Es ist so eine Sache mit der zweischneidigen Freiheit. Wirkliche Befreiung verleiht sie nur, wenn man das Gefühl hat, frei zu sein, ohne jedoch die Last der freien Entscheidung schultern zu müssen. Dostojewski gibt uns dazu ein Psychogramm im Großinquisitor, der mit dem zu einer kurzen Visite auf der Erde erschienenen Gottmenschen über die Krone der Schöpfung und deren Verlangen nach Freiheit eine entlarvende Konversation führt. Resümee der deprimierenden Sezierung menschlicher Befindlichkeit: Die Menschen wollen nicht frei sein.
Wenn man erfahren will, wie es speziell mit des Deutschen Sehnsucht nach Freiheit bestellt ist, geht es aber auch weniger literarisch. Sagen wir es anders. Die Bürger eines der bisher freiheitlichsten Länder der Erde haben die Freiheit so satt, dass sie nach Entmündigung geradezu hungern. So titelte Die Welt schon vor Jahren: „Deutsche wollen sich gegenseitig alles verbieten“, gestützt auf eine Untersuchung des Instituts für Demoskopie in Allensbach.
Die Skala der inakzeptablen Freiheiten reicht von Genuss bis Gedanken. Hochprozentiger Alkohol und schnelle Autos, irgendwann mal Symbole männlicher Standfestigkeit und männlichen Eroberungswillens, sind im Zuge der Hybridisierung von Geschlechterspezifika in der Abfallkiste ausgedienter Macho-Symbole verschwunden. Die Zigarette, einst viriles Zeichen für Männer und solche auf dem Weg dahin, sowie die Fluppe mit dem Touch von Sexiness bei Frauen, ist zum Igitt-Stengel verkommen.
„Geben Sie Gesetze!“, ruft Volkes Stimme
Aber auch die Äußerung provokanter Gedanken ist längst nicht mehr eine Frage der Freiheit. Ihre Verursacher sehen ständig dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz und den Kontrollarmeen bei Facebook und Konsorten furchtsam entgegen. „Geben Sie Gedankenfreiheit!“, einst in Schillers Drama Don Carlos vom heroischen Marquis von Posa dem Despoten Spaniens unter Lebensgefahr entgegengeschleudert – solches Freiheitspathos kann die träge Gemütsmasse der Deutschen nicht mehr in Bewegung setzen.
„Geben Sie Gesetze!“, ruft heute Volkes Stimme zum Despoten Gesetzgeber.
Und der ist gnädiger als Schillers König Philipp von Spanien. Denn er sieht in diesem Auftrag einen willkommenen Vorteil für sich und die Armee von Anwälten, die alle beschäftigt sein wollen und werden. Mikromanagement des Alltagslebens ist angesagt. Ein Leserbrief vom 30. Januar dieses Jahres, tapfer formuliert in unserem lokalen Eichstätter Tagesblatt, zeigt, wie auch im Kleinen des Lebens, im privaten Gärtchen, ganz groß von der menschlichen Freiheit gedacht wird. Eine ehrsame Bürgerin, fordert, „um der Gleichbehandlung willen“, von den Initiatoren des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“, folgende Eigensinnigkeiten bei der privaten Gartengestaltung per Gesetz durchzusetzen:
Geht gar nicht:
- englischer Rasen
- Mähroboter
- Ziersteine
- Thujenhecken
- Straßenrandmulch
- Mähen öffentlicher Grünflächen
Muss sein:
- zeitlich genau definierte Erlaubnis zum Rasenmähen
- mindestens 1 Obstbaum im Garten
- Nachweispflicht jedes Bürgers (bis 2030), mindestens 50 Prozent seiner Lebensmittel „in deutscher Bioqualität“ gekauft zu haben
Kurzer Blick nach Süden zum Aufwärmen: Ich schlendere in einem italienischen Städtchen durch eine enge Gasse, plötzlich taucht aus der Nebenstraße ein frecher Kerl auf mit seiner jungen Mieze, diese stehend auf dem Gepäckträger seiner knatternden Vespa, sich abstützend auf der Schulter des gesetztesbrecherischen Draufgängers. Hierzulande ein klarer Fall für eine Anzeige. In Bella Italia nicht einmal ein Kopfschütteln der Bio-Italiener.
Der Italiener, meinte einmal ein Teilnehmer einer TV-Diskussionsrunde, lebe das Leben „an den Gesetzen vorbei“. Die Deutschen, wer hat das noch nicht beobachtet, leben behütet nur innerhalb der Gesetze. So nahm in unserem Städtchen ein Jurastudent auf der Durchreise einen von den Medien hochgejazzten Anstoß an Frauenparkplätzen, für ihn ein Zeichen der Diskriminierung, um in seinem Portfolio juristisch Spektakuläres vorweisen zu können, er bekam Recht vor dem Verwaltungsgericht München.
In Loriots Film Ödipussi begegnen wir einem Mann, der sich einer beginnenden Demenz erfreut. Einst Mitarbeiter der städtischen Müllbeseitigung, fuchtelt er während eines kurzen Gesprächs mit seinem Stock in Weggeworfenem auf dem Boden herum und meint, typisch deutsch beunruhigt, angesichts mangelnder Ordnung: Alles durcheinander!
Beitragsbild: Elvert Barnes Flickr CC BY 2.0 via Wikimedia
Deutsche wollen sich gegenseitig alles verbieten - diese Unart des schon fast pathologischen Zwangs bedient immer mehr eine Partei: Die Grünen! Der Krankheitsverlauf in der Gesellschaft ist nicht mehr aufzuhalten, wir zerstören somit unseren inneren Zusammenhalt. Ich stamme noch aus uralten Zeiten, dort galt noch: "Ein Mann - ein Wort". Damals hat man seine Meinung gesagt und sich nach dieser noch gehalten. Die Gesellschaft hat dies akzeptiert und geschaut, was dabei rauskommt. Heute wird jede Meinung geknechtet und durch Sprechverbote belegt - von Personen ohne Rückgrat und Weitblick. Dieses Verbotssyndrom ist das letzte Aufbäumen einer untergehenden Gesellschaft. Einen schönen Tag noch, bevor das auch noch verboten wird.
++ Der kategorische Imperativ lautet in seiner Grundform: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde. ( Immanuel Kant)“ ++ Diesen Grundsatz eines deutschen Denkers vor mehr als 200 Jahre, diesen angewendet, dann braucht es überhaupt keine Verbote. Nur steht diesem Gedanken ein anderer entgegen der die Wirklichkeit im Zusammenleben realistischer abbildet: "Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben wenn es seinem bösen Nachbarn nicht gefällt". Wenn erfahrungsgemäß dieser Grundsatz viel eher gilt, dann braucht es Gesetze und Verbote um den bösen Nachbarn, meist der stärkere und rücksichtlosere Nachtbar, diesen in seiner Bösartigkeit zu stoppen. Das allerdings gilt nicht nur für Deutsche - wer ist das? - das gilt noch viel weniger für DIE Deutschen - alle Deutsche? - das gilt überall auf der Welt. Und nicht zu vergessen, ein Land mit einer so hohen Bevölkerungsdichte wie Deutschland, da sprechen die Experten vom Dichtestress, der nur mit Regeln und Verbote einigermaßen gedämpft werden kann. Aber über was reden wir denn hier, wenn schon die Bundeskanzlerin Merkel sich weder an das Grundgesetz noch die Gewaltenteilung hält, sondern diese Gesetze und Verbote zum Schaden der Demokratie und der Zukunft Deutschlands ungestraft bricht.
Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn... Eigentlich wollte ich schon vor den ganzen Rauchverboten mit dem Glimmstengel brechen. Als dann aber dieses Gesetz als Anfang der ausufernden Verbotswelle Wirklichkeit wurde, habe ich gedacht: Sch... drauf. Ich rauche gerne. Mein ganz persönliche, kleine Revolution. Ich weiß, was jetzt kommt. Geschenkt.
Dieser Artikel hat einen wahren Kern. Allerdings bin ich sehr froh, dass mein Nachbar seinen Rasen nicht um drei Uhr morgens mäht, wenn ich schlafen möchte. Und dass ich in ein Restaurant gehen kann ohne danach meine Klamotten waschen zu müssen, empfinde ich als sehr angenehm.