
@Leser Schneider: Die fast 400 Mio. Mehrabgaben ergeben sich natürlich auf Jahressicht. Sie sind auf das vom Regierungsfunk verbreitete Märchen von den 86 Cent hereingefallen (wenn ich dort angestellt wäre, hätte ich gesagt: “sind doch keine 3 Cent” - pro Tag).
So geht Demokratie, das ist doch gut und gibt etwas Hoffnung. Ich hatte schon befürchtet, daß die Entscheidung nun wieder rückgängig gemacht wird, der Ministerpräsident zurücktreten muss und eine linke Furie wieder ausflippt und irgendwas durch das Plenum schmeißt. Die Gebührenfinanzierung könnte durch ein Sparprogramm sogar noch weiter gesenkt werden. Wozu braucht ein vergleichsweise kleines Flächenland wie Deutschland vierzehn Rundfunkanstalten? Vielfalt? Nur in der Art und Weise wie man über die Menschen richtet. Interessante naturwissenschaftliche Sendungen, um junge Menschen, insbesondere Mädchen, mehr für mathematisch-ingenieurtechnischne Bildung zu interessieren? Wenn man für seine Zwangsabgabe wenigstens interessante Inhalte bekommen würde, und wenn es politisch unabhängig wäre ... Aber so: einem Fernsehen, daß die Regierung nicht kritisiert, sollte man lieber nicht über den Weg trauen. Die sollen bloß nicht andere kritisieren, sondern erstmal Selbstkritik üben. Der Personenkult um Merkel ist hier doch kaum noch zur Vorgehensweise in autokratischen Staaten zu unterscheiden. Wie Honecker wird sie nicht mehr wirksam kritisiert, obschon es heutzutage bedenkenlos möglich wäre. Im Unterschied zur Zeit vor Neunundachzig braucht man keine Angst vor Stasi, Denunziation und Umerziehung zu haben, sondern nur noch vor Rufmord und Entlassung ... der Unterschied besteht also lediglich darin, daß die Methoden verfeinert wurden und weniger offenkundig sind. Diesen Leuten, die sich anmaßen über die Menschen zu richten und sie so schlimm zu vereinnahmen, sollte noch viel mehr durch organisatorische Verkleinerung die Grenzen gezogen werden, bis sie zur Vernunft kommen und eine neues, vernünftig-kritisches Profil mit interessanten Inhalten im Fernsehen möglich und die politische Unabhängigkeit sichergestellt wird - dann könnte man, vielleicht, auch über fünfzig Pfennige mehr sprechen.
Ein Sender reicht - für bleiernde nachgerichte Informationen, für evtl Weltuntergänge. Und dann auch nur freiwillig. Der Rest kann gestreamt werden. Weg mit dem Mist. Ich bekomme schon rote Flecken. Keine einzige Vorlage des Gerichts ist eingehalten worden. Weg mit diesem Gericht. Brauchen wir nicht. Systemrelevant und abhängig. Da war doch mal was…. Gestern sagte mir eine junge Angestellte der Stadt, .... wir führen nur unsere Anordnungen durch, wir tun nur unsere Pflicht .... das war schon immer so….
Das ZDF wurde damals als Kontrast zum errötenden ARD aus der Taufe gehoben. Was allerdings auch schon ein Fehler war, hätte man konsequenterweise besser mit Nachdruck die Programmverantwortlichen an ihren Auftrag erinnert. Jetzt haben wir als Ergebnis zwei komplett linksverpeilte Staatssender. Einer kann wieder weg. Diese unüberschaubaren Spartensender auch. Im Internet haben die auch nichts verloren. Für 2020 haben die keine Produktionskosten, keine Showprogramme mit Künstlergagen und kaum Sportübertragungen. Jetzt könnten die mal ihre vielbemühte Solidarität beweisen und mit einer Gebührensenkung reagieren. H.G. Maßen hat recht: 1€/Monat reicht üppig.
Falls es Wessis nicht kennen: in der DDR kursierte im Angesicht sogenannter Intershops, die die bunte Warenwelt des Westens für “harte Währungen” vertrieben, die Volksweisheit: Jeder DDR-Bürger hat das Recht, sehen zu dürfen, was er nicht kaufen kann. Die aktuelle Volksweisheit lautet: Jeder Bundesbürger hat die Pflicht, für etwas zu zahlen, was er nicht haben möchte.
Nachtrag: Sie nagen am goldenen Hungertuche, ich denke dabei an König Midas…und lächle. Jeden Tag höre und sehe ich deren Selbstbeweihräucherung und mir fällt eine zweite Sagen-, Volksweisheit ein. Eigenlob stinkt.
Danke Herr Schneider für Ihren schönen Artikel, ich stimme Ihnen hier völlig zu. Nur bei den 400 Mio. EUR ist Ihnen leider ein kleiner Rechenfehler unterlaufen. Bei 38,52 Mio. Haushalten mit TV-Empfang (Quelle: Statista) kommt bei einer Beitragserhöhung um 0,86 € pro Haushalt “nur” ein Betrag von ~33 Mio EUR raus. Aber selbst das ist deutlich zu viel.
Aufgrund der regen und erregten Diskussion der letzten Tage und des traurigen, weil existenzbedrohenden Ergebnisses, dass es zunächst keine Erhöhung der Gebühr geben wird, haben sich die Indendanten und die Politiker mit dem festen Willen, mit sachlichen Argumenten zu einer ausgewogenen und guten Lösung des Problems zu gelangen, zusammengesetzt und haben Folgendes beschlossen: Die Sender Radio Bremen und der Saarländische Rundfunk werden aufgelöst, der SWR und der Bayerische Rundfunk fusionieren ebenso wie der RBB und der MDR, die Anzahl der Radiosender wird um die Hälfte gekürzt. Durch diese Maßnahmen werden die Kosten erheblich reduziert, der Auftrag der ÖRR bleibt dennoch gewahrt. In diesem Moment werde ich wach und stelle fest, dass alles nur ein Traum war.
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