
Sie können leicht gegen diese eigenartige Veranstaltung anschreiben. Bequem im gepolsterten Sessel. Ich jedoch, wie viel andere Bewohner des Kulturlandes Österreich auch, muss Tag für Tag “den Untergang des literarischen Österreichs” diesen Disput über die Rundfunkstation ORF in den Printmedien ertragen, der eigenartiger Weise endlich einen Schritt in Richtung Kulturauswahl nach Qualitätsnorm beabsichtigte. Und die Schrifsteller-Darsteller-Freunde der halben Welt in Aufruhr versetzte. Danke für den blendenden Artikel dazu. Peter Lex
Herr Hamed Abdel-Samad, ein Mitbürger und deutscher Staatsbürger, wurde in Ägypten öffentlich – im Fernsehen – mit dem Tode bedroht, weil er von seinem Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht hat. Die freie Meinungsäußerung ist eines der wichtigsten Güter und ihre Verteidigung sollte gerade den Intellektuellen wichtig sein! Es geht um nichts Geringeres, als um die geistige Freiheit, um die Freiheit, die Früchte individueller Gedankenarbeit aussprechen zu dürfen. Das Denken darf nicht in ein enges Korsett aus Dogmen und Tabus eingezwängt werden! Die Vernunft kann erkennen, dass der Begriff Gott die höchste vorstellbare Liebe und die höchste vorstellbare Ethik ist. Und jedem vernunftbegabten Menschen ist klar, dass ein Mordaufruf gegen einen, nach Wahrheit suchenden Menschen, in hohem Maße unmoralisch ist! Ich weigere mich, Klerikern oder gar Extremisten die Definitionshoheit zu überlassen, was „Gottes Wille“ sei! Ich weigere mich auch, den Interpreten altehrwürdiger Schriften, so wichtig diese für die menschliche Geistesentwicklung auch gewesen sein mögen, die alleinige Deutungshoheit zu überlassen, was „Gottes Wille“ sei, denn das führt zu einer Klerus-Diktatur – zur Diktatur derjenigen, die die Schriften nach ihrem Gusto und zu ihrem persönlichen Machterhalt auslegen. Die Vernunft sollte in ihre Rechte eingesetzt werden. Gott hat mit wahrer Ethik zu tun! Und ein Mordaufruf widerspricht jeder wahren Ethik!
Wo herrscht Schweigen? Es gibt eine Erklärung des Auswärtigen Amtes. SZ, FAZ, Focus, Spiegel, Welt etc. schrieben über die Fatwa und nicht nur einmal, wahrscheinlich noch diverse Lokalblätter. ttt haben darüber berichtet. Wer fehlt noch? Der PEN-Club? Der sagt sich vermutlich, so reißerisch wie die Vortragsreise des Herrn Abdel- Samad unter dem Schlachtruf: “Ich werde mich nicht verstecken” von seinem Verlag Knaur beworben wird, mit dieser Kampfansage brauchen wir uns nicht gemein machen. Es wird schon dafür gesorgt werden, dass dieser mittelmäßige „Schriftsteller“ auf der Frankfurter Buchmesse seine „hochkarätigen Erfahrungen und Visionen“ über das Land Ägypten zum Besten geben kann. Für mich wäre wichtiger, dass Journalisten sich wieder auf die Menschen konzentrieren, die nicht diese Medienkontakte haben, aber konkreteren Gefahren ausgesetzt sind.
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