Thomas Rietzschel / 30.07.2016 / 16:00 / Foto: Mateussf / 11 / Seite ausdrucken

Deutschland auf Bewährung

Angela Merkels historische Bedeutung steht außer Frage. Sie ist der Deutschen Gröbaz, die größte Bundeskanzlerin aller Zeiten. Diesen Ruf kann ihr niemand mehr streitig machen, auch wenn man sie nicht gleich mit anderen Herrschern vor ihr auf eine Stufe stellen darf. Weder trägt sie einen Oberlippenbart unter der Nase oder einen Spitzbart am Kinn, noch ist sie adligen Geblüts wie Kaiser Wilhelm ehedem. Wohl aber fühlt auch sie sich berufen, das Volk in die Pflicht zu nehmen. Und das wiederum unterscheidet sie dann von den deutschen Bundeskanzlern, die ihr im Amt vorausgegangen sind, etwa von Helmut Schmidt, der sich bei allem Machtbewusstsein stets als den "ersten Diener des Staates" ansah.

So klein hat sich Angela Merkel nie gemacht. Von einer derartigen Anbiederung hält sie nichts. Unter ihr wird durchregiert, getreu der alten Potentaten-Weisheit: Was das Volk nicht umbringt, macht es hart; es stählt die Genossen, wie man einst in der DDR, der geistig politischen Heimat unserer gewählten Bundeskanzlerin, sagte. Zweifel am eigenen Tun verbieten sich dabei von vornherein. Vielmehr gilt es, dem Volk Gelegenheit zu geben, sich vor der Obrigkeit zu bewähren.

So haben es Könige und Kaiser, Diktatoren und andere Autokraten zu allen Zeiten gehalten. Stets wurden den Menschen, den Bürgerinnen und Bürgern, drohende Gefahr und Belastungen als eine Prüfung des Schicksals auferlegt. Das Volk sollte stolz sein, etwas Großes ertragen, eine Last stemmen zu dürfen, notfalls mit dem Leben dafür einstehen zu müssen.

Die Kehrseite der Globalisierung

Wenn nichts mehr half, hat man Lieschen Müller und den kleinen Mann auf der Straße bei der Ehre gepackt - genauso wie Angela Merkel, als sie in dieser Woche abermals versuchte, ihre Flüchtlingspolitik als "große Bewährungsprobe", als "historische" und "nationale Aufgabe" loszuschlagen. Kein Gedanke daran, dass ihr mit der Grenzöffnung womöglich ein Fehler unterlaufen sein könnte, dass gar die Terroranschläge der letzten Wochen damit etwas zu tun haben könnten. 

Die Kanzlerin hat abermals Kurs gehalten. "Für mich ist klar, wir bleiben bei unseren Grundsätzen",  sagte sie am vergangenen Donnerstag. Ob das für den Rest der deutschen Bevölkerung auch so "klar" ist, spielte keine Rolle. Weiterhin will uns Angela Merkel die Chance geben, eine "historische Aufgabe" zu meistern: Deutschland auf Bewährung. Die anderen werden Augen machen. Ruhm und Ehre unserer Gröbaz!

Aber wer weiß, vielleicht ist der Frau ja gar nicht mehr bewusst, welche Phrasen sie drischt, wenn sie etwa im heute-journal stammelt: "Die große Bewährungsprobe, die letztlich die Kehrseite der positiven Effekte der Globalisierung ist, die nun die Schattenseite der Globalisierung aufzeigt." Nein, fragen sie jetzt bitte nicht, bei welchem Deutschlehrer diese deutsche Bundeskanzlerin in die Schule gegangen ist. Wer soll das wissen.

Und würde man jetzt versuchen, hinter den Sinn ihres Geschwafels zu kommen, käme dabei nur heraus, dass Attentate, Mord und Totschlag in alle Zukunft mit der auch von ihr befeuerten Globalisierung verbunden sein werden. Ehe man annimmt, die Frau Bundeskanzlerin habe das wirklich sagen wollen, möchte man lieber von einem Geisteszustand ausgehen, der die Gewährung mildernder Umstände rechtfertigen würde, auf jeden Fall aber den sofortigen Entzug der Prokura für Deutschland nach sich ziehen müsste. 

Und zwar ohne Bewährung.

Die Ansprache der Kanzlerin im Wortlaut.

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Leserpost

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Rainer Brandl / 31.07.2016

Das Problem ist, Merkel turnt ja nicht allein herum. Alle um sie machen mit und geben die Befehlskette weiter. Warum nur? Offenbar sind die Vorteile so groß, das es besser ist, nicht dagegen aufzumucken. Aber warum nur? Jetzt muckt Seehofer wieder auf. Wird er wieder als Bettvorleger landen? Erstaunt und verwirrt Rainer Brandl

Uta-Marie Assmann / 31.07.2016

Ich würde gar nicht so ‘hoch’ greifen: Madame ist - wie spätestens seit der panikartigen und undurchdachten Energiewende ersichtlich - einfach überfordert. Weder denkt sie ‘die Dinge vom Ende her’ noch werden die Folgen Ihre Handelns VOR ebendiesem Handeln durchdacht. Da intellegere einsehen/verstehen bedeutet, ist mit einiger Berechtigung zu vermuten, dass hier eine mittelmässige Intelligenz am Werke ist. Dies drückt sich auch in dem wirren Geschwurbel der Kanzlerin und ihrem trotzigen, mittlerweile unerträglich gewordenen ‘wir schaffen das’ aus. Unvergessen ihr dümmliches Gestammel anlässlich von Journalistenfragen in Bern im letzten Jahr.

Roland Schmiermund / 31.07.2016

Angela Merkel und Größe sind zwei Dinge, die sich ausschließen. Angela Merkel ist meinen Augen die am meisten überschätzte Person in Deutschland. Die kann nichts. Sitzt lediglich im Amt, weil sie da hineingefallen ist. Und niemand will diesen Scherbenhaufen, den die politischen Nullnummern der letzten Jahrzehnte verursacht haben, sich antun, bleibt sie unangefochten in der Position. Es ist einfach die Hierarchie der Unfähigen. Das Peter-Prinzip in Vollendung.

R. Liebold / 31.07.2016

Der Autor hat vollkommen recht, indem er sagt, dass es nicht das erste mal ist, das den deutschen Lasten von “oben herab” auferlegt werden. Dies geschieht immer mit einer moralischen Attitüde. Das war zu Kaiserzeiten so und das war auch unter hitler und Ulbricht/honnecker so. Es wurde damals an Ehre, Vaterlandsliebe, Ruhm oder an eine sozilistische Moral appelliert. Wer dem nicht folgte, der wurde diskreditiert oder diffamiert. Heute geschieht das mit den Worten fremdenfeind oder rassist. Wer eine chaotische Zuwanderung nicht akzeptiert, wird sogar als nazi beschimpft. Die Verunglimmpfung andersdenkender kennt offenbar zu allen Zeiten keine Grenzen und ist ein sicheres Zeichen für Ignoranz und Selbstherrlichkeit der “oberen”. Der Satz “wir schaffen das”, spricht Bände, denn nie hat Merkel ihre Politik mit dem volk besprochen. Wen meint sie dann mit wir?

Heike Vetter / 31.07.2016

Sprache zeigt die geistige Reife . An der Sprache erkennet man ob der Sprecher strukturiert denkt und arbeitet. Merkel besitzt keine geistige Reife und da sie ohne Plan arbeitet, drückt sich dies 1:1 im sprachlichen Niemandsland aus. Würde solch eine Person ein Einstellungsgespräch bestehen ?

Marcel Seiler / 30.07.2016

Frau Merkel missbraucht den Begriff Globalisierung für ihre Absichten. Mit Globalisierung hat Frau Merkels Politik, Deutschlands Grenzen für Menschen jeglicher Herkunft und Absicht zu öffnen, absolut nichts zu tun. Globalisierung ist die immer größere Durchlässigkeit der Grenzen für Waren, Ideen und Dienstleistungen im beidseitig einvernehmlichen Tausch, nicht die Einwanderung in die hart erarbeiteten Sozialsysteme anderer Länder. Denn das zweite ist Raub, eine Enteignung der Bürgern der Länder, in die eingewandert wird.—Klares Denken ist nicht die Stärke von Frau Merkel. Aber bisher hat es ihr ja nicht geschadet.

E.J. Storm / 30.07.2016

Die “wir schaffen das”-Masche ähnelt stark den medialen Verhaltensstandards a la Busch, Cheynie und Rumsfeld. Anstatt auf ein differenziertes Problem mit komplexen Lösungen zu reagieren, zeigte sich die borniert wirkende Methode, die immer gleichen Slogans in identischer Form zu wiederholen (“wir sind im Krieg gegen den Terrorismus”, “das amerikanische Volk steht im Krieg”, ...), und zuvor mit Allgemeinplätzen und Floskeln von der eigentlichen Frage überzuleiten. Jüngstes Beispiel: H. Clinton: “America is great, because America is good”. Eine massenhaft bejubelte, hirnlose Phrase. Dafür sollte sie in Analogie für den Friedensnobelpreis für Obama, mindestens den Pulitzer-Preis erhalten. Vor allem das illegal angeeignete “Wir” wird sich vermutlich in der folgenden Wahl aufmachen, das GröBaZ ab- zu- schaffen.

Christoph Behrends / 30.07.2016

Wie immer, lieber Herr Rietzschel: “Treffer, versenkt!” Aber, wenn es wahr ist, dass jedes Volk die Regierung hat, die es verdient, dann muss man sich nicht nur um die deutsche Sprache allergrößte Sorgen machen.

Udo Endruscheit / 30.07.2016

Die Äußerungen von Merkel zeugen von Vielem, unter anderem von einer Neigung zu einem eher neofeudalistischen Sichtweise auf den demokratischen Verfassungsstaat. Es gehört schon einiges dazu, die Folgen ihres Rechts- und Verfassungsbruchs, allein und einsam über ungesteuerte Immigration nach Deutschland zu entscheiden, dem Volk als dessen historische Aufgabe verkaufen zu wollen. Vom “wir” und “uns” der Kanzlerin möchte ich mich nicht vereinnahmen lassen. Ich bin ein Demokrat. Historische Aufgabe? Kein Land der Welt sieht so etwas als historische Aufgabe, nicht mal als unhistorische. Aber “wir”? Die “Globalisierung” ist also schuld? Wo wir doch alle dachten, die Zweite- und Dritte-Welt-Länder würden von der Globalisierung profitieren und die Industrieländer würden eher kämpfen müssen? Ist ja irre. Oder eben die Sache mit der schattigen Kehrseite. Oder so. Positiv. Kernfrage: Würde M. auch einen Krieg im Alleingang anzetteln und ihn dann dem Volk als dessen “historische Aufgabe” verkaufen? Ich habe immer gedacht, die Bundesrepublik hätte eine feststehende historische Aufgabe. Nämlich die Bewahrung und Weiterentwicklung freiheitlich-demokratischer Grundsätze in Theorie und Praxis. Und zwar im internationalen Kontext. In diesem Rahmen ist eine Menge Platz für Asylrecht und humanitäre Hilfe. Aber offenbar habe ich mich getäuscht. Wir haben eine neue historische Aufgabe. Per definitorem Merkelium.

Michael Christmann / 30.07.2016

Bei welchem Deutschlehrer? Vielleicht fühlt der Betreffende sich jetzt ebenso berufen, wie es unlängst der Lehrer des Björn Höcke getan hat. Ja, es ist dann eben doch was anderes, gegen, als mit dem Strom - Mainstream - zu schwimmen. Das erfordert jedenfalls mehr Mut, respektive (Zivil-) Courage, sich dergestalt hervorzutun. Aber in dem Falle ginge es ja nicht gegen die “Hetzer” und “Rassisten” der AFD, es könnte Ärger statt Beifall geben.

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