Henry Ford gilt im allgemeinen als Vater der Fließbandfertigung. Die Idee zu seiner neuen Fabrik soll er sich in den Chicagoer Schlachthöfen abgeschaut haben. Dort wurden die Rinder arbeitsteilig am Band zerlegt. Ford ließ das Schlachtband gewissermaßen rückwärts laufen, es wurde nichts zerlegt, sondern etwas zusammengesetzt. Und das war kein Rind, sondern ein Auto, das auf den Namen „Ford Modell T“ hörte, gemeinhin Tin Lizzy, „Blechliesel“ genannt. Die Hupe einer fertigen Tin Lizzy klang übrigens tatsächlich wie das Muhen eines neugeborenen Rindes.
Die Vorteile der Fließbandfertigung: Sie macht Zwischenlager überflüssig, spart Raum, Zeit und Geld. Später wurden praktisch alle anderen Automobilwerke bei Ford abgeschaut, beispielsweise auch die Volkswagen-Fertigung in Wolfsburg. Wie so vieles wurde das Fließband nicht in Deutschland erfunden, aber von dessen Automobilherstellern zur Perfektion weiterentwickelt.
Inzwischen hat sich das Prinzip von der industriellen Produktion emanzipiert und ist auch in Bereiche wie die Kultur und den Sport vorgedrungen. Romane, Drehbücher und Hits werden heute ebenfalls am Fließband produziert, manche behaupten sogar, Fußballer, Marathonläufer, Manager und Jungpolitiker würden in Serie gefertigt, weil sie alle vom gleichen Typus sind.
Als echte Boombranche gilt derzeit die Produktion von Verschwörungstheoretikern, Klimaleugnern, Coronaleugnern, Rechten und dergleichen, die ich hier einmal unter dem Markennamen „Nazi“ subsumieren will. Zahlreiche Startups, Institutionen und Agenturen widmen sich in Deutschland dem Aufspüren dieser Spezies, auch die Medienlandschaft würde ohne sie einen herben Verlust erleiden, denn sie schlachten am Band, als seien sie bei Clemens Tönnies in die Lehre gegangen.
Die Exploration immer neuer Brutstätten
Die Bundesregierung fördert die Aktivitäten mit großen Summen, in diesem Jahr stützt alleine das Bundesfamilienministerium den Fließbandbetrieb mit 115 Millionen Euro. Während die Automobilfertigung zunehmend an Bedeutung verliert, entsteht hier eine neue Schlüsselindustrie. Wie jedes andere Geschäft auch, ist auch diese Branche auf Wachstum angewiesen und darf nicht stillstehen. Das ist wie ein Flugzeug, dem der Sprit nicht ausgehen darf. Sonst reißt die Strömung ab und die Kiste stürzt ab. In der talkenden Klasse hängt gefühlt jeder zweite Arbeitsplatz direkt oder indirekt an der N-Produktion, die Sache wird zunehmend systemrelevant.
Der Nachschub gestaltet sich allerdings problematisch, denn die Vorräte werden knapp, nachdem die Polizei, die Bundeswehr, der Verfassungsschutz, der Freistaat Sachsen sowie das Tübinger Rathaus bereits voll überführt sind. Die Exploration immer neuer N-Brutstätten ist von existenzieller Bedeutung, sonst besteht die Gefahr, dass die Lieferkette unterbrochen werden und die Just-in-time-Versorgung gefährdet sein könnte.
Außerdem schläft die ausländische Konkurrenz nicht, inzwischen gelten auch die USA, Brasilien, Russland, Großbritannien, Ungarn, Polen, Österreich, Israel und seit Corona sogar Schweden als florierende N-Standorte, um nur einige der unlauteren Konkurrenten zu nennen.
Um nicht auf Billigimitate aus dem Ausland angewiesen zu sein, ist es daher dringend angeraten, unser einmaliges Know-how als weltweit führender N-Standort abzusichern. Der Markenname „Nazi aus Deutschland“ muss als originale Herkunftsbezeichnung und Qualitätsgarantie geschützt werden, so ähnlich wie Allgäuer Bergkäse, Frankfurter Grüne Soße und Spreewälder Gurken.
Von Dirk Maxeiner ist in der Achgut-Edition erschienen: „Hilfe, mein Hund überholt mich rechts. Bekenntnisse eines Sonntagsfahrers.“ Ideal für Schwarze, Weiße, Rote, Grüne, Gelbe, Blaue, sämtliche Geschlechtsidentitäten sowie Hundebesitzer und Katzenliebhaber, als Zündkerze für jeden Anlass(er). Portofrei zu beziehen hier.

Ein weiteres Zertifikat muss lauten: "Original Amadeu Antonio Stiftung geprüft", das ist sowas wie das Bio-Gütesiegel obendrauf!
Die Idee des Fließbandes wurde zuvor von Hermann Bahlsen aufgegriffen- ebenfalls inspiriert von den Schlachthöfen Chicagos. Die Deutschen feiern aber ihre Erfinder und Unternemer nicht sonderlich. So ist bspw. der Fischerdübel jedem ein Begriff; es kommt aber keiner auf die Idee, seinen Urheber zu ehren. Ford beansprucht den Platz nur deshalb, weil man sich angewöhnt hat, bei uns jeden noch so innovativen Fabrikanten oder Patentinhaber zu übergehen und es daher für uncool gilt, sich überhaupt mit Dingen wie z. Bsp. Elektro- oder Verfahrenstechnik zu befassen. Der Großteil aller Entwicklung geht auf das Konto einer Handvoll Tüftler, die kaum namentlich bekannt sind, aber die ganze Welt verändert haben. Statt dreistellige Millionenbeträge in Imagekampagnen zu stecken, die so lehrreich sein dürften, wie das pausenlose Einhämmern der „Coronaregeln“, wäre viel gewonnen, würde man eine populäre Vermittlung wichtiger Entdeckungen anstreben, die nicht zu akademisch und auch nicht zu kindisch wären. Etwa so aufgebaut wie Bau- und Experimentierkästen.
Etwas tiefer ins Detail hätten Sie noch gehen müssen, verehrter Herr Maxeiner, gern hätte ich ein paar Beispiele der besonders engagierten Anti-Nazi-Literatur, dieser Aufklärungsarbeit gegen Rechts als Empfehlungen erhalten - oder Sie hätten über einen besonders gesinnungsbesoffenen Tatort erzählt, der auf einem dieser windigen Drehbücher basiert... Na immerhin...Was ist denn jetzt die Moral der Geschicht?
Ist "Nazi aus Deutschland" ein inzwischen gesetzlich geschützter und eingetragener Begriff?
@ Patrick Müller: Der Autor will uns mittels einer kleinen Satire sagen, dass das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird, das ist alles.
Geschätzter Herr Maxeiner, die sächsischen Kleinstadt Crimmitschau, steht offenbar für linke Moralextreme unter speziellen Verdacht. Ein Grund könnte sein, dass sie vor etwa einhundert Jahren noch Millionärskaff genannt wurde; sie hatte damals in Deutschland die größte Anzahl Millionäre bezogen auf die Einwohnerzahl. Sie war eine Stadt der Textilindustrie und sie war wohlhabend. Sie konnte sich, bei nur 20.000 Einwohnern, immerhin eine Polizeistation mit 20 Gendarmen leisten, was der öffentlichen Ordnung gut tat. Heute wird die Stadt bei ähnlicher Einwohnerzahl von zwei Bürgerpolizisten beschützt. Dieses Abschreckungspotential hat offenbar die AFA 161, die Antifaschistische Aktion ermutigt, das von den damaligen Stadtvätern und Textilfabrikanten geschaffene Denkmal Bismarcks zu zerstören. Weil die AFA sich der Sache annahm darf man wohl schlussfolgern, dass Bismarck ein Faschist gewesen ist; was zwar noch nicht ganz so schlimm wie Nazi, aber doch auch schon sehr schwefelig ist. Jetzt denke ich, dass die Antifa der AFA nicht nachstehen will, und sorge mich um die 100 Jahre alten Bäume im Bismarckhain.
"Das ist wie ein Flugzeug, dem der Sprit nicht ausgehen darf." Ein Airbus fliegt dann noch etwa 200 km weiter* und so wird es auch hier noch eine Weile weiter gehen, auch wenn der Sprit längst alle ist. * (Natürlich in Abhängigkeit von der Höhe über NN des Ereignisses.)