die Wahrung der Sonntagsruhe und feste Preisschilder vorschrieb. Velleicht könnte Chaim Noll beitragen, welches Ritualgebäck unter Umgehung des sabbatlichen Nacktbackverbots derzeit in Israel boomt. Prof. Bolz sagt leider oft „in keinster Weise“ und in der Kohl Ära kam dieses „im Endeffekt“ auf, es laberte jeden Tag irgendwer von irgendwelchen Quantensprüngen, was der kleinste denkbarste Sprung in der Salatschüssel ist. Herr Grimm hört „Alles für Mao!“, sollte es aber als Gedankenlosigkeit abtun, so wie Leute Sonderbahandlung sagen und Extrawurst meinen. Konterwokismus ist nicht erstrebenswert. Zum Thema sehr zu empfehlen ist fürderhin: „ Maoismus: Eine Weltgeschichte“ der Sinologin Julia Lovell, die gleich zu Beginn mit der MK Ultra Aktion der USA anhebt, welche eine Reaktion auf Mao gewesen war, ähnlich der des Apollo Programms auf den Sputnik-Schock und in der Mitte bei Dutschke und dem heißen Herbst viele Fäden aufnimmt, die den Einfluß Maos weltweit belegen, welche sich die USA aufgrund von Sprach – und Übersetzungsungenauigkeiten nicht erklären konnten.
Wissen Sie, Herr Dr. Hartwich, das Problem ist der lobbyistische Usus der informell sozialistisch organsierten Staaten des Westens, der die sogenannten extrem teuren Cost-plus-Verträge abschließt mit vollem Risiko für die Steuerzahler. (Sind Sie nicht auch solch ein Lobbyist?) Wer die als quasi & offensichtlich gekaufter Politiker unterschrieben hat, hat das Militär des Westens in den letzten 50 Jahren ruiniert. Man erwarb wenig, aber dafür extrem teures Spielzeug, weil unsere 5.klassige Generali- & Admiralität im Größenwahn nicht mehr symmetrisch denken kann. Man glaubte, wie in Afghanistan & Libyen, mit ein bißchen militärischer Intervention alles regeln zu können, Pustekuchen, man verlor gegen Kämpfer in Kartoffelsäcken & Sandalen. Das Militär muß ohne 100k Vorab-Zertifizierungen wissen, was es braucht & mit Festpreis-Verträgen abschließen. Musk, Thiel & Schmidt liefern genau das. Deswegen fliegen in den USA auch die Fetzen mit den mächtigen Senatoren, die weiter mit Bundesmittel finanzierte Zulieferung auf ihre Staaten mit sozialistischem Verteilermodus profitieren wollen. Das hat aber den US-Steuerzahler in die Pleite getrieben, ist am Ende, vor allem deswegen, weil der Krieg teurer geworden ist, als die Beute in einem besiegten Land bringt. Kriege werden schon lange mit den Kosten am Fließband gewonnen. Es hatte bis zum Ukraine-Krieg nur keiner gemerkt. Albert Speer lacht sich nochmal tot über uns in seinem Grab. Und Sie Herr Dr. Hartwich können uns Achse-Lesern auch mal erklären, war es gebracht hat, daß die anderen die Kriege nach dem preußisch-französischen Krieg gewonnen hatten? Geschichte ist wohl jetzt nicht so wirklich Ihr Ding.
Die meisten Bankrotte entstehen dadurch, daß man sich dem Blick in den Abgrund nicht stellt.
Fürs Elbvieh waren 77 Mio. geplant, die Endkosten lagen bei 789 Mio Euro mit einem Michlanteil von 435 Euro. Kostensteigerung 1024 Prozent. Für den Berlin-Brandeburg-Airport waren 1,6 Mrd. von der Regierung veranschlagt, die Endkosten lagen bei 6,5 Mrd. Euro und einem pro Kopf-Anteil der dösigen Berliner von 967 Euro. Nürburgring, 165 Mio. geplant, 520 Mio. ausgegeben. Anteil der glücklichen Einwohner 128 Euro. WCCB Bonn , versprochen: Null Euro, gezahlt 285 Mio. Euro. Anteil des Bonners 893 Euro. Insofern ist Pistorius eine Ausnahme. Andere sitzen das einfach aus. Man die Kosten dann ja irgendwie irgendwo reinmauscheln z..B. als Service.
Nick Leeson konnte auch nicht aufhören. Das ist ganz typisch. Er hat schließlich die ganze Barings Bank mit seinen einsamen Spekulationen gegen die Wand gefahren. Da spielt immer die Angst vor Entdeckung die größte Rolle, was dann zu immer höheren Einsätzen führt und der Kollaps schlielich da ist.
Olaf Scholz ist verantwortlich für die Bauskandale. Mich wundert immer wieder die Vergesslichkeit, wie man solche Bankrotteure und Versager dann als Ratgeber heranziehen kann?
Wir dürfen, verdammt noch mal, nicht kriegstauglich werden. Wenn wir es nicht sind, können wir auch keinen Krieg führen! Wenn wir es nicht sind, können auch idiotisch hirnverletzten Kriegstreiber nicht zulassen, ein ganzes Land in einen Abgrund zu führen.
Krieg schafft keine Werte, er zerstört nur! Krieg „belohnt“ nur diejenigen, der am schnellsten und am erfolgreichsten töten! Krieg erzeugt Erbschaften an Hass und Verzweiflung!
Die Profiteure von Krieg und von der Wirtschaft um Waffen und Kriegsartikel sollten in jeder Zeitung stehen als die Zerstörer von Leib und Wohlfahrt. Ihnen steht keine Anerkennung zu für ihre Börsenerfolge! Sie sind nichts als Verbrecher! Das ist meine Meinung.
In der Tat scheint längst in Vergessenheit geraten zu sein, dass ein Kampf auf Leben und Tod stets der Form bedarf, nach der schon die Geistigkeit und Seele des Menschen unabweisbar verlangen, wie der Soziologe Helmuth Plessner spätestens im Jahr 1924 reklamiert. Zwar ist zuletzt noch am 17. Juli 1985 anlässlich der damaligen Eröffnung des Heinrich-Fabri-Instituts in Blaubeuren von dem Juristen Adolf Theis daran erinnert worden, nicht ohne einen dafür von den Naturwissenschaften, der Medizin sowie den Geistes- und Sozialwissenschaften gemeinsam erarbeiteten Begriff auskommen zu können. Aber die dazu unter äußersten Anstrengungen seitdem geleistete Arbeit am Begriff erfährt hierzulande aller bisher damit gemachten Erfahrung nach auch künftig eine Abweisung. Angesichts dessen sagte der genialische Forscher Sigmund Freud bereits im Jahr 1928 voraus, dass sich dann die Zukunft im selben Moment in eine Illusion verwandelt sieht.
Milliarden(!) für nix. Aber den alten, kranken Rentnern die Leistungen kürzen. Das geht…