Annette Heinisch / 08.03.2017 / 11:35 / Foto: Tomaschoff / 11 / Seite ausdrucken

Der Staat ist ein volkseigener Betrieb

Von Annette Heinisch.

In letzter Zeit habe ich zunehmend den Eindruck, dass viele nicht nur nicht wissen, was sie tun, sondern auch nicht wissen, worüber sie reden. Nehmen wir den viel strapazierten Ausdruck „Demokratie“, der zum Synonym für das Gute schlechthin mutiert ist. Gerade sagte unser Noch-Bundespräsident Gauck, unsere Demokratie sei stark genug, Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in Deutschland zu ertragen. Da frage ich mich doch: Was hat unsere Demokratie damit zu tun?

Abgesehen davon, dass die liberale Weimarer Republik unter anderem aufgrund des Irrglaubens an die unbesiegbare Stärke des schrankenlosen Liberalismus unterging und wir seitdem eigentlich meinten, die Lektion der „wehrhaften Demokratie“ gelernt zu haben, ist das eine Fehlinterpretation des Begriffs „Demokratie“.

Ein Staat ist eine Organisation wie andere Organisationen auch, zum Beispiel ein Betrieb. In solchen Fällen stellt sich ganz banal die Frage nach der Organisationsstruktur: Wie soll dieser Betrieb geführt werden? In einer Demokratie geht die Macht vom Volk aus, diese wird in Wahlen ausgeübt (Art. 20 Abs. 2 GG ). Der Staat ist damit sozusagen als volkseigener Betrieb organisiert. Dieser Betrieb ist konkret bei uns aufgesplittet in 16 „Unter-VEBs“, die für Teile des Produkts „Staatsdienstleistung“ zuständig sind, genannt Bundesländer (Art. 20 Abs. 1 GG). Dass in einem volkseigenen Betrieb nicht irgendwer, sondern das Staatsvolk bestimmt, drängt sich eigentlich jedem auf. Also – nun ja, fast jedem.

Gute Demokratie versus böse Diktatur

Demgegenüber wird der Staat in einer Diktatur von einem Alleinherrscher oder einer kleinen Gruppe (Oligarchie) geführt. Diese kommen entweder durch Wahlen an die Macht oder durch Erbschaft, z. B. bei Monarchien. Letztere sind sozusagen Familienbetriebe. Bei Wahlen zum (mehr oder minder) Alleinherrscher sind wir mit unserem Latein am Ende, wir wissen nicht mehr, wie wir das einordnen sollen: Gute Demokratie oder böse Diktatur?

Häufig wird als weiteres Abgrenzungskriterium Demokratie/Diktatur das Vorhandensein einer nennenswerten Opposition angesehen, die ernsthaft korrektive Wirkung entfaltet. Damit kommen wir aber auch ins Schleudern, denn konkret bei uns wird die Macht durch Parteien ausgeübt, also einer sehr kleinen Gruppe von Menschen. Diese haben die Macht nicht nur unter sich aufgeteilt, sondern alle Schaltstellen der Macht besetzt, den Staat „unterwandert“. Der nahezu fliegende Wechsel von Koalitionen (großen und kleinen) und das weitgehend einheitliche Meinungsbild der Parteien lässt die Grenzen zwischen Regierung und Opposition verschwimmen. Wenn aber kleine Gruppen, wie bei uns die Parteien, weitgehend allein die Macht ausüben, dann handelt es sich eigentlich um eine Oligarchie.

Ganz grundsätzlich ist die Demokratie jedenfalls nur eine Organisationsstruktur, mehr nicht. Man sollte sie weder überhöhen noch überfrachten. Nach der Wiedervereinigung wurde die Demokratie zum Heiligtum erklärt, sie schien die Verheißung des Westens schlechthin zu sein. Unterdrückung und Armut in kommunistischen/sozialistischen Systemen, dagegen Freiheit und Wohlstand in Demokratien, so die Vorstellung. Die aber ist eine unzulässige Simplifizierung. Es gibt Armut auch in Demokratien und umgekehrt Wohlstand in „Familienbetrieben“ wie Dubai oder Abu Dhabi.

Grenzen müssen sein

Staaten gleich welcher Organisationsform sind für ihren „Laden“ zuständig, inhaltlich und räumlich. So wie ich als Privatperson selber entscheiden kann, wer auf mein (eingezäuntes!) Grundstück darf und wer nicht, kann das ein Staat auch. Allerdings muss jeder auch die Pflichten übernehmen, es darf keine Belästigung für andere vom meinem Grundstück ausgehen, man muss Grundsteuer zahlen et cetera. So wie Staaten nicht einfach fremdes Territorium besetzen dürfen, darf ich nicht einfach das Grundstück meines Nachbarn für mich beanspruchen; was bei den Bürgern verbotene Eigenmacht darstellt, müssen Staaten genauso unterlassen. Daher sind Grenzen durchaus wichtig, sie sind sogar unerlässlich, um die jeweiligen Rechte und Pflichten feststellen zu können. Das alles ist im Kleinen nicht anders als im Großen, nur im Kleinen leichter durchschaubar.

Grundsätzlich ist Demokratie auch kein Synonym für Menschenrechte, diese sind völlig unabhängig davon „erfunden“ worden. Sie dienen dem Schutz des Einzelnen, denn dieser ist der Macht des Staates immer schutzlos ausgeliefert. Jeder Staat, egal wie er organisiert ist, hat die Staatsgewalt und damit die Mittel, den einzelnen Bürger zu inhaftieren, zu foltern oder zu töten. Der Einzelne kann dagegen gar nichts machen. Das gilt auch in Demokratien: So unfreundlich es klingt, in einer Demokratie unterdrückt die Mehrheit die Minderheit. Das ist schön für die Mehrheit. Dass es für die Minderheit unangenehm ist, ist die Kehrseite der Medaille.

Um die Unterdrückung durch jede Form der Staatsgewalt zu begrenzen, dienen die Menschenrechte als Korrektiv. Sie sind das „Stopp“-Schild, sagen dem Staat, dass es Grenzen gibt, die er nicht überschreiten darf und sollen somit einen Kernbereich des Individuums vor staatlichen Eingriffen schützen. Es ist die rechtsstaatliche Bindung aller staatlichen Gewalt gem. Art. 20 Abs. 3 GG, die den Staat verpflichtet, diese Mindeststandards einzuhalten, nicht die Demokratie.

Unter Rechtsstaat scheinen aber viele nur das Vorhandensein von Gerichten zu verstehen. Das aber hat mit einem Rechtsstaat nichts zu tun, in jeder noch so furchtbaren Diktatur gibt es Gerichte, die sich mit Verkehrsunfällen, Mietstreitigkeiten, Diebstählen oder ähnlichem befassen.

Drei Arten von Grundrechten

Das Rechtsstaatsprinzip bedeutet etwas anderes, nämlich dass der Staat dieselben Regeln beachten muss wie Otto Normalbürger, der Staat also auf Augenhöhe zusammenschrumpft und auch inhaltliche Schranken der Machtausübung setzt. Der Einzelne geht in einer Demokratie unter, sein Schutz sind letztlich nur seine Grundrechte und das Rechtsstaatsprinzip.

Dabei gibt es drei Arten von Grundrechten: Die allgemeinen Menschenrechte, die allen zustehen; Grundrechte, auf die sich nur Deutsche berufen können, und es gibt ein Grundrecht, auf das sich praktisch kein Deutscher berufen kann, nämlich das Asylgrundrecht gem. Art. 16a GG.

Oberster Maßstab in Deutschland ist die unantastbare Würde eines jeden Menschen, wie sie in Art. 1 Abs. 1 GG festgelegt ist. Im nächsten Absatz desselben Artikels bekennt sich das deutsche Volk zu den Menschenrechten, die dann nachfolgend geregelt werden: Die Grundfreiheiten, wie die generelle freie Entfaltung der Persönlichkeit, die Religions- und Meinungsfreiheit (Art. 2, 4, 5 GG) sowie der Gleichheitsgrundsatz sind allgemeine Menschenrechte, die allen zustehen. Demgegenüber gibt es Grundrechte, die nur Deutschen zustehen, z. B. Art. 8 (Versammlungsfreiheit), 9 Abs. 1 (Koalitionsfreiheit), 11 (Freizügigkeit), 12 Abs. 1 (Berufsfreiheit), 16 (Ausbürgerung), 20 Abs. 4 (Widerstandsrecht und 33 Abs. 1 bis 3 (öff. Ämter) GG.

Um es einmal ganz deutlich zu sagen: Das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit gilt nach unserem Grundgesetz nicht für Türken. Hier sieht man übrigens die Problematik, welche die doppelte Staatsbürgerschaft nach sich ziehen kann. Diese Probleme gibt es nicht, wenn alle nach denselben Regeln spielen, so kam bisher kein europäischer Nachbar auf den Gedanken, bei uns Wahlkampf zu machen. Wenn aber zum Beispiel die deutsche Staatsbürgerschaft ausgenutzt wird, um türkische Versammlungen zu türkischer Politik mit türkischen Politikern durchzuführen, so wird mit Hilfe der deutschen Staatsbürgerschaft das Grundgesetz im Interesse eines ausländischen Staates unterlaufen.

Zum Guten wie zum Schlechten

Der eigentliche Punkt aber ist: Jeder Staat hat die Staatsgewalt und damit Macht über die Bürger, wie immer er organisiert ist. Die Ausübung der Staatsgewalt ist das Kernelement alles Staatlichen schlechthin! Das kann zum Guten wie zum Schlechten gleichermaßen sein.

Demgegenüber werden die Rechte des Einzelnen, auch die Meinungsfreiheit, nicht durch die Demokratie als solche gewährleistet, sondern durch die Rechtsstaatlichkeit, wenn und soweit diese auch eingehalten wird. Deshalb sind die Rechtsbrüche durch die Regierenden so verheerend, sie untergraben ganz grundlegend dieses den Bürger schützende Prinzip, das elementar für den Einzelnen ist.

Wann kann man sagen, dass es keinen Rechtsstaat mehr gibt? Erst wenn er per Gesetz oder Dekret abgeschafft wurde? Wohl kaum, wer wäre so dumm, das zu tun? Reicht dann schon ein Verstoß oder wie viele müssen es ein? Ist das wie mit Ehebruch, einmal ist einmal zu viel? Gute Frage, die zu stellen eigentlich schon heißt, dass da irgend etwas ziemlich schief gelaufen ist.

Jedenfalls handelt sich bei Demokratie und Rechtsstaatlichkeit um einen ausgeklügelten Versuch, das System wechselseitig so auszubalancieren, dass die Macht begrenzt wird, wobei weniger die Demokratie als vielmehr der Rechtsstaat als Schutzwall des Einzelnen dient.

Diese Verzahnung der einzelnen Elemente der „checks and balances“ mit Kontrolle der Regierung durch die Opposition, zeitliche Begrenzung der Macht und das Wesen des Rechtsstaates wird offenbar nur noch von wenigen verstanden, leider auch von Regierenden nicht. Daher kommen dann oftmals konfuse und nebulöse Diskussionen über „Demokratie“ zustande.

Direkte Demokratie ist auch keine Lösung

Nun hat sich herausgestellt, dass die gewünschte Balance durch die derzeitigen Strukturen nicht gewährleistet wird. Die Macht wird zwischen den Parteien durchgereicht, da ist nichts mit ernsthafter Kontrolle. Die Grundrechte sind so „weich“ ausgestaltet und ihre Kontrolle durch die (politisch bestimmten) Verfassungsrichter so schwach, dass das System als solches nicht gut funktioniert.

Daher werden immer öfter Rufe nach direkter Demokratie laut, was meiner Meinung nach unklug ist. Wer meint, dass mit mehr direkter Demokratie mehr Selbstbestimmung verbunden ist, täuscht sich. Man sieht zum Beispiel an der Entwicklung in der Türkei, dass viele Menschen durchaus Herrscher wünschen, die sehr viel Machtfülle haben. Sie geben gerne selbstbestimmt ihre Selbstbestimmung auf, um in einer überschaubaren Ordnung und mit möglichst viel Wohlstand zu leben. Ob sich alle über die Konsequenzen einer solchen demokratischen (!) Entscheidung ernsthaft im Klaren sind, wage ich zu bezweifeln. Gerade in diesem Fall ist die deutsche Vergangenheit, die so oft zu Unrecht bemüht wird, durchaus lehrreich.

Wir haben aus der Geschichte nicht die Lehre gezogen, dass auch demokratische Entscheidungen verheerende Folgen haben können, sondern dass Führung generell böse sei. Die Deutschen waren ja nicht böse, sie wurden lediglich verführt – wie praktisch! So mutierten wir zu einer Konsensgesellschaft, in der wir uns zwangsweise immer alle lieb haben müssen und keiner etwas entscheiden mag oder gar Verantwortung übernehmen will.

Zudem haben wir ein politisches System installiert, dass eine Führung erschwert, weil es starr auf Stabilität ausgelegt ist. Echte Führungspersönlichkeiten meiden daher die Politik, denn konstruktiv arbeiten kann man so nicht. Damit aber kommen wir in Zeiten, die eine schnelle Anpassung an sich rasant ändernde Umfeldbedingungen erforderlich machen oder eine zunehmenden Entfremdung vieler Bürger von diesem System festzustellen ist, in gefährliches Fahrwasser.

Darauf hat Roman Herzog bereits 1997 in seiner berühmter Ruck-Rede hingewiesen. Essentiell gebessert hat sich nichts, im Gegenteil. Alles verharrt in der Lähmung bestehender Strukturen, nur dass selbst diese nicht einmal mehr verstanden werden. 

Die Autorin ist Rechtsanwältin in Uelzen

Foto: Tomaschoff

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Claus Pengel / 08.03.2017

Ich halte die direkte Demokratie, entscheidende politische Fragen in Staat und Gesellschaft durch Volksabstimmungen zu lösen, für eine wesentlich bessere Form als die Oligarchie der Parteien, genannt repräsentative Demokratie. Die Schweiz ist in diesem Zusammenhang ein sehr positives Beispiel. Ihr Erfolgsrezept: keiner in der Regierung kann zu mächtig werden. Das ist ein wesentliches Merkmal von Demokratie. Wir sind mit unserem Merkellismus, hat die Partei nicht die Mehrheit richtet es irgendeine Koalition, nicht sehr gut gefahren. Der reine Machterhalt dominiert die Politik und nicht die Ausrichtung auf das, was für Deutschland als Nation wichtig ist. Unser System stärkt die Oligarchie. Es ist ziemlich egal für die Partizipation am politischem System, ob die Oligarchen in einer Diktatur leben oder die politischen Oligarchen in einer Scheindemokratie. Der Bürgerwille fällt immer hinten runter. Das Verhalten gegenüber der Türkei mit unserer demokratischen Stabilität zu rechtfertigen, ist lediglich ein Scheinargument. Dahinter steckt eine vollkommen mutlose Politik, die schon bei der Migration versagte und sich hier nun wiederholt. Nicht Schaden vom deutschen Volk abzuwenden steht im Vordergrund sondern lediglich die Gesichts- und Imagepflege. Das da auch noch der Bundespräsident mitsingt zeugt nicht von Qualität.

T. Schulz / 08.03.2017

Ich bin begeistert. Auf den Punkt gebracht. Und endlich sagt auch mal jemand, daß es eben kein Versammlungsrecht nach Artikel 8 für jeden gibt. Leider steht genau dieser Unsinn im Politikbuch für die 8. Klasse an niedersächsischen Gymnasien. Es wäre also durchaus möglich und auch notwendig, diese ganzen Türken, bei dem Versuch eine Versammlung abzuhalten, nach dem Ausweis zu fragen und bei fehlenden deutschen Papieren, des Platzes zu verweisen. Türkische Politiker haben hier weder offiziell noch privat irgendwelche Rechte, Versammlungen abzuhalten oder zu besuchen. Aber am wichtigsten ist wohl der Hinweis auf die Rechtsstaatlichkeit. Wenn die Staatsorgane sich nicht an die Gesetze halten, dann ist der Rechtsstaat am Ende. Wenn die Verfassungsbeschwerde von 12.000 deutschen Staatsbürgern zum fortgesetzten Bruch des GG Artikel 16a Absatz 2 vom Verfassungsgericht nicht mal angenommen, andererseits aber über eine Klage eines österreichischen Staatsbürgers wegen 2,50€ mehr im Spaßbad verhandelt wird (und er natürlich auch recht bekommt, wegen der Ungleichbehandlung), dann bleibt nur noch Ohnmacht oder (zumindest für mich) eine letzte Alternative :-).

M. Schrezenmaier / 08.03.2017

Liebe Frau Heinisch, bravo für diesen guten Artikel. Er ist klar verständlich ganz im Gegensatz zu den verschwurwelten Sätzen in und aus der Politik. Ich habe immer mehr den Verdacht, als sollen wir absichtlich unsere Politik und unsere Politiker nicht verstehen. Wenn nur mehr Leute in die Politik gingen, die so klar denken können und es auch noch aussprechen. Aber die überleben dort nicht lange - ich weiß schon.  

Karla Kuhn / 08.03.2017

Das ist Staatsbürgerkundeunterricht mit Gütesiegel, sehr gut. “In einer Demokratie geht die Macht vom Volke aus.”  Dieses Wissen scheint der Politkaste entweder abhanden gekommen oder erst gar nicht bewußt zu sein. Ich hoffe nur, daß das Fahrwasser eines Tages kein reißender Strom wird.

André Rech / 08.03.2017

Sehr geehrte Frau Heinisch, vielen Dank dafür. - Und jetzt auf unabsehbare Zeit jeden Abend vor den Hauptnachrichten der einschlägigen Sender von deren Repräsentanten vorgelesen. - Es gibt ja auch noch genügend Bürger, die meinen, sie wählten bei der Bundestagswahl die Kanzelerin/ den Kanzler direkt… Beste Grüße André Rech

Hans Meier / 08.03.2017

Einiges sehe ich anders. Die Schweizer Demokratie geht von den Schweizern, als souveränen Bürgern aus, alles Andere, wie bei uns, läuft – ob in Berlin oder in 16 VEB`s, völlig falsch. Wer die Parteiführung inne hat, hat sich gegen alle Parteifreunde durchgebissen und führt die Listenfolge der Zweitstimmen-Mandate an. Daraus ergibt sich ein verkappter Neo-Feudalismus, in dem die deutschen Bürger verraten und für dumm verkauft werden.

Peter Zentner / 08.03.2017

Dieser Artikel hat die Qualität eines soliden, allgemeinverständlichen Essays. Vielen Dank, Frau Heinisch! Meine bezaubernden Teenie-Chaoten werden ihn ihren Lehrern, die dieses Thema meist nur homöopathisch angehen, unter die Nasen halten, wenn Sie gestatten.

Günter Crecelius / 08.03.2017

Ein hervorragendes Lehrstück, das Pflichtlektüre jedes Schülers sein müsste, von vielen ‘Diplomdemokraten’ ganz abgesehen. Ich habe allerdings einen Einwand. Eine entscheidende Barriere gegen Machtmißbrauch sind, die berühmten ‘checks and balances’ . Aber genau diese gibt es in unserer Verfassung praktisch nur zum Schein. Dies zeigt ein Blick auf die Verfassung der USA, die nach meiner Meinung von Leuten formuliert wurde,  für die Begrenzung der Macht - die zum effektiven Verwalten eines Staates allerdings unbedingt nötig ist - an oberster Stelle stand, selbst mit der Gefahr der gegenseitigen Blockade der Institutionen. Dort sind, anders als bei uns, Legislative und Exekutive strikt getrennt, werden auch in separaten Wahlen bestimmt. Bei uns hingegen wählt, d.h. bestimmt die Legislative die Exekutive, es gibt also ein Loyalitätsproblem, denn die Mehrheit der Legislative wird in der Regel der von ihr getragenen Exekutive nicht ernsthaft in den Rücken fallen, zumal in dem praktizierten teilweisen Listenwahlverfahren eben diese Listenplätze vor den Wahlen von den späteren Exponenten der jeweiligen Exekutive vergeben werden. Und die Opposition, selbst wenn es sie schon gegeben hat, ist zu einer effektiven Kontrolle der Exekutive mangels Masse nie in der Lage. Und das berühmte konstruktive Mißtrauensvotoum ist bestenfalls ein Feigenblatt, denn die Hürden sind hoch. Fazit: unsere Verfassung ist primär auf Stabilität der Machtausübung ausgelegt - durchaus auch um den Preis möglichen Machtmißbrauches.

Edgar Timm / 08.03.2017

Vielen Dank, Frau Heinisch, für diese Gedanken, die in jeden Politik-/Gemeinschaftskundeunterricht gehören! Und natürlich gilt mein Dank auch ACHGUT.com für die Veröffentlichung, für die ich auch gern zahle.

Wilfried Cremer / 08.03.2017

In puncto (Direkte) Demokratie verbietet sich der Vergleich Deutschland (oder andere westliche Länder) - Türkei (oder andere islamische Länder). Wo den Menschen von klein auf eingetrichtert wird, Feinde seien zu verfolgen (bzw. zu hassen), kann sich keine Streitkultur und damit auch keine echte Demokratie entwickeln. Wer die Beispiele dazu nicht mit Händen greifen kann, dem ist nicht zu helfen. Ausnahmen bestätigen die Regel, auch wenn sie das größte Verbrechen aller Zeiten oder die zweitgrößte Katastrophe nach der Sintflut sind.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Annette Heinisch / 15.04.2022 / 12:00 / 102

Deutschland, dein Witzfigurenkabinett

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen soll Unfälle analysieren und so für die Zukunft verhindern helfen. So etwas bräuchte man für die Politik, sozusagen eine BPU, eine…/ mehr

Annette Heinisch / 23.03.2022 / 06:15 / 93

Die Bundeswehr und die Überflieger

Symbole und Realität stoßen sich auch bei der Bundeswehr-Aufrüstung hart im Raume. Die Entscheidung für den amerikanischen Kampfflieger F-35 ist umstritten. Das Flugzeug ist erst in…/ mehr

Annette Heinisch / 18.02.2022 / 10:45 / 109

Strafanzeige gegen den Bundeskanzler

„Strafanzeige gegen Herrn Olaf Scholz, geb. am 14.06.1958 in Osnabrück, zur Zeit Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Willy-Brandt-Straße 1, 10557 Berlin, und gegen Herrn Dr. Peter Tschentscher,…/ mehr

Annette Heinisch / 31.01.2022 / 16:00 / 40

Politik in Deutschland: Einheit der Vielfalt

Heute werden die Verantwortlichen nicht nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung ausgewählt, sondern nach Parteibuch, Geschlecht oder Herkunft. Logische Folge: Inflation der Inkompetenten und damit…/ mehr

Annette Heinisch / 17.12.2021 / 11:00 / 46

Die roten Linien der Verwaltungsrichter

Welche Bedeutung hat das niedersächsische 2G-Urteil? Die Regierung will keine „roten Linien“ mehr kennen. Jetzt zieht zum Glück ein Gericht ein paar rote Linien. Wie berichtet,…/ mehr

Annette Heinisch / 13.12.2021 / 12:00 / 132

Kanzler der Ausgrenzung

Bundeskanzler Olaf Scholz erklärte sich in einem Interview auch zum „Kanzler der Ungeimpften“, also einer Gruppe, die unter seiner Kanzlerschaft immer mehr aus dem gesellschaftlichen…/ mehr

Annette Heinisch / 11.12.2021 / 12:00 / 133

Zieht euch warm an: 10 unbotmäßige Fragen zur Impfpflicht

Die politische Diskussion über die Impfpflicht wirft viele juristische Fragen auf. Auch solche, die die Grundsätze der freien Gesellschaften tiefgehend betreffen. Bestehen Europas Demokratien den…/ mehr

Annette Heinisch / 05.12.2021 / 15:00 / 58

Europarat-Resolution zu Covid-19-Impfstoffen: War da was?

Am 27.01.2021 verabschiedete der Europarat eine Resolution zu den Covid-19-Impfstoffen: "Covid-19-Impfstoffe: ethische, rechtliche und praktische Überlegungen". (Covid-19 vaccines: ethical, legal and practical considerations"). Dort heißt es…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com