Gerd Buurmann / 17.09.2022 / 13:48 / Foto: Masha Amini/Twitter / 54 / Seite ausdrucken

Der Tod von Mahsa Amini

Immer wieder stürmen Frauen auf die Straßen des Iran, um damit gegen den Kopftuchzwang und die alltäglichen Verfolgungen und Gewalttaten gegen Frauen zu demonstrieren. Mahsa Amini kostete es das Leben.

„Wir werden noch alle Frauen bitten müssen, Kopftuch zu tragen, aus Solidarität mit jenen, die es aus religiösen Gründen tragen.“

Das sagte der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Jahr 2017. An diesen Satz musste ich denken, als ich von dem Tod von Mahsa Amini erfuhr. Die 22-jährige Iranerin war am 13. September 2022 in Teheran von der Moralpolizei festgenommen worden, weil sie nicht züchtig genug gekleidet war. Im Iran wacht die Moralpolizei über die strenge Einhaltung der Kleidungsvorschriften für Frauen, wozu auch die Pflicht gehört, Kopftuch zu tragen.

Mahsa Amini wurde auf die Wache gebracht. Was dort dann geschah, weiß niemand, aber nach und nach werden im Internet und auf Demonstrationen Klagen laut, sie sei von den Behörden misshandelt worden. Ihr soll zum Beispiel auf den Kopf geschlagen worden sein, was zu einer Hirnblutung geführt haben soll. Es kursieren zudem verschiedene Aufnahmen im Netz, die an der Brutalität der iranischen Moralpolizei keinen Zweifel lassen. 

In vielen islamischen Ländern bedeutet für Frauen das Nichttragen einer Kopf- und Körperverhüllung den Tod. Frauen werden im Islam verfolgt und ermordet, wenn sie sich nicht so kleiden, wie es die Männer in den Führungsetagen verlangen. In einigen islamischen Regionen dieser Welt werden diese „unzüchtigen“ Frauen sogar gesteinigt. Sollte daher nicht heute Alexander Van der Bellen alle muslimischen Frauen bitten, das Kopftuch auszuziehen, aus Solidarität mit jenen Frauen, die aus religiösen Gründen verfolgt und ermordet werden?

Auch in Deutschland viele ernst zu nehmende Morddrohungen

Auch in Europa ist es für Musliminnen deutlich gefährlicher, sich gegen das Kopftuch auszusprechen als dafür. In Berlin zum Beispiel gibt es die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee. Sie wurde unter anderem von der Rechtsanwältin Seyran Ateş gegründet.

In der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee beten Frauen und Männer gemeinsam, die Predigten werden auch von Frauen gesprochen und homosexuelle Menschen sind ausdrücklich willkommen. Seit der Eröffnung der Moschee erhält Seyran Ateş viele, nach Gefährdungsanalyse des Landeskriminalamtes ernst zu nehmende Morddrohungen.

Das Ägyptische Fatwa-Amt kritisierte umgehend die Moschee und erklärte, weibliche Imame seien abzulehnen. Frauen könnten nicht in einer Reihe neben Männern beten, außerdem sei es ihnen nicht erlaubt, ohne Schleier zu beten.

Der Vorstand der Islamischen Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands (IGS) erklärte, die Toleranz der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee gegenüber der Homosexualität sei eine „Verunglimpfung“, „Schmähung“ und „Beleidigung“ religiöser Traditionen.

Ach, immer diese Traditionen. Ich muss da an einen Besuch der iranischen Politikerin Massumeh Ebtekar im Jahr 2016 bei der damaligen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in Berlin denken. Massumeh Ebtekar ist eine ehemalige Terroristin, die zusammen mit einer Gruppe iranischer Studentinnen und Studenten die US-amerikanische Botschaft in Teheran stürmte und dort vom 4. November 1979 bis zum 20. Januar 1981 52 US-Diplomaten 444 Tage lang als Geiseln hielt. Im Jahr 2016 war sie Vizepräsidentin des Irans und Leiterin der Umweltbehörde ihres Landes und besuchte daher die deutsche Bundesumweltministerin. Barbara Hendricks begrüßte Massumeh Ebtekar mit einem Handschlag und trug dabei kein Kopftuch. Dies löste im Iran einen Skandal aus.

Nicht wichtig, was auf dem Kopf ist, sondern was in dem Kopf ist

Der staatliche iranische Fernsehsender IRIB zeigte nämlich die Bilder des Treffens,und weil Barbara Hendricks kein Kopftuch trug, hielten viele iranische Medien sie für einen Mann und berichteten, Ebtekar habe in Deutschland einem Mann die Hand geschüttelt. Mit Kopftuch wäre das nicht passiert.

Es gibt die verschiedensten Gründe, ein Kopftuch zu tragen. Bei gewissen Wetterlagen zum Beispiel kann ein Kopftuch sehr hilfreich sein. Es ist daher nicht wichtig, was auf dem Kopf ist, sondern was in dem Kopf ist. Wenn sich eine Frau jedoch freiwillig verhüllt und dies mit einem männlichen Feldherrn vor eineinhalb Jahrtausenden erklärt, dann ist meiner bescheidenen Meinung nach noch viel Platz in diesem Kopf frei.

Wenn Frauen allerdings gezwungen werden, sich auf eine bestimmte Art und Weise zu kleiden und dieser Zwang mit einem historischen Feldherrn begründet wird, dann wird es brutal. Wegen Mohammed sollen Frauen Kopftuch tragen? Stellen wir uns nur mal vor, was los wäre, würden heute Staaten ihre Frauen zwingen, sich so oder so zu kleiden, weil es angeblich im Sinne von Napoleon, Dschingis Kahn oder Hitler sei. 

Prinzipiell habe ich nichts gegen Verkleidungen. Meinetwegen können sich Menschen als Penguin, Batman und Joker verkleiden. Ich lebe in Köln, da sind Verkleidungen nichts Besonderes. Hier wird schließlich Karneval gefeiert. Eine der wohl feministischsten Bräuche des Kölner Karnevals ist heute jedoch vollkommen verschwunden, nämlich das „Mötzenbestot“. 

Immer wieder reißen sich Frauen demonstrativ ihre Kopftücher vom Haupt

Im 18. und 19. Jahrhundert skandierten Frauen an Wieverfastelovend um genau zwölf Uhr mittags auf dem Alter Markt den Schlachtruf „Mötzenbestot“, was in etwa soviel bedeutete wie: „Runter damit, heute tue ich, was ich will.“ Dabei rissen sie sich ihre Bedeckungen vom Kopf. Am Rhein trugen Frauen zur damaligen Zeit noch eine Kopfbedeckung. Die Hauben auf dem Kopf gaben Aufschluss darüber, ob eine Frau schon verheiratet, also unter der Haube, war. Die Haube galt als Zeichen der Frauenwürde und der Wohlanständigkeit. Eine Frau ohne Kopfbedeckung galt als „loses Frauenzimmer“. Zu Karneval aber herrscht die rasende Tollheit in Köln, und so wurde manch eine Frau zum losen Frauenzimmer und präsentierte sich stolz und frei oben ohne. Ein Chronist der Zeit schrieb:

„Am tollsten war dies Treiben auf dem Altermarkt unter den Gemüseweibern, den Verkäuferinnen und den Bauern, oft ein wahrer Mänadentanz.” 

Im 21. Jahrhundert findet das Mötzenbestot immer noch statt, allerdings im Iran. Immer wieder stürmen Frauen auf die Straßen des Iran, um damit gegen den Kopftuchzwang und die alltäglichen Verfolgungen und Gewalttaten gegen Frauen zu demonstrieren. Einige von ihnen tragen die Kopftücher demonstrativ auf Stöcken vor sich her. Immer wieder nimmt die iranische Polizei diesen Frauen fest. 

Eine Frau, die im Iran ein Mötzenbestot wagt, lebt gefährlich. Mahsa Amini kostete es das Leben.

Foto: Masha Amini/Twitter

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Esther Braun / 17.09.2022

Der Ösi Zausel Van der Bellen ( das nasale Pendant zum wunderlichen Waschlappenoppa Kretschmann) meinte, sinngemäß, wenn das so weiter ginge mit dem Islamodingsbums, Hass oder was, dann müßte man ALLE, nochmal mit Nachdruck ALLE Frauen “bitten”, aus Solidarität Kopftücher zu tragen.

Helmut Ritzmann / 17.09.2022

Man muß es sich wieder in Erinnerung rufen: Diesem Regime hat der deutsche Bundespräsident zum Jahrestag der Machtergreifung ein Glückwunschtelegramm geschickt.

Klaus Schmid / 17.09.2022

Man erinnere sich - wenn damals 1953 GB und die USA nicht den demokratisch gewählten Präsidenten Mossadegh um die Ecke gebracht hätten gäbe es das ganze Mullah-Regime nicht. Westliche Werte eben.

Heinz Lucht / 17.09.2022

Mein Koran ist mit vielen Lesezeichen versehen und ganze Versgruppen sind farbig markiert. Wenn ich beim intensiven Lesen dachte es koenne nicht schlimmer kommen, dann wurde ich in nachfolgenden Suren und Versen eines Besseren belehrt. Mohammed war - wie die meisten seiner Anhaenger - Analphabet. Wie konnte er als solcher den Text, welcher ihm von einem Erzgauner uebermittelt wurde, auf Richtigkeit ueberpruefen? Vielleicht hat er bei der Rezitation des gesamten, ” vollkommenen Buches ” zum Ramadan ja etwas anderes gepredigt als geschrieben stand. Seine Lieblingsfrau Aischa als Garant fuer die Richtigkeit? Man frage die Schiiten! Du Aischa!! Einen Frauenunterdruecker, Maedchenschaender und Kriegsherren als den Propheten schlechthin zu bezeichnen - welcher von ( welchem? ) Gott auserwaehlt wurde - erschliesst sich mir nicht. Fuer mich ist der ” Heilige Koran ” in weiten Bereichen eine Hetzschrift gegen ” Unglaeubige, Frauen, Homosexuelle…...

Christoph Schriever / 17.09.2022

Wie bitte? Schon wieder eine Gruppenvergewaltigung in Deutschland heute? Eine? Nee, 700! Danke für den Bericht aus wo? Iran? Irrenanstalt ham wer hier. Ist das auch schon ein bisschen Iran? Oder zählt das nicht?

Richard Loewe / 17.09.2022

die Ibn-Rushd-Goethe Moschee hat natürlich nix mit dem islam zu tun. Das ist eine Privatveranstaltung, die leider mehr schadet als nutzt, weil sie sagt: seht he,r es gibt einen guten islam. Und was der Autor zum Thema Kopftuchtragen sagt, ist auch nicht besonders klug. Die islamischen Frauen wollen das genauso wie die Männer, weil allah das so verordnet hat und sie ihren allah nicht lieben, sondern fürchten. Ich habe meine aus einer muslimischen Familie stammende Frau in einem islamischen Land kennengelernt und übelsten Erlebnisse (Handgreiflichkeiten) wurden immer von anderen Frauen instigiert. Die Leute, die den islam verteidigen, sind entweder unwissend oder selbst allahisten. Meine Frau ist Professorin für Terrorismus und muß sich als Muttersprachlerin des Arabischen (und promovierte Sharia-Juristin) von Reviewern zu ihren Papern ab und zu vorwerfen lassen, daß sie ja nicht einmal arabisch spricht und deswegen besser zum islam den Mund halten sollte. Die Herausgeber wissen natürlich, daß das Unsinn ist, verstehen aber die implizite Drohung sehr wohl.

Sabine Schönfeld / 17.09.2022

In islamisch geprägten Gesellschaften kämpfen Frauen verzweifelt für ihre Rechte und sterben sogar dafür, wie hier Frau Masha Amini, der mein höchster Respekt gilt (!) - sie möge in Frieden ruhen. Und die deutschen Altparteien, allen voran die linken Parteien, tun hierzulande alles, um den gleichen Islam zu fördern, den die Frauen in diesen Ländern verzweifelt bekämpfen. Deutlicher können die Altparteien ihren schlecht verborgenen Frauenhass kaum mehr kundtun, als in der Förderung einer Lehre, die die Frauendiskriminierung in den religiösen Schriften festgeschrieben hat. Ich empfehle einfach das Studium eines Korans für all jene, die das noch immer nicht wissen. Und es ist ja auch nicht so, dass für die Mehrzahl der Muslime, der Koran nur ein altes Buch ist, sondern nach wie vor Anleitung zum richtigen Leben. Das kann man doch nicht ignorieren und so tun, als wäre der Islam eine mit dem Christentum vergleichbare Religion? Wann hätte es je etwas genützt, sich die Welt schönzulügen? Die Altparteien stehen vor den Trümmern ihrer ideologischen Politik, aber sie weigern sich und weigern sich immer weiter, irgendetwas zu begreifen und mit ihnen deren liebdienerisches Journalistengefolge. Wie will man jemals etwas Richtiges und Gutes tun, wenn man entweder nicht in der Lage oder Willens ist, überhaupt die Realität zu begreifen? Ihr seid wirklich am Ende, räumt endlich das Feld, damit andere wieder aufbauen können.

Jan Blank / 17.09.2022

Gern verweisen unsere woken Toleranten( Tanten?) im Zusammenhang mit dem Islam auf die wissenschaftlichen Leistungen der arabischen Welt. Dieser naiv -positive Dünkel übersieht jedoch, dass diese Errungenschaften, speziell in Mathematik und Astronomie, ausnahmslos vor der Regentschaft Mohammeds statt fanden. In Europa hat die Aufklärung und die Moderne erst begonnen, nachdem die Kirche aus den Schulen vertrieben wurde. Nun haben wir hier Koranschulen, genauer ideologische Drillanstalten, und vor kurzem noch einen Bundespräsidenten, der meinte, dass der Islam zu Deutschland gehöre.  Mehr kann man eigentlich nicht auf die eigene Kultur spucken. Im Grunde hat dieses Land jedes Selbstbewusstsein verloren und wird daher kampflos von seinen erklärten Feinden eingenommen.  Inklusive Bürgergeld.  Mal sehen, wie lang der Zirkus noch geht…..........

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