Dushan Wegner, Gastautor / 20.01.2018 / 06:15 / Foto: Adam Jones / 28 / Seite ausdrucken

Deutscher Fernsehpreis: Fünf Tonnen Blech

Sollte demnächst, etwa am 30. Februar, der Blitz einschlagen und plötzlich die Vernunft sich ausbreiten im Land zwischen Glückstadt und Sonthofen, woraufhin endlich und ehrlich ARD, ZDF und das Bundespresseamt zusammengelegt werden, so schlage ich als Standort für die Zentrale dieser neuen, „schlanken“ TV-Behörde die Stadt Markneukirchen im sächsischen Vogtland vor. Markneukirchen liegt im Gebiet der ehemaligen DDR und hatte dort eine ganz besondere Funktion.

Auch die West-Leser unter Ihnen wissen gewiss, dass man damals, in der DDR, sehr gern Orden verteilte. Wer sich nicht schnell genug duckte, so heißt es, wurde ausgezeichnet als „Aktivist der sozialistischen Arbeit“. Hübsche Nachbarschaften bekamen die „Goldene Hausnummer“, es gab den „Helden der DDR“, den „Hervorragenden Genossenschaftler“, dann noch den „Kunstpreis“, die „Verdienstmedaille der DDR“, den „Kampforden“ und natürlich auch gleich mehrere „Journalistenpreise“.

Seit 1871, also seit der Gründung des Deutschen Reiches, werden in eben diesem Städtchen Markneukirchen blecherne Orden und Abzeichen geprägt. Als die DDR noch DDR hieß, verarbeitete der VEB Prägewerk Markneukirchen jährlich unglaubliche fünf Tonnen Blech zu ansteckbarer Ehre. Wie könnte es einen geeigneteren, historischeren Ort für einen neuen Journalismus-Tempel geben als dort, wo jährlich fünf Tonnen Blech zu Haltungs-Orden gepresst wurden? Haltung, Soldat!

Bald wird in Köln wieder der „Deutsche Fernsehpreis“ vergeben. Die Kandidatinnen für den Preis für die „beste Moderation einer Informationssendung“ haben dieses Jahr alle drei das „richtige“, nicht-böse Geschlecht (und meines Wissens identifizieren sie sich auch damit). Es sind: Dunja Hayali vom Zwangsgebühren-TV, Caren Miosga vom Zwangsgebühren-TV und Marietta Slomka vom Zwangsgebühren-TV. Drei sehr unterschiedliche Kandidatinnen! Spannend und interessant!

Vor allem bekannt für ihre „Haltung“

Hayali ist vor allem bekannt für ihre „Haltung“, so wird sie buchstäblich vom ZDF beworben. Wo Haltung ist, da sind Einkommen (GEZ plus sonstige) und Preise nicht weit: 2016 „Goldene Kamera“ in der Kategorie „beste Information“ (jetzt hören Sie schon auf zu lachen!), 2016 „Robert-Geisendörfer-Preis für exemplarische publizistische oder künstlerische Leistungen“, 2016 „Annemarie-Renger-Preis des Arbeiter-Samariter-Bundes“ – und, extra nett: 2016 „Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen“. (Vorsicht: Wer jetzt „Staatsfunk“ denkt, wird vom anwesenden Weibsvolk mit spitzen Steinen gesteinigt!) Was von Frau Hayalis „journalistischer Qualifikation“ zu halten ist, können Sie selbst etwa anhand ihres „Interviews“ mit dem österreichischen Kanzler Sebastian Kurz prüfen.

Aber gut, neben Frau Haltung sind noch zwei weitere Journalistinnen ausgezeichnet. Einmal wäre da Caren Miosga. Was soll man über sie sagen? Sie nennt die AfD eine „selbsternannte Alternative“ für Deutschland, allein das schon beweist obige „Haltung“ und sollte vier Fernsehpreise plus die goldene Altmaier-Nadel am laufenden Band sichern. Henryk Broder fragt zu Recht, ob CDU etc. denn von einer „höheren Macht zertifiziert wurden“, sich zu nennen, wie sie es tun.

Schließlich noch: Marietta Slomka. Auch sie hat, selbstverständlich, „Haltung“, sie sagt Dümmlich-Vulgäres über Trump, die übliche öffentlich-rechtliche Einheitsmeinung eben. Frau Slomka geht aber in einem „besonderen“ Punkt über den Standard hinaus: Während linke „Argumentation“ regelmäßig darauf baut, dem Gegner üble Absicht zu unterstellen, bestehen Slomkas „Interviews“ aus praktisch nichts anderem.

Wer von Slomka interviewt wird, dem wird von ihr ein Unfug nach dem anderen unterstellt, und statt Fragen beantworten zu können, muss er Slomkas Unterstellungen korrigieren. Der Zuschauer erfährt nichts zur Sache oder gar der Meinung des Befragten, sondern lediglich, welche linken Stanzen derzeit im Dunstkreis von Frau Slomka kursieren. ASTA-Pamphlet-Niveau zur „besten“ Sendezeit.

Eine dieser drei Journalistinnen wird dieser Tage mit dem „Deutschen Fernsehpreis“ für die „beste Moderation einer Informationssendung“ geschmückt. Ja, gebt ihnen allen Orden, Auszeichnungen und Ehrennadeln, bis sie quietschen und jubeln vor Freude! Sollten fünf Tonnen nicht ausreichen, können wir bestimmt aus Berlin, Hamburg oder München kurzfristig weitere Lastwagen voller Blech beschaffen.

Dushan Wegner (geb. 1974 in Tschechien, Mag. Philosophie 2008 in Köln) pendelt als Publizist zwischen Berlin, Bayern und den Kanaren. In seinem Buch „Relevante Strukturen“ erklärt Wegner, wie er ethische Vorhersagen trifft und warum Glück immer Ordnung braucht.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dushanwegner.com.

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Leserpost (28)
Dirk Jungnickel / 20.01.2018

Möge Frau Slomka diesen Preis bekommen !  Keine informiert uns exemplarischer über derzeitigen Links - Journalismus. Mit eiskaltem Charme jubelt sie uns - allerdings oft schlecht kaschiert - ihre Weltanschauung unter, und man fragt sich oft, warum Politiker so naiv sind, sich von ihr auf’s Glatteis führen zum lassen.  Möge sie weiter das Fernsehvolk unbeabsichtigt über ihre Vorstellung von Information informieren. Das kann erhellend sein,  und das sollte den Juroren ein paar Orden oder Pokale oder eben einen Sack voll Blech wert sein.

paul peters / 20.01.2018

klasse artikel. mit wäre quieken statt quietschen noch lieber gewesen.

Thomas Koch / 20.01.2018

Das Westfernsehen ist auch nicht mehr das, was es einmal zu DDR-Zeiten war. Diese Qualtität in den 70er und 80er Jahren, und kein Ossi hätte Westfernesehen geschaut. Diese Frauen hätten auch dank ihrer Haltung im DDR-Fernsehen Karriere gemacht. Das sind Scheindemokratinnen, die aus ihrer GEZ-Komfortzone heraus gegen einen virtuellen Feind von rechts kämpfen, während Heiko Maas im Auftrag von Frau Merkel und mit Unterstützung der Volkskammer ... ups, ich meinte natürlich den Bundestag, die Meinungsfreiheit abzuschaffen versucht.

Bernd Ufen / 20.01.2018

Da hat sich das Establishment ja wieder die richtigen ausgesucht. Frau Slomka wird nicht umsonst die “Hilde Benjamin” des ZDF genannt, eine Bezeichnung, die hervorragend zu ihr passt. Und wer die journalistischen Fähigkeiten der Dunja Hayali kennenlernen möchte, muss sich nur das Interview mit Schellnhuber vom PIK im Moma vom 27.05.2013 ansehen, wo sie dann auch noch zu allem Überfluss die Temperatur in Prozent statt in der üblichen Maßeinheit Celsius gemessen hat. Das ist Realsatire vom feinsten.

Judith Hirsch / 20.01.2018

Vernunft, Logik und Beweise haben in diesen Zeiten offensichtlich keine Chance gegen Ideologien. Teilweise hysterisch agierende Moderatorinnen-Darstellerinnen, denen offensichtlich die einfachsten Umgangsformen nicht bekannt sind, aalen sich in der zwangsfinanzierten Sonne und verströmen dabei unappetitliche Selbstgerechtigkeit. Sie setzen bedeutungsschwere Gesichter auf, während sie die Chronistenpflicht mit Füßen treten. Diese Frauen sind nicht nur Marionetten, sie selbst Akteurinnen in einem volksverachtenden Spiel.

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