Der Intelligenzquotient, kurz IQ, ist ein Zahlenwert, der ungefähr angibt, wie gut jemand bei einem Intelligenztest im Vergleich zu anderen Menschen seines Alters abschneidet. Bei einem Kind, das geistige Aufgaben auf dem Niveau eines durchschnittlichen 12-jährigen schafft, aber selbst erst 10 Jahre alt ist, geht das so: 12 dividiert durch zehn macht 1,2. Das Ganze nimmt man mal 100 und heraus kommt 120. Das Kind hat also einen IQ von 120, das ist überdurchschnittlich gut.
Nehmen wir jetzt mal als Beispiel einen 30-Jährigen, der Aufgaben auf dem Niveau eines durchschnittlich 6-Jährigen schafft, also beispielsweise jemanden, der glaubt, man könne ein Industrienation wie Deutschland nur mit Sonnen- und Windenergie aufrechterhalten oder jemanden, der meint, das Netz sei der Speicher, vielleicht auch jemanden, der vorrechnet, die Energiewende koste den Bürger nicht mehr als eine Kugel Eis im Monat. Für die IQ-Rechnung dividiert man in diesem Beispiel 6 durch 30, was 0,2 ergibt. Die Person hat also einen IQ von 20. Ein solcher wird in der Fachliteratur typischerweise Menschen zugeschrieben, die sehr starke Einschränkungen beim Denken, Verstehen und Problemlösen haben.
Es ist also nur folgerichtig, dass das Kultusministerium in Niedersachsen, Heimat und Mitbesitzer des Volkswagen-Konzerns („Elekromobilität ist die Zukunft“), schriftliches Dividieren und das Rechnen mit Kommazahlen aus dem Mathematik-Curriculum der Grundschulen streicht. Die Begründung des Ministeriums: Das schriftliche Dividieren sei das komplexeste der schriftlichen Rechenverfahren. Es erfordere das Zusammenspiel mehrerer Schritte – Teilen, Multiplizieren und Subtrahieren – und sei besonders fehleranfällig, etwa beim Schätzen von Ziffern oder beim Setzen von Nullen. Stattdessen soll der Fokus in der Grundschule darauf liegen, dass Kinder Division als Aufteilen und Verteilen verstehen und den Zusammenhang zur Multiplikation begreifen.
Aufteilen und Verteilen sind bekanntlich auch ohne Mathematik-Kenntnisse sozialdemokratische Grundkompetenzen. Die CDU holt aber deutlich auf. Zumal das aktuelle Bundeskabinett eindrücklich beweist, dass das Setzen von Nullen auch instinktiv prima klappt. Der Zusammenhang zur Multiplikation wird ebenfalls schlafwandlerisch hergestellt, weil Nullen einfach Nullen bleiben, egal mit wie viel man sie multipliziert. Divisionen sind ab sofort nur noch im Verteidigungs-Ressort von Boris Pistorius gewünscht, und die sollten nur schießen aber keinesfalls rechnen oder gar kombinieren können.
Überfüllt wie eine Dose Armada-Sardinen von Aldi-Nord
Die gemeine Bevölkerung ist indes auf experimentelle Verfahren zurückgeworfen, um die Nebenwirkungen von zu vielen Nullen zu bewältigen. Bleiben wir doch gleich in Niedersachsen. Dort, im schönen Oldenburg, wurde die Eisenbahnbrücke über die Hunte im Dezember nur noch eingleisig befahren, weil jemand das Alter der Brücke nicht mit der Zahl der Fahrgäste multipliziert und anschließend durch die Traglast dividiert hat, was zu Rissen im Stahlrahmen führte. Die sogenannte „Eisenbahnklappbrücke“ stammt von 1954, bildet die Hauptverbindung von Oldenburg nach Bremen und wird auch von Fahrradfahrern und Fußgängern benutzt.
Weil auf nur einem Gleis weniger Züge fahren als auf zweien (dividieren!), verteilten sich gleichviele Fahrgäste nun auf die Hälfte der Züge, weshalb diese so überfüllt waren wie eine Dose Armada-Sardinen von Aldi-Nord (multiplizieren!). Die Achslast der Waggons näherte sich der eines russischen T90-Panzers, woraufhin zahlreiche Fahrgäste wieder aussteigen mussten (subtrahieren!). Insgesamt also eine echte Herausforderung und mathematische Großübung, die von der Bevölkerung und dem Bahnpersonal mit Bravour gemeistert wurde.
Oldenburg scheint mir ohnehin ein heimlicher Truppenübungsplatz zu sein. So modert dort seit vielen Jahren mitten in der Stadt eine verfallende Tiefgarage vor sich hin, die sich – so ein örtlicher Leserbriefschreiber – für eine Neuverwendung als Luftschutzbunker mit bester Innenstadtlage anbietet. Damit Oldenburg nicht in dem schwarzen Loch versinkt, soll die Höhle aber erst mal mit 3.000 zusätzlichen Stahlstützen stabilisiert werden (vielleicht bleiben ja ein paar für unsere amtierende Regierung übrig).
Dem Vernehmen nach zeigen sich dort unten erste Anzeichen für das Entstehen einer Tropfsteinhöhle. Stalaktiten (hängen von der Höhlendecke herab), Stalagmiten (wachsen vom Boden nach oben). Irgendwann treffen sich beide, und es entsteht eine Säule, ein sogenannter Stalagnat. Das Naturwunder dauert ein paar tausend bis Millionen Jahre. Also etwa so lange, wie die Deutschen benötigen, bis sie die diversen Sondervermögen der herrschenden Rechentalente zurückgezahlt haben. Im Sinne der Volksbildung könnte so ein Oldenburger Stalagnat als Schuldenuhr unter Naturschutz gestellt und Führungen für rechenbereinigte Schulklassen veranstaltet werden.
Das verstärkt zu beobachtende Phänomen „FUBAR“
Der Aufenthalt in einer Tropfsteinhöhle ist geradezu ideal, um das in Deutschland verstärkt zu beobachtende Phänomen „FUBAR“ anschaulich zu machen. Das Akronym wurde im zweiten Weltkrieg im angelsächsischen Sprachraum für "Fucked Up Beyond All Recognition" herangezogen, was auf Deutsch und laut Wikipedia bedeutet, dass etwas "bis zur Unkenntlichkeit zerstört/vermasselt" oder "vollkommen unbrauchbar/kaputt" ist, und beschreibt chaotische, katastrophale oder hoffnungslose Situationen und Zustände. Es wird verwendet, um eine Situation, ein Objekt oder ein System zu beschreiben, das so schlimm beschädigt ist, dass es nicht mehr wiederzuerkennen oder zu reparieren ist. Das klingt schwer nach Fubarschland 2025.
Und jetzt die gute Nachricht: Die Deutsche Bahn macht sich, indem sie Achslasten überschreitet oder sich sonstwie verfährt, bereits enorm um die Ausbildung der Wehrtüchtigkeit und die Resilienz der Bewohner dieses Landes verdient. Und nun geht sie vollends vom Beförderungsauftrag zum Bildungsauftrag über. Die Werbeagentur Ogilvy startet zu diesem Zweck eine Kampagne auf allen großen Bahnhöfen: „Lesen bis der Zug kommt“, die „Bahnhöfe in Bildungszentren verwandelt“.
Auf leuchtend blauen Billboards werden Zusammenfassungen von Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“, Jane Austens „Stolz und Vorurteil“, Johanna Spyris „Heidi“ oder auch Martin Luther Kings Rede „I Have a Dream“ abgedruckt. Auch „anspruchsvollen Horror“ (so ein Branchenmagazin) wie Franz Kafkas „Die Verwandlung“ gehören zur Auswahl. Auf den Abdruck des Fahrplans wird allerdings verzichtet, ebenso wie auf den Abenteueroman „Die Brücke über die Hunte“ und das Landser-Drama „20 Kilometer vor Oldenburg“.


@Markus Knorr, „Wer kennt es noch nicht: Ein Euro zu Jesu Geburt zu 4 Prozent Zinsen angelegt, ergibt heute welchen Betrag?“ —
Bei 4 Prozent Inflation? Ein Euro, real.
Wenn einer einem dauerhaft mehr Zinsen zahlt, als die Inflation ausmacht, dann verschenkt er was, und ist also dumm. Wenn einer einem verspricht, mehr Zinsen zu zahlen, als die Inflation ausmacht, dann ist er gerissen.
Jetzt passen Sie mal auf. Ich erkläre es Ihnen jetzt. „Divide et Imperia“ war das Machtprinzip im römischen Reich. Das „Heilige römische Reich deutscher Nation“ ist als dessen Nachfolger zu verstehen. Dann kam das deutsche Kaiserreich und schließlich das 3.Reich. Merken Sie was?….. dividieren ist nazi! Das darf auf keinen Fall in den Schulen gelehrt werden. ;-)
@Markus Viktor, „‚Größere Zahlen werden in überschaubare Teilaufgaben zerlegt, etwa bei 126 : 6 zunächst 120 : 6 und anschließend 6 : 6.‘ Wie soll denn ein Schüler wissen, dass er 126 in 120 und 6 zerlegen, also teilen kann, wenn er die Grundrechenart Teilen nicht gelernt hat? Oder erst recht 136 : 6? In 130 und 6 zerlegen?“ —
Es geht darum, dass Multiplikation und Addition/Subtraktion für das menschliche Gehirn VIEL einfacher sind als Division. Wer das kleine Einmaleins erst mal auswendig ohne nachzudenken beherrscht, wird beim Betrachten der Aufgabe 126:6 sofort „sehen“, dass 2*6=12 ergibt, also 20*6=120. Und dann fehlen nur noch 6, also 21*6=126. Und der Schüler soll eben genau NICHT 136:6 in 130 und 6 zerlegen (das entspräche der schriftlichen Division). Er soll „sehen“ dass 2*6=12 ergibt, also 20*6=120. Und dann fehlen nur noch 16. Die 12 hatten wir schon, also 22 Rest 4. Das ist viel schneller und weniger fehleranfällig. 114:6? 20*6=120. 120-114=6, also 19*6=114. Wer schnelles Kopfrechnen beherrscht, macht das so, oder hat noch weitere persönliche Strategien entwickelt, z.B. 99:3 ist 11*(9:3). Und wenn’s dann doch mal im Kopf nicht mehr geht: wer greift zu Papier und Bleistift, wenn der Taschenrechner daneben liegt?
@Ilona Grimm, „Auch wenn sich etliche Leser*Innen durch die Erwähnung des Schöpfergottes negativ “getriggert„ fühlen sollten“ —
Na und? Andere fühlen sich durch Denunziationsphantasien wider den klaren Franz „positiv getriggert“. Das gleicht sich doch aus!
@Markus Knorr: weitgehende Zustimmung. „Papiergeldsysteme gehen an Überschuldung zugrunde und unsere Bundesregierung strengt sich derzeit stark an, den Zeitraum zu verkürzen“ — Das ist zwar vollkommen richtig, aber die Chinesen strengen sich noch mehr an. Weil jeder beim kurzfristigen Wirtschaftswachstum der Erste sein will. (Und muss, aber das ist eine längere Geschichte.)
@ Bremmhuber Sepp: er hat ja auch nicht gesagt welches Eis. Eine Kugel aus gefrorenem überschwerem Wasser kostet schonmal soviel wie ein Windrad.
Hallo Herr Maxeiner,
Ihr Artkel ist unheimlich gut oder um es mit Dirty Harry zu sagen: You made my day.
Haben Sie geklärt ob man „Fubarschland“ sagen darf oder haben Sie den Bademantel schon bereitgelegt? Eine Möglichkeit wäre auch Fubarland.
Und durch die Verspätungen und Ausfällen der deutschen Bahn macht doch „Lesen bis der Zug kommt“ aus jedem großen Bahnhof eine Bildungshochburg. Zumal es heißt, dass im Unterricht ja nicht mehr so viel gelesen wird.