20.000 Nervensägen umrunden Berlin auf gesperrten Straßen zum Zwecke der Körperertüchtigung. Der Rest der Berliner wird solange eingesperrt. Soviel zum Gesundheitszustand dieser Metropole.
An diesem Wochenende legen 20.000 Zeitgenossen die Fortbewegung in Berlin still. Die Stadt wimmelt nur so von Checkpoints und Straßensperren, wie in Kabul seit dem Einmarsch der Taliban. Meine Wohnstatt in Moabit ist praktisch abgeschlossen, es gibt mit dem Auto keinen Weg rein und keinen raus, und selbst zu Fuß wird’s schwierig. Bedauerlicherweise hat auch niemand eine Luftbrücke mit ein paar alten Hubschraubern Modell Saigon eingerichtet, um die Turmstraße oder die des 17. Juni zu überwinden und der Metropole des Wahnsinns zu entfliehen.
Urlauber, die mit ihrer Familienkutsche aus der Ferne zurückkehren und sich auf das heimische Bett freuen, müssen samt Kinderschar irgendwo am Wegesrand campieren und bei Wasser und Brot darben, bis sie sich im Schutze der Nacht nach Hause durchschlagen können. Und wer, wie ich, in die heimischen Gefilde Restdeutschlands entfliehen will, sieht sich eingesperrt mit Angela Merkel, Peter Altmaier und Helge Braun, falls sie nicht nach Elba ausgeflogen sind, was mich sehr beruhigen würde. Sonst könnte leicht Klaustrophobie aufkommen, stellen Sie es sich vor wie eine überfüllte Ausnüchterungszelle. Ulbrichts Mauer war ein geradezu durchlässiges Unterfangen im Vergleich zu Müllers Berlin-Marathon.
20.000 bändchentragende, getestete und geimpfte Nervensägen umrunden die Stadt auf gesperrten Straßen zum Zwecke der Körperertüchtigung, und der Rest der Berliner muss deshalb zu Hause bleiben und auf dem Balkon eine Currywurst grillen, was eine recht hübsche Metapher über den Gesundheitszustand dieser Metropole ergibt. Ungeimpfte dürfen vermutlich nicht mitmachen, was diese in der Mehrzahl wohl nicht wirklich bedauern. Die sogenannte 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet) erinnert mich ohnehin ein wenig an die herzigen Anzeigen des örtlichen Tierheims, in dem Welpen als „gechipt, geimpft und kastriert“ (GGK-Regel) beworben werden. Wenn ich mir den Söder so anschaue, beschleicht mich deshalb immer eine gewisse Sorge ums Gemächt. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis der bayrische Landesvater mit der Losung „Kastrieren ist der Weg zur Freiheit“ in den Wahlkampf eingreift. Das wäre sogar sehr zielführend, besonders wenn Söder bei sich selbst anfinge – der Aiwanger drückt sich garantiert wieder.
Die Kunde vom Sieg des Wahnsinns
Das Drohpotenzial des Ausschlusses der Impfignoranten vom kulturellen Leben wird meiner Meinung nach ohnehin extrem überschätzt. Wer will schon sechs Stunden lang auf den Holzstühlen des Bayreuther Festspielhauses der Götterdämmerung beiwohnen. Das kann man doch viel bequemer und unterhaltsamer haben, etwa wenn man um 20:00 Uhr die große öffentlich-rechtliche Oper in der Tagesschau anschaut. Da kriegt man in 15 Minuten komprimiert die volle Wagner-Dröhnung: „Deutsch sein heißt eine Sache um ihrer selbst willen zu tun“. Außerdem ist es nur eine Frage der Zeit, bis der erste Verantwortliche für die gegenwärtige Politik anfängt zu singen, Heiko Maas übt ja schon.
Aber zurück zum Marathon. Mein im eingeschlossenen Berlin stillgelegter Volvo wird nun mit seinem bayrischen Kennzeichen der örtlichen Parkraumbewirtschaftung anheimfallen, die hat nämlich die Lizenz zum Abkassieren von Nicht-Anwohnern. Berlin ist somit der einzige Knast, in dem man für den Aufenthalt auch noch bezahlen muss. Die Geiseltaxe beträgt meiner Erfahrung nach 15 Euro täglich und steht historisch in der Tradition des Zwangsumtausches (Berlins zuständiger Innensenator Andreas Geisel verfügt über prima SED-Credentials).
Ich überlege mir jetzt ernsthaft, ob ich einen Fluchtversuch unternehme. Heißluftballon wäre sehr schön, aber da sitzen schon Karl Lauterbach und Saskia Esken drin. Wer weiß, wo die landen. Und im Tunnel stecken Michael Müller und Armin Laschet fest, der eine will raus, der andere rein, verdammt. Ich werde mir also ein buntes Höschen und ein flatterndes Hemdchen mit einer hübschen Startnummer anziehen und mich keuchend auf Höhe Alt-Moabit in den Festumzug einreihen, um dann unauffällig in Richtung Heimat abzubiegen. Ähnlich wie jener legendäre Läufer an der Ostküste Attikas, der im Jahre 490 den Athenern die Kunde vom Sieg der Griechen über die Perser überbrachte, werde ich in Potsdam einen alten Diesel klauen, der dann in Augsburg röchelnd in einer schwarzen Wolke verendet, nachdem ich den Meinen vom endgültigen Sieg des Wahnsinns in Berlin berichtet habe.
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@ Herr Kiefer: Der Mensch ist im Vergleich zu den meisten Säugetieren der überlegene Langstreckenläufer. Laufen ist uns definitiv in die Wiege (Gene) gelegt. Gelegentlich werden Langstreckenwettkämpfe zwischen Mensch und Pferd veranstaltet, das der Mensch zur Überraschung der berichtenden Medien gewinnt. Die Griechen wussten das schon vor 2500 Jahren. Da in militärischen Auseinandersetzungen die Fähigkeit, schnell zu kommunizieren, ein entscheidender Vorteil ist, gab es den Berufsstand des Botenläufers (griechisch: Hemerodromos). Diese Berufsläufer waren trainiert, um gewaltige Strecken erfolgreich bewältigen zu können. Dass Pheidippides, der mutmassliche Botenläufer von Marathon nach Athen, nach einer läppischen Distanz von 40 km gestorben sein soll, ist eine Legende, erfunden Hunderte Jahre später von Herodot, dem Vater der Geschichtsschreibung. Eben dieser Bote lief vor der Schlacht von Athen nach Sparta, um militärischen Beistand von den Spartanern zu erbitten. Die etwa 250 km lange Strecke hat er in weniger als 36h zurückgelegt, nach einem Tag Pause lief er übrigens den gleichen Weg wieder zurück. Dieser historisch verbürgte Lauf ist Vorbild für den Spartathlon, ein nonstop Wettkampf über 254 km von Athen nach Sparta, der in 36h bewältigt werden muss, und jedes Jahr Ende September stattfindet. Diesen Lauf habe ich zweimal erfolgreich absolviert (als reiner Amateur mit einer 55h-Arbeitswoche). Übrigens sind meine Gelenke nach über 100 Ultramarathon- und Marathonläufen (und dem dazu nötigen Training) in exzellentem Zustand.
Ich lebe seit 40 Jahren in der schönen Wiener Innenstadt , seit einigen Jahren von Demos, Parade u.a. kujoniert . Dass Corona hier zwei dieser unsäglichen Veranstaltungen verhindert hat werde ich dieser Seuche immer hoch anrechnen . Jiddisch : Gojim naches ..
„Wenn ich mir den Söder so anschaue, beschleicht mich deshalb immer eine gewisse Sorge ums Gemächt. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis der bayrische Landesvater mit der Losung “Kastrieren ist der Weg zur Freiheit„ in den Wahlkampf eingreift. “ Da ist sie wieder , diese typisch männliche Weltsicht . Den Damen haben Sie wohl nichts anzubieten ? Wer übrigens von Bayern nach Berlin zieht , kommt von der Traufe in den Regen .
Berlin war schon immer Assi und Stadt der Drückeberger mit großer Klappe und sehr vielen Dreckecken. Stadt der ehemaligen Nazigrößen die die Welt Transformieren wollten . Heute sitzen hier wieder die großen Transformierer und machen nichts besser.
Ging mir als ich noch in Berlin wohnte beim Marathon immer so, vollkommen eingekesselt kein Weg führte nach draußen. Ein Irrsinn. O.k damit wäre ich noch fertig geworden, aber Berlin ist mittlerweile linksautonomer als vor dem Mauerfall. Bin vor kurzem wieder mal durch Kreuzberg gefahren, da hat sich aber auch nichts zum besseren gewandelt. Kam mir vor wie ein Getto mit ausgebauten Fahrradwegen.
Offensichtlich findet heute in Berlin ein Halbmarathon statt. Der Vollmarathon kommt erst im November. Als Wahlfranke habe ich mit Berlin nichts am Hut. Man sollte über einen Verkauf oder Tausch nachdenken, siehe den Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem Vereinigten Königreich über die Kolonien und Helgoland.
Berlin zeigt der Welt auf eindrucksvolle Art und Weise, wie man eine banale Sportveranstaltung in einen absurden Affenzirkus verwandeln kann. Darauf ein dreifaches Alaaf und Helau.