Deutschlands Geschäftsmodell ist am Ende

Deutschland verliert massiv an Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, was Arbeitsplätze, soziale Sicherheit und Wohlstand kosten wird. Wer soll in Zukunft der Zahl- und Transfermeister in Europa sein, um die EU und den Euro stetig zu retten? 

Die Russland-Sanktionen und Corona-Maßnahmen entfalten ihre volle Wirkung, und zwar indem sie Deutschlands Geschäftsmodell beenden: Der Exportweltmeister ist in die 2. Bundesliga abgestiegen. Der Exportüberschuss hat sich pulverisiert auf nur noch marginale 0,5 Milliarden Euro im Mai. Damit ging der Handelsbilanzüberschuss in den ersten fünf Monaten 2022 um 70,7 Prozent zum Vorjahr zurück. 

Deutschland verliert massiv an Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, was Arbeitsplätze, soziale Sicherheit und Wohlstand kosten wird. Wer soll in Zukunft der Zahl- und Transfermeister in Europa sein, um die EU und den Euro stetig zu retten? 

Italien? Frankreich? Spanien? Spaß beiseite, Deutschland wird es nicht mehr leisten können, wenn man seine industrielle Basis zerstört und keine neue hat. Man hat sich selbst ins Abseits katapultiert durch politische Fehlentscheidungen und Hybris. Die Frage, die sich dann stellt: Werden die EU und der Euro überleben? 

Die Chancen schwinden parallel mit der wirtschaftlichen Zerstörung der deutschen Wirtschaft. Was noch mehr Verwerfungen mit sich bringen würde. Wir sehen also einen Teufelskreis, der sich gegenseitig bestärkt. Eine Lösung ist weit und breit nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil. 

Wenn man sich ehrlich machen würde, müsste man zugeben, dass man vor dem Scherbenhaufen einer grandios gescheiterten Energiepolitik steht, die, ideologisch verblendet, auf Teufel komm raus durchgezogen wurde. Während wir abschalten, schalten alle anderen ein. Dass jetzt auch noch die EU mit der Taxonomie Gas und Atom als „grün“ eingestuft hat, ist ein Gong auf die Zwölf und die totale Bankrotterklärung der deutschen Energiepolitik der letzten Jahre. Auch muss man zugeben, dass die Russland-Sanktionen gescheitert sind und uns am härtesten treffen, während Putin mit seinen Gas- und Ölverkäufen so viel Geld verdient wie noch nie. 

Autohersteller Paradebeispiel für den Abstieg 

Wir dürfen nicht vergessen: Deutschland ist abhängig von billigen Rohstoffen und deren Verfügbarkeit. Während wir die Grundlage für unsere Wirtschaft und Versorgungssicherheit verlieren, kaufen andere Länder wie Indien, China, Brasilien und Türkei nur zu gerne die wichtigen Rohstoffe aus Russland ein. Womit wir wieder bei dem Thema Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität wären. Besonders amüsant ist, dass Indien russisches Gas an uns teurer weiterverkauft. Kann man sich nicht ausdenken…

Die einstige Zugpferd der deutschen Wirtschaft, die Autohersteller, können als Paradebeispiel für den Abstieg herhalten. 2021 sank schon die Produktion um 11,7 Prozent, um jetzt im ersten Halbjahr nochmals 2,9 Prozent zum Vorjahr zu verlieren. Ob unsere Autofirmen den Transformationsprozess vollziehen und überleben, steht in den Sternen. Ebenso, ob die mobile Zukunft tatsächlich elektrisch ist und woher der dafür benötigte Strom (von den Rohstoffen fange ich erst gar nicht an) eigentlich kommen soll. Fakt ist: Grundlastfähig sind aktuell weder Sonne noch Wind. 

"What a time to be alive". Dieser englische Spruch ist so wahr wie noch nie, denn wir erleben Geschichte. Ein jeder spürt es: Die Zeitenwende ist in vollem Gange und es bröckelt an allen Ecken und Enden. In Anbetracht dieser Gesamtsituation finde ich es besonders sportlich, dass die deutsche Politik sich jetzt erst mal zwei Monate entspannt in den Sommerurlaub verabschiedet, während wir uns in der größten Krise seit Jahrzehnten befinden, durch Krieg, Inflation, Energiekrise und kaputte Lieferketten – vieles davon haben uns die Sommerurlauber selbst eingebrockt. „Bella Ciao“.

 

Marc Friedrich ist Bestsellerautor und Finanzexperte. Sein neuer Bestseller Die größte Chance aller Zeiten wurde von Buchreport als das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2021 gekürt. Twitter und Instagram: @marcfriedrich7

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Leserpost

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C. Hofmann / 07.07.2022

Es läuft offensichtlich alles nach Plan, da kann sich die Politik ruhig einen Urlaub gönnen.

hans kloss / 07.07.2022

In dem Artikel gibt es nicht ein Mall das Wort Ukraine. Putin und der Krieg jeweils nur ein Mal. Das ist gut, weil das berührt an der Tatsache dass die Lieferungen aus Russland haben wir uns selbst gekappt oder haben wir unseren Verbündeten Zelensky es machen lassen. Bis jetzt mindestens. Der Krieg spielt dabei nur eine Nebenrolle. Wir wollen unsere Wirtschaft zerstören sonst würden Grüne nicht 25% in Befragungen kriegen und der Rest der grünen Parteien bei mehr als 50% oder? Stellen wir uns vor - der Krieg ist vorbei, in Kreml sitzt ein Vertreter Zelenskys oder US State Department oder so. Wird Habeck dann NS2 auf machen? Werden wir wieder Kohle und Öl von Russland Nachfolgerstaaten kaufen? Ich meine Wirtschaftsministerium wollte doch Gasheizung verbieten, Ölheizung ist es schon verboten man muss nur bisschen warten bis das in Kraft tritt. Richtig erkannt also - die Zerstörung ist von uns selbst ausgegangen. Nehmen wir aber an, dass nach dem Krieg in Moskau immer noch Putin oder Putin ähnlicher Autokrat und Nationalist sitzt und sich überlegt ob er der nächsten deutschen Regierung Gas verkaufen soll? Vlt wird er es tun, wieviel wird es dann kosten und können wir uns das leisten? Das sind interessante Fragen - noch interessanter würde sein wo sich die Helden wie Habeck dann aufhalten. Nicht in der Nähe, nehme ich an. Die Deutschen sind wie Russen auch (und meiste andere Völker). Sobald man sie an FB usw anschließt glaubt die Mehrheit was die Regierung sagt.  Die Ossis haben noch bisschen Gehirn aber auch es gibt auch da viele Kommunisten dabei. In Westen gibt es loyale Bevölkerung die brav Masken trägt und die Wärmepumpen installiert.

Wilhelm Jans / 07.07.2022

Deutschland ist wieder auf dem Weg, der “kranke Mann am Rhein” zu werden. Dann ist Schluss mit der Großzügigkeit. Deutschland wird nicht mehr den Zahlmeister spielen und den Euro retten können. Die EU, die von den Nettozahlern lebt, wird zunehmend uninteressant, da es weniger Geld gibt. Der Euro wurde durch die Rettungsinstrumente - den Kauf von Schuldpapieren der Südstaaten durch die EZB - künstlich am Leben gehalten. Die damit einhergehende Geldschöpfung in unbegrenzter Höhe ist eine der Ursachen steigender Inflation und kann so nicht weitergehen. Der Euro wird nicht mehr die glänzende Währung sein, wie sie in der Vergangenheit erschien und an Vertrauen verlieren. Sollte die EZB den Geldhahn zudrehen und die Südstaaten in die Bredouille bringen, ist es aus mit dem Euro und folglich mit der EU. Dann gilt das Motto. Rette sich wer kann. Den letzten beißen die Hunde. Die durch die EU eingegangenen Verbindlichkeiten (Personalkosten, neuerdings eigene Schulden) werden bei ihm hängen bleiben. Für Spannung in den nächsten Jahren ist gesorgt.

Patrick Meiser / 07.07.2022

Wer soll in Zukunft der Zahl- und Transfermeister in Europa sein, um die EU und den Euro stetig zu retten?  Wird die EU und der Euro überleben? Die Antwort auf beide Fragen ist , “es ist mir schlichtweg egal”.  Meine Entscheidung ist längst gefallen u da kann mir der schicksalhafte verlauf der EU und Deutschlands egal sein. Ansonsten kann man dem Autor M. Friedrich ausnahmslos zustimmen, aber so ist das halt, wenn Blödheit, Inkompetenz und Moral sich vermengen und vom Wähler in Regierungsverantwortung gebracht werden. Hoffentlich gibt’s mal wieder einen richtig strengen Winter. Schnee schaufeln und Eis kratzen sollen ja auch schön warm machen…......

K. Anton / 07.07.2022

Ich kann das Gejammer nicht mehr hören. Die Deutschen bekommen nur die Rechnung für die Politik, die sie seit fast zwei Jahrzehnen freiwillig gewählt haben. Mitleid ist nicht angebracht mE.

Harald Hotz / 07.07.2022

Wenn der Hofstatt jetzt erstmal 8 Wochen in Urlaub geht, dann muß zumindest bei Hofe noch alles in Ordnung sein. Derweil sind Ruhe und Duschdisziplin die ersten Bürgerpflichten! Und wenn die Leute im Winter kein Gas zum Heizen haben, dann sollen sie sich doch Kaschmirpullis kaufen. Und Lastenfahrräder eignen sich übrigens hervorragend zum Brennholztransport oder zum Flaschensammeln. Die gute Nachricht ist doch: wir schaffen die Klimaziele locker, unser CO2 Fußabdruck wird bald fast nicht mehr nachweisbar sein;-)

Dietmar Herrmann / 07.07.2022

Deutschlands Wirtschaftsmodell bestand darin , mit günstiger Energie aus Rußland und hochqualifizierter , dank Maximalrationalisierung trotzdem billiger deutscher Arbeitskraft Produkte zu erzeugen, die vom Weltmarkt mit deutschen Exportkrediten gekauft werden, und die Kreditausfallversicherung gibt es auch noch geschenkt. Deshalb stehen in den Parkhäusern am Porschewerk ziemlich schlichte Karren , während die dort gefertigten Nobelkarossen in den mehrfach geretten Ländern des Club mediterranee herumrollen. Freunde hat uns das noble Gönnertum nicht gebracht, nur weiteres Anspruchsdenken und Beschimpfungen wegen der Exporterfolge. Dieses Kapitel ist dann eben von den Ampelanern beendet worden und Villa Riba muß jetzt alleine klarkommen.

Johannes S. Herbst / 07.07.2022

Die Lösungen sind vorhanden, aber lieber das Land verelenden lassen. Eigene Gasförderung, Kohle- und Atomkraftwerke reaktivieren, Nord Stream 2 aktivieren, Verbrenner zulassen. Und die Energie und Verkehrswende beenden. Aber nein, wir machen weiter bis zum Endspiel!

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