In der 32. Nacht des Krieges ertönen in Tel Aviv erneut die Sirenen. Es ist ihr besonderer Rhythmus, der das Nervensystem umtreibt. Nicht die Explosion selbst, die mittlerweile zu einer Abstraktion geworden ist, zu etwas, das an anderen Koordinaten geschieht. Es ist das Intervall zwischen dem Alarm und dem Einschlag, die acht bis zwölf Minuten, in denen ein ganzes Land unter die Erde geht und im blau-weißen Schein von Handybildschirmen auf die Druckwelle oder auf die Stille wartet, dann wieder auftaucht, um den Himmel und die Nachrichten und die Gruppenchats zu überprüfen, und sich anschließend wieder dem Alltag zuwendet bis zum nächsten Alarm, der in zwei Stunden oder vier oder in 45 Minuten kommen wird. Denn die Islamische Republik Iran, enthauptet und schwer geschwächt, ist noch nicht tot, sondern feuert weiterhin.
In Schutzräumen in ganz Zentralisrael bewältigen Eltern diese nächtliche Choreografie: Das Kleinkind wird in das Bettchen im Schutzraum gelegt, ältere Kinder aus dem Halbschlaf geweckt, der Hund geholt, die Tür verschlossen und dann beginnt das Warten. In Dubai räumen Flughafenarbeiter Trümmer von einer Startbahn, die von einer Shahed-Drohne getroffen wurde. In Erbil begraben kurdische Peschmerga sechs ihrer eigenen Männer, getötet durch eine Rakete der Volksmobilisierungskräfte (PMF). In Teheran wird ein Mann dabei gefilmt, wie er vor einer Polizeistation, die durch amerikanische Luftangriffe in Chitgar zerstört wurde, „Danke, Trump“ sagt. Im Bekaa-Tal arbeitet ein Captagon-Labor die ganze Nacht hindurch, seine Betreiber sind gleichgültig gegenüber der Ideologie ihrer früheren Gönner, ihre Aufmerksamkeit gehört ausschließlich dem Marktpreis von Fenetyllin in Riad.
Das ist der Krieg am 32. Tag. Es sind viele Kriege zugleich, und fast keiner von ihnen wird mit der Ernsthaftigkeit diskutiert, die er verlangt.
Die kinetische Kampagne verläuft mit taktischer Brillanz. Der Oberste Führer ist tot. Das Oberkommando der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) ist zerschlagen; Irans Raketeninfrastruktur wurde erheblich geschwächt. Das sind Errungenschaften ersten Ranges, das Produkt hervorragender Geheimdienstarbeit, präziser Koordination zwischen Washington und Jerusalem und einer präsidialen Entscheidung, die strategisch richtig, moralisch gerechtfertigt und längst überfällig war. Sie haben allerdings auch, wie die Internationale Energieagentur festgestellt hat, die größte Versorgungsunterbrechung in der Geschichte der globalen Ölmärkte verursacht – ein Preis, der die Dringlichkeit unterstreicht, von der kinetischen Phase zur institutionellen Phase überzugehen.
Ein Krieg wird nicht durch seine Eröffnungskampagne gewonnen, sondern durch das, was in dem Raum aufgebaut wird, den diese Eröffnungskampagne schafft. Und dieser Raum ist zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Zeilen leer. Keine Übergangsarchitektur, keine Theorie der Nachfolge und kein institutioneller Rahmen, der die Zerstörung der Islamischen Republik mit dem Aufbau von etwas Dauerhaftem verbindet, das amerikanischen Interessen und iranischen Hoffnungen für eine Generation dient.
Was folgt, ist ein Versuch, diesen Raum zu füllen, bevor er sich selbst füllt – wie es leere Räume im Nahen Osten unweigerlich tun – mit Chaos, mit Warlords und der unternehmerischen Gewalt von Männern, die verstehen, dass ein Vakuum kein Problem, sondern eine Gelegenheit ist.
Die Doktrin des fehlenden Bauplans
Wir beobachten, wenn Sie so wollen, ein eigentümliches Schweigen. Zweiunddreißig Tage sind vergangen, seit Präsident Donald Trump die Operation Epic Fury autorisiert hat, und in diesem Zeitraum hat der mächtigste analytische Apparat der Welt eine außergewöhnliche Flut von Kommentaren zu den Oberflächenphänomenen des Konflikts hervorgebracht: die Flugbahn jeder Rakete, die Schwankung jedes Barrelpreises, die diplomatische Choreografie jedes Kommuniqués eines Golf-Außenministeriums. Brookings hat nachdenkliche tägliche Briefings geliefert, ACLED (Armed Conflict Location & Event Data Project) ein unschätzbares Krisenzentrum aufgebaut, der Atlantic Council hat die Reaktionen am Golf mit beachtlicher Granularität kartiert, und Chatham House hat die militärischen Optionen der Golfstaaten mit professioneller Strenge bewertet. Das sind ernsthafte Institutionen mit ernsthaften Wissenschaftlern, und die Qualität ihrer diagnostischen Arbeit steht nicht in Frage.
Was in Frage steht, ist die Ausrichtung der Untersuchung selbst.
Bemerkenswert ist nicht, was das analytische Establishment gesagt hat, sondern was es nicht gesagt hat. Keine dieser Institutionen hat eine umfassende Theorie dazu vorgelegt, was die Ordnung ersetzen soll, die derzeit demontiert wird, oder eine institutionelle Architektur des Übergangs veröffentlicht. Keine hat dem Präsidenten eine Blaupause angeboten, die die kinetische Zerstörung der Islamischen Republik mit dem Aufbau von etwas Dauerhaftem an ihrer Stelle verbindet. Die politischen Empfehlungen, die geäußert werden, neigen überwiegend zu einem Waffenstillstandsrahmen, zu Eskalationsabbau-Mechanismen und diplomatischen Auswegen. Brookings-Wissenschaftler haben gewarnt, der Krieg könne sich „zu einem regionalen Krieg ausweiten“, und zur Vorsicht gemahnt. Das Arab Center in Washington hat zu einer kollektiven diplomatischen Antwort aufgerufen. Chatham House hat den Golfstaaten geraten, sich nicht an den Angriffen zu beteiligen, da die Risiken „erheblich“ seien. Das sind respektable Positionen ernsthafter Menschen. Im gegenwärtigen Kontext sind sie jedoch zutiefst unzureichend. Die Debatte zwischen „den Krieg fortsetzen“ und „einen Ausstieg verhandeln“ verdeckt die grundlegendere Frage, die keine der beiden Seiten angemessen behandelt hat: Wie sieht die Ordnung nach dem Regime aus, und wer baut sie?
Der Antikriegs-Chor hat, vorhersehbarerweise, das verbleibende Vakuum mit prozeduralen Einwänden und legalistischem Händeringen gefüllt. Die American Civil Liberties Union (ACLU) hat Schriftsätze eingereicht, War Powers Resolutions wurden eingebracht und scheiterten, und Protestierende auf dem Campus haben ihre Gaza-Plakate recycelt. Ihre Position, vom verfassungsrechtlichen Kostüm befreit, lautet, dass man die Islamische Republik hätte intakt lassen sollen, damit sie weiterhin Uran anreichert, die Hisbollah finanziert und Demonstranten auf den Straßen Teherans mit Maschinengewehren niedermäht. Diese Position verdient es, bei ihrem Namen genannt zu werden: ein Rat zum permanenten, verwalteten Niedergang, verkleidet als Klugheit.
Lassen wir das beiseite und wenden wir uns dem eigentlichen Problem zu.
Präsident Trump hatte recht zu handeln. Das theokratische Regime in Teheran hatte vier Jahrzehnte lang Amerikaner getötet, Stellvertreterkräfte von Beirut bis Bagdad bewaffnet, unter fortgesetzter Missachtung der internationalen Gemeinschaft nach Atomwaffen gestrebt und im Januar 2026 Zehntausende seiner eigenen Bürger massakriert. Die Vorstellung, dieses Regime habe „keine unmittelbare Bedrohung“ dargestellt, ist keine ernsthafte analytische Position. Sie ist dieselbe Art willentlicher Naivität, die es Nordkorea ermöglichte, die nukleare Schwelle zu überschreiten, dem Assad-Regime erlaubte, syrische Kinder folgenlos zu vergasen, und die den katastrophalen Atomdeal von 2015 hervorbrachte. In dem wurde die iranische Zurückhaltung lediglich zeitweise zu dem Preis von 150 Milliarden Dollar an freigegebenen Vermögenswerten erkauft.
Die Frage ist jetzt nicht, ob der Krieg hätte begonnen werden sollen. Die Frage ist, ob die Vereinigten Staaten ihn mit der Disziplin zu Ende führen werden, die ein entscheidender Sieg verlangt, oder ob sie das Muster wiederholen werden, das amerikanische Militärinterventionen seit einer Generation entstellt: eine brillante Eröffnungskampagne, gefolgt von institutioneller Amnesie darüber, was als Nächstes kommt. Trump verfügt über die Werkzeuge, den Hebel und ein Zeitfenster, das nicht unbegrenzt offenbleiben wird. Was er braucht, ist der Plan.
Was folgt, ist ein Versuch, seine wesentlichen Bestandteile zu identifizieren – die tragenden Elemente, ohne die keine Übergangsarchitektur Bestand haben kann.
Der Nebel und die Abrechnung
Clausewitz nannte es Nebel des Krieges – die nicht reduzierbare Lücke zwischen dem, was Befehlshaber zu verstehen glauben, und dem, was tatsächlich am Boden geschieht. Im ersten Monat der Iran-Kampagne war dieser Nebel dicht, und seine Verzerrungen haben eine typische Pathologie der Kriegszeit hervorgebracht: die verfrühte Siegeserklärung.
Die Pressesprecherin des Weißen Hauses erklärte, die Militäroperation solle in vier bis sechs Wochen abgeschlossen sein, während ein internes Pentagon-Memo von Monaten ausging. Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte am 10. Tag, Iran verliere „deutlich“. Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu verkündete am 19. März: „Wir gewinnen, und der Iran ist enthauptet.“
Zweiundsiebzig Stunden später schlugen zwei iranische ballistische Raketen in Städten im Süden Israels ein, eine davon in der Nähe von Dimona.
Die Abweichungen in den Zeitangaben sind Rauschen, verfrühte Erklärungen sind Eitelkeit. Beides sollte die zugrunde liegende strategische Realität nicht verdecken, und diese lautet: Die Eröffnungskampagne des Krieges war ein taktischer Triumph. Khamenei ist tot, das Oberkommando der IRGC (Revolutionsgarden) ist zerschlagen und erhebliche Teile von Irans Raketeninfrastruktur wurden geschwächt. Das sind reale und folgenschwere Erfolge. Aber die Geschichte amerikanischer Militärinterventionen im Nahen Osten ist ein Friedhof von Eröffnungssiegen, die zu strategischen Niederlagen metastasierten. Bagdad fiel in drei Wochen; der Aufstand dauerte acht Jahre. Das Versagen lag nicht an den Waffen, sondern an der Architektur. Niemand hatte den Staat entworfen, der dem folgen sollte, den man zerstört hatte.
„Die Iraner haben ein Mitspracherecht dabei, wann der Krieg endet“, warnte der frühere Verteidigungsminister James Mattis auf der CERAWeek (eine jährlich in Houston, Texas, stattfindende Konferenz für die Energiewirtschaft). „Ich glaube nicht, dass wir einfach davon abgehen können.“ Mattis hat in diesem engen Punkt recht. Aber die Schlussfolgerung ist nicht, dass der Krieg ein Fehler war, sondern dass er dieselbe anhaltende Verpflichtung auf seinen Abschluss verlangt, die an seinen Beginn angelegt wurde. Präsident Trump demonstrierte dieses Prinzip, als er im Januar die Festnahme von Nicolás Maduro in Venezuela autorisierte und sofort Vizepräsidentin Delcy Rodriguez zur Interimsführerin erhob. So unvollkommen diese Operation auch gewesen sein mag, sie zeigte eine Theorie der Nachfolge. Iran verlangt dieselbe Disziplin, aber in weit größerem Maßstab – und mit weit höheren Einsätzen.
Die Doktrin, dass Konflikte durch den entscheidenden Sieg enden und nicht durch ein verwaltetes Gleichgewicht, ist richtig. Aber Sieg ist nicht bloß die Zerstörung der Fähigkeit des Gegners zu kämpfen: Er ist die Errichtung einer Ordnung, die amerikanischen Interessen für eine Generation dient. Das erfordert eine andere Art von Planung als Zielerfassung.
Und es erfordert sie jetzt.
Die Legitimitätsspaltung
Jeder erfolgreiche politische Übergang in der Moderne hat sich um eine einzige, trügerisch elementare Frage herum aufgelöst: Wer hat das Sagen?
Im besetzten Deutschland wurde die Antwort formuliert, bevor die letzten Bomben fielen: alliierte Behörden, die einen sorgfältig geprüften deutschen Staatsdienst in einem in Washington und London entworfenen institutionellen Rahmen verwalteten. Das Ergebnis war der erfolgreichste Wiederaufbau nach einem Konflikt in der Geschichte der Staatskunst. Im Irak nach Saddam lautete die Antwort: niemand – und das Ergebnis war der Islamische Staat.
Präsident Trump hat die Gelegenheit sicherzustellen, dass der Iran der ersten Trajektorie folgt. Aber dazu muss er sich einer Legitimitätskrise stellen, die bereits hinter dem Nebel des Krieges metastasiert, und dazu muss er auf das stumpfe Instrument militärischer Besatzung verzichten. Die Vereinigten Staaten werden den Iran nicht besetzen. Kein ernstzunehmender Stratege schlägt das vor. Das Land ist zu groß, die Bevölkerung zu zahlreich, das Gelände zu komplex und der politische Appetit auf ein weiteres jahrzehntelanges Bodenkontingent im Nahen Osten ist nicht vorhanden. Erforderlich ist nicht Besatzung, sondern Orchestrierung: die Gestaltung der Bedingungen, unter denen Iraner sich selbst regieren, unterstützt durch amerikanische diplomatische, finanzielle und nachrichtendienstliche Instrumente, die über legitime Übergangsinstitutionen kanalisiert werden, die von Iranern für Iraner errichtet wurden. Das ist eine schwierigere Aufgabe als die Besatzung, weil sie verlangt, dass die Architektur vor dem Moment des Zusammenbruchs entworfen und nicht erst danach improvisiert wird.
Irans Opposition ist real, substanziell und entlang von Bruchlinien zersplittert, die in westlichen Hauptstädten nur ungern ehrlich betrachtet wurden. Das Washington Institute dokumentierte 2023, dass Oppositionsgruppen gespalten sind und konkurrierende Ansprüche auf Repräsentation und Führung erheben, während das United States Institute of Peace die wichtigsten Fraktionen porträtierte. Die Bibliothek des britischen Unterhauses stellte fest, dass „ihre Popularität innerhalb Irans ebenfalls ungewiss ist“. Diese Einschätzungen, so kompetent sie auch sind, stammen jedoch aus der Zeit vor der folgenreichsten Variable der iranischen Innenpolitik: dem Januar-Massaker.
Zwischen Ende Dezember 2025 und Mitte Januar 2026 tötete die Islamische Republik zwischen 7.000 und 32.000 ihrer eigenen Bürger. Die niedrigere Zahl stammt von der Human Rights Activists News Agency, die jeden Fall einzeln dokumentierte. Die höhere stammt von iranischen Gesundheitsbeamten, die unter Schutz der Anonymität sprachen. Wie hoch die tatsächliche Zahl auch sein mag – das Massaker hat eine moralische Bilanz hinterlassen, die die Politik des Übergangs für eine Generation bestimmen wird.
Nun betrachten wir das strukturelle Problem.
Die Menschen, die diese Toten begruben, in Kellern unterirdische Kliniken betrieben, während über ihnen Revolutionsgarden die Straßen durchkämmten, und Nacht für Nacht die Dachruf-Netzwerke aufrechterhielten, während Sicherheitskräfte auf verdunkelte Fenster nach oben feuerten, besitzen eine Form politischer Autorität, die kein Zeugnis, kein Lebenslauf aus der Diaspora und kein Georgetown-Abschluss ersetzen kann. Sie besitzen Blutkapital: jene Legitimität, die ausschließlich denen zufällt, die alles riskierten, als der Ausgang ungewiss war und die Konsequenz des Scheiterns ein Platz im Grab war.
In westlichen Hauptstädten gibt es aus einem institutionellem Reflex heraus die Tendenz, mit prominenten Oppositionsvertretern aus der Diaspora zusammenzuarbeiten. Solche Personen verfügen über diplomatische Gewandtheit, den Medienzugang und die Fähigkeit, internationale Rechtsrahmen zur Freigabe staatlicher Vermögenswerte zu erkennen. Das sind keineswegs triviale Qualifikationen. Die Diaspora hält ein enormes Reservoir an Ingenieuren, Ärzten, Juristen, Ökonomen und Verwaltungsfachleuten bereit, die beim Wiederaufbau von unschätzbarem Wert sein werden. Aber die Kluft zwischen der Diaspora und dem inneren Widerstand ist nicht nur geografisch, sondern erfahrungsbedingt und zunehmend politisch. Die Lehre von Ahmed Chalabi im Irak, Zahir Shah in Afghanistan und der international anerkannten Regierung in Tripolis ist eindeutig: Eine von außen eingesetzte Führung, der die organische Verbindung zu den Kräften fehlt, die für den Übergang geblutet haben, wird zurückgewiesen.
Die Regierung hat die Möglichkeit, in einem vorab ausgehandelten Rahmen etwas Besseres zu entwerfen. Sie kann Autorität entlang funktionaler Linien aufteilen: Diaspora-Vertreter übernehmen nach außen gerichtete Ressorts wie Zentralbankstabilisierung, Verbindungen zu Internationalem Währungsfonds und Weltbank sowie die Wiedererlangung staatlicher Vermögenswerte verwalten. Innere Sicherheit, Übergangsjustiz und kommunale Verwaltung werden verfassungsrechtlich an geprüfte lokale Widerstandskommandeure abgetreten. Die Teilung ist nicht ideologisch, sondern operativ und gleicht Fähigkeiten mit Anforderungen ab.
Der Präsident sollte den Nationalen Sicherheitsrat anweisen, unverzüglich mit dieser Kartierung zu beginnen. Und diese Kartierung muss tiefer gehen, als die Suche nach Persönlichkeiten. Die kleinteilige Arbeit, zu ermitteln, welche zivilgesellschaftlichen Strukturen, Basarnetzwerke, Arbeitersyndikate, Stammesautoritäten und Berufsverbände in jeder der 31 iranischen Provinzen existieren, ist in keiner öffentlich zugänglichen Form geleistet worden. Ohne diese bodennahe Geheimdienstkenntnis ist Übergangsplanung eine Abstraktion, auf ein Whiteboard gezeichnet von Menschen, die nie einen Fuß nach Täbris gesetzt haben.
Dieser Text erschien zuerst beim Middle East Forum.
Teil 1 lesen Sie hier: Kein Plan für den Iran
Teil 2 lesen sie hier: Der ungeschriebene Krieg: Neue Jobs für Mitläufer
Teil 3 lesen Sie hier: Der ungeschriebene Krieg: Die Alternativen der Schattenkämpfer
Teil 4 lesen Sie hier: Der ungeschriebene Krieg: Wie muss ein Sieg aussehen?
Gregg Roman ist geschäftsführender Direktor des Middle East Forum und leitete zuvor den Community Relations Council der Jewish Federation of Greater Pittsburgh. 2014 ernannte ihn die Jewish Telegraphic Agency zu einem der „zehn inspirierendsten globalen jüdischen Führungspersönlichkeiten“, und zuvor war er politischer Berater des stellvertretenden Außenministers Israels und arbeitete für das israelische Verteidigungsministerium. Als häufiger Redner zu Angelegenheiten des Nahen Ostens tritt Herr Roman in internationalen Nachrichtensendern wie Fox News, i24NEWS, Al-Jazeera, BBC World News sowie Israels Kanälen 12 und 13 auf. Er studierte nationale Sicherheit und politische Kommunikation an der American University und dem Interdisciplinary Center in Herzliya und hat Beiträge für The Hill, Newsweek, die Los Angeles Times, den Miami Herald und die Jerusalem Post verfasst.
Was noch gerne vergessen wird: Der Iran als Zentrum der Schiiten stand noch nie besonders gut mit seinen arabischen, sunnitischen Nachbarn. Die mögen sich in etwa so wie Protestanten und Katholiken vor 200 Jahren. Mit kaum etwas kann der ungebildete Westler im Iran mehr ins Fettnäpfchen treten, als jemanden mit den Arabern in einen Topf zu werfen. Man ist Iraner (also Arier, der Begriff ist dort nicht historisch belastet) und stolz drauf.
Da nun die USA in arabischen Staaten zahlreiche Militärbasen unterhalten, werden die Araber im Iran nicht zu Unrecht als Mitschuldige angesehen, die für die entstandenen Schäden Reparationen zahlen müssen. Hieraus leitet sich die Rechtfertigung für die schon angekündigten Wegezölle für die Benutzung der Straße von Hormus ab. Zahlen werden wir es am Ende alle, über die Öl- und Gaspreise.
Vor langer Zeit habe ich habe „einen Fuß nach Täbris gesetzt“ und auch in ein paar andere Städte. Den Iran empfand ich als vergleichsweise aufgeklärtes und säkulares Land. Auch wenn viele damals schon auf das Regime nicht gut zu sprechen waren, eine „Befreiung“ nach irakischem Vorbild wünschte sich niemand. Der Druck von außen wird Volk und Regime eher zusammenschweißen.
Weder Herr Netanjahu noch Herr Trump konnten bis heute erklären, was nun letztlich Ziel dieses Krieges ist. Auch der Autor hat keinen Lösungsvorschlag und keine Vision. Der Rache für den 7.10. sollte mit dem Tod zahlreicher iranischer Anführer Genüge getan worden sein. Und nun? Heute einen schönen Post auf X gesehen:
US: „Dear Iranians, we have come to liberate you from the evil oppressive Regime which is trying to kill you.“
Two weeks later:
US: „Dear Iranians, sorry, Plan A didn’t work. Plan B is we bomb you into the Stone Age.“
Leserbrief zum Beitrag „Der ungeschriebene Krieg: Kein Plan für den Iran?“ von Gregg Roman
Der Beitrag ist sprachlich eindrucksvoll und strategisch zugespitzt. Er beschreibt sehr treffend ein zentrales Problem moderner Interventionen: Militärische Eröffnungserfolge werden häufig nicht durch eine tragfähige politische Ordnung danach abgesichert. Diese Diagnose ist ernst zu nehmen.
Gerade deshalb lohnt es sich jedoch, den Text systematisch kritisch zu prüfen:
Welche Annahmen trägt die These? Welche Gegenhypothesen wurden nicht geprüft?
Welche Rückkopplungen könnten auftreten?
Dabei zeigt sich ein ambivalentes Bild.
Der Artikel benennt zu Recht das Problem eines möglichen Machtvakuums. Gleichzeitig setzt er jedoch mehrere zentrale Annahmen voraus, ohne sie ausreichend zu belegen: dass das iranische Regime tatsächlich strukturell so geschwächt ist, dass ein Übergang realistisch wäre; dass sich innerer Widerstand und Diaspora-Eliten funktional zu einer stabilen Übergangsarchitektur kombinieren lassen; und dass externe „Orchestrierung“ ohne militärische Besatzung tatsächlich steuerbar ist.
Gerade die jüngere Geschichte der Region legt nahe, dass hier die größten Risiken liegen. Gesellschaftliche Legitimität, institutionelle Tragfähigkeit und politische Stabilität entstehen selten durch außen entworfene Architekturen allein. Zwischen militärischem Erfolg und funktionierendem Staat liegt ein komplexer, nichtlinearer Prozess, der sich nur begrenzt planen lässt.
Der Artikel überzeugt daher vor allem in seiner Diagnose eines strategischen Vakuums, weniger in der Belastbarkeit der vorgeschlagenen Lösung. Gute Analyse beginnt dort, wo auch die eigenen Annahmen unter Widerspruchdruck geraten.
Oder anders formuliert: Der Text zeigt sehr klar das Problem des fehlenden Bauplans – liefert aber selbst noch keinen, der den Belastungstest einer systematischen Gegenprüfung wirklich besteht.
Uwe Heimböckel
@Giesemann: „Die Anrainerstaaten müssen aber ebenfalls erkennen wer ihr ärgster Feind ist: Der Islam“. Also Saudi-Arabien, die Golfstaaten, Irak, Syrien und vielleicht noch Aserbaidschan, Pakistan und die Türkei. Selten so gelacht.
„homas Szabó / 02.04.2026
… Die Schwierigkeit für die USA besteht nicht darin eine islamische Despotie zu beseitigen, sondern darin nach dem Sieg einen funktionierenden Staat zu installieren. Letzteres gelang bisher nie. ..“ – Das könnte ja auch daran liegen, daß es gar nicht beabsichtigt ist und das Ziel mit der Zerstörung der Nationalstaaten erreicht wurde. Übrig bleibt eine machtlose „Spielwiese für Terroristen“ – wie Putin das einmal nannte, und damit kann Israel sehr gut leben.
Gerade, dass der Iran sich so lange und erfolgreich zur Wehr setzen kann, gibt mir zu denken. Gerade, dass das iranische Terrornetzwerk – u.a. aus Hisbollah und Huthi – auch jetzt noch so reibungslos wirken kann, schockiert eigentlich. Was Nordkorea vom Iran unterscheidet? Das Regime in Nordkorea richtet seinen Terror vorwiegend gegen seine eigenen Bürger, während der Iran die Zeit vor dem Kriegsbeginn, die einige euphemistisch „Frieden“ nennen, dazu nutzte, seine bösartigen Aktivitäten mit einer stetigen Virulenz in die gesamte Region zu transportieren. Ähnlich wie die Chinesen mit ihrer neuen Seidenstrasse…nur halt mit Terror als Handelsgut. Immerhin ist die Vernichtung des Staates Israel seit Jahrzehnten Teil des Staatsprogramms.
Unter Umständen wäre der Kriegsverlauf etwas schneller, die Nachfolgeregelungen ein wenig zielorientierter, wenn sich der „befreundete“ Westen nicht so schamlos feige aus der Affäre gestohlen hätte. Auch ohne den (jetzt heissen) Krieg wäre das Friede-Freude-Eierkuchen-Konzert in nächster Zukunft zu Ende gewesen. Der Iran dominiert jetzt bereits den Libanon, auch Syrien und der Irak haben nichts wirksames entgegenzusetzen. Das alles in unmittelbarer Nachbarschaft zur fragilen Öl- und Gasinfrastruktur der gesamten Weltwirtschaft.
Ich bin eigentlich kein Spezialist für s Fremdschämen…aber Glückwunschbesuche zur gelungenen Revolution und „Das-ist-nicht-unser-Krieg“-Pamphlete sind mir einfach nur noch peinlich.
Ich bin kein Irankenner. War noch nie dort. Aber ein paar Fakten gibt es: 90 Millionen Menschen. Dann die Revolutionsgarden, die religiös motiviert die Macht im Land durchsetzen. Es spricht aus meiner Sicht nichts dafür dass es zu einem Regimewechsel kommen wird. Wollte man den nach dem Vorbild zweiter Weltkrieg erreichen müsste die Zivilbevölkerung ausgebombt werden. Das wird Israel militärisch nicht schaffen und die USA innenpolitisch nicht. Trump kann so lange weiter machen bis seine Anfangraketen aufgebraucht sind oder Irans Angriffsraketen. Momentan erscheint ersteres einzutreten. Drohnen sind der Game changer….