Ob wir jemals einen Fernsehkrimi sehen, der im Sumpf von skrupellosen Windkraft-Spekulanten spielt? Möchte ich bezweifeln. Weder ARD noch Kernerfernsehen brennen darauf, andere als die immergleichen Schurken zu präsentieren. Als da wären: Pharmakonzerne, Rechtsradikale, Baulöwen, Politiker (aber bitte konservative!), Rüstungsfirmen, Banker, BKA-Schergen, Kinderschänder, you name it. Auch die Privatsender tanzen brav nach der populistischen Pfeife, wenn sie denn überhaupt mal Geld für Eigenproduktionen anfassen. Dabei gibt es soviel wunderbares Material für einen Windkraft-Tatort - saftige, real existierende Milieus, die man nicht erst konstruieren muss. Nehmen wir zum Beispiel meine Gegend, das Nasse Dreieck zwischen Hamburg, Bremen und Cuxhaven…
Gestern, 11. November, meldete das „Stader Tageblatt“ unter der Schlagzeile „Windige Geschäfte in Kutenholz“, dass „Spenden“ (andere nennen es Korruptions-Beschleuniger) des Windanlagenbauers Enercon beinahe unbemerkt in den Haushalt der Gemeinde Kutenholz geflossen wären – immerhin 77000 Euro. Das Tageblatt nennt den Vorgang „sehr pikant“, denn vor fünf Jahren hatte Enercon der Gemeinde sogar eine halbe Million Euro versprochen; für den Fall, dass der Rat den Bau von 140 Meter hohen Windkraft-Kolossen genehmigen würde. Damals schaltete sich die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Korruption ein, denn die Ratsmehrheit hatte ihren Abstimmungstenor nach dem großherzigen Angebot jäh von Nein auf Ja umgestellt. Der Deal platzte, aber die Windbranche gab natürlich nicht auf.
Heute lag ein Prospekt des Landschaftsverschandelungs-Spezialisten Prokon in meinem Briefkasten („An alle energiebewussten Bewohner des Hauses“), der mich („Werden Sie Sparfuchs“) keilen will, die Zerstörung der Kulturlandschaft an Elbe und Oste durch Windräder auch noch mit Eigenkapital zu befördern. Prokon-Genussrechte seien „eine stabile Geldanlage in einem sicheren Markt“. Über den Verkauf von Strom müsse ich mir „keine Gedanken machen, denn es besteht eine gesetzliche Abnahme- und Vergütungsverpflichtung seitens der Energieversorger“. Acht Prozent Verzinsung offeriert Prokon. Verschweigt allerdings, dass ich – wie alle Steuerzahler und Stromkunden – den angeblichen Reibach selber finanzieren müsste, da die Subventionierung der Windindustrie und die durch „erneuerbare Energien“ generierten Strompreiserhöhungen direkt aus unser aller Taschen geklaut werden. Wäre ein Fall für „WISO“ im ZDF – theoretisch.
Heute las ich auch eine Mobilmachung des „Bundesverbandes Windenergie e.V.“, der alle Windkraft-Dealer meiner Gegend für den 19.11. nach Cuxhaven beordert („Endspurt“). Denn es ginge um „500 Millionen Investitionsvolumen“, „Einfluss auf Kreistagsabgeordnete“ usw. In der Kreistagssitzung am 11. November soll die finale Verspargelung der schönen Region durchgepeitscht werden. Womit die Förderung des Tourismus, die man hier seit Jahren erfolgreich betreibt, Makulatur würde. Motor des Projekts „Landschaftsruinen schaffen ohne Waffen“ ist der CDU-Bundestagsabgeordnete Enak Ferlemann, über dessen segensfreies Wirken ich berichtet habe:
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/scheisse_vergolden_der_neue_run_auf_die_windkraft_kohle/
Wäre das nicht eine hübsche Folie für einen TV-Krimi? Alle dabei: ein Politiker, dessen Motive dubios sind. Windige Industrielle, die mit viel Geld Volksvertreter gefügig machen. Drücker, die geldgeile Sparer zur Ader lassen. Und dann knallt´s! Und es liegen Leichen im Moor. Kommissarin Lindholm vom NDR-Tatort, übernehmen Sie! (Geht niemals durch die Gremien, ich weiß. Aber allein die Vorstellung.)
