Die Buslinie 612 verkehrt zwischen der Landshuter Altstadt und romantischen niederbayrischen Ortschaften wie Ergolding. Man trinkt hier gerne Bier der Marke Wittmann oder Landshuter Brauhaus, dazu kommt bevorzugt ein Schweinsbraten mit Knödeln auf den Tisch. Beliebte Gaststätten der Region sind etwa der „Freischütz“, der „Ochsenwirt“ und das „Heilig-Geist-Stüberl“. Daselbst begab sich vor Kurzem, dass der Linienbus außerplanmäßig zum Stehen kam und der Fahrer sich in eine der leeren hinteren Reihen für einige Minuten zu einem Gebet zurückzog.
Adressat war allerdings nicht der heilige Geist, sondern das Gebet geschah im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Die vorübergehend stillgelegten Fahrgäste wunderten sich ein wenig, warum der Vorfall schließlich in der Regionalpresse und später dann im „Spiegel“ landete. Es gab allerlei wilde Spekulationen, unter anderem war von einem ausgerollten Gebetsteppich die Rede, was aber nicht verifiziert werden konnte. Offen bleibt auch die Frage, ob der Fahrer die ungläubigen Fahrgäste in das Gebet fürsorglich miteinschloss, schließlich handelte es sich um ein öffentliches Verkehrsmittel der Stadt Landshut – und wenn schon beten, dann bitte für alle.
Die Aufregung um den interkulturellen Schwank war jedenfalls groß, was ich nicht so ganz verstehe. Schließlich entspricht das Verhalten des Busfahrers voll und ganz den fürsorglichen Intentionen der Europäischen Kommission. Sie schreibt für neue Fahrzeuge aller Art ein Fahrer-Beobachtungssystem vor, das diesen vor Mündigkeit oder Ablenkung warnt und ihn dann zu einer Pause auffordert. Derzeit noch freiwillig. Das Ganze nennt sich DDAW (Driver Drowsiness and Attention Warning) und gilt seit 7. Juli 2026 als zwingend für alle Neuwagen. Drowsiness wird übrigens mit „Schläfrigkeit“ oder „Benommenheit“ übersetzt.
Aus dem Opel Mokka wird der Opel Mekka
Im Urlaub forderte mein Nissan-Leihwagen mich ständig mit einem Gong zu einer Pause auf, obwohl ich so wach war wie ein Erdmännchen nach dem dritten Espresso. Solche Pausen können dann zu Liegestützen oder Verbeugungen Richtung Mekka genutzt werden, beides bringt den Kreislauf in Schwung. Ein korrektes islamisches Pflichtgebet besteht ja nicht nur aus einer Verbeugung, sondern aus einem festgelegten Wechsel zwischen Stehen, Verbeugen, Niederwerfen und Sitzen. Die ADAC-Pannenhilfe empfiehlt Schulterkreisen, Übungen für Schulter und oberen Rücken, Kniebeugen, Rumpfdrehungen sowie Nackenmobilisation als geeignete Übungen nach langem Sitzen. Eine praktische 10-Minuten-Pause besteht beispielsweise aus vier Minuten zügig gehen, zwei Minuten Kniebeugen und Wadenheben, zwei Minuten Ruderbewegungen und Schulterkreisen, zwei Minuten Hüfte, Rücken und Nacken dehnen.
Das übliche islamische Gebetsritual ist von ähnlichem gesundheitsphysiolgischen Wert: 1. Der Betende steht aufrecht und wendet den ganzen Körper der Qibla, also der Kaaba in Mekka, zu. Die Füße stehen stabil, ungefähr schulterbreit. Anschließend werden im Stehen Koranverse rezitiert. 2. Der Oberkörper wird aus der Hüfte nach vorn gebeugt. Die Hände liegen auf den Knien; der Rücken wird möglichst gerade gehalten. Dabei wird gewöhnlich Gottes Größe gepriesen. 3. Der Betende richtet sich vollständig auf, bevor er zur Niederwerfung übergeht. 4. Stirn und Nase, beide Handflächen, beide Knie und die Zehen berühren den Boden. Danach sitzt der Betende kurz auf und führt eine zweite Niederwerfung aus. 5. Nach mehreren Gebetseinheiten wird kniend beziehungsweise auf den Unterschenkeln sitzend gebetet. Zum Abschluss wird der Kopf nach rechts und links gedreht und ein Friedensgruß gesprochen.
Zehn Minuten Pannenhilfe-Übungen verbrauchen bei einer Durchschnittsperson etwa 50 Kalorien, zehn Minuten Hilfeersuchen bei Allah etwa 30 Kalorien. In jedem Fall werden Verkehrssicherheit und Fahrtüchtigkeit erhöht. Ich sehe hier große Chancen für die deutsche Automobilindustrie in Bezug auf die Kundenzufriedenheit. Hier bietet sich die Chance wieder Weltmarktführer zu werden. Statt einem Allerwelts-Pausengong könnte für Muslime beispielsweise automatisch der Ruf des Muezzins erklingen, für Christen das Geläut der Gnadenkapelle in Altötting und für Buddhisten die Glöckchen einer tibetanischen Gebetsmühle am Fuße des Kailash.
Nachdem Volkswagen die Hälfte seiner Baureihen einstellen will, könnte dies durch religiös diversifizierte Baureihen ausgeglichen werden. Den Golf oder Passat gibt es dann zwar nicht mehr als Cabriolet oder Kombi, dafür aber als Golf-Altötting oder Passat-Gebetsmühle. Opel braucht für die Große Transformation sogar nur einen Buchstaben zu ändern: Aus dem Opel Mokka wird der Opel Mekka.
Sollten für die Klänge des Modells Gebetsmühle lästige und gewinnschmälernde Gema-Gebühren anfallen, könnte Volkswagen hier kreative Sparpotenziale erschließen, indem statt tibetanischen Klängen die Frohmutsphrasen des Vorstandsvorsitzenden Oliver Blume eingespielt werden. „Wir werden liefern. Das Spielfeld ist bereit. Unsere Mannschaft ist aufgestellt. Unsere Taktik ist stark. Jetzt schießen wir Tore.“ Klingelingeling. Und jetzt alle!
Auf Autos in Regenbogenfarben lasse ich nichts kommen
Als Vorreiter in der Diversifizierung des deutschen Automobil-Angebotes hat sich aktuell der Tennisspieler, Berliner Teilzeit-Bürgermeister und Ex-CDU-Spitzenkandidat Kai Wegner empfohlen. Der hat einen doppelstöckigen und nach oben offenen Truck für die Christopher-Street-Day-Parade (CSD) am kommenden 25. Juli angemietet und für die ganze Aktion 375.000 Euro ausgegeben. Der Schwertransporter glänzt mit einem Berliner Bären in Regenbogenfarben (22.600 Euro), hat eine groß dimensionierte Beschallungsanlage (20.500 Euro) und trägt den Slogan „Wenn egal ist, wen Du liebst, dann gehörst Du hier hin“. Ein öffentliches Verkehrsmittel wie geschaffen für die Linie M41 zwischen Berlin-Mitte und Neuköln.
Das Motto „Wenn egal ist, wen Du liebst, dann gehörst Du hier hin“ ist allerdings ein bisschen verwirrend, weil Wegner dann eigentlich nicht selbst im CSD-Truck mitfahren dürfte. Ihm ist nämlich nicht egal, wen er liebt, denn er liebt nur sich selbst. Das hat er mit Neukölner AMG-Posern gemeinsam, die für ihre Klappenauspuffanlage ebenfalls horrende Summen ausgeben. Das sind nette Jungs, die als erste Buchstaben AMG lernen und FDGO für das Kürzel „Felgen drauf, Gas offen“ halten. Also da muss der Regierende Bürgermeister von Berlin mithalten können.
Im Geiste des Bundesländer-Finanzausgleiches sollte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder aber den Vorschlag unterbreiten, Berlin künftig eher mit Naturalien und Sachleistungen statt mit Bargeld zu versorgen. Als erste Maßnahme könnte Söder den Busfahrer aus Altötting zum CSD nach Berlin entsenden, auf dass der gute Mann Wegners CSD-Truck steuere, als Akt der religiösen Vielfalt und angewandter Integration, der obendrein Wegners Personalkosten senkt. Vielleicht könnten Fahrer und Besatzung dann gemeinsam eine kleine Ertüchtigungs-Pause einlegen und zum Gebet Richtung Mekka parken. Eine echte Win-Win-Situation.
Auf in Regenbogenfarben lackierte Autos lasse ich im Übrigen nichts kommen, schließlich verdanke ich Ihnen einen Karrieresprung. Das ist eine lange Geschichte, die ich ganz kurz erzählen will. Ende der 70er Jahre fiel der Frankfurter Porsche-Tuner Rainer Buchmann durch seine 911-Kreationen auf, die in den Regenbogen-Farben des Sofortbildherstellers Polaroid lackiert waren. Ich schrieb einen Bericht über die illustre Kundschaft, die über sehr viel Geld und sehr wenig Nachweise darüber verfügte, wo es herkommt. Dabei wurde ich Zeuge, eines Spontankaufes.
Ein Deutschland-affiner Lotteriebesitzer aus Curacao vom Umfang einer Leuchtboje in der Straße von Hormus tauchte bei Buchmann im Sandweg 82 zu Frankfurt auf, nicht mit einer spektakulären Gespielin, sondern mit einem bayrischen Rauhaardackel. Der lief schwanzwedelnd zum nächsten Regenbogen-Porsche und hob am rechten Vorderrad das Bein. Daraufhin sagte der Mann aus Curacao, ohne nach dem Preis zu fragen: „Den nehme ich“. Die Schilderung gefiel dem Chefredakteur eines Hamburger Magazins so gut, dass ich zwei Tage später einen Redakteurs-Vertrag des Stern in Händen hielt. Darauf bin ich nicht wirklich stolz, ich möchte es aber aufgrund des Unterhaltungswertes nicht missen.
„Eine Einladung für moderne Männlichkeit“
Doch zurück zum Klappenauspuff. Am 3. Juli veröffentlichten mehrere Grünenpolitiker das Impulspapier „Starke Männer übernehmen Verantwortung – Eine Einladung für moderne Männlichkeit“.
Anton Hofreiter, der militärische Arm der Grünen, war davon ganz begeistert und teilte umgehend mit, er boxe. Außerdem kommt er seit Neuestem aus der Arbeiterschicht. Um dies zu untermauern, begibt er sich in der Ahnentafel bis zu seinem Großvater zurück, der Maurer war. Sein Vater war Ingenieur auf dem zweiten Bildungsweg und arbeite unter anderem bei der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung.
Ich habe daraufhin die Ahnentafel meiner Vorfahren studiert, um herauszufinden, ob ich ebenfalls ein Kind der Arbeiterklasse bin. Ich muss den Leser aber enttäuschen: Ich entstamme dem Clan-Milieu. In einem Ahnenforschungsband meines Onkels Oberstudienrat Gerhard Maxeiner tauchen nämlich ziemlich zwielichtige Gestalten auf. So wurde einer meiner Vorfahren in einem hessischen Bergwerk aus mysterösen Gründen mit einer Grubenlaterne erschlagen, andere suchten durch Auswanderung nach Amerika rechtzeitig das Weite. In einem Schulzeugnis wird ein Vorfahre in direkter Linie darüber hinaus als „kühn und unartig“ beschrieben.
„Anton Hofreiter kritisiert, dass im progressiven Lager Männlichkeit automatisch mit dem Begriff toxisch verbunden werde“, schreibt „Die Welt“. Und die Leser schreiben: „Boxen, Arbeiterschicht? Ich komme aus einer Bergarbeiterfamilie aus dem Ruhrgebiet, bin zwischen Stahl- und Bergarbeitern aufgewachsen. Ich kannte niemanden, der geboxt hat. Fast alle waren beim Fußball“. Oder auch: „Ein aktuelles Beispiel dafür, dass Boxen nicht gut fürs Gehirn ist“. Das ist natürlich gemein. Die wahre Street-Credibility wird der Anton aber erst erlangen, wenn er tiefergelegt und mit Klappenauspuff-AMG vor einer Neuköllner Shisha-Bar in zweiter Reihe parkt.
In dem von einem jungen und grünen MdB namens Julian Joswig verfassten Impuls-Papier wird bedauerlicherweise nicht auf die Frage eingegangen, ob die Malaise des grünen Männchens etwas mit den grünen Frauen zu tun haben könnte, was ich stark vermute. Ansonsten heißt es:
„Wir haben definiert, was Männer nicht sein sollen: Nicht gewalttätig, nicht dominant, nicht unterdrückend. Alles richtig. Alles wichtig. Aber wir haben vergessen, ein Angebot zu machen, was Männlichkeit stattdessen sein kann“.
Zu diesem Zweck definiert er noch einmal ausführlich, was männlich gelesene Personen mit Dutt nicht sein sollen und empfiehlt sich dann für Henryk Broders Kolumne „Bedeutende Denker des 21. Jahrhunderts“ indem er Männlichkeit, was sonst, „neu denken“ will.
Das klingt so:
„Wir brauchen einen Weg, der Stärke nicht durch Unterdrückung definiert, sondern durch die Fähigkeit, Räume zu öffnen, statt sie zu verschließen“.
Ich verstehe nur Schlüsseldienst.
„Nutzt Du Deine Stärke um zu dominieren? Oder um zu ermöglichen?“
Ja, das habe ich mich auch immer gefragt, wenn mir auf dem Schulhof einer eine gesemmelt hat.
„Das gemeinsame Element ist Verantwortung. Verantwortung für Familie, Freunde oder den Sportverein. Die Verantwortung, diese Freiheit auch anderen zuzugestehen. Die Verantwortung, Strukturen zu bekämpfen, die andere Menschen einschränken, egal welchen Geschlechts. Und die Verantwortung, sich selbst immer wieder zu hinterfragen: Lebe ich gerade nach meinen eigenen Werten? Oder nach den Erwartungen eines Systems, das mich und andere einschränkt“.
Und so hinterfrage ich mich, weine bitterlich und komme zu dem Schluss: Diesem Land hilft nur beten.

Fun Fact: Da Wegner nicht zurückgetreten ist, weil die CDU zu feige war, ihn ganz abzusägen, steht ihm für zwei Jahre ein Übergangsgeld zu – drei Monat lang ein volles Gehalt (17.463,99 Euro inkl. Ortszuschlag), danach für 21 Monate die Hälfte. Sind insgesamt schlappe 235,763,86 Euro. Dennoch fast Peanuts im Vergleich dazu, dass er 375.000 Euro für ein paar Stunden Fahrt durch die Menge beim CSD ausgegeben hat.
Nur dank des vom Sonntagsfahrer veröffentlichten Links habe ich mich zu der Absonderung grün-geistigen Dünnpfiffs hingefunden, was sonst wohl nie passiert wäre. Ich fand beim Lesen meine Ahnungen, wie es im grünen Abfall denkt, bestätigt. Bemerkenswert ist auch, daß die Herrschaften sich mit ihren belehrend vorgetragenen Auffassungen dem gemeinen Volke, das nicht über die tollen Einsichten verfügt, gewiß sehr überlegen fühlen. Das Ganze einfach tragisch und auch schädlich für unser Land.
Es ist faszinierend, wie eine Mehrheitsgesellschaft die mit erheblicher Aggressivität vorgetragenen Meinungen und Lebensansichten biologisch-evolutionärer Fehl-Chargen widerstandslos erträgt. Dies wird ja noch durch den freimütig mitgeteilten beträchtlichen Kostenpunkt der CSD-Karre unterstrichen. Man zeigt dem Bürger, wofür eben das Geld da ist, wenn sonst gespart werden muß.
VW
Schluß mit dem Gestotter!
Sagt das Schaf.
Bau doch einfach,
Mäh Roboter.
Unter Feldern mit Solar,
durch guten Schnitt,
die Böden werden darr,
bei bestem Schlaf.
@ Ilona Grimm Sehr verehrte, liebe Frau Grimm, warum schreiben Sie Landsmännin in Anführungszeichen?
Sofern nicht überlesen, vermisse ich etwas zum Verhalten der Buspassagiere während der Gebetsphase. Sofern im Bus verharrt, hätte ich von ihnen schon mal gern gewußt, woher sie ggf den Glauben nahmen, daß es sich nicht um ein Gebet handelte, mit dem der Kniende sich vor einem anstehenden Djihad schon mal in seinem Paradies anmeldete. Ist ja vielleicht in der heutigen Zeit nicht so ganz unwahrscheinliche Annahme.
Wie schnell kommt man unter die Räder mit dem G’wand.
Je mehr man darüber nachdenkt desto mehr wächst die Befürchtung, daß unser Problem tatsächlich mit grünen Männchen zusammenhängen könnte. Hat es eine Invasion gegeben? Sind wir von Außerirdischen umringt? Merz? Sauerland, der Landeplatz einer galaktischen Zivilisation? Was Merz so sagt? Was er macht? Und Söder? Franke. Hmm. Beide irgendwie grün. Und was ist mit dem Dackel, der in der ganzen Geschichte die einzig richtige Entscheidung getroffen hat? Pinkeln als Äußerung ist ja inzwischen üblich. Was nachweislich gleich zu zwei Verträgen geführt hatte. Der Dackel, ein Prototyp von Außerirdischen? Der Vorläufer von grünen Männchen? Daß Deutschland inzwischen irgendwie grün ist steht ja wohl außer Zweifel. Nur keiner weiß wirklich wie es dazu kam. Außer vielleicht der Grüne Hofreiter. Haben wir ein sehr viel tiefergehendes Problem?