Vor 90 Jahren trat das Reichsnaturschutzgesetz in Kraft. Die braunen Ökos jubelten und betrieben fortan Naturschutz nach Gutsherrenart. Angesichts der „Klimakrise“ träumen auch heute manche Umweltaktivisten von radikalen Maßnahmen.
Der Stadlersee bei Lohr am Main ist ein unscheinbares Gewässer am Fuße des Rombergs. 1902 erwarb ein gewisser Max Stadler das temporär trocken fallende Biotop, um es für die Nachwelt zu erhalten. Hier lebt ein seltenes Tier, der Urzeitkrebs Eubranchipus grubii, auch Frühjahrskiemenfuß genannt. „Mit gemischten Gefühlen nähern wir uns dem Romberg“, heißt es auf der Internetseite der Ortsgruppe Lohr des Bundes Naturschutz (BN) in Bayern, dem bayerischen Landesverband des Bund Naturschutz in Deutschland BUND). Denn der selbstlose Naturschützer Stadler war ein fanatischer Nazi und Antisemit. Als Günstling des Gauleiters von Mainfranken betrieb er Naturschutz „nach Gutsherrenart“.
Grundlage für Stadlers Aktivitäten war das am 26. Juni 1935, also vor genau 90 Jahren, im Reichsgesetzblatt (Foto oben) veröffentlichte, von Naturschützern im ganze Deutschen Reich euphorisch begrüßte Reichsnaturschutzgesetz. Es regelte erstmals im Deutschen Reich die amtlichen Belange des Naturschutzes, definierte Schutzzonen und führte den Begriff des Landschaftsschutzgebietes ein. Auch wurde der Artenschutz für Pflanzen und nicht jagdbare Tiere erstmals gesetzlich festgeschrieben. Das Gesetz galt in der DDR bis 1954, in der Bundesrepublik sogar bis 1976, als es vom Bundesnaturschutzgesetz abgelöst wurde.
Vorläufer des Gesetzes war das Preußische Feld- und Forstpolizeigesetz aus dem Jahre 1920, das erstmals die Kategorie „Naturschutzgebiet“ rechtlich verankert, andere Staaten Deutschlands zogen später nach. Das Neandertal, 1921 unter Schutz gestellt, kann als das erste deutsche NSG betrachtet werden, gefolgt von der Lüneburger Heide und dem Siebengebirge. Doch erst das Reichsnaturschutzgesetz aus dem Jahr 1935 brachte den Durchbruch und die Kategorie „Naturschutzgebiet“ gesamtstaatlich zum Tragen. Im Jahre 1936 waren bereits 98 Gebiete als Naturschutzgebiet ausgewiesen und rechtlich gesichert.
Zunächst als vorbildliche Grüne präsentiert
Mit dem Gesetz wurde auch die Funktion ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter geschaffen, die die Behörden beraten und unterstützen. Stadler avancierte zum „Gau-Naturschutzbeauftragten“ und wurde die zentrale Figur des NS-Naturschutzes in Unterfranken. Ihm reichten die gesetzlichen Möglichkeiten, die ihm das Regime bot, jedoch nicht aus. Ohne Verfahrenswege einzuhalten schuf Stadler zahlreiche Naturschutzgebiete, darunter auch den 1942 offiziell zum Reservat erklärte Romberg, den er sich als eine Art Privateigentum zulegte. Andere Nazigrößen wie „Reichsjägermeister“ Herrmann Göring mit seinem privaten Jagdrefugium in der Schorfheide lassen grüßen.
Mit dem Reichnaturschutzgesetz von 1935 hatten sich die braunen Machthaber zunächst als vorbildliche Grüne präsentiert. Man konnte nun in großem Stil neue Natur- und Landschaftsschutzgebiete ausweisen, wofür auch entschädigungslose Enteignungen möglich waren. In diesem Sinne war das NS-Regime durchaus so etwas wie eine „Ökodiktatur“, zumindest so lange, wie die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Autarkiebestrebungen des Regimes und vor allem die spätere Kriegswirtschaft nicht völlig andere Prioritäten setzten.
Auch heute träumen nicht wenige Umweltaktivisten angesichts der „Klimakrise“ wieder von radikalen Maßnahmen und Durchgriffsrechten und reden einer Öko-Diktatur das Wort. Die brachiale Art und Weise, wie etwa die „Energiewende“ durchgesetzt wird, oft unter Aushebelung bislang unantastbarer Grundsätze des Natur-, Arten- und Landschaftsschutzes, sind Vorboten einer solchen Politik der Schrankenlosigkeit. Man sollte sich daran erinnern, was einst möglich war und wozu es führte.
Einsatz von Häftlingen im Naturschutzgebiet
Was NS-Naturschutz im Einzelfall bedeutete, zeigt der Fall des Keilsteins, einer prägnanten Kalkformation bei Regensburg, der damalige jüdische Besitzer eines nahen Steinbruchs wurde kurzerhand enteignet und ins Exil getrieben. „Auf die Firma, die dieses Kleinod der Natur rücksichtslos verwüstet hat, Rücksicht zu nehmen, besteht keine Veranlassung zumal sie jüdisch ist (…)“, geiferte der ehrenamtliche Bezirksnaturschutzbeauftragte Eugen Eichhorn, Truppführer der SA und BN-Mitglied. „Ich finde es ungeheuerlich, dass der Gewinn aus der Verwüstung dieses Gebiets in Wien verzehrt wird von Juden.“
Noch drastischer war ein anderer Fall, wo sich die nationalsozialistische Vernichtungs- und Expansionspolitik auf bizarre Weise mit Interessen des Naturschutzes und Tourismus mischt. Dabei geht es um den Schutz der Flossenbürg, einer markant auf einem Granitkegel thronenden Burgruine in der Oberpfalz, die in der NS-Zeit nicht nur als touristische Attraktion beliebt war, sondern auch als Symbol der „bayerischen Ostmark“ im Kampf gegen slawische Eindringlinge galt und Ziel von Fackelzügen und Sonnwendfeiern war. Bis zur Ausweisung als Naturschutzgebiet im Jahre 1938 wurde der Burgberg als kommunaler Steinbruch genutzt.
Nach Bau des Konzentrationslagers Flossenbürg wehrten sich Naturschützer vehement gegen eine Ausweitung des Lagers und seines berüchtigten Steinbruchs in Richtung des Burgberges und fochten einen zähen Kampf gegen die SS-Wirtschaftsverwaltung. Sie hatten auch keine Skrupel, mehrmals um den Einsatz von Häftlingen im Naturschutzgebiet zu bitten, die den Burgberg von herumliegenden, schweren Granitbrocken säubern sollten - eines der düstersten Kapitel in der Geschichte des deutschen Naturschutzes.
Max Stadler wurde nach dem Krieg vorübergehend inhaftiert, sein Besitz, der Romberg, konfisziert. Doch gelernt hatte er offenbar wenig, hielt regen Kontakt zu NS-Naturschutzfunktionären wie Hans Klose, dem Chef der Reichsstelle für Naturschutz, die er nach Kriegsende bis 1954 unter dem neuen Namen Zentralstelle für Naturschutz und Landschaftspflege leitete. Aus ihr ging später das Bundesamt für Naturschutz hervor. 1950 beklagte sich Stadler in einem Brief an Klose, dass aufgelassene Friedhöfe von Vertriebenen als Kartoffeläcker genutzt würden. „Nur meine Lieblinge, die Judenfriedhöfe sind wieder in Ordnung.“
Der Beitrag basiert auf einem Artikel des Autors, der 2013 in der taz erschien.
Georg Etscheit ist Autor und Journalist in München. Fast zehn Jahre arbeitete er für die Agentur dpa, schreibt seit 2000 aber lieber „frei“ über Umweltthemen sowie über Wirtschaft, Feinschmeckerei, Oper und klassische Musik. Er schreibt auch für www.aufgegessen.info, den von ihm mit gegründeten gastrosophischen Blog für freien Genuss, und auf Achgut.com eine kulinarische Kolumne.
Beitragsbild: Reichsgesetzblatt via Wikimedia Commons

Die schlimmste Eigenschaft der Menschen ist nicht Neid, Habgier oder Hass, sondern Moral. Aus Neid tötet man idR einen oder höchstens ein paar Menschen, aus Hass oder Habgier kann man auch Hunderte umbringen. Wer aber sich im Besitz der einzig wahren Moral wähnt, wer davon überzeugt ist, zu den zweifellos Guten zu gehören, kann auch Millionen ermorden – auf dem Weg zum guten Ziel.
Nun, wie sind bereits mitten drin im braunen Klimaschutz, grün bemäntelt.
Die bereits in der Weimarer Republik verankerten Naturschutzgesetze waren die Grundlagen des Naturschutz in Nazideutschland. Deutschland war nach 1933 in einigen Gebieten Industriestandort. Der größte Teil Deutschlands war Landwirtschaft, Wald und Natur. Es war also keineswegs der Naturschutz, den man heute kennt, den man damals praktizierte. Die Sehnsuchtsidylle nach germanischer Urwüchsigkeit, der Schutz der deutschen Eiche und die grundsätzliche, historisch geprägte Naturverbundenheit spielten eine Rolle. Diktatorisch kann man die Naturschutzgebietseinstufungen in der Zeit der Nazis nicht bezeichnen, zumal die 98 Naturschutzgebiete in Deutschland nur einen geringen Flächenprozentsatz ausmachten.
Das Erbe der Nazis lebt fort in Deutschland, allerdings gerade bei denen die sich als antifaschistisch geben. Die erdverbundene deutsche Sentimentalität als Gegensatz zur kapitalistischen Gesellschaft mit „amerikanischen Verhältnissen“ und unausgesprochener, aber gedachter jüdischer Konnotation. Da treffen sich übrigens Grüne und AfD.
Was will uns der Autor sagen? Dass Naturschutzgesetze Shice sind? Oder Naturschützer verkappte Nazis? Vor dem Hintergrund des galoppierenden Artenschwundes, auch von der Intensivlandwirtschaft verursacht, wären stringente Naturschutzgesetze (und vor allem deren Einhaltung), die wir bis zur Ampel-Regierung auch hatten, notwendig. Habeck und seine Grünen Konsorten haben wesentliche Inhalte der Naturschutzgesetzgebung geschleift, für die Windlobby und fürs „Klima“. Nun sind auch Windkraftanlagen in Landschaftsschutzgebieten zulässig, verbindliche Abstandsregelungen obsolet. Das Instrument der Eingriffsregelung, also der notwendige Ausgleich oder Ersatz, steht zur Disposition. Die „anerkannten“ und damit klagebefugten Naturschutzverbände wie NABU oder BUND versuchen sich im Spagat zwischen dem (nur imaginären) Klimaschutz und Naturschutz. Der BUND steht klar auf der Seite der Windenergiewirtschaft, der NABU eiert zwischen Befürwortung von Windparks und der nicht vorhandenen „Naturverträglichkeit“. Der Schutz von Mooren oder Salzwiesen vor den Deichen fällt jetzt unter „CO2-Senke“ statt Erhaltung der Lebensräume, die Naturschutzverbände sitzen in der Klimafalle. Nur ein Indikator für das Versagen des Naturschutzes ist der dramatische Rückgang von bodenbrütenden Vogelarten, den Wiesenbrütern wie Feldlerche oder Kiebitz, auch in den ausgewiesenen EU-Vogelschutzgebieten, deren nationale Verordnungstexte oft sehr nutzerfreundlich abgefasst sind. An Personen im Naturschutz fehlt es nicht, aber an Persönlichkeiten wie damals Horst Stern oder dem gerade verstorbenen Hubert Weinzierl. Naturschutz ist kein Hobby, wir leben nicht allein auf der Welt!
„Von Anfang an waren an der Erstellung der benötigten Infrastruktur sowie am Lageraufbau öffentliche Verwaltungen und Privatunternehmen beteiligt. Die Berliner Kämper & Seeberg AG lieferte sämtliche Baracken; die Notbeleuchtung lieferte die Münchner Gebr. Schwaiger GmbH, die auch für die KZs Dachau und Mauthausen, die SS-Totenkopfstandarte “Ostmark„ sowie für die Sturmbann-Verwaltung II/SS3 in Tobelbad bei Graz geliefert hatte. Für die Elektroinstallation bewarb sich die Firma Hans Krapf aus dem nahen Floß. Auf Spengler-, Installations- und Sanitärarbeiten bewarb sich die Firma Hans Kraus aus Weiden. Auch die Lieferung von Lebensmitteln für die Gefangenen und den SS-Totenkopfverband übernahm vielfach die private Wirtschaft. “ wikipedia Punkt A. die DDR hat alle privaten Firmen verstaatlicht. Das ist Sozialismus. Ergo war der Nationalsozialismus nur eine schöner sozialistischer Schein und privatwirtschaftlicher Natur. „Im Februar 1943 begann in Flossenbürg die Produktion für das Jagdflugzeug Messerschmitt Bf 109 der Messerschmitt GmbH Regensburg in den umfunktionierten Steinmetzhallen der DEST mit 200 Gefangenen.“ Also, da steht nicht „Messerschmitt-Kolchose“. Zudem wird kein jüdischer Häftling erwähnt, sondern „Überwogen in den Jahren 1938 und 1939 deutschsprachige Häftlinge, die mehrheitlich mit einem grünen Winkel als Zeichen für sogenannte Berufsverbrecher in kriminalpolizeilicher Vorbeugungshaft gekennzeichnet waren, änderte sich das Verhältnis ab 1940. Die Zahl der ausländischen Häftlinge stieg kontinuierlich mit der Besetzung weiterer Nachbarstaaten an. Die ausländischen Häftlinge erhielten in der Regel einen roten Winkel als Zeichen für politische Häftlinge, wobei die Nationalität durch ein entsprechendes Buchstabenkürzel im Winkel bezeichnet war. “ Die „Nazis“ waren ebenso rassistisch gegen die Deutschen und brachten die um. Es gab Krematorien. – Aber Danke für den Hinweis!
Die Kritiker der Grünen in den 70/80er Jahren sahen nicht umsonst in den Grünen eine braune Naturwander- und Wiedergängerbewegung. Es war ja nicht der Umweltschutz, der sie skeptisch gemacht hat, sondern die Radikalität und Brutalität, mit die ihre Meinung durchgesetzt haben wollten. Steinwürfe, brennende Autos, zerschlagene Fensterscheiben, Barrikaden, besetzte Häuser (Häuserkampf), Molotowcocktails – die Grünen wirken nur pflegeleicht, haben sich aber nie wirklich von der Gewalt distanziert. Die bestehen auch mehr aus einer fanatisierten Masse, die sich darum leicht in die gewünschte Richtung lenken läßt. Vieles ist nur Mittel zum Zweck, wie der Naturschutz. / Die SPD ist ein Trojanisches Pferd, das einmal hereingeholt, ihre „Parteisoldaten“ die Stadttore öffnen läßt. / Juristisch haben wir das Recht, die Verfassung wieder in Stand zu bringen und auf den Gesetzen des Völkerrechts zu bestehen (die übrigens Teil des dt. Strafrechts sind). Dafür müßte es allerdings eine Stimmung geben. Wo sich alle in ihre Meinung verzetteln, ist das schwierig. Es geht darum, sich auch moralisch im Recht zu fühlen, und nicht um bloßen Widerstand.