Ich möchte nicht bescheidener scheinen, als ich bin, aber: Mir war schon vor 21 Jahren klar, dass das Berliner "Mahnmal für die ermordeten Juden Europas" die Fortsetzung des Holocaust mit den Mitteln der Bildhauerei ist. Das Mahnmal verkörpert den deutschen Sündenstolz, etwas Einmaliges geleistet zu haben. Nicht zufällig hat ein Redner bei dem "Bürgerfest" zum 5. Jahrestag der Einweihung des Mahnmals gesagt, andere Völker würden uns um dieses Mahnmal beneiden.
So wie sie uns um den Holocaust und unseren Platz in der VIP-Lounge der Geschichte beneiden. So ein Ruf muss nicht nur erarbeitet, er muss auch gepflegt werden.
Vor einigen Tagen bekam ich Post von der "Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas". Es war die Einladung zu einer Kundgebung anlässlich des "Romaday" am 8. April 2016. Sie steckte in einem schlichten weißen Umschlag. Er war adressiert an: "Herrn Henryk Broder - Die Welt - Publizist und Autor jüdischen Ursprungs".
Fein, dachte ich. Auf die Judenbetreuer ist Verlass. Gestern haben sie Deportationslisten geschrieben, heute verschicken sie Einladungen zu Kundgebungen gegen Rassismus.

Die Mitglieder von Kuratorium und Beirat der „Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ sind Juden und Nicht-Juden. Siehe hier: http://www.stiftung-denkmal.de/stiftung/kuratorium-beirat.html . "Judenbetreuer", "Deportationslistenschreiber" - was soll das also? Verantwortlich handeln - heute, und mit Blick auf die Geschichte, daran sollte ein/e jede/r gemessen werden.
Sehr geehrter Herr Broder! Mit Verlaub, diejenigen welche damals Deportationslisten geschrieben haben, dürften wohl kaum noch am Leben sein. Wenn Sie keinen "Bock" auf solche Einladungen haben, dann sagen Sie es doch einfach ganz ehrlich. Abgesehen davon gehört das Wort "Judenbetreuer" in Anführungszeichen. Mit freundlichem Gruß,
Feinfühligkeit ist deren Sache nicht. Schaut her, wie toll können wir büßen. Eigentlich müssten wir anfangen uns selbst abzuschaffen. Wie soll uns die Welt weiter ertragen. Auch die Kanzlerin hat gesagt, wir Deutsche seien erschaffen Großes zu vollbringen. Wir schaffen das.