Wer auf der A7 von Süden nach Norden fährt, entdeckt gleich hinter der Hamburger Stadtgrenze eine blaue Informationstafel mit der Aufschrift „Schleswig-Holstein“. Die sichtbarsten Repräsentanten des nördlichsten Bundeslandes sind dieWindräder (die meisten pro Kopf weit und breit) und die darunter wiederkäuenden schwarz-weißen Rindviecher. Auch die U-Boote aus Kiel haben internationales Renommee, spätestens seit der seinerzeitige Ministerpräsident Uwe Barschel vorzeitig aus dem Leben schied.
Die am meisten bestaunten Ureinwohner sind vier Moorleichen: das Kind von Windeby, der Mann aus Damendorf, der Schädel von Osterby und der Haarschopf des Mannes von Dätgen. Die zum Teil über 2.000 Jahre in Mooren überaus gut erhaltenen Zeitgenossen gingen kürzlich wegen Umbauarbeiten im Museum Schloss Gottorf auf eine Reise nach Silkeborg in Dänemark.
Ich habe die Moorleichen vor ein paar Jahren mal besucht, sie waren aber ziemlich wortkarg. Der Schleswig-Holsteiner gilt ja an und für sich nicht als sehr redselig. Zur Begrüßung sagt der Einheimische ein kurzes „Moin“, bei besonders guter Laune kann es auch mal ein „Moin, Moin“ sein. Bedauerlicherweise gilt dies nicht für Daniel Günther (52), den Ministerpräsidenten des Landes. Der reiste kürzlich nach Hamburg-Bahrenfeld, um in der Sendung von Markus Lanz aufzutreten. Dort ließ er wortreich Zensurfantasien vom Stapel, als Beispiel nannte er dabei das erfolgreiche Online-Medium „Nius“, also Leute, die es nach seiner Meinung, „nicht gut meinen mit der Demokratie“, genau wie die amerikanischen Tech-Konzerne, die die Köpfe unserer Kinder böswillig „infiltrieren“.
Günther zuckt beim Wort „Zensur“ und „verbieten“ nicht zusammen, sondern macht sich öffentlich Gedanken über die Durchführungsdetails, fordert „Qualitätskriterien“ und legt fest „Stimmungsmache ist keine Berichterstattung“. Ganz wie ein Finanzbeamter in der mittleren Laufbahn, der 1973 eine berühmte Vorschrift aus dem Bundesreisekostengesetz von 1973 ersann: „Stirbt ein Bediensteter während einer Dienstreise, so ist damit die Dienstreise beendet.” Den Rest regelt die schleswig-holsteinische „Onlinewache“ für Hatz und Hetze im Netz oder auch das „Zentrum für Betroffene rechter Angriffe e.V“ (Zebra). Ich empfehle für die Grenztafel an der A7 vor dem Eintritt nach Schleswig-Holstein vorsorglich den Zusatz: „Sie verlassen den Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland“.
In der Coronazeit empfahl Daniel Günther als Alternative zum Lockdown die völlige „Isolation Ungeimpfter“. Der nächste Schritt ist jetzt die „Impfung gegen Desinformation“, deren Qualitätskriterien von NGOs des staatlichen Vertrauens überwacht werden. Ich persönlich übe schon mal die künftig erlaubten Meinungsäußerungen: „Moin“ und „Moin, Moin“. Das wird meine Texte deutlich übersichtlicher machen und die Lesezeit verkürzen.
Die A7 zwischen Hamburg und Ellund betrachte ich ab sofort als Transitautobahn
Ansonsten habe ich mich entschlossen, den Hoheitsbereich von Daniel Günther zu meiden oder möglichst schnell zu durchqueren. Erst im sicheren Dänemark werde ich aussteigen und mir einen ortsüblichen Hotdog gönnen. Die A7 zwischen Hamburg und Ellund betrachte ich ab sofort als Transitautobahn.
Von Dänemark aus geht es weiter mit der Reederei Smyril Line und der Autofähre M/S Norröna, die Hirtshals mit Seyðisfjörður in Ost-Island verbindet. Dann bin ich nicht nur vor Daniel Günther, sondern auch vor Ursula von der Leyen sicher. In Island darf der Mensch zwar alles sagen, er muss es aber auch auf isländisch können, es ist also leider nix mit Dauerasyl. Vielleicht kann ich den alten Volvo in Reykjavik an einen Walfänger verscheuern und auf einem Touristen-Kreuzfahrer anheuern, dessen Sightseeing-Runde über Grönland führt. Da wollte ich schon immer mal hin. Außerdem bin ich dann praktisch so gut wie in Amerika.
Gletscher beim Kalben zu beobachten, ist allemal angenehmer, als Daniel Günther bei Markus Lanz zuzuhören. Vielleicht lerne ich da oben ja noch mal ein anständiges Handwerk, beispielsweise Harpunieren. Dann beteilige mich als Freiwilliger an der Abwehr des neuen Vizeadmirals der bundesdeutschen Marine Jürgen Trittin (71) und seiner Truppe. Gestern Abend vermeldete Bild, der frühere Umweltminister und Bundestagsabgeordnete der Grünen fordere, „Deutschland soll sich an Militärmanövern in und um Grönland beteiligen, um die Übernahme der Insel durch die USA zu erschweren“.
Als der V8 noch mit glühender Lava betrieben wurde
Grönland heißt ja Grünland, laut den isländischen Sagas soll Erik, der trickreiche Wikinger, den Namen bewusst gewählt haben, um Dummbeutel dazu zu bewegen, sich dort niederzulassen, also ein idealer Ort für den nächsten Parteitag der Grünen. Wobei der Wikinger nicht ganz log, nur ein bisschen flunkerte: Geologische Untersuchungen zeigen, dass große Teile der Insel über hundertausende von Jahren tatsächlich von Wäldern und Pflanzen bedeckt waren – aber das war lange vor der Wikingerzeit und in der ersten Periode des Verbrennungsmotors, als der V8 noch mit glühender Lava betrieben wurde.
Im Podcast mit Paul Ronzheimer fügte Jürgen von Opas for War hinzu: „Erstens könnten wir jetzt mal anfangen, Militärmanöver in und um Grönland zu machen.“ Frankreich habe nach Trumps ersten Ankündigungen „ein Schiff vorbeigeschickt“, jetzt könnte Deutschland mit den Franzosen „gemeinsam solche Dinge auf den Weg bringen“.
Vielleicht schickt aber auch jemand dem Jürgen mal den Nervenarzt vorbei. „Es geht darum, den Preis hochzutreiben, dass das nicht einfach handstreichartig über die Bühne geht.“ Abschreckung brauche „auch eine militärische Komponente“, so Trittin. Also das hätte Heinrich Prinz Reuß XIII auch nicht schöner sagen können, aber dessen Armee verfügte wenigstens über funktionierende Rollatoren. Bei einigen Bundeswehr-Soldaten kommen inzwischen zumindest warme Socken an, sehen Sie hier die Vorbereitungen auf die Befreiung von Grönland. Ach so Jungs, packt Taschenlampen ein, in Ilulissat und Qaanaaq herrscht gerade 24 Stunden Polarnacht, weshalb sich Solarzellen in der Region noch nicht wirklich durchgesetzt haben. Aktuell liegen die Temperaturen bei minus 20 bis minus 30 Grad.
„Einfach nur nett fragen“
Die New-York Times sieht die Lage etwas entspannter und berichtet, dass der forsche Donald die Gegend gar nicht übernehmen muss, weil die Amerikaner dort ohnehin tun und lassen können, was sie wollen (vielleicht sagt's ihm ja mal einer und auch dem Jürgen). Ein zwischen den USA und Grönland 1951 geschlossenes Abkommen erlaubt es ihnen, militärische Stützpunkte auf ganz Grönland zu „errichten, installieren, unterhalten und betreiben“, Personal unterzubringen sowie „Landungen, Starts, Ankerplätze, Liegeplätze, Bewegungen und den Betrieb von Schiffen, Flugzeugen und Wasserfahrzeugen zu kontrollieren“.
Momentan betreiben die Amerikaner nur einen Stützpunkt Pituffik Space Base (früher Thule Air Base) in einem abgelegenen Teil der Insel, ein halbes Dutzend andere ehemalige Stützpunkte sind derzeit verwaist. Über Kangerlussuaq steht beispielsweise noch ein großes Gebäude mit zwei runden Lausch-Schüsseln rechts und links, die Einheimischen nennen es wegen seiner Ohren „Micky-Maus“.
Mikkel Runge Olesen, Forscher am Dänischen Institut für Internationale Studien in Kopenhagen, erklärt den Inhalt des Abkommens so: „Die USA haben in Grönland so freie Hand, dass sie praktisch tun können, was sie wollen“. Olesen ist sich sicher, dass die USA ziemlich alles bekommen könnten, was sie wollen, „wenn sie einfach nur nett danach fragen würden.“.
Noch viel lieber wäre mir natürlich, wenn Donald Trump Daniel Günther und Jürgen Trittin nett danach fragen würde, ob die USA nicht Schleswig-Holstein oder gleich komplett Teutonien übernehmen könnten. Dass Trump so ziemlich alles in der Welt haben will außer Deutschland, macht mich allmählich ein wenig unruhig. Aber wer will schon eine Irrenanstalt kaufen.
Beitragsbild: Arian Zwegers - Kulusuk, Inuit couple, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

@Karsten Dörre: „ Wie sind Trumps Ideen zu z.B. Venezuela, Kuba, Grönland oder Iran mit der MAGA-Doktrin politisch zu vereinbaren?“ Geopolotische Taktik (wenn ihr ein Fass auf macht, mache ich 10 auf), Sicherheitsinteressen, Wirtschaftsinteressen, sozialistische und islamistische Sauställe ausmisten.
Lutz Herrmann / 11.01.2026
…Gegenüber Cruise Missiles existiert kein taktischer Vorteil.
Die Besonderheit dieser Waffe ist doch ihre Tiefenwirkung, die keine konventionelle Sprengstoffwaffe erreichen kann. Hier fliegen extrem heiße, harte Metallteile (Stichwort SRM, structural reactive materials) mit großer Geschwindigkeit an, dringen in den Boden ein und reagieren mit den Umgebungsmaterialien explosiv ab. Durch Mehrfacheinschlag überlagern sich die Schockwellen und optimieren das Zerstörungswerk.
Natürlich erzählt man uns vom experimentellen Charakter und der taktischen und strategischen Bedeutungslosigkeit dieser Waffe.
Man könnte das ja noch unterstreichen, indem man Bilder von den Einschlagstellen und Schadensanalysen veröffentlicht. Aber offensichtlich möchte man das nicht.
Das wird sich wohl erst dann ändern, wenn man selbst etwas Vergleichbares im Arsenal hat.
Sollte man den Daniel und den Jürgen nicht auf einen stillgelegten US Stützpunkt auf Grönland verbannen? Bietet sich doch an. Ein Dritter findet sich auch noch damit sie Skat spielen können
@Oliver Krug die Oreshnik hat dort lediglich oberflächlichen Schaden angerichtet, weil die Waffe nicht für das Eindringen in den Boden designed wurde. Die Oreshnik war eine letzte Warnung, denn eine der anderen Hyperschallwaffen hätte das Gaslager in die größte Fackel der Welt verwandelt. Das Problem ist, daß die europäische Elite mit der Realität nicht viel am Hut ab und gegen Dummheit sind nicht nur die Götter, sondern auf russische Politiker machtlos. Diese Warnung wird von den Eliten als Beweis für die Schwäche Putlers gedeutet werden. Wenn Russland die Lichter und die Wärme in der Ukraine ausschaltet, ist es vorbei, weil Europa dann mal eben 10 Mio Ukrainer aufnehmen muss.
„Denn offensichtlich geht es Trump allein um die Ausbeutung der Rohstoffe dort“
Nein, geht es nicht. Da reden wir jetzt die ganze Zeit drüber, dass es das nicht sein kann. Hallo, McFly? Jemand zuhause? Selbst Maxeiner ist mit seinem Vertrag von 1951 schon einen Schritt weiter. Auch wenn er nicht in der Gegenwart angekommen ist …
Meine Güte, bei dem Bild und der Überschrift hatte ich schon befürchtet, Maduro sei geflohen und hätte Asyl in Grönland bekommen.
„Wer auf der A7 von Süden nach Norden fährt“ will nach Dänemark. Oder ist Skandinavier und will nach den Sommerferien wieder nach Hause und denkt sich: „Germany is such a shit hole.“