Nessie, das Seeungeheuer von Loch Ness, war nun nahezu ein Jahrhundert unser treuer Begleiter durch das mediale Sommerloch. Es tauchte erstmals 1933 im Inverness Courier auf, in Deutschland gehört es seit den 1970er Jahren zum sommerlichen Grundrauschen, meine letzte Sichtung erfolgte am 15 Juni 2026 in der HNA (Hessisch Niedersächsische Allgemeine).
Die Faszination von Nessie ist aber ein wenig verschlissen, weshalb sich alle Welt bemüht, mediale Nachfolger aufzubauen. Ein früher Kandidat war der ausgebüxte Kaiman „Sammy“, der 1994 in einem Baggersee bei Dormagen sein Unwesen trieb, zum Leidwesen der Medien aber nur 80 Zentimeter lang war und schließlich von einem Taucher mit bloßen Händen festgenommen wurde. Handschellen waren zu groß für den Gesuchten.
Aktuell gute Chancen auf einen vorderen Platz beim Ungeheuer-Spotting hat der neue Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause, der seit 1. Mai im Amt ist und sich ganz offensichtlich der Pflege des Brauchtums verpflichtet fühlt. Zu diesem schuf er neues bayrisches Fabelwesen: den Münchner Wassermangel. Der ähnelt dem berühmten Wolpertinger, der häufig als Hase mit Geweih, Flügeln, Fangzähnen und Entenfüßen dargestellt wird. Wie dieser ist der Wassernotstand ausgesprochen scheu, wissenschaftlich kaum nachweisbar und nur unter besonderen Bedingungen zu beobachten – beispielsweise bei Pressekonferenzen.
Jetzt hat OB Krause gute Chancen als „Nässie vom Marienplatz“ in die Annalen der Stadt einzugehen. Das Sommerwetter und der hohe Verbrauch habe zu einer „seit den frühen 1970er Jahren nicht dagewesene Ausnahmesituation“ geführt, meint Krause. Dabei ist in München und Umgebung mehr als genug Nass da – die Münchner Wasserwerker waren deshalb in den letzten 20 Jahren bis zum Erscheinen des neuen OB tiefenentspannt wie die Wasserschweine im Pantanal.
Nichts erschreckt die Münchner mehr als Durst
Darüber hinaus könnten die Münchner ihre Innenstadt bei Gefahr im Verzug mit Augustiner, Paulaner oder Löwenbräu fluten (650 bis 700 Millionen Liter pro Jahr). Der Bürgermeister – ganz Kümmerer und Durchgreifer – löste dennoch „vorsorglich“ den Nässie-Alarm aus, pädagogisch wertvoll und passend zur sommerlichen Klima-Soap. Merke: Nichts erschreckt die Münchner mehr als Durst.
Die Medien beteiligten sich erfreut am Wassermangeltheater, München ziehe die Notbremse (Süddeutsche, Zeit), die Versorgung sei am Limit (Bild), Brunnen würden abgestellt, strikte Verbote verhängt und hohe Bußgelder für Wasserverbrauchsverdächtige angedroht.
Seitdem ist in München in Sachen Wasser alles verboten, was Spaß macht (Befüllen von Pools, Bade- und Planschbecken, Rasensprengen) und nicht ausdrücklich erlaubt ist (Trinken, Kochen, Duschen). Bundesumweltminister Schneider sprang sofort auf die Luftmatratze auf, gab eine Prise Wehrtauglichkeit hinzu und prophezeite „ernsthafte Konflikte“ um Wasser. Ein sogenannter „Dürre-Experte“ forderte eine „flächendeckende Überwachung des Grundwassers“, ganz nach dem Motto des Karikaturisten Bernd Zeller: „Die Studie wurde erstellt von Experten, die daraufhin alle ihre Posten behalten haben.“
„Münchens neuer Bürgermeister gibt ein besonders drastisches Beispiel für Volkserziehung durch schikanöse Vorschriften“, schreibt der Journalist Norbert Häring auf seinem Blog. Und umd die Sinnhaftigkeit der verordneten Sparmaßnahmen nicht zu gefährden, musste dann auf der Website der Münchner Stadtwerke ein Satz weichen, der dort seit Jahren stand und den neuen OB eine Weile unbemerkt überlebte.
Wer Schuppen hat, kriegt ein Becken, wer Schwimmflügel hat, eine Anzeige
Dort hieß es jahrelang über die „sichere Wasserversorgung der Stadt“, die Quellgebiete im Mangfalltal seien durch Gesteinsschichten bestens geschützt und würden regelmäßig überwacht: „Die Wasservorkommen dort sind sehr ergiebig, ja praktisch unerschöpflich“. Deshalb hat München in der Vergangenheit schon öfter ähnliche Hitzeperioden und wenig Niederschlag ausgesessen.
„Hinweise auf die Unerschöpflichkeit des Wassers, das aus den Alpen unterirdisch gen München strömt, sind diesem Erziehungsprojekt natürlich hinderlich. Und so wurde, der Hinweis auf die Unerschöpflichkeit der Vorräte ersatzlos gestrichen“, schreibt Häring und zitiert George Orwell: „Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.“ Das sagt mir was: Die mittelalterliche Warmzeit, die in meinen Erdkundebüchern noch umfänglich beschrieben wurde, kommt dort heute allenfalls noch gut getarnt als mittelalterliche „Klimaanomalie“ vor. Wer die Gegenwart erwärmen will, muss lediglich die Vergangenheit abkühlen.
Bevor die Archivseite mit dem Abschnitt „Sichere Münchner Wasserversorgung“ und dem inkriminierten Satz auch noch verschwindet: Hier ist sie. Aus einer E-Mail eines Lesers von Achgut.com ergibt sich übrigens, dass der Satz bis zum 15. Juli 2026 noch nicht vom Dienst suspendiert wurde. Zum Thema der Wasserversorgung Deutschlands hat unsere Autorin Uta Böttcher schon 2024 alles geschrieben, was man wissen muss: „In Deutschland herrscht kein Wassermangel“. Ansonsten muss man leider davon ausgehen, dass es den derzeit Regierenden irgendwann tatsächlich gelingt, eine Mangellage auszulösen. Um es mit Franz Josef Strauß zu sagen: „Was passiert, wenn in der Sahara der Sozialismus eingeführt wird? Zehn Jahre überhaupt nichts, und dann wird der Sand knapp“.
Doch zurück zum privaten Schwimmbecken. Nachdem das Befüllen von Pools verboten ist, mache ich mir jetzt ernsthafte Sorgen um die Sumpfkrokodile im Urwaldhaus des Tierparks Hellabrunn. Und es erhebt sich die ethisch-moralische Frage: Kann man Kindern das Planschbecken verbieten, während ausgewachsene Krokodile weiterhin in den Genuss ihres privaten Swimming-Pools kommen? Wassernot gilt offenbar nur bis zu einer Körpergröße von 1,20 Metern. Wer Schuppen hat, kriegt ein Becken, wer Schwimmflügel hat, eine Anzeige.
„Kasper, Vorsicht, das Krokodil ist hinter dir!“
Ein klassicher Fall also für Alena Buyx, ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrates und auf Talkshowsesseln fest angeschraubt. Die Aufgabe des Krokodils im Puppentheater besteht darin, plötzlich Gefahr und Chaos in die überschaubare Welt des Kaspers zu bringen – in den Talkshows läuft das ähnlich. Nur ruft bei Markus Lanz niemand: „Kasper, Vorsicht, das Krokodil ist hinter dir!“.
Der Kasper dreht sich häufig im falschen Moment um, das Krokodil verschwindet wieder, und die Szene wird mehrfach wiederholt. Kennt man ja. Und auch das: Das Publikum weiß mehr als die Hauptfigur. In einer Untersuchung zu einer modernen Kasperinszenierung („Das kunterbunte Krokodil“) wird das traditionelle Krokodil des 19. Jahrhunderts übrigens als Symbol für Gier, ungehemmten Trieb und Gefahr beschrieben.
Passenderweise kroch das nächste Exemplar Ende der Woche aus dem Bundesfinanzministerium. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil ließ es in Form des gemeinen Steuerhinterziehers auftreten, der für das Elend unserer Regierenden gerade als Hauptverursacher ausgeguckt wird. Der Steuerbetrüger besitzt in der überschaubaren Welt des Kaspers nämlich nicht nur einen Pool, sondern auch eine Rolex und einen Porsche. „Porsche und Rolex sind dann erst mal weg, und das wird den Tätern richtig weh tun“, kündigte der Lars vom Puppentheater einen härteren Kurs gegen Steuerbetrug an. Das Ganze erfolgt auf Basis der Beweislastumkehr, mithin der Abschaffung unserer bisher gültigen Rechtsordnung, die da heißt: „In dubio pro reo“ – im Zweifel für den Angeklagten.
Vorgestellt wurde zusammen mit der Bundesjustizministerin ein „Aktionsplan“ mit 26 Maßnahmen und einem verschärften Sonder-Strafrecht zur Abschreckung unter dem euphemistischen Slogan: „Die Ehrlichen dürfen nicht die Dummen sein“. Deshalb müssen die Ehrlichen künftig zunächst den Behörden beweisen, dass sie ehrlich sind – und nicht die Behörden den Betroffenen, dass sie schuldig sind. Bis das gelungen ist, bleiben Porsche, Rolex und möglicherweise der Oldtimer aus Familienbesitz bis zu einem halben Jahr beim Staat. So lange, bis die Ehrlichen doch die Dummen sind.
Und täglich grüßt ein neues Krokodil
„Israel ebnet Weg für Einsatz von Krokodilen um Gefängnisse“, berichtet soeben der Nachrichtendienst „Keystone“ über ein angebliches Projekt der israelischen Regierung: „Israels Umweltministerin Idit Silman hat den rechtlichen Status von Nilkrokodilen geändert, um Berichten zufolge den Einsatz der Reptilien in Wassergräben rund um ein Gefängnis mit palästinensischen Sicherheitshäftlingen zu ermöglichen“.
Was mir dabei sofort einfiel: Was macht eigentlich der Graben um den Bundestag? Ob diese Einrichtung die Ehrlichen vor den Dummen oder die Dummen vor den Ehrlichen schützen soll, ist mir bislang nicht ganz klar, jedenfalls fühlen sich Teile unserer Volksvertreter offenbar seit Längerem bedroht.
Es handelt sich um einen sogenannten „Aha-Graben“ vor der Westfassade, also zwischen der großen Freitreppe und dem Platz der Republik, er soll etwa zehn Meter breit und 2,5 Meter tief werden. Die Fertigstellung ist bis zum Jahre 2032 geplant, mal sehen, welche Insassen der Bundestag dann beherbergt. „Aha-Graben“ heißt das Ding, weil man es aus der Ferne gar nicht bemerken soll. Die Rasenfläche wirkt optisch zunächst so, als würde sie bis zum Reichstagsgebäude weiterlaufen. Erst wenn man näher kommt, fällt das Gelände in eine breite, trockene Vertiefung ab. In einer Beschreibung heißt es: „Daher der historische Name ‚Aha-Graben‘, man sieht die Barriere erst kurz davor und denkt sinngemäß, ‚aha‘“. Wobei das „Aha“ natürlich noch größer wäre, wenn es sich um einen Wassergraben handeln würde, in dem sich approbierte israelische Krokodile tummeln.
Lars Klingbeil könnte seine Steuersünder dann bis zum Beweis der Unschuld vor Ort verfüttern.

Aha-Graben? Dichter wären wohl eher die Modelle Atlantik-Wall oder Berliner Mauer. Aber das will in Deutschland bzw. am Bundestag wohl kein Mensch mehr sehen. ;-) Aber warum eigentlich nur ein Graben mit Krokodilen? Baut da doch gleich einen ganzen Zoo auf mit Krokodilen, Löwen, Wölfen, Wildschweinen, Böcken, Falken, etc. um die gesamte Nahrungskette abzudecken. *lach* Man muss dann nur aufpassen, dass die sich nicht gegenseitig fressen und die so zusammenlegen, dass die keine natürlichen Gegner sind. Oder die zumindest so dressieren/konditionieren, dass die nur unerwünschte Fremdarten reißen. Aber ob das so klappen würde und wie man das Gehege letztendlich zusammenstellen müsste, sähe man dann ja erst vor Ort. Futterneid oder sogar Kannibalismus spielen unter gleichen Arten bisweilen ja auch eine Rolle. Wenn die sich auch alle gegenseitig fressen, ist der Graben dann nachher leer. Und das Portemonnaie wohl auch.
Alternativ böte sich deshalb vielleicht auch ein Graben voller vorgespannter Rattenfallen an. Die gehen erst dann los, wenn da wirklich jemand drauflatscht. *lach*
„“Die Ehrlichen dürfen nicht die Dummen sein„. – Ist aus Richtung der Berliner “Pinocchio- Blase„ gesprochen schon ein ziemlich dreister Ausspruch in Richtung derer, die sie bezahlen, um sodann von ihnen zunehmend mehr finanziell ausgeplündert und ausgeblutet zu werden.
>>Traktoren werden immer schwerer. Das wirkt sich aufs Grundwasser aus.<<
Und nicht nur aufs Grundwasser. Im München fahren die Traktoren wieder Amok.
Die wissen, dass dies ihr letztes Gefecht ist und sch… sich nix. Korruption, Vorteilsnahme und Demontage des Rechtsstaates – völlig ungeniert.
Oder sie haben einen Plan, wie sie die Demokratie in „ihre Demokratie“ transformieren.
In jedem Fallsind sie kriminell!
Wenn ich es richtig verstanden haben hat die Regierung von Oberbayern, die hier die Aufsichtsbehörde ist, der Allgemeinverfügung zugestimmt. Dabei ist eine Aufsichtsbehörde verpflichtet, die sachliche Begründung zu prüfen, sowie ob die Maßnahme zur Verhinderung einer Gefahrenlage geeignet ist. In der Regierung von Oberbayern dominiert keine Partei, und schon gar nicht die Grünen. Es ist eine Technokraten-Institution, die (angeblich) partei-unabhängig besetzt ist. Die nächsthöhere Aufsicht hat die Landesregierung, die bekanntermaßen, nahezu ausschließlich von CSU und ein Bischen von den Freien Wählern (Fleisch vom Fleisch der CSU) bestimmt ist. Was der Grüne OB dort macht, steht vollständig im Einklang mit allen transgelaktischen Gremien. Oder glaubt irgendwer, der könnte das aus Spaß machen?
@W. Rommel. Schöner historischer Ausflug. Ja, die Apokalypse Liebenden haben null Ahnung von allem. Sie pflegen nur ihr Begehr, was völlig Neues zu kreieren. Was noch nie da war, aber jeder der dummen Jünger, die noch nie Ursachenforschung oder Geschichte verstanden haben, ihnen folgen sollten. Und ihr Kreuzchen an der richtigen Stelle machen sollen.
Ein von Idioten erdachtes Konzept für Idioten. Ein 4,8 Milliarden alter Planet kann ganz andere Geschichten erzählen. Warm-, Kalt- und Eiszeiten. Immer im Wandel. Wie auch heute. Sekten tun sich aber dadurch hervor, die einzig richtige Wahrheit zu verkünden. Passt zur Gründung 1980, den Ausläufern der Sektenzeit von Poona über Tokio bis USA, Europa hat alles kopiert, wie üblich.
In diesem Sinne gute Nacht und beste Wünsche
@Andy Falterheisl : >>Wo mir schon mal bei uns Bayern san: „Von drausd von Egling komm i her, und sag euch: es messerte sehr“. – Täter auf der Flucht. Täterbeschreibung: es wor a Mo (ein Mann). (hoffentlich hat „auf der Flucht“ nicht eine ganz spezielle Bedeutung; vielleicht wars aber auch der wilde Sepp oder der fesche Alois, der oiweil so leicht in Rage kimmt). Schaumer mal, ob der Söder wos sogt, oder der Burli aus München.<<
## Von Alters her ist doch der Dobrindt zuständig, nicht nur bei kroatischen 16-jährigen „Incel“-Tätern, sondern auch beim feschan Lolla, dem Liebling der Sähsonng. Und er hat die volle Unterstützung, oben Unterstützung, unten Unterstützung, vorne Unterstützung, hinten Unterstützung, rechts Unterstützung. links Unterstützung, Unterstützung einfach überall. Bei uns Bayern aso.