Vera Lengsfeld / 23.02.2019 / 14:30 / Foto: Pixabay / 22 / Seite ausdrucken

Deutschland – Der größte Hedgefonds der Welt

Die Finanzkrise und die damit verbundene „Eurorettung“ gehen ins 12. Jahr. Sie haben uns nach Einschätzung von Finanzexperte Markus Krall eine gesamtwirtschaftliche Zeitbombe beschert. Der nächste Finanzcrash wird im Augenblick noch von der Nullzinspolitik des Chefs der EZB, Mario Draghi, aufgehalten. Aber in absehbarer Zeit wird sich die heute scheinbar so gut gepolsterte Eigenkapitalausstattung des europäischen Bankensystems in heiße Luft auflösen, so Krall in seinem Buch „Der Draghi Crash". 

Den allermeisten Deutschen scheint nicht bewusst zu sein, dass ihre Ersparnisse für das sogenannte europäische Bankensicherungssystem bereits verpfändet sind. Kaum einer weiß auch, dass die Schuldenvergemeinschaftung, die mit politisch nicht durchsetzbaren Eurobonds durchgeführt werden sollte, mit dem Target 2-System in vollem Gange ist. Es ist Hans Werner Sinn zu verdanken, den Hochrisikofall Target 2, der im Finanzgestrüpp gut versteckt war, erkannt zu haben. 

Target 2 ist ein Zahlungsverkehrsverrechnungssystem, das die innereuropäischen Geldströme zwischen den nationalen Banken und der EZB regelt. Risikoexperte Markus Krall: „In dieser Funktion ist es zugleich der künstliche Nebel, der die gewaltigen Zahlungsbilanzungleichgewichte zwischen den Ländern des Euroraums verdeckt. 

Und das geht so: Ein griechischer Autoimporteur will für 500 Millionen Euro deutsche Autos importieren. Er borgt sich von seiner Bank das Geld und überweist es an den Hersteller. Die griechische Bank hat aber das Geld nicht, also borgt sie sich die Summe bei der griechischen Notenbank. Weil auch die griechische Notenbank das Geld nicht hat, leiht sie es sich über Target 2 bei der deutschen Bundesbank. Die Griechen haben jetzt bei den Deutschen 500 Millionen Schulden. Genauso funktioniert es, wenn ein griechischer Familienvater, um sich vor einem Crash abzusichern, in Deutschland eine Immobilie kauft. In deutschen Städten gibt es haufenweise Immobilien in griechischer Hand, die von der deutschen Bundesbank finanziert wurden. Damit die immense Schuldenanhäufung nicht so auffällt, laufen die Überziehungskonten aber nicht bei der Bundesbank, sondern bei der EZB. Es sieht also so aus, als hätten die Griechen Schulden und Deutschland ein Guthaben bei der EZB.

Das Häusle wird vom Staat belastet

Was passiert, wenn die europäische Bankenpleite beginnt? Die EZB wird es wahrscheinlich nicht überleben, die Rechnung ist einfach zu hoch. Mit dem damit verbundenen Ende der Schuldenvergemeinschaftung träte automatisch die No-Bailout-Klausel des Maastricht-Vertrags wieder in Kraft. Jedes Land muss seine Banken selbst retten. Die Länder mit den höchsten Schuldenständen: Italien, Portugal, Griechenland, Frankreich, Belgien, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Euro ausscheiden müssen, um mit frisch gedrucktem eigenen Geld die eigenen Banken zu retten. Sie könnten ihre Schulden an Deutschland nicht bezahlen, selbst wenn sie das wollten. 

Mit dem Stand vom Februar 2017 betrug die Schuldenlast für jeden deutschen Staatsbürger 25.000 Euro. Man kann davon ausgehen, dass es jetzt an die 30.000 oder sogar darüber sind. Zwar hat die Bundesbank vorsorglich das Gold zurück geholt, um damit wenigstens einen Teil eines solchen Crashs abfangen zu können. Wenn das nicht reicht, wird es einen nationalen Lastenausgleich geben, das heißt, die von der Politik generierten „Schulden“ der Bürger werden einfach vom Konto abgebucht oder ihre Immobilien und sonstigen Werte werden mit Hypotheken belastet. Wer das verstanden hat, weiß nun auch, warum Deutschland nicht aus dem Euro aussteigen kann. 

Warum ist es der weltgrößte Hedgefonds? Ein Hedgefonds geht große Wetten ein, in der Hoffnung, dass sie aufgehen. Der inzwischen sattsam bekannte amerikanische Multimilliardär George Soros hatte in den 1990er Jahren darauf gewettet, dass das Britische Pfund aus der bestehenden „Europäischen Währungsschlange“ ausscheiden und abwerten müsse. Er gewann Milliarden. So ähnlich macht es Deutschland, nur dass unser Land Milliarden verlieren wird. Es werden auch ein paar Nullen mehr sein als bei Soros. Unsere Politiker haben unser Land, unser Geld, mit einer riesigen Summe auf eine einzige makroökonomische Wette gesetzt. Wenn sie die Wette verlieren und der Euro fällt, ist unser Geld weg. Das ist ein Kurzfassung dessen, was detailliert in Markus Kralls Buch steht.

Aktuell macht zusätzlich folgendes Szenario die Runde: Um sich einen besseren Zugriff auf das Vermögen der Bürger sichern zu können, möchte man das Bargeld abschaffen. Bargeld kann sein Besitzer in Sicherheit bringen, indem er es den Banken entzieht und an einem sichern Ort aufbewahrt. Diese Freiheit soll uns genommen werden. Aber es gibt keine Freiheit ohne wirtschaftliche Freiheit. Die Würde, die uns im Artikel 1 des Grundgesetzes garantiert wird, muss auch an dieser Stelle verteidigt werden. Markus Krall: „Nicht der Staat kommt zuerst, nicht die Zentralbank kommt zuerst. Der Mensch mit seiner Würde, wurzelnd im Menschenbild unserer jüdisch-christlichen Zivilisation und der Aufklärung kommt zuerst… Wenn Sie diesen Widerstand nicht leisten, werden Sie nicht nur Ihre wirtschaftliche Freiheit verlieren, sondern auch Ihre politische Freiheit“

Link: 

Der Draghi-Crash: Warum uns die entfesselte Geldpolitik in die finanzielle Katastrophe führt

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Leserpost

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Kevin Reimann / 23.02.2019

Der Grieche hat seine Autos bekommen und der deutsche Exporteur sein Geld. Wenn nun die Forderungen und Verbindlichkeiten bei der EZB einfach gestrichen werden (Magnetband wurde versehentlich gelöscht) entsteht genau welcher Schaden? Mut zur Lücke!

Joachim Lucas / 23.02.2019

Es gibt nur drei Wege, um die hohen Schulden loszuwerden: Krieg, Enteignung oder Inflation. Alle drei Dinge sind schon gemacht worden. Die Folgen kann sich jeder ausmalen.

Uta Buhr / 23.02.2019

Aber, aber , Frau Lengsfeld, seien Sie nicht so negativ. Uns geht es doch so gut, und wir leben laut unserer verehrten Kanzleröse in der besten aller Welten! Wer’s glaubt, wird selig. Aber leider glauben noch viel zu viele - sogar die Mehrheit, wie ich vermute - an dieses gebetsmühlenartig wiederholte Mantra. Ich höre diesen Blödsinn täglich von Leuten, die gar nicht dumm sind, aber die Augen vor der immer rauer werdenden Wirklichkeit verschließen. Wenn sie eines Tages aus ihrem Traum erwachen, ist ihr ganzer Wohlstand weg - wie von Zauberhand hinweg gefegt. Bis es soweit ist, beschäftigen wir uns weiter mit Greta und ihren düsteren Umweltszenarien. Daran kann sich der gemeine Bürger doch richtig erwärmen.

Peter Wachter / 23.02.2019

“.....wird es einen nationalen Lastenausgleich geben….”, das nennt man dann Lastenausgleichsgesetz, wie schon 1952, s.h. dort! Deshalb habe ich auch ein ganz kleines, einfaches, altes Häuschen, werde deshalb nicht viel mehr Grundsteuern und wenig Lastenausgleich bezahlen müssen, ansonsten schau ich mich im bösen und populistischen Baltikum und Balkan um. Alle die ihr Haus renoviert, modernisiert und investiert haben, werden in Zukunft doppelt bestraft, außer er hat, wie mache Gutmenschen, seine Immobilie (Nicht-Mobilie!), in der Toskana, Mallorca oder in England.

M. Hartwig / 23.02.2019

Finanzkrise? Habe ich am Ende jeden Monats. Macht mich schon lange nicht mehr unglücklich. Das Kapital mit all seinen Krisen ist dazu da die Menschen unglücklich zu machen. Und die Menschen wollen es auch gar nicht anders. Alles ist bestens! Genießt das Leben! Nicht mehr viele Sommer!

Rudolf George / 23.02.2019

Und befragt man Politiker zu dem Thema, bekommt man Antworten von der Qualität : 1) Angst ist ein schlechter Ratgeber; 2) einfache Antworten auf komplexe Probleme ist Populismus; 3) ist alternativlos; 4) das europäische Projekt ist zu wichtig, um es zu gefährden; 5) wir Deutschen müssen der Verantwortung unserer Geschichte gerecht werden. Im Klartext: wir tappen zwar im Dunkeln, verbitten uns aber jede Kritik.

J. Polczer / 23.02.2019

Herrlich. Herrlich. Kinder ,ich sag euch, es wird was geben. Wenn ich das lese, sinkt meine Laune gerade noch einmal. Es ist ein bisschen wie die Erbschuld. Keiner von uns hat ja aktiv ja gesagt, sich selbst zu belasten. Ich hoffe wirklich sehr, dass die Abschaffung des Bargeldes nicht kommt.

Christian Caire / 23.02.2019

Sehr geehrte Frau Lengsfeld, Ihre Beiträge lese ich gern und nicnt selten mit Erkenntnisgewinn. Hier kratzen Sie jedoch eher an der Oberfläche. Die Goldreserven (300 to), die die BuBa “heimgeholt” hat machen nur einen Bruchteil des noch in London und den USA lagernden Bestands aus, sind wertmäßig ganz grob, ca. für einen 868stel Teil des derzeitigen T-II -Saldo gut und dieser wiederum repräsentiert nur einen durchaus übersichtlichen Teil der gesamten deutschen Risiken. Gewiss weiß das auch Herr Krall. Übrigens ist diese Goldheimholung ziemlich sicher der Endpunkt des Prozesses. Dazu hat Dr. Norbert Häring dankenswerter Weise gründlich recherchiert und einiges aufgeschrieben.

Christian Sporer / 23.02.2019

Böse Sache. Leider gibt es für denjenigen der Ersparnisse und evtl auch noch eine Immobilie hat fast keinen Ausweg falls dieses Szenario eintritt. Die Immobilie ist (wie der Name sagt) immobil und die liquiden Mittel z.B. in die Schweiz zu transferieren dürfte ebenfalls schwierig sein, da sich Schweizer Banken sehr bedeckt halten bei Kontoeröffnungs-Anfragen von Deutschen die keinen Wohnsitz dort haben (obwohl es völlig legal ist ein Konto bei einem ausländischen Kreditinstitut zu haben)

Peter Volgnandt / 23.02.2019

Wenn man das Bargeld abschafft, dann hat man den gläsernen Bürger. Das sollte man wissen!

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