Ab dem morgigen Montag können Kunden den neuen elektrischen Volkwagen „ID.3“ bestellen. Die Betonung liegt auf bestellen, denn ausgeliefert wird das Auto voraussichtlich erst ab Herbst. Der Stahl ist willig, das Digital aber schwach, die Programmierer müssen noch ein bisschen nachsitzen. Der Serienanlauf erinnert in seiner Länge ein wenig an die Start- und Landebahn des BER. Man kann aber wohl rechtzeitig zur Weihnachtsbescherung damit rechnen, gleichsam als Wolfsburger Wunderkerze.
Wobei die Wunder sich in Grenzen halten, es wird von einer Reichweite „bis zu 330 Kilometer“ gesprochen, unter E-Auto-Brüdern und -Schwestern dürften das in der Praxis eher 200 Kilometer sein. Wer einen „günstigen Einstieg“ (So ein Branchendienst) sucht, ist mit nur 37.787,72 Euro und dem Model „Life“ dabei, wovon man den staatlichen „Umweltbonus“ von 9.480 Euro fairerweise abrechnen muss. Nachdem die Krankenschwester mit ihren Steuern und Zwangsumlagen die Solarzellen auf dem Carport-Dach der Chefarzt-Villa erfolgreich abbezahlt hat, ist jetzt der Stadtflitzer für dessen umweltbewusste Ehegattin an der Reihe.
Mit der sozialen Gerechtigkeit geht es in Deutschland so beherzt aufwärts wie mit Elon Musks Space-X-Rakete, die Umverteilung von unten nach oben ist zum Markenkern des deutschen Ökogewissens geworden. Nirgendwo sind die Armuts-Beschaffungs-Programme kreativer als in der ökosozialen Planwirtschaft. Aufwärts immer, abwärts nimmer: Denn sonst müsste man ja auch dem gemeinen Waschmaschinen-, Spülmaschinen-, Herd-, Staubsauger- und Lampenbesitzer 8.790 Euro Prämie bezahlen, weil er so viele schöne elektrische Geräte benutzt mit gaaanz viel Digital dran. Oder habe ich irgendwas falsch verstanden?
Halluzinationen sind das neue Normal
Bleiben wir beim Preis-Leistungsverhältnis, ein Begriff, der dem Deutschen so locker über die Lippen geht wie dem Franzosen "l’amour". Dazu ein gemeiner Vergleich: Ein neuer Golf Diesel kostet etwa 20.000 Euro in der Anschaffung und bietet dafür eine Reichweite von rund tausend Kilometern, macht 20 Euro pro Kilometer Reichweite. Für den ID.3 will VW rund 40.000 Euro bei alltagsrealistischen 200 Kilometern Reichweite, das macht rund 200 Euro pro Kilometer Reichweite, also das Zehnfache. Die Bildungsergebnisse der PISA-Studie für Deutschland mögen inzwischen suboptimal sein, sie reichen aber durchaus noch, um angesichts dieser Sachlage zu nachteiligen Rechenergebnissen zu kommen. Das gilt selbst für den Volkswagen-Aufsichtsrat, der beim verantwortlichen VW-Chef Herbert Diess kürzlich den Stecker aus der Ladestation zog. Der Zustand des grünen Nirvanas wird jetzt auf dem Golfplatz über ihn kommen, man nennt das "green deal".
Rechenschwächen und Halluzinationen sind das neue Normal, allerdings nur in politischen Führungszirkeln. Die Bevölkerung wird zumindest teilweise noch durch ihren Kontostand am Monatsende geerdet. Ansonsten erscheint die Wünsch-Dir-Was-Wirtschaft inzwischen unter semantischen Tarnkappen. Sie wirft mit Begriffen wie „Strukturwandel“ und „Transformation“ um sich, die mit den tatsächlichen Vorgängen aber nur wenig zu tun haben. Wenn die deutsche Wirtschaft einen „Strukturwandel“ fahrlässig verpennt hat, dann nicht den technischen, sondern den politischen: nämlich den von der Marktwirtschaft zur Planwirtschaft. Sie haben die Merkels, Altmaiers und Scholzens gründlich unterschätzt und geglaubt, die wollten nur spielen. Und jetzt hängen Volkswagen, Daimler & Co am Berliner Fliegenfänger.
Der Verbrennungsmotor, die Kernenergie, die grüne Gentechnik: Deren Ende in Deutschland sind allesamt rein politisch-ideologische Entscheidungen, die mit einem vom Markt getriebenen Strukturwandel so viel zu tun haben wie Henry Ford mit Erich Honecker. Zur Erinnerung: Einen Strukturwandel verursachte beispielsweise die Erfindung des mechanischen Webstuhls. Der machte genau wie andere Maschinen die Handarbeit obsolet und nahm den Menschen die Arbeit weg. Eine überlegene Technik veränderte unaufhaltsam die Welt (so wie heute das Internet). Das führte zum berühmten Weberaufstand und zur Maschinenstürmerei. Wenn heute in Deutschland sichere, kohlenstofffreie und voll funktionsfähige Kernkraftwerke in die Luft gejagt und durch volatile Windrädchen ersetzt werden, dann ist das kein Strukturwandel, sondern ideologische Maschinenstürmerei. Und es wird, in längeren historischen Zyklen betrachtet, ebenso vergeblich sein.
Schilda-Nachrichten, die eine „Transformation“ feiern
An der Wende zum 20. Jahrhundert waren in Deutschland übrigens rund 20.000 Windmühlen für diverse Zwecke wie das Mahlen in Betrieb. Sie wurden sukzessive durch elektrische Antriebe und Dieselmotoren ersetzt, ein klassischer Strukturwandel in dem eine überzeugendere Technik das Althergebrachte obsolet macht. 120 Jahre später legen wir den Rückwärtsgang ein, verbieten die Dieselmotoren und bauen Windräder, auf dass diese elektrische Autos antreiben, deren bisherige Dieselmotoren auch ökologisch zu den effizientesten Kraftquellen gehören. Auch das kommt ideologisch verbrämter Maschinenstürmerei gleich und erinnert eher an die Bürger von Schilda, die Licht mit Eimern ins Rathaus ohne Fenster trugen. Es gab allerdings noch keine Schilda-Nachrichten, die das Ganze als „Transformation“ feierten.
Vielleicht sind elektrische Autos ja eines Tages tatsächlich die bessere Lösung. Dann werden sie sich auch ohne Verbote und Prämien durchsetzen. Tesla hat ja bereits erfolgreich die Walldorf-Herzen der Upper-Class erobert, die Flitzer aus dem Hause Silicon-Valley sind insofern die automobile Entsprechung der Allnatura-Supermärkte. Allerdings ist bisher noch niemand auf die Idee gekommen, deshalb Aldi und Lidl zu verbieten (Aber mit Herrn Tönnies’ Schweinefleisch würde man ganz gerne schon mal einen Anfang machen).
Die Chinesen haben uns transformativ übrigens einiges voraus. So endete Maos „Kulturrevolution“ oder auch „Großer Sprung nach vorn“ bekanntlich in der größten Hungerkatastrophe der Menschheit, das aber nur am Rande. Die Chinesen neigten schon vorher zu deutscher Gründlichkeit, beispielsweise als die bis dato erfolgreiche Seefahrer-Nation im 16. Jahrhundert die rästelhafte Selbstisolation beschloss und seine erfolgreiche Seeflotte verbot. Damit war der Weg frei für die europäische Kolonialisierung der Welt. Betrachten wir es also gelassen als ein Geben und Nehmen. 2020 versenkt Deutschland seine bis dato erfolgreiche Industrie. Und befindet sich auf gutem Wege, eine chinesischen Kolonie zu werden.
Von Dirk Maxeiner ist in der Achgut-Edition erschienen: „Hilfe, mein Hund überholt mich rechts. Bekenntnisse eines Sonntagsfahrers.“ Ideal für Schwarze, Weiße, Rote, Grüne, Gelbe, Blaue, sämtliche Geschlechtsidentitäten sowie Hundebesitzer und Katzenliebhaber, als Zündkerze für jeden Anlass(er). Portofrei zu beziehen hier.
Beitragsbild: Creative Commons CC0 Pixabay

No Future war gestern. Optimismus ist angesagt. Der Song zur Lage: "Wir reiten auf Kamelen durch Berlin", von Andreas Rebers. Von 2011. Visionär der Mann.
Der Vorsitzende der Staatlichen Plankommitees und dritter Sekretär der Kommission zur Förderung antirassistischer Jugenderziehung wird in seinem Nebenberuf als Vertreter des Kulturstaatssekretärs für Wahrheit und Weisheit zwar eine gewisse Sympathie für den Verfasser der Sozialparodie "Ich war nur ein kleiner Mithüpfer" empfinden, nicht zuletzt auch wegen der familiären Bande. Aber leider kann das Werk nur handschriftlich auf Tierhäuten geschrieben, veröffentlicht werden, weil seit drei Jahren alle Papierkontingente für den Bildband "Hundertster Geburtstag des Genossen XI" angesammelt werden. Der Geburtstag liegt zwar schon einige Jahre zurück, aber leider konnte die internationale Verpflichtung zum Papiersparen doch noch nicht die erforderlichen Mengen für acht Milliarden Exemplare erwirtschaften, weil auch noch die alljährlichen Merkblätter der Stiftung zur Corona-Impfung dazwischen gekommen sind. Die Staatliche Impfkommission klagt über Rückstände bei der Erteilung von Impfausweisen und in Mecklenburg-Vorpommern stehen die Strandhotels seit zehn Jahren leer, weil einfach das Papier für die Erklärungen zur Unbedenklichkeit der Ein- und Ausreise nicht bereitgestellt werden konnte. Die Digital-App für Freiwillige Bewegungskoordination funktioniert leider seit Jahren nicht mehr, weil man unvorsichtigerweise eine Twitter-Schnittstelle eingebaut hatte, wo jeder Nutzer freiwillig sein Bewegungsprofil twittern sollte. Huawei hat das Projekt zwar übernommen, twittern aber nur in Chinesisch. Die Leader des Freien Stens, die Obama-Brothers sind besonders in Kenia sehr beliebt, seitdem ihre Abstammung von Kenyatta nachgewiesen wurde, interessanterweise als Nebenergebnis einer freiwillig-verpflichtenden Genanalyse im Vorfeld der Siebenten Freiheitlichen Coronyatta-Inaktivation, die vom Hohen Rat als Vorbedingung des Fernsehempfanges einschließlich Vorhaltens Gebühren-nicht-befreiter neuartiger Empfangsgeräte freiwillig erklärt wurde, als vorübergehende Maßnahme.
Gestern spätabends ein Sketch im ZDF; den Namen der Sendung habe ich schon wieder vergessen. Zwei „Jammerlappen“ am Tisch, per Internet ein „Durchblicker“ zugeschaltet. Jammerlappen: „Ich will mein altes Leben wie vor Corona zurück! Ausgehen, mit Freunden feiern, Grillen, Bier trinken, in Urlaub fliegen!“ Durchblicker: „Wollt Ihr alles wirklich genau so, wie vorher haben ?!? Diese Pegida-Demos, viermal im Jahr zum Ballermann fliegen, diesen Fleischkonsum, diesen Autoverkehr? Was ist mit Klima, Umwelt, Nachhaltigkeit, hallo ?!?“ Worauf die Jammerlappen, alles typische dumme deutsche weiße Dödel natürlich, gaanz bedröppelt und nachdenklich gucken. Dann musste ich wegen Erreichens der Emesisgrenze wieder zu Mr. Bean zurück zappen, wo zum Glück gerade die Werbung zu Ende war. Es wird ganz offen und rotzfrech kommuniziert und propagiert, wozu die Coronahysterie benutzt werden soll.
@Voegele. Herr Voegeke, nicht nur die heutigen Magager/Industriellen laufen der Zeitströmung nach, wie irrsinnig sie auch sein mag. Wenn zum Beispiel Herr Käser Luisa Neubauer einen Posten bei Siemens anbietet oder der Betreiber vom ehemaligen Kernkraftwerk Phillipsburg Greenpeace dafür dankt, zur Sprengung der Kühltürme ermuntert zu haben, dann ahnt man, wie deren Vorgänger in den 30er Jahren dem Nationalsozialismus nachlaufen konnten.
Man diese Politik, statt langwierig über Umverteilung von unten nach oben zu philosophieren, auch mit einem Wort asozial nennen,
Danke Herr Maxeiner für diesen vormittaglichen Artikel. Ein weiterer Meilenstein in ihrer Essay-Sammlung zur gebündelten, kollektiven Blödheit des großen wirtschaftlichen Abschwungs und der desaströsen, rotgrün getriebenen Talfahrt. In der Phalanx mit einer Managerkaste, deren intellektuelle Leistung rapide abnahm, je höher sie mit Mondsummen von Gehältern zugeschissen worden sind, die sich einem Zeitgeist verkauft und sich aus der Eigenverantwortlichkeit verabschiedet haben. Fatal und die Bürger machen's mit.
Zitat: "Der Stahl ist willig, das Digital aber schwach ..." Ha, ha, ha! Ja, Herr Maxeiner, genau das ist der Unterschied zwischen HARD-Ware und WEICH-Ware. Erstere leistet zuverlässig ihren Dienst, letztere hält unzählige und vor allem ungeahnte Unzulänglichkeiten, Inkompatibilitäten, Fehler, Vireneinfallstore und Totalcrashes bereit. Software ist bekanntermaßen "weich", und kann idR "am offenen Herzen", dh ohne Komplettaustausch, geändert werden - ob das ein Vorteil oder nur eine weitere Unzulänglichkeit ihrer selbst ist (weil durch eigne Fehler erzwungen), mag jeder selbst beurteilen.