Tanz und Remmidemmi im Ichilow-Krankenhaus in Tel Aviv. Es gab was zu feiern. Soeben hatten die ersten Corona-Impflinge die Station verlassen.
Die Israelis impfen wie die Weltmeister. Die Impfstationen sind 24 Stunden am Tag geöffnet – sieben Tage in der Woche. In den ersten neun Tagen wurden über eine halbe Million Menschen geimpft. Das waren rund 5,5 Prozent der Bevölkerung. In Deutschland waren es bis zum Silvestertag 131.000. Das sind weniger als ein Prozent.
Warum sind die Deutschen so langsam und die Israelis so schnell? Und nicht nur die Israelis. Großbritannien bekam allein bis Silvester vier Millionen Impfdosen und hat für 2021 die Zusage für rund 40 Millionen weitere erhalten. Im ganzen Königreich sind seit über einer Woche mehr als hundert Impfstationen tätig. Auch die 94-jährige Queen Elizabeth II. und ihr 99-jähriger Ehemann Philip haben sich impfen lassen.
Für Israels Premierminister, Benjamin Netanjahu, war die Impfung von Anfang an Chefsache. Er hatte zweimal persönlich mit dem Geschäftsführer der Herstellerfirma Pfizer, Albert Bourla, in New York telefoniert. Der Deal, der dabei herauskam: die Lieferung von acht Millionen Dosen.
Die Israelis zahlen dafür 30 US-Dollar pro Ampulle, die EU dagegen nur 18 Dollar. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage bestimmt auch die Preise in Corona-Zeiten. Die Mehrausgaben haben sich für den Staat Israel aber gelohnt. Er hatte zuvor bereits eine Vereinbarung für den Verkauf eines Impfstoffes mit dem amerikanischen Pharmaunternehmen Moderna abgeschlossen. Damit ist er schon überversorgt. Bei dem gegenwärtigen Tempo werden im März rund 60 Prozent der Population geimpft sein. Das reicht, um die sogenannte Herdenimmunität zu erreichen.
Gemeinsam und zusammen anfangen
Großbritannien begann mit der Immunisierung fast zwei Wochen vor den Deutschen, und zwar mit dem Wirkstoff, der von Biontech und Pfitzer in Mainz mit großzügiger finanzieller Unterstützung des Bundes, also unter Einsatz von Steuergeld, entwickelt worden war. Ebenso die Vereinigten Staaten. Niemand hat die Frage gestellt, ob und wie viele Menschen, die in Deutschland an der Seuche starben und in den kommenden Wochen noch sterben werden, hätten gerettet werden können.
Auch die Zulassung des Impfstoffs hatte sich aus politischen Gründen verzögert. Gesundheitsminister Spahn lehnte einen deutschen Alleingang ab. Er wolle damit warten, bis die EU das Serum zulassen würde. Das dauerte deutlich länger als die Zulassung in Großbritannien und in den USA. Denn bei der EU geht’s nicht schnell und schon gar nicht, seit Ursula von der Leyen dort das Sagen hat. "Lasst uns so bald wie möglich gemeinsam mit dem Impfen anfangen, zusammen mit einem Start am selben Tag", sagte von der Leyen im Europaparlament.
In Großbritannien kann inzwischen auch der Corona-Impfstoff der Universität Oxford und des Pharmakonzerns AstraZeneca eingesetzt werden. Die britische Aufsichtsbehörde für Arzneimittel hat dem Mittel die Zulassung erteilt, obwohl es weniger wirksam sein soll als das deutsche.
Europe first
Deutschland startete nicht nur mit Verspätung, sondern auch mit einem Mangel an Impfstoff. Verantwortlich war die EU-Kommission. Die Hersteller BioNTech und Pfizer hatten 500 Millionen Dosen zum Kauf angeboten. Die EU bestellte aber nur 200 Millionen und erhöhte einige Tage später auf 300 Millionen. Mehr noch als an Impfstoff fehlte es an Professionalität. Sie habe, so BioNTech-Chef Uğur Şahin, auch auf Impfstoffe anderer Hersteller gesetzt, die nun nicht schnell genug liefern könnten. Sahin über die Stimmungslage in Brüssel: „Offenbar herrschte der Eindruck: Es wird alles nicht so schlimm.“
Jens Spahn hätte mit guten Erfolgsaussichten auch bilateral über die Lieferung von zusätzlichen Kontingenten verhandeln können. Aber er sagte, er hätte nicht „hintenrum“ verhandeln wollen. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sprang ihm bei. Man dürfe ärmeren Ländern den Stoff schließlich nicht wegschnappen. Spahn und Schäuble folgen gehorsam der Merkel-Linie. Nicht Germany, sondern Europe first. Der Impfstoff müsse ein „globales öffentliches Gut“ werden, der, so die Kanzlerin, für „alle Teile der Welt“ zugänglich sei.
Ganz gleich, ob Spahn aus ethisch hochwertigen Motiven nicht rechtzeitig gehandelt oder ob er seine Chance verschlafen hat – die Folgen waren Lieferengpässe in mehreren Bundesländern. Die Eröffnung des Behandlungszentrums am alten Flughafen Berlin-Tegel etwa musste abgesagt werden, weil nicht genug Impfstoff zur Verfügung stand.
So sieht der „Impfnationalismus“ aus
Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hat angeregt, die Zweitimpfung zeitlich nach hinten zu verlegen, um die Vorräte zu strecken. Denn bereits nach der ersten Impfung ist mehr als die Hälfte der Geimpften geschützt.
BioNTech will auch weitere Fabriken in Produktion gehen lassen, um die Bedarfslücken zu füllen. Aber das geht natürlich nicht von heute auf morgen.
SPD-Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider erteilte dem CDU-Gesundheitsminister einen wohlfeilen Tadel. Er müsse „das Chaos nun schnell beenden.“ Schneider hätte sagen können, dass beim Impfstoffeinkauf den deutschen Interessen Vorrang vor internationalen Interessen einzuräumen sei. Doch das tat er nicht. Denn das hätte ja die Solidaritätsdoktrin seiner Partei beschädigt.
Für Jakob Augsteins „Freitag“ steht trotz widriger Faktenlage das Urteil fest: „Purer Impfnationalismus“. Doch diesen Vorwurf kann man den Deutschen nicht machen. Sonst hätten sie ja genug von dem Stoff.
Beitragsbild: Pixabay

@Gerhard Weisser: Wo haben Sie Zahlen, die belegen, dass wir 2020 eine Übersterblichkeit haben, die diese drastischen Maßnahmen rechtfertigt?
Die gute Nachricht: Es gibt keine „Menschen, die in Deutschland an der Seuche starben und in den kommenden Wochen noch sterben werden“, weil bei uns zwar die üblichen Dutzende von Krankheitserreger zirkulieren, aber kein Covid 19, 20 oder 21. – Die schlechte Nachricht: Es gibt sehr viele Menschen, die an Verwahrlosung sterben, am Pflegenotstand, an Vereinsamung und Depression, an entfallenen Vorsorgeterminen oder Operationen, an oder mit der Impfnadel, an oder mit einem Strick. – Noch sehr viel mehr Lebensjahre kostet es, wenn wir noch weitere Wochen und Monate die Kinder von ihren Freunden fernhalten, Schüler und Studenten vom Leben ausschließen, mit allen psychischen und kognitiven Folgen, die sie die kommenden sechzig Jahre mit sich herumtragen werden. – Die Hysterie verwüstet unser Land nachhaltiger als ein Weltkrieg, nur eben mit demokratischen Mitteln. Angefangen von einem Notstand vorbei an den mühsam erkämpften Notstandsgesetzen, beschlossen von einem Gremium, das in der Verfassung nicht vorgesehen ist, unterstützt öffentlich-rechtlichen Anstalten für Volksaufklärung und Propaganda. – Diese Art der Ermächtigung mag für drei Wochen legitim gewesen sein, aber nicht als neue Verfassungsnormalität. Und zwar unabhängig davon, wie Lieschen Müller die Suggestivfrage beantwortet: Wollt ihr den totalen Lockdown? Und schon gar nicht, während in den Kliniken kranke Schwestern reichlich Zeit für lustige Tanzvideos haben. Das ist der Gipfel der Obszönität.
Wir sollten froh sein über dieses multiple Organversagen des deutschen Staates. Erstens ist die Covid-Welle seit Ende April vorbei, so dass vom Mai an die Voraussetzungen des Infektionsschutzgesetzes gar nicht vorliegen; der Drosten-Test kann bekanntlich keinen vermehrungsfähigen Erreger nachweisen. Die Heilmittel passt also nicht zur Krankheit; zumal der angebliche Nutzen noch gar nicht nachgewiesen ist. – Zweitens zeigen die ersten Anwendungen schon nach wenigen Tage starke akute Nebenwirkungen, beim zweiten Termin noch mehr als beim ersten, so dass die Kur um Größenordnungen schlimmer ist als die Krankheit; ein Verstoß gegen den Hippokratischen Eid. Contergan lässt grüßen. – Drittens findet häufig keine rechtlich einwandfreie Aufklärung des Patienten über Risiken und Nutzen statt, keine persönliche Krankengeschichte, so dass die Impfärzte hier in großem Stil Körperverletzung begehen. Sofern die Zustimmung auch noch mit Drohungen wie dem Verlust des Heimplatzes verbunden ist, kommt noch Nötigung hinzu. Ähnlich wenn die Berufsverbände der Ärzte zum vereinfachten Verfahren drängen. – Viertens ist der öffentliche Unmut über die Regierung der Türöffner für einen politischen Stimmungsumschwung in Deutschland. Dieser ist seit Neujahr in einigen Mainstream-Medien deutlicher denn je; die Schweigespirale beginnt zu kippen. – Freilich ist uns Österreich einige Schritte voraus, weil dort die Opposition in Form von Herbert Kickl jene öffentlichen Worte findet, die sich die Entourage von Merz und Lindner aus koalitionstaktischen Gründen nicht trauen.
Erst hieß es, wir wären schon Mitte Dezember bereit, zu impfen, dann wird es dennoch mehrfach verkackt. So, wie ich es mir dachte. Aber wenn sich 50% der Leute eh nicht impfen lassen wollen (verständlicherweise), wird es auch zu keinem plötzlichen Engpass kommen. Zumindest nicht auf lange Sicht. Die Zweitimpfung nach hintern zu verlegen, halte ich für einen SCHWEREN Fehler. Da gerade vor allem die anfälligsten jetzt geimpft werden, also die, für die diese Impfung womöglich wirklich bedeutsam ist, sollten diese Menschen den bestmöglichen Schutz schnellstmöglich erhalten...und nicht erst später. Das einzige Argument, das man da gelten lassen könnte, wäre, dass es in den Sommermonaten vermutlich zu deutlich weniger Infektionen kommen wird. Diese Zeit könnte man also dann tatsächlich für solch eine Strategie nutzen. Wird aber sowieso wieder verkackt, also warum aufregen? Die "Immunität" hält wohl auch nur wenige Monate an, was heißt, dass evtl. schon viele nachgeimpft werden müssen, bevor die ersten überhaupt "dran" waren. Die Infektionen werden mit dem Impfstoff anscheinend nicht verhindert, also...spitze. Dann fehlt nur noch, dass wir in einigen Monaten oder Jahren merken, dass die Langzeitwirkungen doch nicht so dufte sind...der Impfstoff doch nicht so gut wirkt...oder zu viele Menschen an einer Impfung sterben, die für fast 8 Milliarden Menschen gedacht ist. Ich verzichte vorerst dankend, bleibt ja eh alles geschlossen. Und ich sitz sowieso nur daheim rum und hab fast keine Menschenkontakte, juchu. Seit Installation dieser tollen App vor Monaten schon noch keine einzige Risikobegegnung. Ich bin eigentlich schon enttäuscht, nachdem selbst ich statistisch gesehen schon direkt mit dem Virus in Kontakt hätte kommen müssen.
Perfide, meineidig und völlig unfähig. Zu Allem fähig, zu nichts zu gebrauchen. Wie kann eine Kanzlerin in einer - in ihrer eigenen Wahrnehmung - seit dem 2. Weltkrieg größten Herausforderung, einer tödlichen Pandemie, die Versorgung der eigenen Bevölkerung mit Impfstoff in Brüsseler Funktionärshände legen? Hat sie nicht geschworen Nachteile für das Volk abzuwenden? Weiß sie nicht, daß Brüsseler Mühlen noch langsamer mahlen als die berliner Mühlen und sich einen Dreck um deutsche Interessen scheren? Nein, nein, sie weiß das alles. Aber wenn es darum geht, Europa-Haltung zu zeigen, dürfen doch Corona-Leugner oder andere Demokratiefeinde nicht die durch dieses Versäumnis zwangsläufig entstehenden zusätzlichen deutschen Todesfälle auf die Goldwaage legen,- schließlich geht es ja um Europa. Wo gehobelt wird fallen auch Späne. Was macht eigentlich Herr Haldenwang? Außer cum ira et studio nach rechts zu schielen, bzw. dorthin wo er rechts verortet. Wo immer das ist, man darf davon ausgehen, daß "rechts" weit rechts von der Mitte anfängt. Alles ist relativ, es kommt nur auf den eigenen Standpunkt an. Und den haben die Polit-Schranzen schon immer selbst definiert.
Ach hört doch auf, das ist doch so geplant: Damit man demnächst sagen kann, es sind viel zu wenige geimpft, also müssen wir den Lockdown noch ein paar Wochen ... Monate ... Jahre ... weitermachen. Wartet's nur ab!
Interessant, warum sich das Problem einer Impfpflicht erledigt hat: unsere Qualitätsregieung enttäuscht auch dieses Mal nicht - sie versemmelt zuverlässig JEDES Thema! Ich sage aber trotzdem nicht "danke", denn ich berappe ja den Gesamtpreis dafür mit: ruinierte Bildung, Altersvorsorge, Industriestandorte, Energieversorgung, Bundeswehr, Sicherheitslage ... (unfassbar, was man hier so alles aufzählen muss. Kann das noch Dummheit sein?).