Autogegner vergessen oft, beziehungsweise sie wissen es erst gar nicht, dass die Karriere des vom Manne geliebten Brummbrumms eng mit einem gewagten feministischen Akt verbunden ist. Es war nämlich Bertha Benz, die Gattin von Carl Benz, die die Erfindung ihres Mannes auf die Überholspur lenkte. Die couragierte Dame investierte ihr Erbe in eine Verbrennungsmaschine mit dazugehörigen Rädern, die als erstes praxistaugliches Automobil gilt. Der von ihrem Mann entwickelte dreirädrige Motorwagen war aber erst einmal ein Flop, weil niemand wusste, was er damit anfangen sollte.
Aber Bertha Benz wusste es. Als ihre in Pforzheim wohnende Schwester im August 1888 ein Kind zur Welt gebracht hatte, beschloss sie kurzerhand, mit ihren beiden Söhnen dort hin zu fahren. Wozu hat man schließlich ein Auto in der Garage (damals hieß das noch Motorwagen oder pferdelose Kutsche). Von der Werkstatt ihres Mannes in Mannheim nach Pforzheim waren es 106 Kilometer.
Bertha Benz hatte keinen Führerschein, sowas gab es aber auch noch nicht. Dafür gab es ein Fahrverbot der Mannheimer Polizei für den Motorwagen (ganz nebenbei: Fahrverbote haben in deutschen Städten somit eine Tradition von 130 Jahren, damals fürchtete man allerdings nicht die Luftverschmutzung, sondern scheuende Pferde). Der erste Benz durfte deshalb nur auf ein paar Kilometern ausgewiesener Teststrecke bewegt werden. Was Bertha Benz nicht die Bohne interessierte. Sie brach im Morgengrauen auf, selbstverständlich ohne ihren Göttergatten vorher informiert zu haben. Der ängstliche Carl hätte es garantiert verboten.
So viele Apotheken wie heute Tesla-Ladestationen
An diesem Tag emanzipierte sich Bertha von männlichen Vorschriften und außerdem die Menschheit von der Eisenbahn. Sie landete gleichsam einen freiheitlichen Doppelsieg, denn die Tour klappte – wenn auch nicht ganz ohne Hindernisse. So musste in den Apotheken am Wegesrand Ligroin, auch bekannt als Waschbenzin, zum Nachtanken aufgetrieben werden (es gab ungefähr so viele Apotheken wie heute Tesla-Ladestationen). Die Alltagstauglichkeit des Automobils war jedenfalls bewiesen und die knatternden Dinger fanden immer mehr Käufer.
Es lag also nahe, dass Mercedes-Benz, die einzige Automobilmarke mit einem Genderstern auf der Haube, den revolutionären Akt zum Weltfrauentag gehörig feiert. Das tat man mit einem kinoreifen vierminütigen Video, produziert von der Mercedes-Werbeagentur Antoni aus Berlin. Von der Machart ist „Bertha Benz: Die Reise, die alles veränderte“ eine gut gemachte Mischung aus Schlafes Bruder und Italo-Western. Bäuerinnen fallen auf den Feldern auf die Knie, ein Mädchen hält sie für eine Hexe, Männer spucken vor ihr aus. Doch Bertha Benz rollt mit ihren Söhnen unbeirrt durch die Landschaft, improvisiert bei einem Defekt – und das mit ihrem Strumpfband (was der historischen Wahrheit entspricht). Am Schluss heißt es: „Sie glaubte an mehr als ein Auto. Sie glaubte an sich.“
Klar, das kann man auch als Zeitgeist-Geschwurbel und leicht anbiedernd empfinden. Geht mir aber in diesem Fall nicht so. Denn der Benz-Kurzfilm hat bei genauem Hinschauen eine zweite Ebene. Und die ist in Zeiten wie diesen ziemlich subversiv. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob das nun beabsichtigt ist oder nicht. Aber das ist ja auch egal. Es geht mit dem kleinen Mädchen los, das Bertha Benz erst für eine auf einem Geisterwagen fahrende Hexe hält. Dieses Mädchen ist Greta Thunberg wie aus dem Gesicht geschnitten, die zwei obligatorischen Zöpfe inklusive. Mit einem verschwörerischen Blick weist das Mädchen Bertha Benz den Weg zur örtlichen Spelunke, wo der Apotheker versackt ist. Greta als „Sister in Crime“ von Bertha Benz, das gefällt mir wirklich gut.
Frauen ziehen während der Landarbeit einen Pflug
Noch besser gefällt mir, wie realistisch die damalige Armut der Bevölkerung gezeigt wird. In der Eingangsszene zieht eine Gruppe von Frauen während der Landarbeit einen Pflug durch ein verschlammtes Feld. Man hatte nicht einmal Pferde für diese Arbeit. Der Verbrennungsmotor machte die Menschen nicht nur mobiler, er ersetzte auch unmenschliche Muskelarbeit, die vielfach zum Alltag gehörte. Er ersetzte auch oft knietiefen Pferdedung, der sich damals in den Straßen der Städte türmte und zur massenhaften Verbreitung von Krankheiten wie Tuberkulose beitrug (Das Stuttgarter Neckartor ist im Vergleich dazu ein Lungen-Sanatorium).
Als eine der treibenden Kräfte der Industrialisierung halfen der Verbrennungsmotor und bezahlbare Energie, jenen Wohlstand zu schaffen, von dem wir heute alle profitieren. Nicht zuletzt Greta und ihre Mitschüler, die tausendfach dagegen auf die Straße gehen.
Ich fürchte, es hat ihnen niemand erzählt, wie das Leben in der imaginierten Öko-Idylle der Vergangenheit ohne Kraftwerke, Fabriken und Autos aussah. Vielleicht sollte man das Bertha-Video auf den Lehrplan setzen. Wie heißt es nochmal am Schluss: „Sie glaubte an mehr als ein Auto. Sie glaubte an sich.“ Vor allem glaubte sie an eines nicht: den Weltuntergang.
Beitragsbild: Bühler/Automuseum Dr. Carl Benz via Wikimedia Commons

Ja, ihr Greta-Follower, rückwärts oder vorwärts. Rückwärts in die Zukunft geht nicht, vorwärts in die Vergangenheit auch nicht. Was also tun? Vielleicht mit an Ideen und Taten glauben, die uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind und (konstruktiv) kritisch, zuversichtlich nach vorne schauen und anpacken. Hervorragendes Video; ich wünschte, der Konzern würde es politisch gezielt und richtig einsetzen.
Müßte man da nicht ein "zeitgemäßes" Video drehen, indem ein Elektrokarren im Dorf strandet und die technikaffine Kondukteurin um STROM bittet, was leider aufgrund der noch nicht (nicht mehr...) vorhandenem Netzkapazität scheitern würde...
Berta Benz, eine starke und emanzipierte Frau. Das Video zu ihrer ersten Fahrt finde ich sehr schön und anschaulich gemacht. Ein Video für unsere verhätschelte "Greta Jugend". Leider sind die Feministinnen, die heute glauben, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben, ein ganz anderer Sorte Mensch. Dümmlich, naiv aber fordernd. Das zeigt unser ganzes Dilemma auf.
Klasse Video, treffender Kommentar dazu! Sollten sich alle Grünen anschauen, die von der Steinzeit ohne Auto träumen. (Hoffentlich bekommt Mercedes jetzt nicht Ärger von der PC-Polizei).
Manchmal, wenn ich einen guten Tag habe, lese ich den einen oder anderen Artikel auf Vorwärts- online. Nur um das Seelenleben der siechenden SPD zu verstehen. Im November vergangenen Jahres erschien dort wieder einmal ein journalistischer Versuch, die Grünen im Weltrettungseifer zu überholen. Was mich sehr erheiterte, war jedoch nicht der Artikel selbst, sondern folgender Beitrag eines Kommentators: (Auszug) "Leider taugt Deutschland überhaupt nicht als Vorbild im Klimaschutz, obwohl Deutschland gerade deshalb in der Verantwortung steht, weil hier der unsägliche Verbrenner-PKW erfunden wurde, der so viel Unheil über die Menschen bringt und von hier Kohlekraftwerkstechnologie in alle Welt verbreitet wurde und wird! "Meine Antwort darauf: Ja Herr XXX, Deutschland trägt große Schuld. Deutschland (D) ist schuld an den vielen bösen Zeitungen und Büchern, denn in D wurde der Buchdruck erfunden. D ist schuld an den Millionen Menschen, die an Bluthochdruck sterben, denn in D, auch noch in Dresden, wurde die Kaffeefiltertüte erfunden. D ist schuld an den vielen deutschen Hassreden im Netz, denn in Deutschland wurde die deutsche Sprache erfunden. Ich kann mit dieser unerträglichen Schuld nicht mehr leben!
Lieber Herr Maxeiner, Sie haben offensichtlich eine sehr rege Phantasie. Diese hilft Ihnen, im Video an eine zweite Ebene zu glauben, die ich auch unter größter Kraftanstrengung nicht erkennen kann. Das Video wurde - so etwas wird ja mit großem Aufwand produziert - ganz gewiss gedreht, bevor die Klimaheilige Greta internationale Aufmerksamkeit erheischte. Es ist lediglich ein weiterer Versuch von Mercedes-Benz (sowie anderer Unternehmen) auf der Welle des Mainstreams zu schwimmen, auch wenn dadurch dem eigenen Unternehmen eher geschadet wird. In diesem Fall lautet die Botschaft: "Frauen sind die eigentlichen Macher!" Nicht ihr Mann, der das Fahrzeug erdacht und gebaut hat, steht im Vordergrund, sondern Gretha, sorry Bertha Benz. Aber, da lasse ich einmal meine Phantasie walten, das ist doch ein guter Ausblick in die Zukunft. Wenn künftig Frauen trotz aller Quoten und staatlicher Interventionen eben nicht die großen Erfindungen und bahnbrechenden Unternehmensgründungen hinlegen, wovon aus Gründen, die ich hier einmal nicht ausführen will, auszugehen ist, dann werden eben Strohpuppen installiert, die uns ganz im Stile dieses Videos als die wahren Heldinnen präsentiert werden. Kurz, Männer dürfen weiter im Hintergrund an bahnbrechenden Erfindungen tüfteln, zugeschrieben werden sie irgendeiner Frau, die auch die Lorbeeren dafür einheimsen darf. Und die Männer werden das mit sich machen lassen, jede Wette!
Der erste Lesestoff am Sonntag? Klar, der Sonntagsfahrer. Dank an Herrn Maxeiner für Lachen, Schmunzeln und was dazu lernen. Habe den Link zu diesem Sonntagsfahrer mitsamt Film sofort an die Kinder- und Kindeskinder gesendet. Eine kleine und wohldosierte Arznei gegen Kleinmut, Klimahysterie und Gretahype.