In der Bundestags-Debatte zum Verbrenner-Verbot ergaben sich für das deutsche Kabarett-Wesen und die Zukunft des Parlaments-Fernsehens vielfältige Chancen, für die deutsche Autoindustrie eher nicht.
Da die Augsburger Puppenkiste am vergangenen Donnerstag keine Aufführung im Angebot hatte, entschied ich mich für den Deutschen Bundestag. Statt „Aladin und die Wunderlampe“ wurde das Stück „Deindustrialisierung stoppen, Verbrenner-Verbot aufheben“ gegeben, frei nach einem gleichnamigen AfD-Antrag, der, klaro, in Bausch und Bogen abgewiesen wurde. Da der Bundeskanzler sich aber kurz zuvor in eine ähnliche Richtung wie der Antrag geäußert hatte, versprach ich mir gehobene Unterhaltung. Und ich wurde nicht enttäuscht.
Den Anfang machte Dr. Klaus Wiener, CDU, „geboren am 21. August 1962 in Nordhorn (Niedersachsen), katholisch, verheiratet; mit seiner Familie wohnhaft in Haan im Kreis Mettmann“. Der sah durchaus Argumente für die Abkehr vom Verbrenner-Verbot, wollte sich aber auf keinen Fall mit dem AfD-Antrag gemein machen. Denn, so Klaus Wiener: „Unsere Haltung speist sich aus ganz anderen Überlegungen, als dies bei der AfD der Fall ist, im Gegensatz zur AfD sind wir keine Klimaleugner“.
Dies ist ein wunderbarer Satz, der das gesamte politische Programm der gegenwärtigen CDU-CSU auf den Punkt bringt. Es wurde bereits vor längerer Zeit von einem unbekannten Philosophen popularisiert, der den Raum mit folgenden Worten verließ: „Ich gehe jetzt zum Pinkeln, aber aus anderen Gründen“. Die Logik der 30 Minuten langen Veranstaltung ist hiermit im Kern beschrieben, die vieler anderer vergangener und wohl auch künftiger solcher Darbietungen auch. Mehr ist da nicht.
Falls Sie sich persönlich von der Geisteswelt der einschlägigen Parlamentarier im Deutschen Bundestag überzeugen wollen: Jeder Brumm-Brumm-Interessierte kann sich das auf dem Kanal des Parlamentsfernsehens hier anschauen. Diese Debatte würde es verdienen, von Dieter Nuhr (als Klaus Wiener, CDU) und Monika Gruber (als Dunja Kreiser, SPD, „geboren am 27.Juni 1971 in Wolfenbüttel, evangelisch, verheiratet, ein Kind“) vorgetragen zu werden. Ich sehe hier für das deutsche Kabarett-Wesen und die Zukunft des Parlaments-Fernsehens vielfältige Chancen, für die deutsche Autoindustrie eher nicht.
„Wir befinden uns auf der Überholspur"
Das Repertoire der vortragenden Zündkerzen besteht aus vielen Ersatzteilen, die sich in jeder Reihenfolge aneinandersetzen lassen, ein Auto wird aber nicht daraus. Das Niveau des Happenings würde ich in Death Valley verordnen, das liegt nämlich 86 Meter unter dem Meeresspiegel, und trotzdem kriegt keiner nasse Füße.
Zunächst ist es wichtig für die parlamentarische Street-Credibility, in dieser Frage auch einmal persönlich und vertraulich zu werden. Neben dem Bekenntnis zum menschengemachten Klimawandel und der Sorge um künftige Generationen ist idealerweise der private Besitz eines E-Mobils nachzuweisen, was gleich drei der Redner auch taten (ansonsten gibt es ja noch den Fahrdienst des Bundestages). Ferner müssen im Vortrag die Formulierungen „Hochlauf der E-Mobilität“,„Planungssicherheit“, „Transformationsfonds“, „Kaufanreize“ und „Die Zukunft ist elektrisch“ eingestreut werden. Denn, so der Vertreter der Grünen „wir befinden uns auf der Überholspur in Richtung Klimaneutralität“, also definitiv nicht auf der A1 oder der A9.
Für SPD, Grüne und Linke ist ferner der Hinweis obligatorisch: „Es gibt kein Verbrenner-Verbot“. Denn: „Es dürfen in Zukunft lediglich keine Motoren mehr eingebaut werden, die CO2 ausstoßen“. Hier nahmen die Parlamentarier offenbar gedankliche Anleihen bei dem afrikanischen Universalgelehrten Idi Amin: „Es gibt Meinungsfreiheit, aber ich kann keine Freiheit nach der Meinungsäußerung garantieren“. Kritik an der Elektromobilität, die sich beispielsweise auf das Nicht-Vorhandensein von genügend Strom bezieht, ist als „Schechtreden der E-Mobilität“ und „Populismus“ zu geißeln und mit nicht unter drei Krokodilen im Swimmingpool zu ahnden.
Als Freizeit-Krokodil, sprich 2015 vom Verwaltungsgericht in Halle approbierter Klimaskeptiker, bilde ich mich ständig fort, um diesem Ruf auch gerecht zu werden, und so landete just einen Tag nach der Bundestagsdebatte zum Verbrenner-Verbot staatsgefährdendes Schriftgut in meiner Mailbox. „The State of the Climate 2024“ heißt eine jährliche, gut belegte Untersuchung von Professor Ole Humlum, emeritierter Professor für physische Geographie an der Universität Oslo. Der Bericht stützt sich auf tatsächliche Beobachtungsdaten statt auf von Klimamodellen hochgerechnete, weshalb die Alarmisten aller Länder die Informationen darin meiden wie Bin Laden die satanischen Verse.
Es ist ein wenig weniger kühl
Hier eine kurze Zusammenfassung:
- 2024 war das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen in allen wichtigen Temperaturdatensätzen und wurde deutlich von einem starken El Niño-Ereignis beeinflusst, das sich über weite Teile des Jahres erstreckte. El Niño ist eine natürliche, zyklisch auftretende Meereserwärmung, ähnlich wie ihr Gegenteil, die Meeresabkühlung La Niña.
- Die jüngste Erwärmung bleibt ungleichmäßig, wobei die meisten Temperaturanstiege auf der Nordhalbkugel zu verzeichnen sind. Es ist dort etwas weniger kühl.
- Die oberen 1.900 Meter der Weltmeere haben sich seit 2004 um 0,037 Grad Celsius erwärmt, wobei sich der Großteil dieser Erwärmung auf die obersten 100 Meter in Äquatornähe konzentriert. Versuchen sie jetzt einmal 0,037 Grad Erwärmung in ihrer Badewanne zu erkennen.
- Die nördlichen Ozeane (55–65°N) haben sich seit 2004 bis in 1.400 m Tiefe deutlich abgekühlt, während die südlichen Ozeane (55–65°S) in den meisten Tiefen (bis 1.900 m) leicht wärmer geworden sind – hauptsächlich nahe der Oberfläche.
- Der Meeresspiegelanstieg setzt sich laut Pegelaufzeichnungen mit einer Rate von 1 bis 2 Millimetern pro Jahr fort – deutlich unter den satellitengestützten Schätzungen von etwa 3,7 Millimeter pro Jahr – und weist erhebliche lokale Unterschiede auf. 1 bis 2 Millimeter pro Jahr entsprechen 10 bis 20 Zentimetern in 100 Jahren, ein Anstieg, auf den die Deichbauer seit sehr langer Zeit ohnehin eingestellt sind.
- Die globale Meereisausdehnung liegt zwar unter dem langfristigen Satellitendurchschnitt, ist jedoch seit 2018 stabil oder leicht zunehmend.
- Die globale Schneebedeckung bleibt über die gesamte Satellitenära hinweg weitgehend stabil.
- Die weltweite Niederschlagsmenge zeigt seit 1901 keinen langfristigen Trend zu feuchteren oder trockeneren Bedingungen.
- Die Sturm- und Hurrikanaktivität schwankt weiterhin natürlich, ohne langfristige Zunahme in Stärke oder Häufigkeit.
- Insgesamt bestätigen die Beobachtungen eine normale natürliche Variabilität der meteorologischen und ozeanographischen Durchschnittsbedingungen – ohne Anzeichen einer sich zuspitzenden Klima-Notlage.
Ich möchte die Beobachtungslage einmal so zusammenfassen: Es spricht derzeit vieles dafür, dass im europäischen Zipfel des Planeten Teile der Menschheit dabei sind, ihre Lebensgrundlagen zu zerstören, allerdings nicht auf dem Umweg über das Klima, sondern ganz direkt durch Dummheit und Ignoranz.
Dirk Maxeiner ist einer der Herausgeber von Achgut.com. Von ihm ist in der Achgut-Edition erschienen: „Hilfe, mein Hund überholt mich rechts. Bekenntnisse eines Sonntagsfahrers.“ Ideal für Schwarze, Weiße, Rote, Grüne, Gelbe, Blaue, sämtliche Geschlechtsidentitäten sowie Hundebesitzer und Katzenliebhaber, als Zündkerze für jeden Anlass(er). Zu beziehen hier.
Beitragsbild: Ron Kroon CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
