Der Vorschlag eines verpflichtenden sozialen Jahres für Rentner greift auf eine bewährte Idee aus dem Jahre 1944 zurück und ist vielfach ausbaufähig.
Der Präsident des Deutschen Wirtschaftsinstitutes (DIW) Marcel Fratzscher lässt sich den Leberkäs nicht vom Semmel nehmen, wenn es darum geht, seine Bekanntheit mit steilen Thesen aufzupolieren. Dies fällt der „Top Voice“ (auf dem Karriereportal „Linkedin“) leicht, weil er keinen Ruf zu verlieren hat.
Ernst zu nehmende Ökonomen vergleichen sein wissenschaftliches Gewicht mit dem eines frisch geschlüpften Entenkükens, was seine stromlinienförmige Karriere aber nicht beeinträchtigte. Seine Forschungsthemen und Arbeitsbereiche umfassen laut Jobbeschreibung das komplette Universum: „Europa, Finanzmärkte, Konjunktur, Ungleichheit, Arbeit und Beschäftigung, Geldpolitik, Gender, Verteilung“.
„Er ist qua Amt und Dienstsitz ganz nah an den Mächtigen. Er leitet Kommissionen, Beiräte und berät Minister“, schreibt das Wirtschaftsblatt „Capital“ und greift dann noch ein wenig in den Giftschrank:„‚Der sogenannte Ökonom‘, nennt ihn spöttisch ein wichtiger Abgeordneter der Ampelkoalition, einen ‚Arschkriecher‘ ein renommierter Kollege – Fratzscher ruiniere den Ruf der Wirtschaftswissenschaften durch Gefälligkeitsratschläge“.
Ideengerüst und Rhetorik made in 1944
Unvergessen sind seine Einlassungen zu Robert Habecks Erkenntnis, insolvente Unternehmen seien nicht pleite, sondern hätten lediglich aufgehört zu produzieren. Fratzscher pflichtschuldigst: „Ich verstehe die Kritik an den Aussagen von Wirtschaftsminister Habeck zu Insolvenzen nicht, denn sie sind zutreffend“. Auch seine Ansicht, die Abwanderung der Industrie aus Deutschland sei „eine gute Sache“, fällt in die Abteilung: „Mach einem Bekloppten klar, dass er bekloppt ist“ (Zitat Dieter Bohlen).
Jetzt hat Fratzscher wieder einen Coup gelandet. Er fordert ein "verpflichtendes soziales Jahr für alle Rentnerinnen und Rentner". Die ältere Generation müsse sich gesellschaftlich "stärker einbringen, beispielsweise im Sozialbereich, aber auch bei der Verteidigung", erklärte Fratzscher dem „Spiegel“. Die Bundeswehr könne von den technischen Fähigkeiten vieler Rentner profitieren.
Ideengerüst und die Rhetorik erinnert an den am 18. Oktober 1944 ausgerufenen „Volkssturm“, zu einem Zeitpunkt, als die deutsche Infrastruktur durch Luftangriffe bereits größtenteils zerstört war und die US-Truppen dabei waren, Aachen zu besetzen. Volkssturmpflichtig waren „alle waffenfähigen Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren".
"Omas gegen Rechts" als Vorbild!
Nun sind wir 80 Jahre weiter, und laut Statista ist der größte Anteil der Mitglieder deutscher Schützenverbände über 60 Jahre alt. Millionen Mitglieder befanden sich laut dem Deutschen Olympischen Sportbund zu Beginn des Jahres 2024 in diesem Alter, und die Bundeswehr könnte von ihren technischen Fähigkeiten profitieren.
Es sind überwiegend Männer, aber die paramilitärischen Frauenverbände holen auf. So zeigen die „Omas gegen rechts“ der staunenden Welt, dass der Gedanke des Volkssturms auch auf das weibliche Geschlecht ausdehnbar ist. Die freiwillige Truppe legt außerdem auch nahe, dass Personen jenseits der 60 wehrtüchtig sind und eingezogen werden sollten. „Mit 88 Jahren für die Demokratie auf die Straße“ applaudiert der Tagesspiegel.
Marcel Fratzscher will die bislang noch freiwillige Volksbewegung offenbar in geordnete staatliche Strukturen überführen, nennen wir es – Krieg ist Frieden – ein “freiwilliges Pflichtjahr“. Zur Ehrenrettung von Herrn Fratzscher möchte ich eine gewisse zeitliche Rücksichtnahme seines Vorschlages loben: Es ist inzwischen weitgehend auszuschließen, dass deutscher Rentner zum zweiten Mal in ihrem Leben für den Volkssturm eingezogen werden. Und für die wenigen Übriggebliebenen ließe sich der erste Volkssturm vielleicht auf den zweiten anrechnen.
Die Diskussion um die Wiedereinführung der Wehrpflicht, so Fratzscher, verenge sich häufig auf die jungen Generationen, diese seien aber bereits stark durch steigende Sozialabgaben und die Folgen des Klimawandels belastet (man denke nur an die unter planetarischer Hitze leidenden jungen Menschen auf dem Ballermann, die verzweifelt einen lebensrettenden Eimer Sangria runterkippen).
Zur Senkung der steigenden Sozialausgaben gab es übrigens schon immer zielführende Vorschläge. 1998 sagte der Chirurg und Präsident der Bundesärztekammer Karsten Vilmar zu Einsparungen im Gesundheitssystem: „Dann müssen die Patienten mit weniger Leistung zufrieden sein, und wir müssen insgesamt überlegen, ob diese Zählebigkeit anhalten kann oder ob wir das sozialverträgliche Frühableben fördern müssen.“
Das klingt dann doch ein wenig herzlos, da würden sechs Monate ertüchtigendes Rentnermanöver an der Ostfront die Altersheime doch viel eleganter entlasten. Zumal die Räumlichkeiten zunehmend für andere Bevölkerungsgruppen benötigt werden, schließlich blockieren zählebige Pensionäre wertvollen Wohnraum für dringend hilfsbedürftige Flüchtlinge, darunter viele leidende Jungmänner. Also wohin mit den Omis und Opas? In die Berliner S-Bahn, die sie dann auf einem Abstellgleis vergisst?
Wer soll die Straßenkarte nach Kiew lesen?
Die freundlich bestimmte Einberufung der Rentner zum Dienst am Vaterland lässt sich darüber hinaus mit einem gewissen Qualifikations-Vakuum rechtfertigen. Der Bildungsmonitor des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für 2025 berichtete diese Woche von drastisch sinkenden Fähigkeiten der Schüler. Axel Plünnecke, der am Institut das Cluster Bildung, Innovation, Migration leitet, sieht eine „Wasserscheide“ um das Jahr 2015. Davor seien die Schulen besser geworden, danach schlechter.„ Heute haben die Kinder in 30 bis 40 Prozent unserer Schulen große Defizite.“ Viele Kinder erreichten etwa beim Lesen die Mindeststandards nicht.
Marcel Fratzscher zieht also lediglich logische Schlüsse: Wer soll die Straßenkarte nach Kiew lesen? Wer soll die Brücken bauen? Wer einen Fahrplan verstehen? Einen Zug pünktlich steuern? Eine fehlerfreie Anzeige wegen Körperverletzung aufsetzen? Die Autos der Zukunft konstruieren?
Nach einem Bericht des NDR hat der Rüstungskonzern Rheinmetall Interesse an einer Nutzung des VW-Werks Osnabrück für die Produktion von Militärfahrzeugen gezeigt. Volkswagen stellte ja seinerzeit den VW Typ 82 (Kübelwagen) und später den Typ 181 und den Iltis für die Bundeswehr her. Da werden sich doch bestimmt noch ein paar Veteranen finden, die man dienstverpflichten kann. Merke: Der deutsche Rentner ist der Garant der Sicherheit dieses Landes und der Schlüssel zur Life-Work-Balance seiner Bewohner.
Ich bitte deshalb von regelmäßigen Überprüfungen der Fahrerlaubnis älterer Autofahrer abzusehen, die Betroffenen benötigen den Lappen noch zur Rettung des Vaterlandes. Es sei denn, sie verweigern den freiwilligen Pflichtdienst.
Dirk Maxeiner ist einer der Herausgeber von Achgut.com. Von ihm ist in der Achgut-Edition erschienen: „Hilfe, mein Hund überholt mich rechts. Bekenntnisse eines Sonntagsfahrers.“ Ideal für Schwarze, Weiße, Rote, Grüne, Gelbe, Blaue, sämtliche Geschlechtsidentitäten sowie Hundebesitzer und Katzenliebhaber, als Zündkerze für jeden Anlass(er). Zu beziehen hier.
Beitragsbild: Bundesarchiv, Bild 101I-784-0228-29A / Moosmüller / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons

@Landmesser Mit fremden Geld, fremder Arbeitskraft, fremder Zeit ließe sich doch noch viel mehr machen, seien Sie kreativ, für jede Versklavung lassen sich gute Gründe finden, Arbeit soll frei machen, oder?
@Birgit Hofmann / „Als Oma gegen Links sage ich : Mensch , habe ich ein Schwein, ich habe 40 % Schwerbehinderung da werde ich nicht mehr eingezogen. Schade . Und was ist mit den Pensionären , dürfen die nicht ? Ist doch schon wieder halber Kram.“ ==> Habe mich etwas „verlesen“. Die „Penisionäre“ werden eingezogen, die ohne Penis und die mit Prostatabeschwerden nicht. (Da müßten die Panzer ständig zum Pinkeln anhalten, da nur Wickeltische montiert sind, aber keine Pissoirs.) Und natürlich werden die Bessergestellten mit Pension auch nicht eingezogen, die haben bekannterweise schon genug anstrengenden Dienst am Vaterland geleistet und sind wegen Sitzschwielen am Hintern freigestellt. Jetzt müßten sich eigentlich nur alle Penisionäre amtlich zu Muschionären deklarieren, dann wären alle Fratzschers aber sowas von angesch…..sen.
Marcel Fratzscher ist ein verkanntes Genie. Wer, wenn nicht die Boomer, sollte denn an der Heimatfront die Rückzugsgebiete der Autochtonen verteidigen? In einem gescheiten Bürgerkrieg täten sie das sicher freiwillig.
@Christiane Neidhardt, danke für die Hinweise, deshalb lese ich die Kommentare !
Google: Bilder: Marcel Fratzscher:
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.
Sein CV bei Hanser in München: >>Marcel Fratzscher, Jahrgang 1971, studierte in Kiel, Oxford, Harvard und Florenz. Nach verschiedenen beruflichen Stationen, u. a. bei der Europäischen Zentralbank, der Weltbank, dem Peterson Institute for International Economics in Washington, DC, sowie dem Harvard Institute for International Development in Jakarta, Indonesien, ist er heute Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und Professor für Makroökonomie und Finanzen an der Humboldt-Universität Berlin.<< Ich lese da immer Blackstone. Und irgendwie erinnert mich das an ein Buch von Stendhal. Irgendwas mit Rot und Schwartz. Naund? Rentner sind Schachfiguren. Da ist kein böser Wille dahinter. Es ist nur ein Begriff. Er verbindet sicher damit nichts weiter, als deren ökonomische Rolle. Sie kosten. Und die Kosten muss man minimieren, das ist ökonomisches Einmaleins. Der Profit steigt, wenn man die Kosten minimiert. Was sagte der Rabbinerspross Marx? Dreihundert Prozent … Nein, nicht Marx, sondern Thomas Joseph Dunning. Das war nicht der von Dunning&Kruger;. Kruger ist für die Dummheit zuständig, aber Dunning für den Sklavenhandel. Alles spätrömisch. Und hässlich!
Google: Bilder: Marcel Fratzscher:
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.
Sein CV bei Hanser in München: >>Marcel Fratzscher, Jahrgang 1971, studierte in Kiel, Oxford, Harvard und Florenz. Nach verschiedenen beruflichen Stationen, u. a. bei der Europäischen Zentralbank, der Weltbank, dem Peterson Institute for International Economics in Washington, DC, sowie dem Harvard Institute for International Development in Jakarta, Indonesien, ist er heute Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und Professor für Makroökonomie und Finanzen an der Humboldt-Universität Berlin.<< Ich lese da immer Blackstone. Und irgendwie erinnert mich das an ein Buch von Stendhal. Irgendwas mit Rot und Schwartz. Naund? Rentner sind Schachfiguren. Da ist kein böser Wille dahinter. Es ist nur ein Begriff. Er verbindet sicher damit nichts weiter, als deren ökonomische Rolle. Sie kosten. Und die Kosten muss man minimieren, das ist ökonomisches Einmaleins. Der Profit steigt, wenn man die Kosten minimiert. Was sagte der Rabbinerspross Marx? Dreihundert Prozent … Nein, nicht Marx, sondern Thomas Joseph Dunning. Das war nicht der von Dunning&Kruger;. Kruger ist für die Dummheit zuständig, aber Dunning für den Sklavenhandel. Alles spätrömisch. Und hässlich!
Es gibt ja immernoch sehr viele positive Vorurteile gegenüber Älteren. Da denken viele kommischerweie schell an die Generation Wiederaufbau, Wirtschaftswunder, Fleiss, Kompetenz usw. Nur läge man damit 20-40 Jahre daneben. Die heutigen Rentner entstammen zumeist der Späthippie-Generation bis zur Generation Golf. Ob die alle im Leben schon richtig was geleistet haben? Persönlich habe ich da starke Zweifel. Allerdings hieße auch das nicht, dass man irgendeinem Staat oder einer Gesellschaft einen Pflichtdienst schuldet.