Der britische „Telegraph“ erfreute mein Herz vergangene Woche mit der Schlagzeile: „Jaguar-Land-Rover-Designer hinter dem ‚woken‘ Rebranding aus dem Büro eskortiert“. So umschreibt man gemeinhin einen fristlosen Rausschmiss, bei welchem der Arbeitgeber verhindern möchte, dass der betreffende Mitarbeiter vor seinem Abgang noch weiteren Schaden verursacht. Wäre das nicht eine schöne Schlagzeile, die man gern über jedes einzelne Mitglied unserer Regierungskoalition lesen würde? (Ich fürchte aber dieser Weihnachtswunsch wird nicht in Erfüllung gehen).
Zurück zu Gerry McGovern, der das ehrwürdige Haus Jaguar mit Vollgas in eine rosarote Zukunft chauffieren sollte, bei der das British-Racing-Grün durch die Farben des Regenbogens ersetzt wird. Wahlweise auch durch Pink, wie bei einem elektrischen Jaguar Prototyp, dessen Design mich spontan an den Kohlenkasten unterm Herd meiner Mutter erinnerte.
Zur Erinnerung: Bei Jaguar hatten im vergangenen Jahr sämtliche Bremsen versagt. Die Firma wollte künftig nur noch Elektroautos mit Preisen von 100.000 bis 200.000 Euro herstellen. Und um das zu üben, schickten die Verantwortlichen die Werke bis 2026 in einen Dornröschenschlaf. Ein Vorgehen, das dem Sonntagsfahrer damals symptomatisch für „The Age of the Abrissbirne“ zu sein schien: „Das Alte plattmachen, bevor man etwas funktionierendes Neues hat. Ich sage nur: deutsche Kraftwerke“.
Einen frühestens Ende 2025 startenden sündhaft teurer Elektro-Jaguar kündigt der damalige Chef Rawdon Glover vielsagend als "Copy of nothing" an. Bis zum Erscheinen der „Kopie von Nichts“ sollte kein noch so treuer Kunde mehr einen neuen Jaguar kaufen, die Autos auf Halde wurden als Gebrauchtwagen unters Volk gebracht, solange der Vorrat reicht. Seitdem hat in der Tat nichts das Licht der Welt erblickt, die Versprechungen der visionären Führungskräfte wurden in gewisser Weise eingehalten. "Wir werden auf dieser Reise Teile unserer Bestandskundschaft verlieren", sagte Jaguar-Chef Glover damals. Auch hier muss man anerkennen: Mission accomplished.
Die Abschiedsworte waren salbungsvoll und einfühlsam
In welcher Form Jaguar nach der Narkose wieder aufwacht, weiß derzeit allenfalls der offensichtlich rabiate neue Chef P.B Baliaji, der von der Konzernmutter Tata Motors im fernen Indien als Gurkha an die Europafront entsandt wurde. Der Mann hat Maschinenbau studiert und gilt obendrein als Finanz-Experte, ist also weniger von Visionen befallen als von Excel-Tabellen getrieben. Kurzum: Der Mann kann rechnen. Das ist schon mal ein Anfang, aber ob es für einer Idee zur Wiederbelebung von Jaguar reicht, sei dahingestellt. Eine „Copy of Nichts“ scheint Baliaji jedenfalls nicht zu behagen, sonst hätte er deren Erfinder nicht im Büro aufgelauert und danach die Schlösser austauschen lassen. Vielleicht hat er sich das bei Elon Musk abgeschaut, dessen Putztruppe nach der Übernahme von X gleich das ganze Führungs-Hauptquartier versiegelte.
Und nun zur Konkurrenz: Nehmen wir mal Porsche. Bei denen haben ja ebenfalls alle Bremsen versagt und zwar bei Höchstgeschwindigkeit. Irgendein höheres Wesen in der oberen Etage hatte wohl ein Erweckungserlebnis und schickte vergangenes Jahr den Verkaufsschlager „Macan“ mit Verbrennungsmotor in den vorzeitigen Ruhestand. Diskussionen, Warnungen oder Widerrede unerwünscht. Porsche wollte seinen Kunden das Elektromodell schlicht aufzwingen. Die hoben den Zeigefinger tippend an die Stirn und sprachen: „A bissle domm isch jedr, abbr so domm wia manchr isch koinr.“ Die Käufer verabschiedeten sich so entschlossen wie zuvor bei Jaguar die erwähnten „Teile der Bestandskundschaft“. Die komplett ideologiegetriebene Zwangsmaßnahme pulverisierte die Macan-Verkaufszahlen und die Porsche-Rendite wie eine Handgranate.
Der seinerzeitige Porsche-Chef Oliver-Blume wurde zwar nicht aus dem Büro eskortiert, sondern lediglich von einer „Doppelbelastung“ befreit, denn der Mann wirkt ja weiterhin an der Spitze von Volkswagen als Bankrottbeschleuniger: „Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen – VW-Chef will Sparkurs vorantreiben“. Die Abschiedsworte der Familie Porsche waren salbungsvoll und einfühlsam: „Dr. Oliver Blume hat als Vorstandsvorsitzender der Porsche AG das Unternehmen in herausfordernden Zeiten mit großer Verantwortung übernommen und erfolgreich geführt. Der Aufsichtsrat der Porsche AG dankt Herrn Dr. Blume für seinen starken Einsatz. Wir freuen uns, mit ihm als CEO des Volkswagen Konzerns weiterhin eng und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten.“ Die Formulierung macht es absehbar, dass der Mann früher oder später auch von seiner herausfordernden Einzelbelastung in Wolfsburg befreit wird.
Wie bei einem versetzten Frontalaufprall auf eine starre Barriere
Bei Porsche soll es ab 1. Januar 2026 der neue Vorstands-Vorsitzende Michael Leiters richten. Zur Vorbereitung übt der Mann mit einem Kunstturner den gekonnten Spagat und mit einem Psychologen die Herausforderungen der kognitiven Dissonanz. Er muss geräuschlos sinnlose Entwicklungen einstellen, darf aber keine Kritik an der These „Die Zukunft ist elektrisch“ üben. Wie bei allen anderen Herstellern wird heimlich hinter einem Vorhang im Heizungskeller an neuen Verbrennern gearbeitet, nur sollten Uschi in Brüssel oder die SPD in Berlin davon keinen Wind bekommen, es könnte als Wehrkraftzersetzung und politische Insubordination gewertet werden. Den harten Hund darf der Automanager der Stunde nur bei der Verkündung drastischer Sparmaßnahmen gegenüber der Belegschaft raushängen lassen, bei Berliner oder Brüsseler Politikern sollte er sanft wie ein Kätzchen auf dem Schoss sitzen und schnurren.
Ein Meister dieses Fachs findet sich gleich in der Nachbarschaft unten im Neckartal. Da residiert Mercedes-Chef Ola Källenius, eine anschmiegsame Führungsgestalt, die sieben Leben hat, von denen allerdings erst sechs verbraucht sind. Nachdem Källenius mit seiner „Luxusstrategie“ genau wie mit seiner „Electric Only“-Strategie gegen die Wand gefahren ist wie bei einem versetzten Frontalaufprall auf eine starre Barriere, werden jetzt zehntausende von Arbeitsplätzen abgebaut. Aber keine Angst: Die sind nicht weg, sondern nur woanders.
Beispielsweise in Ungarn. Ola, der sich hierzulande in politischer Hinsicht in diverser Weise ranschmeißt, verkehrt nämlich auch mit dem europäischen Gottseibeiuns Victor Orbán, allerdings hängt er es nicht so gern an die große Glocke. Für die grüne Landesregierung kommt der Ungar gleich hinter Dschingis Kahn. Der durchtriebene Orbán ließ es sich jedoch nicht nehmen, den Handschlag auf seiner Website zu veröffentlichen.
Orbán darf das, denn er hat industriepolitisch offenbar alles richtig gemacht, was hierzulande falsch läuft: Das Werk Kecskemét liegt in der Puszta und gilt bei Daimler heimlich als der große Gewinner gegenüber der durch die zahlreichen gefloppten E-Auto-Projekte gebeutelten politischen Tiefebene in Deutschland. Die Fertigungskapazität in Ungarn soll verdoppelt werden.
Die Ungarn haben weder etwas gegen Maßanzüge noch gegen Arbeitgeber. Sie haben lediglich etwas gegen prohibitive Energiepreise, zu hohe Steuern, explodierende Sozialbeiträge, Technikverbote und fleischfreie Werkskantinen (Kecskemét war ein Zentrum der Rinderzucht). Die Produktionskosten liegen um 70 Prozent unter denen in Deutschland. Und jetzt entsteht auch noch ein großes Zentrum für Forschung und Entwicklung. Die Zukunft von Mercedes findet derzeit hinter der Brandmauer statt.

@Alex Müller: In der ersten Jahreshälfte wurden 45.137 Macan in Kundenhand übergeben Fast 60 Prozent davon (25.884 Fahrzeuge) entfallen auf die vollelektrische Variante.„
Und ohne den Verbrenner, werden es ab 2026 40% weniger sein.
Ungarn ist wirtschaftlich unbedeutend und leicht zu kaufen – die wird man schon mit einer passenden Summe auf Linie bringen. Zur Zeit läuft doch schon eine konzertierte Aktion, um einen Brüsselhörigen an die Macht zu bringen. Dann geht es dort zu wie in D, F, A – das System akzeptiert keine Abweichler auf Dauer.
Prognose: Bei der nächsten Wahl ist Orban weg, die Einwanderer da, und das wird so arangiert, daß es kein Zurück geben wird. Den Managern wird das recht sein, sie haben dann ein „Deutschland in billig“ und ziehen weiter, wenns doch krachen sollte.
Endstation werden die USA sein, die wollen die Wertschöpfung im eigenen Land haben, und werden sie auch bekommen.
Leute wie Glover, Blume und Källenius wachen wohl erst auf, wenn der nächste Dienstwagen ein Lastenrad wird und die Boni in Haferbrei ausbezahlt werden.
„Die Zukunft ist elektrisch“ hat vermutlich eine ebenso kurze Habwertszeit wie „Deutschlands Zukunft liegt auf dem Wasser“.
An der „Großen Transformation“ ist nur der Größenwahn groß, in dem eine Clique in Europa offenbar glaubt mit einem 0,000256% Anteil an der globalen CO2 Konzentration durch „Net Zero“ das „Klima“, also zunächst das Wetter, beeinflussen zu können!
An der Elektromobilität ist nichts nachhaltig oder besonders umweltfreundlich; selbst dann nicht, wenn der Strom von „Erneuerbaren“ wie Windrädern oder PV-Anlagen erzeugt wird, denn deren Entsorgungsprobleme sind möglicherweise nachhaltiger als ihre Energieproduktion.
Ein Netzfund beschreibt einen Mercedes der Baureihe W123 Diesel, Bj 1982, der 1 000 000 km auf der Uhr hat und in Marokko immer noch als Taxi läuft. Für Peugeot 404 gibt es in Westafrika ähnliche Beispiele.
Das ist nachhaltiger als ein E-Vehikel, dem man nach 4 Jahren wegen der enormen Kosten keinen Akku zur Wiederbelebung mehr spendieren kann, und das von einem 2. Leben in Afrika nicht mal träumen kann. Das E-Mobil hat Zukunft als Nischenprodukt, für Leasing in Ballungsräumen, für Megacities in China mit Smogproblemen und für Menschen die virtue signalling lieben und nicht unter Geldmangel leiden, oder einfach Spaß an der geräuschlosen sauberen Fortbewegung haben. Der Dreck ist zwar nicht weg , aber woanders.
Im Allgemeinen schätze ich die leicht sarkastischen Ausführungen zum Sonntag, aber was den Macan betrifft, hätte ein wenig Recherche dem Artikel gut getan. Porsche schreibt hierzu:
„In der ersten Jahreshälfte wurden 45.137 Macan in Kundenhand übergeben (+15 Prozent). Fast 60 Prozent davon (25.884 Fahrzeuge) entfallen auf die vollelektrische Variante.“
Das meistverkaufte Auto, der Elektrifizierung zum Trotz, war es außerdem. Probleme hat Porsche anderswo, in China z.B., wo man mittlerweile lieber zu heimischen Marken greift, aber der Hausfrauen-Panzer-Porsche namens E-Macan war wohl ganz nach dem Geschmack der Anwaltsgattin aus der Vorstadtvilla mit Garage, Wallbox und Solardach, die damit ihre Was-Lakostet-Die-Welt-Kids in die Schule chauffiert.
Komisch was: …da gehen all Jene Firmen, die sich und den zukünftigen Wirtschaftsstandort von der „feindlichen“ AfD und „Rechten“ bedroht sehen, genau dorthin, wo Das ist, wovon sie hier permanent „rossmannen“(altdeutsch: warnen)!
Und der ‚Rossmann‘ selber, im achso rächtradikaren werteverachtenden Ungarn, schließt in Budapest heute just um 19Uhr!
Ja, zu was die ungarische Steppe taugen kann. Derweil in Deutschland die unkultivierte Natur ihre Rechte zurück erhalten soll und zukünftige humanoide Generationen sich dem Müßiggang verschreiben, in der Hoffnung, dass der Frutarismus genügend Obst und Gemüse in die offenen Münder fallen lässt (Deutsch-Schlaraffenland). Der Kampf gegen Leistung und bösen Arbeitgebern geht planmäßig weiter.