Vera Lengsfeld / 29.04.2013 / 11:49 / 0 / Seite ausdrucken

Der “Tatort” als geistiger Brandstifter

Wenn man den Medienhype um den zweiten Hamburger Tatort „Feuerteufel“ verfolgt, wo viel über die Beziehung Till Schweiger- Wotan Wilke Möhring die Rede ist, bis hin zum gemeinsamen Toilettengang auf dem Bildschirm, fragt man sich unwillkürlich, ob unsere Meinungsmacher noch ganz dicht sind. Statt Analysen oberflächliches Geplapper im Boulevard- Stil. So weit, so öde, wenn mit diesem Film nicht eine Botschaft verbreitet worden wäre, die nichts Gutes für die Zukunft unserer Rechtsstaatlichkeit ahnen lässt.

Abgesehen davon, dass die Grundidee des Drehbuchs von einer Stubbe- Folge, die zudem auch noch in Hamburg spielt, recycelt, oder sollte man besser sagen, geklaut, wurde, bekommt der Zuschauer ein links- grün- alternatives Weltbild serviert, dass einem kalte Schauer über den Rücken jagt.
Das geht mit dem Brandstifter los, der, exakt wie bei Stubbe,  so unschuldig-süß in die Kamera gucken muss, dass klar ist, dies ist ein guter Junge, der höchstens marginal über die Stränge schlägt. Er kommt sowieso aus dem armen Osten der Stadt und zündelt im reichen Westen, der, das wird in der Folge vorgeführt, eigentlich auch nichts Besseres verdient hat. Der arme Feuerteufel will bloß seiner Freundin imponieren, die von den Flammen auf seinem Handyvideo offenbar auf sein heißes Begehren schließen soll.

Leider verdirbt ihm eine „Schlampe“ den Spaß, die doch Dreistigkeit besessen hat, in ihrem Auto vor sich hinzudösen, was unserem Brandstifterlein leider entgangen war. Er flucht, aber zieht die Frau raus, ruft sogar den Notarzt an, denn im Grunde ist er ja eine gute Seele.

Leider läuft dem Engel mit Bettelblick noch mehr aus dem Ruder. Bei einer Schlägerei mit einem (na klar !) verdächtig „rechts“ aussehendem Typen kommt dem das Handy in mit der flammenden Liebesbotschaft in die unbefugten Hände. Da bleibt rein gar nichts übrig, als die Glatze abzustechen. Damit der Zuschauer auf keine dummen Gedanken kommt, bricht der Messerstecher am Tatort in ein herzzerreißendes Schluchzen aus.

Sein weiterer Amoklauf führt ihn zum Ehemann der toten Autobesitzerin, in dessen Garten der ein weiteres Feuerchen legen musste, denn dieses Abbild eines verachtenswerten Spießbürgers hatte tatsächlich ein Kopfgeld auf den Autozündler mit Todesfolge ausgesetzt.

Glücklicherweise naht in höchster Not die Rettung in Gestalt des Kommissars Torsten Falke, aus dem Problemviertel Billstedt stammend und von daher ausgerüstet mit dem „richtigen“ Sinn für „Gerechtigkeit“. Falke hatte von Anfang an so ein „Bauchgefühl“, dass die Schuldigen im reichen Westen sitzen müssten. Das ist alleiniger Maßstab für seine Ermittlungen. Der Ehemann der Toten ist ihm gleich verdächtig und die aufgebrachten Bürger, die an die 300 Autobrände pro Jahr ertragen müssen, von denen nur 5% Prozent aufgeklärt werden sind die eigentlichen Schurken. So werden sie auch dargestellt: unsympathische, heimliche Rechtsradikale, die nicht die erforderliche politische Korrektheit (früher sagte man Reife) besitzen die Brandstiftungen sich selbst zuzuschreiben.

Hier greift Falcke hart durch. Als er ein paar bürgerlich aussehende Elemente um das ausgebrannte Auto herum stehen sieht, bedeutet er ihnen, sofort Leine zu ziehen, sonst würde ihnen einen kleinen Arrestaufenthalt verpassen. Auf die Frage einer Frau, was sie denn getan hätten antwortet er tatsächlich: „Ach, da werde ich mir was Schönes ausdenken“. An dieser Stelle sind wir mit der ARD in der DDR gelandet, wo ähnliche Praktiken alltäglich waren, wenn ich auch gestehen muss, dass die Stasimänner selten so gut aussahen, wie der coole Kommissar.

Natürlich findet Falcke den Beweis für die Verderbtheit der von ihm Vertriebenen. Ein Flugblatt, das vermittels einer plumpen Fälschung die Autozündelei der Antifa in die Schuhe schieben soll. Natürlich fällt Falcke nicht darauf herein. Er hat nämlich beste Verbindungen zur Antifa, einer ehrenwerten Truppe, die in ihrem Kampf gegen Rechts von der Polizei im Stich gelassen wird, was Falcke zu einem seiner häufigen Wutausbrüche verleitet: „Denkst Du, mir gefällt das?“.

Die Antifa, wird dem Zuschauer nachdrücklich klar gemacht, hat nichts mit Autobränden zu tun. Wer es noch nicht begriffen hat, erfährt es noch mal aus dem schönen Mund von Falckes Assistentin (Petra Schmidt-Schaller), deren natürliche Lebendigkeit von der Regie zu einer synthetischen Lifestyle-Puppe mit Hirn und Hotpants degradiert wurde.

Am Ende wird der wahre Schurke überführt : Der Ehemann war am Tatort und hat seine Frau mit bloßen Händen erstickt, weil er ihre ständigen Drogenabstürze nicht mehr ertragen konnte. Macht nichts, dass außer diesem ganz und gar unglaubwürdigen Geständnis, nichts dafür spricht. Die Gerechtigkeit, wie Falcke und seine Gesinnungsgenossen sie verstehen, hat gesiegt. Der Feuerteufel darf angesichts so viel heimlicher bürgerlicher Verderbtheit noch mal in ein finales Schluchzen ausbrechen, dann ist die Schauerstück endlich zu Ende.

Aber der nächste Tatort mit Falcke droht und wir müssen das bezahlen, ob wir wollen, oder nicht.

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