Burkhard Müller-Ullrich / 11.01.2007 / 15:47 / 0 / Seite ausdrucken

Deutschland - die Nummer 1 in Holocaustbekämpfung

Es ist zwar bedauerlich und sogar ekelhaft, daß es in Amerika und Kanada einige Leute gibt, die Hitler toll finden, den Holocaust leugnen und Hakenkreuz-Armbinden per Internet anbieten. Aber die amerikanischen und kanadischen Behörden schreiten aus einem guten Grund nicht dagegen ein: Es gibt nämlich in Amerika und Kanada sowie in manchen anderen Ländern kein Gesetz, das vorschreibt, was man wie zu finden habe, oder welche noch so bedauerliche und ekelhafte Auffassung man nicht äußern dürfe oder was für Armbinden zu kaufen oder zu tragen erlaubt sei.

Darüber pflegt man in Deutschland die Stirne zu runzeln. Hat man doch hierzulande ganz strenge Vorschriften erlassen, um zu verhindern, daß sich das Volk erneut hinter Naziflaggen schart. Kein Hakenkreuz darf öffentlich gezeigt werden, nicht mal ein durchgestrichenes, mit dem jemand gegen Neonazis protestiert. Auf der Symbolebene wird der Nationalsozialismus um so energischer verhindert, je länger er zurückliegt.

So ist das bei uns, und weil wir in der Nationalsozialismusbekämpfung so vorbildlich, ja – sagen wir ruhig: führend geworden sind, würden unsere Politiker gern auch für andere Länder ein paar Vorschriften erlassen. Mit Amerika und Kanada wird das nicht klappen, aber mit den europäischen Nachbarn könnte man’s versuchen. In diesem Sinne hat sich der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, für ein generelles Verbot von Nazi-Symbolen in ganz Europa ausgesprochen. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries solle im EU-Ministerrat eine entsprechende Initiative mit „verpflichtendem Charakter“ starten.

Auf diese Weise gelingt es vielleicht doch noch, den blöden Holocaust endlich von Deutschland abzuwälzen: man europäisiert ihn einfach unter dem Vorzeichen seiner Bekämpfung. So weit wird es kommen, daß die Deutschen in ihrem Konfirmandenanzug der richtigen Gesinnung den Tschechen oder Dänen befehlen, wie man gegen Nazis vorzugehen hat. Wenn die Deutschen nämlich etwas mit „verpflichtendem Charakter“ anzetteln, dann meinen sie es auch so!

Daß andere Länder auch bei schwerer Holocaustleugnung nicht gleich die Meinungspolizei einsetzen, hat freilich einen simplen Grund: Der Holocaust hat hier stattgefunden und nicht dort. In Amerika können manche Leute noch so üble Sprüche klopfen, die Amerikaner haben keine Juden in KZs ermordet. Diesen Unterschied zwischen der symbolischen Ebene und der realen möchten immer nur diejenigen verwischen, die für die realen Ereignisse verantwortlich sind.

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