Am 14. März 2026 fand bei Leipzig die erste Konferenz des neu gegründeten Javier Milei Instituts für Deregulierung in Europa unter dem Titel „Deutschland deregulieren. Jetzt!“ statt. In einem dicht gedrängten Programm von 18 Vorträgen/Panels wurden Ziele und Wege der Deregulierung erörtert.
Ob u.a. Prof. Stefan Kooths, Forschungsgruppe Konjunktur und Wachstum beim Kiel Institut für Weltwirtschaft, mehr Freiraum für Marktprozesse forderte, Rainer Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler über Schwerpunkte der Steuerpolitik referierte oder Dr. Frauke Petry (Unternehmerin, Team Freiheit) die gravierenden Vorteile eines grundlegenden Umbaus des Sozialstaates, verbunden mit einer negativen Einkommenssteuer, detailliert vorrechnete: Immer ging es darum, den Bürgern wieder mehr Freiraum zur Selbstentfaltung zu geben.
Natürlich wurde auch die Bedeutung des Mittelstandes u.a. von Thomas L. Kemmerich (Unternehmer, Vorsitzender Team Freiheit, ehemaliger Ministerpräsident) hervorgehoben. Der Jurist Prof. Tim Drygala (Uni Leipzig) legte die Kettensäge an das AGB und Aktiengesetz an, und ein Panel mit Martin Hagen (Geschäftsführer Denkfabrik R21, FDP), Max Mannhart (Chefredakteur Apollo News) und Waldemar Hartmann (Journalist, Fernsehmoderator/Sportreporter) beleuchtete die Einschränkungen der Meinungsfreiheit kritisch. Dabei ging es nicht nur um die Beispiele, bei denen es bekannte Persönlichkeiten wie Jan Fleischhauer, Norbert Bolz oder Rainer Zitelmann traf, sondern es wurde auch ausdrücklich auf all die zahlreichen Fälle hingewiesen, in denen „Otto Normalverbraucher” verfolgt wird und sich nicht so einfach wehren kann.
Mit weniger Staat glücklicher werden
Wie wichtig Waldemar Hartmann die Meinungsfreiheit ist, unterstrich er durch den launigen Hinweis, dass er an dem Panel teilnähme, obgleich es Samstagnachmittag sei und die Bayern spielten! Der Historiker und Buchautor Dr. Dr. Rainer Zitelmann (FDP) beleuchtete nicht nur den Weltraumkapitalismus, sondern übergab dem Milei-Institut gleich auf der Bühne eine großzügige Geldspende. Diskutiert wurden auch die unterschiedlichen Vorstellungen und Quellen freiheitlichen Denkens bei Libertären einerseits und Christen andererseits, wobei sich zeigte, dass ein gedeihliches Miteinander der doch sehr unterschiedlichen Denkweisen problemlos möglich scheint.
Das Thema „Freiheit braucht soziale Medien” wurde mit den Influencern Miró und Volker Ketzer vertieft. Als Überraschungsgast sorgte Marius Müller-Westernhagen für musikalische Unterhaltung. Diese Kick-off-Veranstaltung war mit mehreren hundert Teilnehmern gut besucht. Sie bot mit ihrem vielfältigen Programm Einblicke in die nicht zu unterschätzende Aufgabe des Instituts, den Menschen zu verdeutlichen, dass sie mit weniger Staat reicher, sicherer und glücklicher wären.
Um die Freiheit, nicht nur die Meinungsfreiheit, ist es in Deutschland und Europa bekanntlich zunehmend schlecht bestellt. Der Liberalismus sollte als politische Ideologie dienen, aber bei diesem ist nicht einmal bekannt, wofür er eigentlich steht. Nicht nur weil er im angelsächsischen Raum etwas völlig anderes bedeutet als bei uns, sondern auch aufgrund tiefergehender Probleme, die Sophie-Marie Schulz in ihrem Artikel vom 14./15.03.2026 über die Milei-Konferenz für die Berliner Zeitung so zusammenfasst:
„Der Liberalismus gehört in Deutschland zu jenen politischen Traditionen, auf die sich noch viele berufen, ohne dass noch ganz klar wäre, wer ihn eigentlich glaubwürdig vertritt. Als politische Kraft ist er ausgedünnt, als kulturelles Milieu geschrumpft, als intellektuelle Gegenmacht zum wachsenden Staat kaum noch sichtbar.” Vor diesem Hintergrund dürfte das neu gegründete Institut vor allem für freiheitlich Orientierte sowie für diejenigen interessant sein, die das Vertrauen in die bisherige Politik verloren haben.

Warum darf der bekannteste deutsche (ok, jetzt Schweiz, aber da leben ja auch andere Parteivorsitzende) Kettensäger Dr. Markus Krall schon wieder nicht mitspielen?
Erst wurde der designierte Finanzminister des Kabinetts Prinz Reuß von dessen Hofastrologin aussortiert, mit fadenscheiniger Begründung.
Dann wurde seine „Neue Partei“ von der Werteunion mit an den Verfassungsschutz erinnernden Methoden gekapert und er ausgebootet.
Und jetzt schnappt ihm Frauke Petri die Kettensäge weg? Menno!
Ein Deutscher wird mit weniger Staat nicht glücklich. Der weis überhaupt nicht was er tun soll, wenn ihm keiner jeden Morgen die Regeln an den Gartenzaun nagelt.
Milei wird scheitern, weil nicht nachhaltig. Aber die Argentinier leben auch so recht gut, die brauchen keine „Leistungsgesellschaft“, wozu auch.
Danke für ihr Protokoll und für Ihren Beitrag! Nach meinem Empfinden ist das Wort Deregulierung durch. Verbraucht, seit der Lehman-Pleite. da war es mit der Forderung nach Ihr zuende. Milei ist nicht allein Kettensäge, Entertainer und Professor, sondern er popularisiert die außeruniversitären Ideen, wie es zuletzt Thatcher oder Reagan in berühmt gewordenen Aussprüchen taten. Zuvor verbrachte er seine Zeit in Universitäten; bei uns sind 2,9 Mio Studenten immatrikuliert. Geht man in eine Bibliothek, so stehen dort ganze Regale über die Gefahren des Neoliberalismus, währen „Die offene Gesellschaft und Ihre Feinde“ von Karl Popper aktuell vergriffen ist oder für 114 € zu haben ist. In Wien existiert das scholarium als Nachfolger und glücklicherweise gibt es fleißige Übersetzer und Ausleger der österreichischen Schule, die wie die Psychoanalyse emigriert ist und erst wiederentdeckt werden muß. Ein Versäumnis der FDP: Man hat im Bildungsbetrieb nicht genügend den Überbau und die Ideengeschichte des Liberalismus vermittelt, Milei bespricht und begeistert derzeit ein großes Publikum für von Mises, Hayek oder Rothbard, er zitiert Sie und er greift offensiv die linken Vorstellungen scharf und polemisch an- eher ungewöhnlich für weite Teile des Bürgertums, welches in Weimar kapitulierte und nicht gewohnt ist, seine Werte auch robust zu verteidigen. Milei wirkt wie eine Graswurzelbewegung und er hat neben der reinen Lehre des Marktes auch ein starkes Interesse an kulturellen und religiösen Themen, ohne sich allzusehr festzulegen, eine Position, die er mit Roland Baader teilt, der die Ideen popularisiert hat und dennoch als Liberaler die Kirche im Dorf ließ.
„Kettensägen-Club“ wäre der schärfere Name gewesen.
„Nach derzeitigem Stand lassen sie sich lieber so umfangreich wie möglich vom Nanny-Staat betreuen.“
Weil die Leute falsch informiert sind. Die Mehrzahl erwartet, ohne Umfairteilungsstaat schlechter dazustehen.
Liberalismus hat nichts mit der heutigen FDP zu tun. Wir benötigten in Deutschland endlich eine vernünftige liberale Partei, die diesen Namen auch verdient, die sich also für eine wirtschaftsliberalen Kurs einsetzt und nicht für gesellschaftliche Umformung.