Die neue „Partei für Schulmedizinische Verjüngungsforschung“ verspricht ein „unbegrenzt langes Leben für alle“. Das toppt sogar die SPD-Versprechen und eröffnet bestechende Perspektiven, nicht nur für die Wahl in Berlin.
Endlich gibt es jetzt auch eine politische Partei in diesem Lande, die sich voll inhaltlich dem optimistischen Wesen der Achse des Guten verpflichtet sieht. Die wahre Alternative für Deutschland tritt jetzt schon zur zweiten Berliner Wahl an und verdient meine volle Unterstützung. 2016 erzielte sie zwischen 0,3 und 0,9 Prozent der Zweitstimmen, es ist also noch „Luft nach oben“ wie der Aerodynamiker zu sagen pflegt. Um den Auftrieb zu verstärken, schreibe ich hier ja darüber.
Normalerweise halte ich mich mit Wahlempfehlungen zurück, in diesem Fall möchte ich aber eine Ausnahme machen. Die bestechenden Botschaften der „Partei für Schulmedizinische Verjüngungsforschung“ sind überall in Berlin plakatiert – und lassen die Konkurrenz alt aussehen. Apropos: Jeder, der mein Foto auf der Autorenseite aufruft, wird verstehen, warum ich so begeistert bin. Seit der Aufnahme sind übrigens schon wieder ein paar Jährchen vergangen, ich hänge aber an dem Bild. Sie verstehen.
„Es geht nicht um ein paar Falten,“ heißt es auf einem Plakat, „Es geht um Leben oder Tod“. Denn „100.000 Menschen sterben täglich an Alterskrankheiten. Zeit, sie zu retten“. Zunächst wähnte ich Karl Lauterbach hinter der neuen Partei, der Parteivorsitzende heißt aber Felix Werth. Ansonsten sieht der Felix dem Bundespiekser ein bisschen ähnlich. Der Unterschied zwischen den beiden Pflegekräften lässt sich folgendermaßen beschreiben:
• Die SPD verspricht lediglich, dass man nicht stirbt – und verlangt zu diesem schnöden Zwecke eine Impfung.
• Die Partei für Schulmedizinische Verjüngungsforschung verspricht ein „unbegrenzt langes Leben für alle“ – und das ohne Impfung.
Vorteil Felix, kann ich da nur konstatieren.
Die definitive Weiterentwicklung der deutschen Heilsparteien
Wenn schon Religion, dann richtig: Eine Partei, die das ewige Leben verspricht, ist die definitive und endgültige Weiterentwicklung der deutschen Heilsparteien, danach kommt nix mehr, warum auch. Mehr als ewig geht ja nicht. Als Francis Fukuyama das Ende der Geschichte ausrief, konnte er ja nicht ahnen, dass die Barmer-Ersatzkasse mit den Details beauftragt werden würde.
Bei der Ausgestaltung des Parteiprogramms wird übrigens durchaus auf persönliche Wünsche und bürgerschaftliches Engagement eingegangen: „Wie alt willst Du werden? 80, 100, 500,…? Wähle jetzt“. Ich habe prompt an der entsprechenden Umfrage (von „75 Jahren“ bis „über 1000 Jahre“) teilgenommen. Das einzige was mir fehlt, ist ein Optionsmodell hinsichtlich der Lebenszeit-Gerechtigkeit. Ich kaufe doch nicht die Katze im Sack. Ich möchte lieber stufenweise hinzubuchen können, falls es mir noch gefällt, aber das Recht auf vorzeitiges Ableben behalten, wenn Olaf Scholz in 800 Jahren noch Kanzler ist.
Von der technischen Ausrüstung her bin ich gerüstet, mein alter Volvo macht noch ein paar Milliönchen Kilometer mit. Im übrigen plädiere ich für eine begleitende Verlängerung der Restlaufzeit von Atomkraftwerken, Dieselmotoren und Physikunterricht.
Damit kommen wir zu der fantastischen Wirkung, den der sofortige Vollzug des ewigen Lebens auf die Politik dieses Landes haben würde. Die Berliner Wanderprediger könnten sich nicht wie bisher tiefergelegt in einer lauschigen Friedhofsecke vor den Auswirkungen ihres Handelns verstecken. Die ganze Bagage, die uns derzeit Energie-, Verkehrs-, Landwirtschafts-, Mobilitäts- und sonstige Wenden einbrockt, würde noch zu Lebzeiten von den Folgen ihres Tuns eingeholt. Wenn das mal keine gute Idee ist. Hallo Olaf, in meinem Kalender steht 2050 für die erste Zwischenabrechnung!
Wo wir gerade dabei sind: Eine lebenslängliche Haftstrafe kriegt angesichts der schulmedizinischen Verjüngungsforschung eine ganz neue Qualität. In den USA wird ja schon mal 40 mal lebenslänglich verhängt, mit einem Revisionstermin im Jahre 3209. Die Aussicht, dieses theoretische Strafmaß praktisch absitzen zu müssen, finde ich in gewissen Fällen durchaus disziplinierend.
Heikel ist das ewige Leben auch für Luisa und Greta, die müssen sich möglicherweise warm anziehen: Schmoren wir in 500 Jahren tatsächlich in der Klimahölle oder holen wir uns in einer Kleinen Eiszeit kalte Füße? Liebe Greta: Wenn du mich beschissen hast, werden wir das noch gemeinsam besprechen. Wenn ich 500 bin, dann bis du 450, und wir begegnen uns gleichsam auf Augenhöhe. Im Übrigen ist euer Unique Selling-Point dahin: Ab sofort sind wir alle die letzte Generation.
Ein weiteres Plus für die neue Partei: Das ewige Leben bietet für die deutschen Institutionen ziemlich bestechende Perspektiven – einmal abgesehen von der Deutschen Rentenversicherung, das muss noch gegengerechnet werden (aber lasst da bloss nicht den Bill Gates oder die Bertelsmann-Stiftung ran).
Für Institutionen wie die evangelische oder katholische Kirche sowie das Abendprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender bedeutet das ewige Leben eine langfristige Existenzsicherung, nirgendwo wird man mehr Tausendjährige finden als bei der 20:15 Uhr Tagesschau und Wetten dass,..?.
Von Dirk Maxeiner ist in der Achgut-Edition erschienen: „Hilfe, mein Hund überholt mich rechts. Bekenntnisse eines Sonntagsfahrers.“ Ideal für Schwarze, Weiße, Rote, Grüne, Gelbe, Blaue, sämtliche Geschlechtsidentitäten sowie Hundebesitzer und Katzenliebhaber, als Zündkerze für jeden Anlass(er). Zu beziehen hier.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die Partei für ewiges Leben oder die Grünen wählen soll. Auf jeden Fall scheidet die AfD aus, denn die will uns nur vor so schnöden Sachen retten wie Verarmung, Hunger, kalter Wohnung und Bürgerkrieg. Viel reizvoller finde ich das Versprechen auf ewiges Leben. Allerdings ist dieses Versprechen auch im Wahlprogramm der Grünen enthalten, denn sie wollen die ganze Welt mit allem Bösen, was darin enthalten ist einschließlich dem Tod, retten. Mehr noch, sie verraten uns sogar, wie sie das machen. Vor dem Tod retten sie uns mit Panzern, vor dem drohenden Feuertod retten sie uns, indem sie Wälder abholzen und Windräder aufstellen, vor Krankheit und Tod retten sie uns mit einer toxischen Spritze und vor Gewalt und Krieg retten sie uns, indem sie Glücksritter aus aller Welt zu uns einladen.
Interessant … für mich ist das nix, ich hoffe rechtzeitig die Kurve zu kratzen, vor dem Pflegeheim …
Da halte ich es lieber mit Ruth Denisons „Der lautlose Tanz des Lebens“ ein wunderbarer Film über eine
charismatische Frau, die das buddhistische Zentrum in der Mojave-Wüste/USA gegründet hat. Ein „Schmaus“
für Augen und Ohren, mit viel Augenzwinkern und der Gewissheit, dass Geburtstag „ein Jahr weniger Leben“
bedeutet. Sie wurde mit ihrer Familie aus Ostpreußen vertrieben und spricht ein deutsches Englisch, was für ein besonderes i-Düpferl sorgt ;). Zu finden unter der oben genannten Bezeichnung auf YouTube.
Da wird der Platz aber ziemlich eng werden in Florida und auf Mallorca!
Und Champagner für alle.