Die Schlacht um Grönland ist vorerst abgesagt, ohne dass auch nur ein Schuss fiel. Die Ureinwohner haben ohnehin nichts davon mitgekriegt, sondern gehen lieber sinnvollen Tätigkeiten nach, beispielsweise der Robbenjagd. Sowohl der Inuit als auch der Eisbär mögen Robbenfleisch. „Puisi“ wird gerne als Eintopf „Suassat“ zubereitet (Lorbeer nicht vergessen!), manchmal auch als Steak. Der Grönländer verzehrt die Robbe aber auch roh, wenn gerade kein Lagerfeuer da ist, besonders der Eisbär steht auf Tartar. Eskimo und Bär gehen sich in Grönland nach Möglichkeit aber aus dem Weg, so ähnlich wie Ursula von der Leyen und Donald Trump in Davos. Die weißen Riesen gelten als unberechenbar und können sehr unangenehm werden.
Seit die Kolosse nicht mehr bejagt werden dürfen, haben sie sich obendrein prächtig erholt. Der Bestand des Ursus maritimus lag nach dem Zweiten Weltkrieg bei rund 5.000 Exemplaren. Heute leben etwa 20.000 in den arktischen Regionen (beides grobe Schätzungen, weil die Viecher nicht nummeriert sind und weit umherziehen). Wenn der Eisbär weiterhin in diesem Tempo ausstirbt, sind also Jahr für Jahr dramatisch mehr Eisbären gefährdet. In Grönland soll es etwa 2.000 von ihnen geben und gut 50.000 Bewohner, also ungefähr 25 Grönländer pro Eisbär. Theoretisch reicht die Bevölkerung Grönlands also für knapp ein Jahr, das ist auf jeden Fall länger als die bundesdeutschen Gasvorräte.
Dies spricht für die unendliche Güte und Friedfertigkeit der überlebenden Bevölkerungsteile, denn Eisbären gelten als stark kurzsichtig, warum sie den Eskimo ganz gerne mit einer Robbe verwechseln. Zur Erinnerung: Als vor 20 Jahren der Braunbär Bruno über die Alpen wanderte und Asyl in Bayern beantragte, wurde der „Problembär“ wegen Vandalismus (Bienenstöcke) und illegaler Nahrungsbeschaffung (Schafe) kurzerhand von staatlichen Häschern gemeuchelt. Die bayrische Bärenpopulation sank damit von einem Bär pro 13 Millionen Bayern schlagartig auf null Bär pro Einwohner. Genauso ging es übrigens vor ein paar Jahren einem toxischen weißen Zottel, der von Grönland nach Island rübermachte, weil‘s da wärmer ist. Aber der Nordmann kann furchtbar humorlos und wenig anteilnehmend sein.
„Eine europäische Eisbrecher-Flotte“
Vermutlich war der Bär von den regelmäßigen Ankündigungen enttäuscht, der Nordpol sei demnächst zumindest im Sommer eisfrei. So versprachen beispielsweise der NASA-Forscher Wieslaw Maslowski und seine Kollegen Anfang der 2000er Jahre, dass der Nordpol schon um etwa 2013 nahezu eisfrei sein könnte. Bedauerlicherweise wurde dieser Termin seitdem leider immer weiter in die Zukunft verschoben, so ähnlich wie der Bürokratieabbau in deutschen Behörden oder der Weltuntergang durch die Zeugen Jehovas. Aber nicht nur die Eisbären drohen jetzt ins Lager der Klimaskeptiker zu wechseln, selbst an Ursula von der Leyen nagt offenbar der Zweifel. In einer dringlichen „Sonderansprache“ in Davos versprach die Oberschwester der EU-Kommission jedenfalls, sie werde ihre Mehrausgaben im Verteidigungssektor „für eine europäische Eisbrecher-Flotte“ nutzen.
Irgendwelche Synapsen im Gehirnstübchen wurden hier offenbar falsch verdrahtet. Erst killt die EU-Kamarilla die industrielle Basis Europas mit „Net-Zero-CO2“, um die Welt vor dem Hitzekollaps und der großen Eisschmelze zu retten. Und dann kauft sie eine Flotte Eisbrecher, um das Nordmeer vom Eise zu befreien. Ja, watt denn nu, liebe Leut’? Man soll ja neuerdings konstruktiv sein als Journalist, hier deshalb ein Versuch, ein paar Eimer Licht in die fensterlosen Räumlichkeiten der EU zu tragen. Ich möchte demütigst eine konsistente Reihenfolge der Weltrettung vorschlagen. Und das Tolle daran ist, dass sie aus Nichtstun besteht. Erstens: Europäische Eis-Erhaltungsmaßnahmen sein lassen, Industrie leben lassen, Billionen sparen. Zweitens: Eisbrecher abbestellen, die werden ja dann nicht mehr gebraucht, also noch mal viel Geld sparen. Und wenn‘s trotzdem nicht wärmer und eisfreier wird: Die gesparten Klimaschutz-Billionen nehmen und für alle Fälle Eisbrecher und warme Socken kaufen. So macht es jedenfalls Donald Trump. Der ist aus dem Pariser Abkommen ausgestiegen und hat von einem Teil des Ersparten beim finnischen Staatsbetrieb Aker Arctic Technology vier neue Eisbrecher bestellt. Man nennt das eine Win-Win-Situation.
Unter den Linden in eine Wasserstraße verwandeln
So wie die Grönländer die Könige des „Suasaat“ sind, so gelten die Finnen als Weltmeister im Eisbrecherbau. Finnische Häfen tendieren dazu, im Winter einzufrieren, wie das Gesicht von Daniel Günther wenn er die Namen „Nius“ und „Steinhöfel“ hört. Im kalten Finnland ist eine Eisbrecher-Industrie entstanden, die 80 Prozent der derzeit weltweit in Betrieb befindlichen 180 Eisbrecher entworfen oder vom Stapel gelassen hat. Die Auftragslage ist ausgezeichnet und scheint sich nicht an den Klimamodellen der einschlägigen Klimaforschung zu orientieren.
Zu den finnischen Erfindungen zählt das „Double Acting Ship“-Prinzip: Die Schiffe haben zwei Brücken, eine, die nach vorne und eine, die nach achtern zeigt. Sie können deshalb vorwärts wie rückwärts navigieren. Das erinnert mich an den holländischen DAF-Kleinwagen, der rückwärts genauso schnell wie vorwärts fahren konnte. Eine Besonderheit, die Friedrich Merz dort offenbar abgeschaut hat. Ist das Eis zu dick, sucht sich der Kapitän eines Eisbrechers übrigens tastend eine Stelle mit dünnerem Eis, bis es einen Spalt und anschließend einen Riss bildet, der den weiteren Kurs bestimmt. Was mich wiederum an die Politik von Donald Trump erinnert.
Und auch dies ist Marke Donald: Eisbrecher schneiden nicht elegant durchs Eis wie ein Messer, sondern funktionieren wie ein Hammer: Sie schieben sich mit ihrem sehr speziell geformten Bug übers Eis, das unter seiner Last auseinanderbricht. Mitunter sind schwere horizontale Schwungwellen eingebaut, die das Schiff auf und ab stampfen lassen. Die drehmomentstarken Elektromotoren werden meist von Diesel-Generatoren mit 25.000 oder mehr PS mit Strom versorgt. Es handelt sich also um Hybrid-Fahrzeuge, die in Deutschland seit Neuestem wieder gefördert werden, die Höhe richtet sich nach dem Einkommen des Kapitäns und der Anzahl seiner Kinder. Russische Atomeisbrecher leisten bis zu 75.000 PS und müssen obendrein nur alle paar Jahre nachtanken. Mit so einem Ding könnte man wahrscheinlich Unter den Linden in eine Wasserstraße verwandeln, vor dem Brandenburger Tor anlegen und die Stadt endlich zuverlässig mit Strom versorgen.
Beitragsbild: Von European People's Party - EPP Lead Candidate Multimedia Content, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Haben TAZ, SZ und Spiegel sich der Sache mit der Uschi-Eisbrecherflotte schon angenommen, dem eventuell verwirrten Bürger in leichter Sprache erklärt, was die Gründe dafür sind? Will die Frau die Kapazitäten der finnischen Eisbrecher-Bauwerften so stark auslasten, daß diese keine US-Aufträge mehr annehmen können? Müssen die USA dann Eisbrecher von die Uschi leihen und wenn ja, wo wird die unabdingbar notwendige „EU-Eisbrecher-Ausleih-Behörde“ ihren Stammsitz erhalten?
Das sind schon wichtige Fragen und mehr gibt es bestimmt.
Sehr geehrter Herr Marxeiner,
Sie dürfen das Anwachsen der Eisbärpopulation nicht fahrlässig der fehlenden Bejagung zuschreiben. Das Anwachsen der Population ist ausschließlich eine Folge des Klimawandels. Sie dürfen das jetzt noch mit einer bedrohten Robbenpopulation verbinden, die sich aufgrund des Zuwachses der Anzahl der Eisbären ergibt.
Mein Tipp an die Uschi: Ein Verbot von E-Autos und Wärmepumpen würde doch sicher das Eis schmelzen lassen. Dann könnte sie sich das Geld für die Elektro-Eisbrecher sparen. Die hätten so wie so ein Reichweitenproblem.
Ich habe gerade erst einmal gegoogled. In Kanada kann man Eisbären anscheinend durchaus bejagen. Mitte März beginnt die Saison. Es kostet natürlich etwas Geld, aber dafür bekommt man dann auch einen schönen Bettvorleger.