Als erfahrener Hochzeitskutscher, der mit seinem alten Cadillac schon mehrere Dutzend Hochzeitspaare in den Hafen der Ehe chauffiert hat, bin ich stets um Fortbildung bemüht. Da mein Bekanntenkreis sich in den letzten Jahren um eine Reihe türkischstämmiger junger Menschen erweitert hat, interessiere ich mich ganz speziell auch für deren Hochzeitsbräuche. Einem breiteren Publikum sind türkische Hochzeits-Events in letzter Zeit durch unterhaltsame Tanzeinlagen auf bundesdeutschen Autobahnen bekannt geworden, besonders viel Glück für Braut- und Bräutigam soll eine Erwähnung der Hochzeitsgesellschaft in überregionalen Medien bringen.
Türkische Hochzeiten werden zwar im Kreise von mindestens 300 bis 1.000 Gästen begangen, aber es ist stets das Bestreben der Familien, noch größere Teile der Allgemeinheit an ihren Festen teilhaben zu lassen. Das kann unmittelbar auf der A 42 bei Gelsenkirchen (oder auch wie hier auf der A 226 bei Bendorf) erfolgen, sehr begehrt sind aber auch prominente Platzierungen der Feier in Presse, Funk und Fernsehen. Derzeit wetteifern türkischstämmige Heiratswillige um den ersten Auftritt in der Tagesschau.
Türkische Hochzeitsbräuche sind, wie überall, uralt, aber es werden nach und nach neue kulturelle Gegenstände und Möglichkeiten in die Rituale integriert. Beispielsweise werden Saiteninstrumente wie Bağlama, die Cura oder Tambura durch AMG-Klappenauspuffanlagen und Faustwaffen der Marke BERETTA Px4 Storm ergänzt. Heraus kommt eine für Kulturwissenschaftler hochinteressante Crossover-Musik, die Elemente morgenländischer Zupf- und Streichinstrumente mit einem Boxenstop der Formel 1 und einer Silvesternacht in Neukölln verschmilzt.
Der traditionelle Ablauf einer türkischen Hochzeit bleibt im Prinzip unverändert: 1. Bewilligungsbesuch (Kiz isteme), 2. Das Versprechen (Söz kesme), 3. Verlobungsfeier (Nisan), 4. Hochzeitsvorbereitungen, 5. Henna-Abend, 6. Abholung der Braut, 7. Hochzeitsfeier, 8. Erstmaliges Zusammenkommen (Gerdek). Abendländische Symbole und Hilfsmittel verändern nun nach und nach verschiedene Schritte dieses Ablaufes.
Henna-Abend und Unschulds-Abend
Beispielsweise die Hochzeitsvorbereitungen. Diejenigen Familienmitglieder, die nicht bereits über ein breit bereiftes Markenautomobil der Oberklasse verfügen, nehmen etwa 6 Monate vor dem Termin Kontakt zu den Leihwagen-Profis von Sixt auf, um einen geeigneten Audi R8, Porsche Panamera oder Ford Mustang für den großen Tag zu reservieren. 300 PS gelten als Untergrenze. Auch regionale Autovermieter haben sich voll auf das Wochenend-Geschäft mit türkischen Hochzeiten eingestellt.
Die Events gelten gleichzeitig als Kontaktbörse für die noch nicht verheirateten Jungmänner, die sich bemühen, durch entschlossenes Auftreten ihren Marktwert zu erhöhen. Wer junge Männer dabei beobachtet, wie sie auf dem Parkplatz von Aldi mit qualmenden Reifen Burnouts üben, sollte nicht böse sein. Sie üben lediglich für die Hochzeit ihres großen Bruders. Auch nächtliches Schießtraining auf dem Balkon dient nur dazu, das Rückschlagsverhalten einer Beretta kennenzulernen, um während der Abholung des Hochzeitspaares gefahrlos in die Luft schießen zu können.
Die weiblichen Familienmitglieder treffen sich am Vorabend der Hocheit zum sogenannten Henna-Abend, um die Handflächen der Braut und die Finger mit Henna zu färben. Es ist die letzte Nacht, die die Braut nur unter Frauen als Jungfrau verbringt. Die Männer versammeln sich derweil in einer Shisha-Bar zu einem integrativen Sprachkurs namens Unschulds-Abend, der dazu dient, die Ausdrucksfähigkeit zu steigern.
„Is ein bischen Stau, sach ich mal"
Einer der Älteren übernimmt dabei die Rolle eines deutschen Polizisten, indem er einen Fahrradhelm aufsetzt. Und dann fragt er Sachen wie diese: „Warum haben Sie auf der Autobahn angehalten?“ Mögliche Antworten: „Is ein bischen Stau, sach ich mal, weil hier so viele Autos sind“ (Anfänger). „Wir waren auf der Autobahn, keine Ahnung, dann waren wir hier, und gesperrt“ (Fortgeschrittener). „Ich geb die Schuld mal den Vorurteilen, aber erkären kann ich das leider auch nicht“ (Alter Hase).
Die Route des Hochzeits-Konvois wird sorgfältig ausgewählt und entsprechende Autobahn und Tanzflächen im Voraus festgelegt. Eine zweispurige Autobahn ist ein bisschen langweilig, drei gesperrte Spuren gelten als ambitioniert, vier Spuren als State of the Art. Das Erscheinen deutscher Gesetzeshüter mit ihren lustigen Blaulichtern gilt inzwischen als Zeichen einer auch folkloristisch besonders gelungenen Feier. Wo gibt’s mehr Show für weniger Geld? Häufig werden aus Dankbarkeit Einladungen für das rauschende Fest im Saale ausgesprochen.
Ein besonderes Highlight ist die Geschenkzeremonie. Die Geschenke werden dabei der Reihe nach abgegeben, und ein Sprecher teilt der gesamten Gesellschaft mit, was geschenkt wurde. Danach folgt eine fröhliche Kollekte für während des Hochzeitskonvois entstandene Bußgelder und Führerschein-Wiederbeschaffungskosten. Der mit dem höchsten Bußgeld legt anschließend einen Bauchtanz aufs Parkett.
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Beitragsbild: Pixabay

Türken fehlt gegenüber Anderen häufig genau das, was sie für sich selbst immer einfordern: Respekt.
Ich habe so etwas mal in der Innenstadt einer norddeutschen Großstadt beobachtet. Der Verkehr kam zum Erliegen. Der Laune der Hochzeitsgesellschaft tat das jedoch keinen Abbruch, ich würde sagen, im Gegenteil. Teure, sehr schnelle Autos. Sehr gut aussehende, prachtvoll gekleidete, junge Männer stiegen aus den Autos. Teilweise Respekt einflößend. Manche mögen sogar sagen : angsteinflößend. Die herbeigeeilten deutschen Polizisten bemühten sich sichtlich und ordentlich um ein interkulturelles Gespräch. Einfühlsam wurde darauf hingewiesen, dass so etwas nicht gehe. Mehrere Polizistinnen mit Pferdeschwanz und interkultureller Schulung versuchten etwas zu sagen. Auf kulturelle Besonderheiten und Eigenarten wurde verständnisvoll Rücksicht genommen. Die Herrschaften wurden dann auch mit freundlichen Ratschlägen und Glückwünschen aus dem Stau hinausbegleitet. Man will ja kein Spielverderber sein. Kein deutscher Spießer sein. Lassen wir für heute mal alle fünfe gerade sein. Allerdings gilt das mit den „alle fünfe gerade“ nicht für Kartoffeln. Nicht, dass da einer was verwechselt. Ihr kennt schließlich die Regeln.
@Dr. Gerhard Giesemann, freut sich wie Claudia, dass Deutschland bald verreckt . Er hat nicht begriffen,dass die linken Geisterradler nur als nützliche Idioten den Steinzeit-Kreaturen dienen. Werden "Die Warze", Greta, KGE und Co. nicht mehr gebraucht,gibts ein böses Erwachen.
Beretta? Ist doch Kinderkram. Wenn die anderen, noch nicht so lang hier Lebenden auch zu relativem Wohlstand (z.B. durch Arbeit in einer Frauenarztpraxis oder als Raketeningenieur) gekommen sind, wird die Waffe der Wahl die gute alte Kaschi (Kalaschnikow) sein, wie man sie von zu Hause kennt. Die länger hier Lebenden dürfen bis dahin nicht einmal mehr einen Waffenschein erwerben.
@Michael Hinz Bei arabischen Hochzeiten wird auch gerne mit Gewehren in die Luft geballert. Und wenn es ein Maschinengewehr ist und man die Kontrolle verliert, auch gerne mal in die anwesenden Gäste. Kann man alles bei Y**Tube sehen.
Das ist kein Hochzeitsbrauch, denn in der Türkei wird er nicht praktiziert. Das ist lediglich eine Machtdemonstration.
Eine schöne kulturelle Bereicherung. Für Spießer gibt es bei zB 7 Km/h Geschwindigkeits- überschreitung eine erzieherische Maßnahme in Form einer Geldbuße. Ordnung muss sein.