Der Wein, der Papst wurde

1299 kaufte der französische Mönch Bertrand de Goth eines der ältesten Weingüter in Bordeaux und kelterte Wein. Bereits sechs Jahre später machte ihn sein Freund, der skrupellose König Philipp IV., zum Papst. Seine Majestät hatte zuvor seinen Dauerrivalen, den italienischen Papst Bonifaz VIII., zum Allmächtigen geschickt.

Bruder Bertrand, der nun Papst Clemens V. geworden war, galt als intelligent, aber auch als hypochondrisch veranlagt, weil er dem Schutz des lieben Gottes eben doch nicht so richtig traute. Er vermachte die Rebberge seinen Mönchsbrüdern, die den Wein gleich umtauften.

In den Armen der Comtesse

Der neue Papst hatte bereits ein besseres Geschäft gewittert, er verkaufte Kardinalshüte dem Meistbietenden und verlegte seinen Sitz nach Avignon. Im Zuge des „klementinischen Jahrmarktes“ beschenkte er seine adligen Verwandten mit allerlei Privilegien und genoss ein ausschweifendes Leben in den Armen der bildschönen Comtesse de Foix Talleyrand de Périgord. Sie soll kostspieliger gewesen sein als „das ganze Heilige Land“.

Während Weintrinker den Namen Pape Clément eher mit einem Bordeaux assoziieren, erinnern sich Verschwörungstheoretiker an die Auflösung des Templerordens, die der König mit Hilfe des willensschwachen Papstes durchsetzte. Man warf den reichen Tempelrittern, die immer wieder den König vor dem Bankrott gerettet hatten, Homosexualität und Blasphemie vor, um sie enteignen zu können.

„Never give up“

Jacques de Molay, der letzte Großmeister des Templerordens, gestand unter der Folter und wurde öffentlich verbrannt. Auf dem Scheiterhaufen widerrief er und verfluchte den Papst. Der trinkfreudige Diener Gottes folgte ihm ein paar Tage später ins Himmelreich.

Überlebt hat hingegen die Reblaus, die Mitte des 19. Jahrhunderts große Teile der französischen Weinanbaugebiete zerstörte. Während des Zweiten Weltkriegs beherzte der Agraringenieur Paul Montagne Winston Churchills Devise „Never give up“, kaufte das marode Weingut und produzierte nach etlichen Rückschlägen den heutigen Pape-Clément.

100 Prozent Papst

Robert Parker, der Papst der Weingläubigen, bewertete ihn in seiner Weinbibel auch schon mit dem Punktemaximum. Die Bestandteile: 60 Prozent Cabernet Sauvignon, 40 Prozent Merlot, 100 Prozent Papst.

 

Claude Cueni (65) ist Schriftsteller und lebt in Basel. Er schreibt jeden zweiten Freitag im BLICK, wo dieser Beitrag zuerst erschien. Zuletzt erschienen bei Nagel & Kimche die Romane „Genesis – Pandemie aus dem Eis“ und „Hotel California“. Die ersten 100 seiner Geschichts-Kolumnen wurden soeben als Buch veröffentlicht.

Foto: Bildarchiv Pieterman

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Leserpost

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Frances Johnson / 05.12.2021

Und der Nachfolger war Jacques Arnaud Duèze, aka Johannes XXII, Sommerresidenz in Châteauneuf-du-Pape. Jedem Papst sein Wein. Vielleicht trank ja Johannes XXIII besonders gern Wein.

Thomas Taterka / 05.12.2021

Die Bewertungen von Parker haben , ähnlich den Bewertungen des Whisky - Papstes Michael Jackson, einen Nachteil : sie inspirieren den Sammlergeist , der den Markt gezielt leerkauft und die Preise in die absurdeste Höhe treibt . Für einen guten Macallan zahlt man heute unverschämte Preise , Vintage - Abfüllungen sind praktisch unbezahlbar geworden , und was den Wein betrifft , sind nach oben ebenfalls keine Grenzen mehr gesetzt . Ein guter Schluck ist zum Spekulationsobjekt geworden . Natürlich treffen die Einschätzungen von Parker und Jackson u.a. meistens zu , aber die Kunst besteht eben darin , etwas zu finden , was im Preis angemessen ist ( bevor es von den höchsten Autoritäten ” entdeckt ” und zum Hype wird ) Don’ t believe the hype ! Kann man nicht oft genug wiederholen . Ein guter Schluck ist erschwinglich für fast jedermann, so wie ein Gespräch eine gewissen Hauch von Geselligkeit besitzen sollte .

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