Am 29. September 2026 gegen 20:00 Uhr war der Strombedarf in Deutschland von tagsüber 76 Gigawatt auf 56 Gigawatt gesunken. Die Leute hatten Feierabend, und die meisten waren zu Hause. Die liebe Sonne war untergegangen, und die fünf Millionen Solarpaneele lieferten keinen Strom. Die Abendbrise hatte sich schlafen gelegt, und die 31.000 Windräder erzeugten ganze sechs Gigawatt. Die konventionellen Kraftwerke hatten ihre Leistung schnellstmöglich auf 33 Gigawatt hochgefahren. Die Speicher konnte man nicht nutzen, da sie nach einer guten Stunde alle leer sein würden. Also importierte Deutschland um 20 Uhr fast 11 Gigawatt Strom aus den Nachbarländern. Wäre der Strom nur aus Frankreich gekommen, hätten zehn französische Kernkraftwerke ausschließlich für Deutschland gearbeitet. Gekostet hat der Spaß stolze 257 Euro pro Megawattstunde und das, obwohl der Wind keine Rechnung schickte. 60 Euro pro Megawattstunde wären normal gewesen.
Zwischen Berlin und Dresden entsteht gegenwärtig in Schipkau die höchste Windenergieanlage der Welt. Der „GICON-Höhenwindturm“ nutzt die vermeintlich starken und stetigen Höhenwinde in 365 Metern Höhe. Das Windrad ist nur ein paar Meter niedriger als der Berliner Fernsehturm und deutlich höher als der Pariser Eiffelturm. Jeder der drei Windflügel ist länger als eine Boeing 737.
Die aus dem Ruder gelaufene Energiewende braucht viel mehr erneuerbaren Strom, es stehen aber nicht unbegrenzt neue Flächen zur Verfügung. Der GICON-Höhenwindturm erschließt zusätzliche Windpotenziale über bestehenden Flächen und kann Windparks um eine zweite, höhere Nutzungsebene erweitern. So soll mehr Energie auf gleicher Fläche entstehen. Regionen, die für konventionelle Windenergie nicht geeignet sind, wie zum Beispiel Bayern, können durch diese Monsterwindräder zusätzlich erschlossen werden.
Der Höhenwindturm soll den Wind oberhalb der bisherigen Windenergieanlagen erschließen. Dazu werden gigantische Gittermastkonstruktionen aufgebaut. Der Erfinder stellt sich vor, dass in Deutschland irgendwann 4.000 dieser Giganten gebaut werden. Es ist sicher eine anerkennenswerte Ingenieursleistung, einen Stromgenerator auf eine Nabenhöhe von über 300 Meter zu bringen. Eine Höhe, für die es keinen Kran auf der Welt gibt. Das Gewicht eines Windgenerators mit einer Leistung von sechs Megawatt inklusive Rotorblätter schätze ich grob mit 200 Tonnen ein. Man löst das Problem so, dass der Generator in maximaler Kran-Höhe aufgesetzt wird und dann mit der Konstruktion des Mastes teleskopartig mit nach oben steigt.
Ein Sprung in der Schüssel
Mit diesen gigantischen Windradmonstern wird aus einer Windenergie-Fläche nicht nur ein Windpark, sondern es entsteht ein mehrdimensionaler Erneuerbarer-Energieerzeugungsraum. Durch die überdimensionale Höhe entstehen drei Ebenen. Ganz unten ist das Meer von blauschimmernden Solarpaneelen. Über dieser Glasödnis rotieren die rot-weißen Drehflügel der normalen Windräder bis zum Horizont. Nun kommt die dritte Ebene dazu – die „Höhenwindtürme“ auf ihren gigantischen Gitterkonstruktionen. Sie sind wegen ihrer enormen Höhe noch aus einer Entfernung von 65 bis 85 Kilometer zu sehen – je nach Sichtbedingungen.
Möglich wird das Projekt durch die Förderung der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND), die mit ihrer Tochterfirma beventum GmbH den Bau beauftragt hat. „Sprunginnovationen brauchen Mut, Ausdauer und Partner mit echter Umsetzungsstärke“ sagt der Sprunginnovationspolitiker. Was er nicht erwähnt, natürlich braucht eine Sprunginnovation ein bisschen Steuerzahlergeld. Der Bund hat über SPRIND insgesamt rund 160 Millionen Euro Fördermittel und Darlehen für das Höhenwindprojekt in Klettwitz zugesagt. Diese Summe ist in der Bundestagsdrucksache 20/15047 genannt. Der Bau eines herkömmlichen Windrades kostet so um sieben Millionen Euro.
Nach Unternehmensangaben ist geplant, bis zum Beginn der 2030er-Jahre insgesamt 100 solcher Anlagen zu errichten. Um die Vorteile der Höhenwindenergie flächendeckend nutzbar zu machen, wird in einem weiteren Schritt eine Skalierung auf bis zu 4.000 Windkraftanlagen angestrebt,.
1934 bot der Ingenieur Hermann Honnef dem „Führer“ seine Erfindung eines sogenannten Höhenwindkraftwerks an. Diese Konstruktion sollte deutlich höher als der Eiffelturm sein, ganze 430 Meter hoch. Der Vorschlag war, dass 900 dieser Windmonster das Dritte Reich mit einem solchem Überfluss an Strom versorgen sollten, dass die Bauern ihre Äcker beheizen könnten. Die Nazis waren erbaut von solchen Ideen – mit 430 Meter Höhe war es echt gigantisch, was die Nazis liebten. Und es sollte autark machen, nämlich Deutschland unabhängig von „der Gnade anderer Völker“. Die Reichskanzlei bezeichnete das Höhenwind-Kraftwerk prompt als „Wunderwerk deutscher Ingenieurskunst“. Doch wie alle hochfliegenden Pläne scheiterte auch dieses Projekt an der Dummheit und Aggressivität des faschistischen Systems – die Reichskrafttürme wären wohl ein zu leichtes Ziel für Bomber-Harris Luftangriffe gewesen.
Nirgendwo ist immer Wind
Die Technik hat sich seither massiv weiterentwickelt. Heute erscheint es aus statischer und technischer Sicht durchaus möglich zu sein, eine Höhenwindkraftanlage zu realisieren. Vielleicht könnte man damit sogar die vergeigte Energiewende retten? Unter den Journalisten und Politikern bricht Jubel aus. Das Versprechen der energiewendebegeisterten Journalisten ist, dass die Höhenwindanlagen grundlastfähig sein sollten.
Grundlastfähige Windenergie ist allerdings schwer vorstellbar. Nirgendwo ist immer Wind. Wenn es am Boden eine Toten-Flaute gibt, dann ist auch in 300 Metern Höhe kaum Wind. Und wenn am Boden ein Sturm tobt, dann erst recht in 300 Metern Höhe. Und die Kosten für den gigantischen Turm spielen ebenfalls eine große Rolle. Ein Höhenwindrad kostet schätzungsweise fünfmal so viel wie ein herkömmliches Windrad.
Wind und Sonne bleiben für die Energieerzeugung ein gigantisches Klumpenrisiko. Wenn kein Wind weht oder keine Sonne scheint, dann fallen alle Anlagen gleichzeitig aus. Man kann auch weiterhin davon ausgehen, dass die Sonne abends untergeht. Und wenn zufällig viel Wind bei strahlendem Sonnenschein weht, dann erstickt das Netz an der Überproduktion.
Deutschland hat sich entschieden, aus allen Energiequellen auszusteigen, die den Menschen auf der Erde zur Verfügung stehen, außer Wind und Sonne und was Mutter Natur sonst noch so kostenlos hergibt. Das ist eine einsame Entscheidung, weil alle anderen Länder sicherheitshalber vorher ausgerechnet haben, was diese Umstellung wohl kosten könnte und zurückgeschreckt sind, als sie die Ergebnisse sahen. Auch anderswo schicken Wind und Sonne keine Rechnung. Aber die Kosten, eine Volkswirtschaft auf die vermeintlich kostenlose Energie umzustellen, erwiesen sich als verheerend und ruinieren Land und Leute. Also ließen sie es. Nur Deutschland macht unverdrossen weiter, koste es was es wolle. Und wenn die Deutschen eines können, dann ist es kämpfen und durchhalten bis zum Schluss.
Leben im Maschinenraum des Erneuerbaren-Kraftwerks
Vielleicht ist es möglich, ein ganzes Land in ein riesiges Kraftwerk umzubauen. Vielleicht ist es sogar möglich, eine sehr bescheidene Bevölkerung mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Doch bis zur Realisierung dieser Vision müssen noch sehr viele Windräder und Solarpaneele hinzukommen. Schließlich haben wir erst ein Viertel dieses Weges zurückgelegt. Die Energieverbrauchsbereiche Heizen, Verkehr und Industrie müssen in den nächsten 20 Jahren auch noch dekarbonisiert werden. Welche Landschaften wird entstehen, wenn die heutigen Windräder und Solarpaneele sich vervielfachen?
Wollen die Menschen ihr Leben im Maschinenraum eines erneuerbaren Energie-Kraftwerks verbringen, umgeben von Infraschallhämmern und Windflügel-Schlagschatten? Wollen sie, wenn sie vor die Tür ihres Heims treten, auf ein Meer flimmernder blauschimmernder Solarpaneele blicken? Wollen die Bürger dieses Landes, wenn sie den Kopf heben, um von den Glasflächen aufzuschauen, auf einen dichten Wald von Windrädern gucken? Und wenn sie genervt den Blick nach oben richten, verbauen erst mal die Höhenwindkraftanlagen die freie Sicht auf den blauen Himmel.
Ob im Wattenmeer, im Hochsauerland oder im hessischen Märchenwald – es wird von den einst so schönen Kulturlandschaften nicht viel übrig bleiben. Das Leben der Normalbürger wird in einer hässlichen Industriebrache stattfinden. Was wahrscheinlich kommen wird, sind wind- und solarfreie Naturparks, in denen die Protagonisten der Energiewende abgeschottet vom arbeitenden Pöbel leben, wie einst Honecker und Co. in Wandlitz.
Foto: „Reichskraftturm“ Entwurf von Hermann Honnef (1878-1961) und GICON-Höhenwindturm, 2026.
Im Achgut-Buchshop erhältlich:
„Atomenergie – jetzt aber richtig – Wie die ‚dümmste Energiepolitik der Welt‘ abgewendet werden kann“ von Klaus-Dieter Humpich und Manfred Haferburg, Achgut Edition 2024, hier bestellbar.

Beitragsbild: Mysli - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Flucht in den Größenwahn!
Die deutsche Gründlichkeit gilt auch für die Dummheit, bis zur letzten Gehirnzelle!
>>Die sind fast so schön wie der einst geplante „Reichskraftturm“.<<
## Zu allen Zeiten gilt und galt: Die Macht der Dilettanten kann man nicht brechen, weil eine Debatte darüber kriminalisiert wird. Das haben wir bei den Anti-Atom-Demonstrationen über Jahrzehnte genauso erlebt. Das Ziel, Wasser zum Kochen zu bringen, mit einer Maschine, die sich in Jahrhunderten nicht wieder abstellen lässt, ruft sofort die anderen Dilettanten auf den Plan, die die sofortige Abschaltung fordern. Ein Austauschen vernünftiger Argumente ist da von Anfang an, bevor überhaupt das Planfeststellungeverfahren eröffnet wird, sinnlos. Deshalb ist auch das Geheul sinnlos. Die Atominos haben damals keinen Bürger gefragt, die Demonstranten haben den Staat nicht gefragt, ob sie demonstrieren dürfen, Angela hat für ihr Moratorium niemanden gefragt, und die Windmüller und Solar-Großagrarier fragen auch nicht erst groß herum. Im Zweifelsfall wird das über SMS ausgehandelt, womit man 80 Millionen beglücken will. Im Feudalismus gehört der Körper des Vasallen enk Gutsherr:Inn/Domina. Das Problem war dabei nicht, dass sie sozialistische oder nationalsozialistische Parolen in die Hirne gehämmert haben. Das Problem war IMMER, dass sie es gegen das Wollen der Mehrheit gemacht haben. Die Erzähling, die Deutschen hätten „den Einmarsch des Führers bejubelt“, ist das nachträgliche Framing derer, die ihn finanziert haben. Um RECHT zu behalten, das sie niemals hatten. Wir sollten LANGSAM ANFANGEN, die RECHTHABEREI zu hinterfragen. Weil sie völlig destruktiv ist.
Die Antwort auf den geldgeilen Ausbau der Windkraft ist NICHT der sofortige Abriss. Zuerst müssen die Dilettanten-Parolen zurückgedrängt werden, weil die jede sachliche Lösung verhindern. Nieder, nieder, nieder ist NICHT die richtige Antwort auf mehr, mehr, mehr. Hinter jedem Schwachsinn steckt nämlich einer, der daraus gnadenlos Profit generiert. Um das zu erkennen, braucht man die ökonomischen und fiskalischen Hintergründe statt Technologie-Mäkelei.
Danke ! einfach Danke für Ihren erhellenden Beitrag !
Spieglein, Spieglein,
an der Wand.
Vor den Augen,
die Hand.
Wann, nur wann,
wird jemand,
Einsicht saugen ?
In Zeiten, in denen es möglich ist, die Existenz zweier Geschlechter in Abrede zu stellen, ist es sicherlich auch möglich, die Erde zu einer Scheibe zu erklären und Deutschland je nach Bedarf der Sonne zuzuneigen. Man muss es nur wollen.
Futuristische Zungen behaupten, die Sprungagenten arbeiteten mit der Flughansa schon gemeinsam an der postfossilen Reichsfluggaleere, deren Propeller von eintausend KI-gesteuerten Fachkräften angetrieben werden.
„Vielleicht ist es sogar möglich, eine sehr bescheidene Bevölkerung mit erneuerbarer Energie zu versorgen.“ – Dieses „vielleicht“ ist realistisch, wenn die bescheidene Bevölkerung und die bescheidene Wirtschaft technische Innovationen und Künstliche Intelligenz mit dessen Strom- und Speicherhunger rückabwickeln, sonst ist selbst das Warmwasser für das einmal im Monat stattfindende, nachhaltige Duschen zu Hause in Gefahr.