Günter Keil, Gastautor / 02.10.2010 / 21:01 / 0 / Seite ausdrucken

Der Siegeszug der Kernkraft - Nur in Deutschland gilt sie als Brückentechnologie TEIL II

Von Günter Keil
Mit Ergänzungen von Jürgen Wahl

(Unser Autor Dr. Ing. Günter Keil arbeitete bis zu seiner Pensionierung 2002 in leitender Funktion im Bundesforschungsministerium)

Fortsetzung von TEIL I

Norwegen
Politik:
Das norwegische Öl- und Energieministerium ließ im Frühjahr 2007 prüfen, wie das dort reichlich vorhandene Thorium (Man rechnet mit 170.000 t) als Kernbrennstoff wie in Indien genutzt werden kann. Schon der deutsche Kugelhaufen-HTR verwendete Brennelemente mit einer Uran-Thorium-Mischung.
Allerdings gibt es von Seiten der Regierung keine Pläne. Denn zweimal ist eine
Abstimmung des norwegischen Parlaments über die Kernenergie in den letzten Jahrzehnten negativ ausgegangen. Der 2007 in Auftrag gegebene Bericht vom Februar 2008 äußerte sich nur vorsichtig positiv zur weiteren Forschung mit Thoriumreaktoren. Doch zumindest die Exportchancen dieses Kernbrennstoffs werden unstrittig sein und aufgegriffen werden.
Wirtschaft:
“Wir wollen ein kommerzielles Thorium-Atomkraftwerk südwestlich von Oslo bauen”, bestätigte Wilhelm Rondeel, Atomphysiker einer Tochterfirma des staatlichen Energiekonzerns Statkraft. Thor Energy hat sich bereits große Thoriumvorkommen gesichert. Die Wirtschaftsverbände drängen stark auf eine Zustimmung zur Kernenergie, da man in einigen Jahrzehnten nach dem Ende des Ölbooms nur die Wahl zwischen Importkohle und Kernkraft auf Thoriumbasis habe. Strom aus Wasserkraft steht offenbar weniger als in der EU angenommen zur Verfügung.
Norwegen importiert Kernenergiestrom aus Schweden in geringer Menge.

Oman
Oman unterzeichnete im Juni 2009 mit Russland ein Abkommen zur nuklearen Zusammenarbeit.

Pakistan
Politik:
China hatte Pakistan bereits im Oktober 2008 den Bau von 2 weiteren KKW zugesagt. Die Länder hätten einen Vertrag über 2 KKW mit einer Gesamtleistung von 680 MW unterzeichnet, erklärte der Außenminister Shah Mehmood Qureshi. Die USA hätten sich geweigert, mit Pakistan einen Atomvertrag abzuschließen, daher handelt China. 
Satellitenaufnahmen enthüllten im Mai 2009, dass Pakistan den Bau des weltgrößten Reaktors zur Plutoniumproduktion fortsetzt.  Pakistan ist im Besitz von ca. 60 – 80 Atomwaffeneinheiten.
Projekte:
Die Financial Times vom April 2010 meldete dazu Neues: Standort der 2 KKW soll in der Provinz Punjab an der Grenze zu Indien sein. Die chinesische Atombehörde hatte Anfang März 2010 eine Einigung bei der Finanzierung beider Reaktoren gemeldet. Eine konkrete Bauankündigung gab es noch nicht.
Zwei KKW mit 462 MW sind in Betrieb: Karatschi (CANDU-Reaktor, 137 MW) und
Chashma 1 , ein chinesischer Druckwasser-Reaktor mit 460 MW.
Im Bau befindet sich seit 2005 Chashma 2, wiederum ein chinesischer Druckwasser-Reaktortyp; geplante Fertigstellung Mai 2011.

Philippinen
Situation:
Das einzige KKW des Landes Bataan (BNPP) liegt auf der gleichnamigen Halbinsel westlich von Manila bei Napot Point in Morong. Sein Westinghouse-Reaktor hat ein Leistungsvermögen von 621 MW. Das KKW ist nicht in Betrieb. Baubeginn war 1976; der Bau wurde 1979 gestoppt. Anschliessend erfolgte der Weiterbau; 1984 war es nahezu fertiggestellt. Nach dem Tschernobyl-Unfall entschied Präsidentin Aquino, das KKW nicht in Betrieb zu nehmen. Es blieb intakt und wird gewartet.
Politik:
Im Januar 2008 kündigte Energieminister Angelo Reyes an, dass ein 8-Mann-Team der IAEA unter der Leitung von Akira Omoto die eingemottete Anlage mit dem Ziel der “Rehabilitation” inspizieren solle. In ihrem Bericht machte das IAEA-Team zwei Vorschläge:
1. Gründliche technische Inspektion und ökonomische Evaluierung.
2. Zum Start des neuen Nuklearprogramms der philippinischen Regierung empfahl das Team insbesondere den Aufbau nötiger Infrastruktur, die Festlegung von Sicherheitsstandards und Fachpersonal-Ausbildung.
Die der IAEA gestellte Aufgabe enthielt keine Abschätzungen über die Brauchbarkeit oder die Kosten einer Rehabilitation.
Die Regierung hat im vergangenen Jahr ihren “Energieplan 2009 - 2030” (PEP) vorgelegt. Die Minister für Energie (DOE) und Wissenschaft und Technologie (DOST) haben anschliessend eine interministerielle Task Force eingerichtet, die insbesondere die Kernenergie als Langzeit-Option beurteilen soll.
Darin ist eine kurzfristige Aufgabe die Bewertung der Ergebnisse, die eine Machbarkeitsstudie zum KKW Bataan (BNPP) gebracht hat. Diese ist im Rahmen einer Vereinbarung (MoU) zwischen der National Power Corporation NPC und KEPCO, dem staatseigenen koreanischen Energiekonzern, der zu den 10 grössten Unternehmen in den Philippinen gehört, gemeinsam zu erstellen.
Die Task-Force wird auch eine Sicherheitsüberprüfung des BNPP durchführen.
Ebenfalls wird eine Studie zur Wettbewerbsfähigkeit von Kernenergie gegenüber anderen Energiequellen durchgeführt. Während sich die Philippinen so auf den möglichen Beginn der Kernenergie vorbereitet, verstärkt das DOE mit verschiedenen Trainingsprogrammen seine Fachkompetenz.

Polen
Politik:
Die französische EDF und die Polska Grupa Energetyczna (PGE) , der größte polnische Energieversorger, haben am 17.11.2009 eine Erklärung zur Zusammenarbeit auf dem Nuklearsektor unterzeichnet. Beide Unternehmen werden gemeinsam Machbarkeitsstudien für die Entwicklung des Europäischen Druckwasserreaktors EPR der Fa. Areva erstellen. Die Unterzeichnung dieser Absichtserklärung folgt einem Regierungsabkommen zwischen beiden Ländern vom 5.11.2009, in dem sich Frankreich verpflichtet, Polen beim KKW-Bau zu unterstützen.
Projekte:
Im Auftrag des Wirtschaftsministeriums wird die PGE an 4 bis 6 Standorten
Untersuchungen durchführen, um den geeignetsten für den Bau der ersten KKW Polens zu ermitteln. PGE will in 2 KKW-Standorten mit einer Leistung von je 3.000 MW zu bauen.  Der erste Block soll Ende 2020 in Betrieb gehen. Die weiteren Blöcke 2 oder 3 Jahre später. An erster Stelle der Rangliste steht der Standort Zarnowiec nördlich Gdansk; gefolgt von Warta-Klempicz.  Polen hat so entschieden, “weil eine Zusammenarbeit mit den Aussteigern in Berlin sinnlos erschien”, so die Leitung des polnischen Wirtschaftsministeriums.

Qatar
Im Februar 2006 begannen Qatar und Südkorea Gespräche über die Zusammenarbeit in der Atomenergie. Qatar und Frankreich unterzeichneten im Januar 2008 ein Abkommen über die Nuklearkooperation im Umfang von ca. 700 Mio US-$. Im November 2008 begann Qatar eine Studie zur Feststellung des am besten geeigneten Standorts für den Kernreaktor des Landes.

Rumänien
Am Standort Cernavoda sind in den 1980er Jahren die Fundamente und
Reaktorgebäude für 5 CANDU-Blöcke errichtet worden. Nach 1989 wurden die Arbeiten an den Blöcken 2 bis 5 eingestellt. 2001 wurde beschlossen, Cernavoda 2 fertigzustellen; die Inbetriebnahme erfolgte im September 2007.
Die kanadische Atomic Energy of Canada Ltd. (AECL) und die rumänische EnergoNuclear SA – die gemeinsame Projektgesellschaft aller Anteilseigner - wollen nun die Machbarkeit einer Fertigstellung der Blöcke 3 und 4 abklären. Ein Vertrag wurde im Februar 2010 unterzeichnet. Baubeginn ist für Ende 2010 vorgesehen.
In der Projektgesellschaft halten der staatliche Betreiber SNN 51%, ENEL , RWE , CEZ, und GdF/SUEZ je 6,2%. Die Investoren erhalten “Stromscheiben” (also Import-Kontingente) entsprechend ihres Anteils ! Eine Reduzierung des staatlichen Anteils und eine entsprechende Aufstockung der übrigen Anteile wird vermutet. Den RWE-Anteil hält die Landesgesellschaft RWE Power Romania S.A.

Russland
Politik:
Die russische Regierung bestätigte am 21.1.2010 ein neues Forschungsprogramm “Nukleare Energietechnologien der neuen Generation 2010 – 2015”, in dem 3 Schwerpunkte gesetzt werden:
(1) Weiterentwicklung der schnellen Brutreaktoren. Am Standort Beloyarsk soll der 300 MW-Demonstrationsreaktor BREST-300 errichtet werden, in dem verschiedene Kühlmittel (Blei, Blei-Wismut, Natrium) erprobt werden.
(2) Entwicklung neuer hochdichter Kernbrennstoffe, insbesondere MOX.
(3) Kernbrennstoff-Wiederaufbereitung; Schließen des Kernbrennstoff-Kreislaufs.
Am 15.4.2009 hatte Ministerpräsident Wladimir Putin in einer Beratung zur Zukunft der Kernenergie in Udomlja gefordert, dass der KKW-Anteil am Energiemix des Landes auf 25 bis 30 % zu steigern sei. Derzeit liegt dieser Anteil bei 16 %. Putin kündigte den Bau von 26 neuen KKW-Blöcken bis 2030 an. Zudem solle die Staatsholding Rosatom mit 50 Mrd. Rubel (1,13 Mrd. Euro) gestützt werden.
Russland gelang im Mai 2009 der Einstieg in den kommerziellen US-Uranmarkt. In Moskau schlossen Sergej Kirienko für die Rosatom-Tochter Techsnabexport (Tenex) mit drei amerikanischen Unternehmen ein Abkommen, mit dem Russland groß in den Uranmarkt der USA einsteigen darf. Russland erhält nun das Recht, zivile Atomverträge direkt mit privaten US-Firmen abzuschließen. Nach dem Moskauer Abkommen wird Russland zwischen 2014 und 2020 angereichertes Uran in die USA liefern und damit 20 bis 25% des amerikanischen Marktes abdecken. 
Kirienko steht zudem in Vorverhandlungen über den Bau einer Urananreicherungsanlage in den USA.
Bereits im Jahre 2008 führte Ministerpräsident Wladimir Putin in Tokio Gespräche über Kernbrennstoffe; anschließend schloß die o.e. Uranfirma Tenex mit einer japanischen Firma einen Liefervertrag.
Am 8.6.2010 unterzeichneten Rosatom-Chef Kirienko und der Leiter des französischen Kommissariats für Atomenergie B. Bigot ein Abkommen, das ein weites Spektrum von Projekten umfasst: Kernenergiewirtschaft, Kernbrennstoffzyklus, Entwicklung neuer Reaktorsysteme, Sicherheit.

Projekte:
Russland hat auf die Weiterentwicklung der Baureihe RBMK (graphitmoderierter Siedewasser-Reaktor; “Tschernobyl-Typ”) verzichtet und setzt auf die Weiterentwicklung der erfolgreichen Baureihe WWER (Wasser-Wasser-Energie-Reaktor). Insbesondere ist der Typ AES-2006 (1.200 MW) als neuer Serientyp für eine ganze Reihe neuer russischer KKW vorgesehen.
Der Typ AES-92 (1.000 MW) weist zahlreiche hochmoderne Sicherheitsmerkmale auf, so z.B. ein passives Wasserstoff-Rekombinationssystem und Notkühlanlagen, die weitestgehend als passive Technologien (ohne Pumpen, Flutung durch Schwerkraft, ohne menschliche Bedienung) ausgeführt sind, und ist erdbebensicher (selbst bei Stärke 8 ein sicheres Abfahren der Anlage möglich). Er entspricht den EU-Anforderungen der European Utilities Requirements.

Bei den Schnellen natriumgekühlten Brutreaktoren wurde bereits mit dem BN-350 in Aktau am Kaspischen Meer – jetzt Kasachstan - (1973-1999) die industrielle Nutzung erreicht und der zweite russische Brutreaktor Belojarsk 3 vom Typ BN-600 (600 MW ), der weltweit grösste, ist noch zuverlässig in Betrieb.
Die Anlage Belojarsk 4 vom Typ BN-800 ist seit 2006 im Bau und bildet den Übergang zu noch größeren Leistungseinheiten. Inbetriebnahme 2012.
Die noch wesentlich leistungsstärkere Anlage des Typs BN-1800 (1.800 MW) befindet sich in der Entwicklungsphase; geschätzter Betriebsbeginn 2020. Auch hierzu laufen Kooperationsverhandlungen mit japanischen Unternehmen.
Eine weitere neue Linie für schnelle Brutreaktoren stellen die mit Blei gekühlten Anlagen BREST-300 und BREST-1200 dar. Derartige Brutreaktoren können das in den Leichtwasser-Reaktoren weitestgehend ungenutzte Natururan U-238 um das 60-fache besser ausnutzen. Was die Reichweite der Uranreserven enorm erhöht.
In den Abschirm-Brennelementen dieses Typs kann außerdem die Umwandlung von langlebigen Transuranen (z.B. Plutonium, Neptunium, Curium, Americium) und anderen langlebigen Aktiniden in kurzlebige Spaltprodukte (Cäsium-137, Cobalt-60, Strontium-90) erfolgen die nach ca. 400 Jahren ihre Radioaktivität verloren haben. Für die Endlagerung eine drastische Verbesserung.

Für die Vernichtung der langlebigen KKW-Abfälle besteht ein zweiter technischer Weg: Mit dem Einsatz von Protonenbeschleunigern an Stelle eines Brutreaktors, Transmutation genannt. (Näheres unter Deutschland).

Entwickelt werden ferner kleine und mittelgroße Nuklearanlagen, die auch als
Heizkraftwerke einsetzbar sind, auch als schwimmende Anlagen. Basis dieser Entwicklungen ist der Reaktor vom Typ SVBR-75/100 mit 280 MW Heizleistung. Aus nuklearen Eisbrecher-Antrieben stammt die Druckwasser-Reaktoranlage KLT-40 mit 70 MW elektrischer und 135 MW thermischer Leistung. Jeweils 2 dieser Reaktoranlagen werden auf einer 144 m langen Barke installiert – die erste dieser Anlagen ist im Bau: Am 30.6.2010 fand in der baltischen Werft in St. Petersburg der Stapellauf des ersten schwimmfähigen Kernkraftwerks Akademik Lomonossow statt. Die Installation der zwei Reaktoren erfolgt 2011. Erster Einsatz soll 2012 an der Halbinsel Kamtschatka zur Versorgung der Siedlung Viljuchinsk erfolgen.
Eine speziell für derartige Anlagen ins Auge gefaßte Anwendung ist die Meerwasser-Entsalzung. Russland bemüht sich stark um Exporte nach Asien, Lateinamerika und Nordafrika.
Das staatseigene Unternehmen Atomenergoprom gab im März 2009 bekannt, dass es mit der japanischen Toshiba Corporation (der auch Westinghouse gehört) eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Kernenergie vereinbart hat.
Im Juni 2010 begannen am Standort Rostow (Wolgograd) die Bauarbeiten für
Rostow 4. Dort befindet sich bereits der dritte Block Rostow 3 im Bau. Der Block Rostow 2 ging am 18.3.2010 ans Netz.
Am 16.6.2010 begannen die Bauarbeiten am Kaliningrader (Königsberger) KKW Baltiskaja , das zwei Reaktorblöcke erhalten wird. Der erste Block wird 1.150 MW leisten. Fertigstellung 2016 bzw. 2018. Der italienische Energieversorger ENEL, der wegen der früheren Anti-KKW-Politik Italiens Anteile an anderen osteuropäischen KKW erworben hatte, wird sich evtl. am Projekt beteiligen. Der dafür ausgewählte Baukonzern Titan-2 ist bereits am Bau des KKW Leningrad II in Sosnowy Bor beteiligt, das als Vorbild für das baltische KKW dient (s.u.).
Die Bauarbeiten für Leningrad-II-1 begannen im Oktober 2008. Die Anlage liegt 80 km westlich von St. Petersburg an einer Bucht des Finnischen Meerbusens auf dem Gelände des A.P. Alexandrow Research Institute of Technology (NITI). Es werden zwei Druckwasser-Reaktorblöcke des Typs WWER-1200 der neuen russischen Baureihe AES-2006 errichtet, die voraussichtlich 2013 in Betrieb gehen. Es besteht die Option, vier weitere Blöcke zu errichten.
Das Ingenieur- und Bauunternehmen Nischni Nowgorod Atomenergoprojekt (NN AEP) wird Hauptauftragnehmer für den Bau der KKW-Blöcke Wolgodonsk 3 und 4.  Das in der Oblast Rostow liegende KKW Wolgodonsk ist auch unter dem Namen Rostow bekannt. Block 2 vom Typ WWER-1000 ist im Bau und fast fertig gestellt.
Die französische Areva wird für das im Bau befindliche KKW Nowoworonesch II-1
das Sicherheitsleitsystem liefern. Bereits 2008 haben Areva und das Testzentrum Vniiaes eine ähnliche Vereinbarung für die Modernisierung des KKW Kola unterzeichnet. Rosatom, die bereits mit ihrer Bergbau-Tochter ARMZ zu 17% an dem kanadischen Uranproduzenten Uranium One, Vancouver, beteiligt ist, wird nach einer Mitteilung von Vorstandschef Sergej Kirienko 610 Mio US-$ bei Uranium One investieren, um auf eine Beteiligung von über 50% zu kommen. Dies wurde Anfang September 2010 mitgeteilt. Rosatom kontrolliert bereits 40% der welt-weiten Kapazitäten zur Urananreicherung und versorgt 74 KKW in 15 Ländern mit Brennstoff. Russlands Uranreserven betragen laut Kirienko über eine Million Tonnen.
Zur Lagerung abgebrannter Kernbrennstäbe hat Rosatom das Prinzip: Kein Endlager, sondern an der Erdoberfläche lagern, bis das Material in einigen Jahrzehnten mit schnellen Reaktoren als Brennstoff nutzbar ist, was zugleich zu einer Vernichtung der langlebigen Transurane führt – siehe oben unter “Brutreaktoren” (Aussage Sergej Nowikow). Ein Haupteffekt: radikale Minderung des Abfall-Volumens um über 90%.
Zur Zusammenarbeit der Staatsholding Rosatom mit Siemens in einem
Gemeinschaftsunternehmen in der Kerntechnik siehe “Deutschland”.

Saudi-Arabien
Politik:
Bis 2020 will Saudi-Arabien eine zusätzliche Erzeugungskapazität von 29.000 MW ans Netz nehmen, um den stark wachsenden Strombedarf zu decken. Derzeit produziert das Land seinen Strom zum größten Teil mit Öl und Gas. Gas soll jedoch in Zukunft als wertvoller Exportrohstoff etabliert werden. Bliebe es bei der Dominanz von Öl für die Stromerzeugung, müsste das Land 2020 doppelt so viel Öl wie heute einsetzen. Das Königreich will deshalb auf alternative Energien und Atomkraft setzen. Im Rahmen einer Initiative des Golf-Kooperationsrates GCC (Bahrain, Katar, Kuweit, Oman, Saudi-Arabien und VAE) werden umfangreiche Machbarkeitsstudien zu den Bereichen Regulierung, Sicherheit, Technologie, Infrastruktur, Zulieferindustrie und Personal durchgeführt.
Im Frühjahr 2010 genehmigte die Regierung in Riad das Projekt der King Abdullah City for Nuclear and Renewable Energy. Es wurde dabei einer Kooperation mit der französischen Areva, der japanischen Mitsubishi und der südkoreanischen Samsung der Vorzug gegeben. Der Grund ist das Verlangen Washingtons, dass Saudi-Arabien den 123-Vertrag unterzeichnet. Diesen Vertrag haben nur die Emirate (VAE) unterschrieben – ebenso nicht Jordanien, Ägypten und Bahrain. Die IAEA schätzt, dass das Land Reaktoren bis zu einer Leistungsklasse von 2.550 MW bauen kann. Während die Finanzierung kein Problem darstelle, ist das beim Personal anders. Man könnte auf die Erfahrungen der Vereinigten Arabischen Emirate VAE zurückgreifen (s.d.).
Projekte:
Im August 2009 kündigte der saudische Minister für Wasser und Energie einen Plan für den Bau des ersten KKW an. Die finnische Beraterfirma Pöyry wird für die König Abdullah City eine Strategie für nukleare und erneuerbare Energie erarbeiten. Zwischen Saudi-Arabien und den USA gibt es eine Absichtserklärung über die Zusammenarbeit in Forschung und Ausbildung bei der Kernenergienutzung.

Schweden
Politik:
Das seit 1984 geltende Verbot des Baus neuer KKW und das Gesetz zur Abwicklung von Kernkraft aus 1997 wurde Mitte Juni 2010 vom Parlament aufgehoben. Es wurde anerkannt, dass die Kernenergie bei Berücksichtigung von Aspekten wie Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit, Klimaschutz und Umweltverträglichkeit heute noch nicht ersetzbar ist. Folge: Die derzeit 10 schwedischen KKW können bei Stillegung durch Neubauten ersetzt werden.
Bereits zur Zeit der vorherigen sozialdemokratischen Regierung, die bis 2006 im Amt war, waren als Ausgleich für die Stillegung des KKW Barsebäck mit 1.230 MW erhebliche Leistungserhöhungen von 1.100 MW in den übrigen KKW genehmigt bzw. geplant worden.
Schweden ist bei der Suche und Benennung eines Standortes für ein Endlager für radioaktive Abfälle vorangeschritten. Der private künftige Betreiber eines Endlagers SKB hat sich in Abstimmung mit der Regierung und der Gemeinde 2009 für den Standort Forsmark entschieden.
Projekte:
Die schwedische E.ON Sverige prüft laut Vorstand Per Lindell den Bau eines neuen KKW-Blocks als Ersatz für den Block Oskarshamn I. Geplant sei ein Antrag für den Ersatzbau nach den schwedischen Parlamentswahlen im September 2010, wobei der neue Block eine 4-mal höhere Leistung als der bestehende 473-MW-Block haben soll.

Schweiz
Politik:
Die Schweiz will die Blöcke Beznau-1, Beznau-2 und Mühleberg sowie die auslaufenden Stromlieferungsverträge mit Frankreich ab etwa 2020 ersetzen. Zugleich wächst der Strombedarf. Die Stromproduktion aus Wind- und Sonnenenergie in der Schweiz deckt trotz grosser Anstrengungen und erheblicher Subventionszahlungen heute immer noch weniger als 0,1% des Landesverbrauchs.
Die Schweizer Politik erwartet, dass die Stromlücke geschlossen wird. Der Bundesrat hat deshalb eine neue Energiepolitik formuliert, die auf den vier Säulen Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Großkraftwerke und Stromaußenpolitik basiert. Ein möglichst breiter Energiemix werde angestrebt. Kernenergie erfülle alle Anforderungen, die die Bundesverfassung an die Energieversorgung stelle:
  # Sie liefert umweltfreundliche elektrische Energie in ausreichenden Mengen zu
    wirtschaftlich angemessenen Bedingungen.
  # Sie hat auf einer vergleichsweise kleinen Landfläche Platz und schont damit  
    auch natürliche Ressourcen.
  # Die Kernenergie ist in einen weitgehend CO2-freien Strommix eingebettet.
  # Das Zusammenspiel unregelmäßig anfallender elektrischer Leistung aus Wind-
    und Solarenergieanlagen, modulierbarer Wasserkraft und zuverlässiger
    Energie aus KKWs erweist sich als ideal.

Projekte:
Die Atel Holding AG, Olten, reichte dazu am 8.6.2008 ein Rahmenbewilligungsgesuch für ein neues KKW beim Standort Gösgen ein. Entsprechend planen auch die Axpo Holding AG, Zürich, und die BKW FMB Energie AG, Bern, den Bau neuer Reaktoren an den Standorten Beznau und Gösgen.
Der Kanton Aargau hat im März 2010 das Richtplanverfahren für das Ersatz-KKW EKKB auf der Aare-Insel Beznau begonnen. Die Beschlussfassung muss durch den Großen Rat erfolgen. Der Reaktortyp wurde noch nicht festgelegt; die Leistung soll maximal 1.600 MW betragen.
Beim Bundesamt für Energie liegen die Rahmenbewilligungsgesuche für zwei Ersatz-KKW in Mühleberg und in Gösgen vor. Entscheidung nicht vor Mitte 2012.
Das KKW Gösgen liefert seit Oktober 2009 außer der Aarepapier AG auch der Firma Cartaseta-Friedrich & Co. in Däniken Heizdampf. Die Fabriken vermieden damit die Verbrennung von 20.000 t Öl.

Thema Endlager: Die Schweizer KKW - Betreiber erklären, der Standort in der Nordschweiz stehe fest und sei sehr gut. Was jetzt laufe, seinen “Genehmigungsschritte” und Auseinandersetzungen mit Gegnern vor Regionalgerichten. Das Endlager liegt in einer Gegend mit wasserundurchlässigen Mergelschichten.
Dem Vernehmen nach wird das Schweizer Endlager derart konzipiert, dass der dort gespeicherte Nuklearabfall jederzeit wieder problemlos herausgeholt werden kann. Er stünde dann als Wertstoff von hohem Energiegehalt (Natururan, Plutonium) für eine Aufbereitung in einer geeigneten Brennelementefabrik als Brennstoff für Schnelle Brutreaktoren (siehe Russland) zur Verfügung, wodurch zugleich die langlebigen Abfall-Bestandteile vernichtet werden.
Es kann angenommen werden, dass alle weiteren Endlager in anderen Ländern ebenfalls in dieser Art konzipiert werden.

Slowakische Republik
Politik:
Vertreter des slowakischen Staatsunternehmens Javys und des tschechischen EVU CEZ haben beschlossen, ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen, um einen weiteren neuen KKW-Block am bestehenden Standort Bohunice zu bauen. Ein entsprechendes Abkommen wurde am 29.5.2009 in Prag unterzeichnet. Zur Diskussion steht ein Druckwasser-Reaktor noch nicht näher bestimmten Typs. 
Projekte:
Die beiden älteren Reaktoren des KKW Bohunice IV – beide 405 MW, Typ WWER – wurden auf Grund des EU-Beitrittsvertrags Ende 2006 und Ende 2008 abgeschaltet. Der neue Block soll zusammen mit den beiden neuen Reaktoren Mochovce 3 und 4 (s.u.) diese Lücke auffüllen.
Im Beisein des Premierministers Robert Fico hat die Slovenske Elektrarne a.s. (SE) am 11.6.2009 mit fünf Hauptlieferanten Verträge zur Vollendung der slowakischen KKW-Einheiten Mochovce 3 und 4 unterzeichnet.  Die Inbetriebnahme der beiden Druckwasser-Reaktoren vom Typ WWER-440 , zusammen 810 MW, soll Februar 2013 bzw. Oktober 2013 sein. Die SE hat für den konventionellen Teil einen Vertrag mit der italienischen Enel S.p.a. abgeschlossen, die Mehrheitsaktionär von SE ist. 

Slowenien
Die slowenische Regierung hat im Januar 2010 den Antrag der GEN Energija       angenommen, die am Standort Krsko einen zweiten KKW-Block errichten will. Er soll 1.000 MW haben und zwischen 2020 und 2025 in Betrieb gehen. Der erste Block mit 700 MW wurde von Westinghouse errichtet; er gehört der GEN Energija, das ist ein Unternehmen der staatlichen Elektro-Slovenija (ELES) und der kroatischen Hrvatska Elektroprivreda (HEP).

Spanien
Die spanische Aufsichtsbehörde Consejo de Seguridad Nuclear (CSN) hat sich im Juni 2010 einstimmig für eine 10-jährige Verlängerung der Betriebszeit von Spaniens zweitjüngstem KKW Vandellos 2 (1045 MW) ausgesprochen; d.h. bis 2020.
Damit ist Vandellos 2 bereits das dritte KKW, dessen Betriebsbewilligung in diesem Jahr verlängert wurde.

Sudan
Der Präsident des Sudan Omar al-Bashir kündigte im März 2006 ein Vorhaben zur Entwicklung eines zivilen Atomprogramms an. // Gefahr droht: Der iranische Ayatollah Ali Khamenei sagte im April 2006, dass er bereit sei, Nukleartechnologie an den Sudan weiterzugeben – also an ein Land, das von den USA als staatlicher Unterstützer und Finanzier des internationalen Terrorismus eingestuft wird.

Südafrika
Politik:
Das Department of Minerals and Energy hat im August 2007 umfangreiche Pläne für ein Nuklearprogramm vorgestellt. Es umfasst den Aufbau einer Nuklearindustrie mit den Feldern KKW-Bau, Uranabbau, Urananreicherung, Konversion, Brennelemente-Herstellung, Wiederaufarbeitung und Entsorgung. Geplant waren drei Phasen:
# Phase 1: (2007 – 2010):Planung zum Aufbau der Infrastruktur, Planung neuer
  KKW, Aufbau von Institutionen für die Schaffung der Fachkompetenz.
# Phase 2: (2011 – 2015): Bau neuer KKW und weiterer nuklearer Infrastrukturen.
  Machbarkeitsstudien für fortgeschrittene Nuklearsysteme.
# Phase 3: (2016 – 2025): Markteinführung fortgeschrittener Nuklearsysteme.
Neuere Finanzierungsprobleme haben die Pläne der Regierung durchkreuzt: Ende 2008 wurde der geplante Ausbau der Kernkraft “zunächst” aufgegeben. Das betraf auch den Neubau eines zweiten Druckwasser-Reaktors, für den Westinghouse und Areva in die Endauswahl gekommen waren. 2010 soll Südafrika die Förderung des Hochtemperaturreaktors PMBR (s.u.) mangels Geld und Kunden eingestellt haben.
Hoffnung gab es wieder durch Pro-PMBR-Initiativen der USA und Algeriens (s.u.):
Der PMBR kann von einer 40 Mio. US-$-Förderung für die Forschung an
Hochtemperaturreaktoren des US-Energieministeriums DoE profitieren, von denen Westinghouse 50% erhalten soll.
Projekte: 
Die 2002 in Deutschland ausgemusterte Technologie des Hochtemperatur-
Reaktors (HTR) mit kugelförmigen Brennelementen wird in Südafrika nach dem
Erwerb der Lizenzen Mitte der 90er Jahre weiterentwickelt. Ziel ist ein Mini-
Reaktor PMBR (Pebble Bed Modular Reactor), der 165 MW (el.) und 400 MW  
(therm.)  leisten soll. Als Vorteil sieht man die inhärente Sicherheit (aus
physikalischen Gründen ist keine Kernschmelze möglich; im Störfall schaltet sich
der Reaktor selbst ab), den dezentralen Einsatz und die Möglichkeit zur
Auskopplung von Prozesswärme z.B. für Meerwasser-Entsalzungsanlagen  
oder die Gewinnung von Wasserstoff.

Das 1999 gegründete Unternehmen PMBR Ltd. hatte ursprünglich für 2018 den weltweiten Export dieses Reaktors geplant. Direkter Konkurrent ist China, das ebenfalls einen Kugelhaufen-HTR nach deutschem Vorbild baut Das staatlich geförderte PMBR-Projekt besteht aus 2 Unterprojekten:
  #  Design und Konstruktion eines Prototyp-Reaktors (165/400 MW) am Standort
    Koeberg nahe Kapstadt,
  #  Design und Konstruktion einer Prototyp-Brennstoff-Fertigungsanlage für
    270.000 Brennstoffkugeln pro Jahr am Standort Pelindaba; 100 km NW von
    Johannesburg.
Die deutsche NUKEM war von Anfang an in das Brennelemente-Unterprojekt PMBR-PFT involviert. Sie hat die detaillierte Machbarkeitsstudie für die Brennstoff-Fabrik 2000/2001 erarbeitet und anschließend den Fertigungsprozess entworfen, ausgehend von den in Deutschland gefertigten Brennelementen, aber mit weiterer Berücksichtigung neuester Technologie und Sicherheitsregularien. Seit August 2005 leistete NUKEM das detaillierte Engineering und unterstützte die Beschaffungsaktivitäten. Ferner hat NUKEM ein
40-köpfiges Team von hochqualifizierten und erfahrenen Ingenieuren aufgebaut.
(Zu Nukem siehe Deutschland).

Der Vorsitzende von Algeriens Atomenergiebehörde Comena war Anfang 2010 in Südafrika, um den Einstieg seines Landes in das PMBR-Projekt auszuloten. In einer Pressemitteilung hieß es, Algerien untersuche den Einsatz kleiner Kugelhaufen-Reaktoren. Zitat: “Da diese Technologie sowohl für die Stromerzeugung als auch für die Meerwasserentsalzung eingesetzt werden soll, scheint die Technologie des Kugelhaufenreaktors eine extrem attraktive Option zu sein”. Seit 2003 besteht ein Nuklear-Kooperationsabkommen zwischen der Comena und Südafrika.
Über das weitere Vorgehen beim PMBR entscheiden die Haushaltsberatungen der Regierung.
Das staatliche EVU Eskom hat im März 2009 der französischen Alstom einen Auftrag zur Modernisierung der Turbinen der KKW-Blöcke Koeberg 1 und 2 erteilt.

Syrien
Ein in der syrischen Wüste im Bau befindlicher Kernreaktor nordkoreanischer Bauart wurde angeblich im September 2007 durch einen israelischen Luftangriff zerstört.
Im April 2008 beschuldigte der US-Nachrichtendienst Syrien der Inanspruchnahme von Hilfe aus Nordkorea für den heimlichen Bau eines neuen Kernreaktors. USA und Israel äußerten im Februar 2009 die Ansicht, dass Syrien dem Iran heimlich bei der Entwicklung nuklearer Technologien Unterstützung leistet.

Taiwan
Zwei KKW-Blöcke des Typs ABWR (Advanced Boiling Water Reactor)  von je 1.350 MW sind im Bau: Lungmen 1 und 2. Inbetriebnahme 2011 und 2012.  ; Weitere sechs KKW mit zusammen 5144 MW sind in Betrieb.
Das EVU Taipower, das dem Wirtschaftsministerium untersteht, teilte im Mai 2009 mit, dass es die Aussichten für 6 weitere Reaktoren prüft. Es sollte um 2020 mit einem Paar an einem bestehenden KKW-Standort begonnen werden. Ferner ein dritter Block in Lungmen, der 2025 am Netz sein könnte.
Taipower bemühte sich 2009 um eine 20-jährige Laufzeitverlängerung für die 6 laufenden KKW.

Tschechien
Ende Oktober 2009 ist die Frist zur Einreichung von Angeboten für die Lieferung zweier Reaktorblöcke am bestehenden Standort Temelin im tschechischen Südböhmen abgelaufen. Nach Auskunft des tschechischen Energieversorgungsunternehmens CEZ OJSC haben zwei Unternehmen Interesse bekundet: Die amerikanische Westinghouse Electric Company hat ein Angebot zum Bau fortgeschrittener Druckwasser-Reaktoren vom Typ AP1000 eingereicht. (In China befinden sich zwei AP1000 im Bau.)
Ein russisch-tschechisches Konsortium – aus Atomstroiexport und Edo Gidropress – bietet den MIR-1200 (Modernized International Reactor) an; ein neuer Name für den Druckwasserreaktor des russischen Typs WWER-1200 (V-392M).
Dieses Konsortium hat diesen Reaktortyp für Projekte in Finnland, der Türkei und das russische Kaliningrad angeboten.
Die Leistung des KKW-Blocks Dukovany 3, eines Druckwasser-Reaktors vom russischen Typ WWER-440, wurde von 440 auf 500 MW erhöht. Nach Abschluss aller Modernisierungsarbeiten an den 4 Blöcken sollen 2012 insgesamt 240 MW mehr zur Verfügung stehen.

Türkei
Politik:
Bereits im November 2007 kündigte die türkische Regierung an, dass drei Reaktoren gebaut werden sollen. Im Juni 2008 unterzeichneten Syrien und die Türkei ein Abkommen der gegenseitigen Zusammenarbeit in nuklearen Angelegenheiten.
Das Parlament hat ein Gesetz zum Bau des KKW in Akkuyu (s.u.) verabschiedet. Im Mai 2010 haben dann Russland und die Türkei dazu ein Abkommen für den gemeinsamen Bau und Betrieb des KKW unterzeichnet.
Projekte:
Der Bau des ersten KKW in der Türkei ist in der Nähe des Mittelmeerhafens Mercin, Region Akkuyu geplant. Das Bieterkonsortium, bestehend aus der russischen Atomstroiexport, der Inter RAO EES und der türkischen Gesellschaft Park Teknik, umfaßt die Errichtung von 4 Reaktoren vom Typ WWER KKW-2006 mit einer Leistung von je 1.200 MW. Das Bauprojekt, das voraussichtlich 20 Mrd US-$ kostet, wird von Rosatom finanziert. Die nukleare Aufsichts- und Genehmigungsbehörde der Türkei TAEK hat am 19.12.2008 die grundsätzliche Entscheidung getroffen, dass das russische Projekt allen Anforderungen an einen sicheren KKW-Betrieb entspreche.

Tunesien
Frankreich und Tunesien unterzeichneten im April 2009 ein Abkommen zur Unterstützung des Landes bei der Entwicklung seines Nuklearprogramms im Umfang von 100 Mio US-$.

Ukraine
Politik:
Die Oberste Rada (ukrainisches Parlament) hat am 15.1.2009 ein Gesetz “Gesamtstaatliches Programm über die Stillegung des KKW Tschernobyl und die Umwandlung des Objekts “Sarkophag” (Anm.: Block 4) in ein ökologisch sicheres System” angenommen. Die Blöcke 1, 2 und 3 wurden bis Ende 2000 endgültig stillgelegt. Laut Programm soll in der ersten Etappe die Entladung der Brennelemente aus den Blöcken 1 bis 3 und ihre Überführung in trockene Zwischenlager sowie die Errichtung eines neuen, sicheren Containments über dem Unfallblock 4 erfolgen.
Projekte:
Die Ukraine erteilte der russischen Firma Atomstroiexport am 9.6.2010 den Zuschlag für die Zusammenarbeit bei der Fertigstellung der Blöcke 3 und 4 des KKW Kmelnitzki. Zum Einsatz kommt der modernisierte Reaktortyp WWER 1000/V-392B, der auch für die Blöcke 5 und 6 des KKW Balakowo in Russland verwendet wird.

Ungarn
Politik:
Die nukleare Aufsichtsbehörde der Ungarischen Atomic Energy Agency bestätigte 2009 das “Service Life Extension Program” zu Paks (s.u.) und erklärte, daß sie eine Lebensdauerverlängerung der Blöcke für möglich hält. Bei einer aktuellen Umfrage bestätigte eine große Mehrheit der Bevölkerung ihre Akzeptanz für den Betrieb des KKW.
Das ungarische Parlament konnte deshalb 2009 mit einer Mehrheit von 95,4 % die Maßnahmen zur Vorbereitung des Baus eines oder mehrerer KKW-Blöcke am Standort Paks bestätigen.
Projekte:
Die Leistung der 4 Blöcke des KKW Paks konnte durch Nachrüstung auf 2.000 MW gesteigert werden. Paks verfügt z.Zt. über 4 Blöcke des russischen Typs WWER-440/213, die zwischen 1982 und 1987 in Betrieb genommen wurden und ca. 40% des Strombedarfs Ungarns liefern.
Die Leitung der Staatlichen Gesellschaft Hungarian Electricity Works (MVM) hat folglich im Februar 2010 ein Projekt zur Erweiterung des KKW Paks bestätigt. Die Ausschreibung kann Anfang 2011 erfolgen. Interesse am Bau der zwei neuen Blöcke haben Areva, Mitsubishi Heavy Industries, Atomstroiexport (Russland) und Westinghouse geäußert.


U.S.A.
Politik:
Anfang 2010 hat Präsident Obama in seiner Rede zur Lage der Nation erklärt, “dass wir eine neue Generation sicherer und sauberer Kernkraftwerke bauen müssen.”
Er begründete den Neueinstieg in die Kernkraft mit der Notwendigkeit, die Abhängigkeit der USA von fossilen Brennstoffen zu verringern und den Ausstoß von Treibhausgasen zu begrenzen.
Die KKW-Betreiber haben deshalb für 59 der 104 Anlagen eine Laufzeitverlängerung auf 60 Jahre beantragt und auch erhalten. Für die kerntechnische Industrie sollen die Kreditgarantien auf 55 Mrd. US-$ verdreifacht werden. Am 16.2.2010 kündigte Obama Kreditbürgschaften in Höhe von 8,7 Mrd. US-$ für den Bau und Betrieb von zwei KKW im Kraftwerkskomplex Burke/Georgia an.
Der amerikanische Energieminister Steven Chu hat im März 2010 die Gewinner der rund 40 Mio US-$ Fördergelder zur Entwicklung neuer Reaktorsysteme der IV. Generation bekannt gegeben. Es waren zwei Teams unter Führung von Westinghouse Electric Co. und General Atomics. Das Förderprogramm des Energieministeriums DoE zielt auf eine Demonstrationsanlage eines gasgekühlten Hochtemperaturreaktors , der sowohl Strom als auch Prozesswärme für industrielle Anwendungen erzeugen soll – mit geringen Sicherheitsrisiken und hoher Zuverlässigkeit. Dem Westinghouse-Team gehören 6 weitere Unternehmen an; dem General Atomic-Team 4 weitere Firmen.
Georgia Power, eine Tochter der Southern Company, hat sich am 18.6.2010 mit dem US-Energieministerium DoE über den Erhalt einer staatlichen Darlehensgarantie für die geplanten 1.100-MW-KKW-Blöcke Vogtle 3 und Vogtle 4 des Typs AP1000 geeinigt. Präsident Obama hatte dies am 16.2.2010 der Southern Company zugesagt. Mit der Erteilung der kombinierten Bau- und Betriebsgenehmigung durch die Nuclear Regulatory Commission (NRC) wird Ende 2011 gerechnet.
Präsident Obama hat im Mitte 2009 ein bilaterales Abkommen zur Zusammenarbeit im Bereich der friedlichen Nutzung der Kernenergie mit den Vereinigten Arabischen Emiraten VAE gebilligt und dem Kongress vorgelegt.
Der amerikanische Energieminister Steven Chu hat im März 2010 die Gewinner der rund 40 Mio US-$ Fördergelder zur Entwicklung neuer Reaktorsysteme der IV. Generation bekannt gegeben. Es waren zwei Teams unter Führung von Westinghouse Electric Co. und General Atomics. Das Förderprogramm des Energieministeriums DoE zielt auf eine Demonstrationsanlage eines gasgekühlten Hochtemperaturreaktors , der sowohl Strom als auch Prozesswärme für industrielle Anwendungen erzeugen soll – mit geringen Sicherheitsrisiken und hoher Zuverlässigkeit. Dem Westinghouse-Team gehören 6 weitere Unternehmen an; dem General Atomic-Team 4 weitere Firmen.
Georgia Power, eine Tochter der Southern Company, hat sich am 18.6.2010 mit dem US-Energieministerium DoE über den Erhalt einer staatlichen Darlehensgarantie für die geplanten 1.100-MW-KKW-Blöcke Vogtle 3 und Vogtle 4 des Typs AP1000 geeinigt. Präsident Obama hatte dies am 16.2.2010 der Southern Company zugesagt. Mit der Erteilung der kombinierten Bau- und Betriebsgenehmigung durch die Nuclear Regulatory Commission (NRC) wird Ende 2011 gerechnet.
Präsident Obama hat im Mitte 2009 ein bilaterales Abkommen zur Zusammenarbeit im Bereich der friedlichen Nutzung der Kernenergie mit den Vereinigten Arabischen Emiraten VAE gebilligt und dem Kongress vorgelegt.
Der Senat des Bundesstaates Illinois hat sich mit überwältigender Mehrheit zum Bau neuer KKW bekannt. Das Oberhaus stimmte der Aufhebung eines 23 Jahre alten Moratoriums zu, mit dem damals – ein Jahr nach Tschernobyl - der Bau neuer KKW verboten wurde. Nun entscheidet das Repräsentantenhaus.
Die US-Energiebehörde Department of Energy (DoE) und ihre französischen und japanischen Partnerinstitutionen Commissariat á l´Energie Atomique (CEA) und die Japan Atomic Energy Agency (JAEA) arbeiten künftig bei der Entwicklung von natriumgekühlten schnellen Brutreaktoren zusammen.
Die U.S.A. verfügen über grosse Erfahrungen in dieser Technologie:
• Typ EBR-II in Idaho, 20 MW, 1961 – 1994
• Typ FFTF im Bundesstaat Washington, 400 MW, 1980 – 1992

Projekte:
Die in Burke/Georgia geplanten 2 KKW (s.o.) sollen 2017 in Betrieb gehen. Kurzfristig entstünden 3000 Arbeitsplätze, langfristig 850. Es wird der erste KKW-Neubau in den USA seit fast drei Jahrzehnten.
Die amerikanische Kernenergiewirtschaft hat diese Pause genutzt und in diesem Zeitraum die Verfügbarkeit ihrer Anlagen auf über 90 % erhöht, womit diese zusammen mit den deutschen KKW unter den “Top Ten” liegen. Und bereits 2001 wurde mit den gleichen Anlagen ein gutes Drittel mehr Strom erzeugt, als Anfang der 90er Jahre. Weitere Kapazitätserhöhungen werden durchgeführt.
Das EVU Dominium hat am 27.11.2007 bei der NRC einen Antrag für eine kombinierte Bau- und Betriebsbewilligung (COL) für das KKW North Anna 3 eingereicht. Eine Woche zuvor hatte die NRC den Dominium-Antrag für eine frühzeitige Standortbewilligung (Early Site Permit, ESP) für den Standort North Anna genehmigt. Dort will das Unternehmen einen neuen Block des Typs Economic Simplified Boiling Water Reactor (ESBWR) der GE Hitachi Nuclear Energy (GEH) errichten. Der ESBWR ist als Reaktor der dritten Generation die Weiterentwicklung des in Asien (Japan, Taiwan: im Bau) erfolgreichen Advanced Boiling Water Reactor (ABWR) – und verfügt über 1.500 MW Leistung.
Exelon Nuclear hat am 12.11.2007 mitgeteilt, daß es den ESBWR-Reaktor der GEH als bevorzugten Reaktortyp für ein neues KKW mit zwei dieser Siedewasser-Einheiten ausgewählt hat; als Standorte werden die Gemeinden Matagorda und Victoria in Texas geprüft.
An den beiden Neubauprojekten South Texas 3 und 4 (insgesamt 2700 MW) beteiligt sich erstmals eine japanische Firma: Tepco. Fertigstellung 2016 und 2017.
Ein Konsortium der Areva und der Bechtel Power Corporation erstellt laut Vertrag vom 8.10.2008 für die UniStar Nuclear Energy – ein Joint Venture der Constellation Energy Group Inc. und der französischen Groupe EDF -  die Planung und Auslegung des US-EPR-Reaktors Calvert-Cliffs-3 am Standort Calvert Cliffs .
Die Firma PPL Generation, eine Tochter der PPL Corporation, hat bei der NRC den Antrag für eine kombinierte Bau- und Betriebsbewilligung (Combined License, COL) zum Bau des geplanten KKW-Blocks Bell Bend gestellt. Es soll mit einem Druckwasser-Reaktor des Typs US-EPR am Standort Bell Bend bei Berwick in Pennsylvania ausgerüstet werden. Die Aufnahme des kommerziellen Betriebs könnte 2018 erfolgen.
Die Elektrizitätsgesellschaft Exelon Nuclear Texas Holdings (LLC) hat im März 2010 bei der US-Aufsichts- und Genehmigungsbehörde Nuclear Regulatory Commission (NRC) einen Antrag für eine frühzeitige Standortbewilligung im Victoria County / Texas gestellt, wo der Bau zweier Blöcke geplant ist.
Die Toshiba America Nuclear Energy Corporation (TANE) erhielt am 25.2.2009 einen Vertrag zur Entwicklung, Planung und den Bau von 2 neuen KKW-Blöcken am Standort South Texas Project STP in Bay City, Texas. Geplant sind 2 fortgeschrittene Siedewasser-Reaktoren vom Typ ABWR mit insgesamt 2.700 MW. Die Inbetriebnahme ist laut NRG Energy für 2016 und 2017 vorgesehen.

Mehrere Unternehmen entwickeln Kleinreaktoren als sichere, wartungsfreie Heizkraftwerke. So die Hyperion Power in Santa Fe, die eine verbesserte Version des Reaktors der russischen Alpha-U-Boot-Klasse (Kühlung durch flüssiges Blei-Wismut und Außenluft) mit einer Leistung von 25 MW (elektrisch) und 75 MW (thermisch) baut; Name HPM.
Babcock&Wilcox hat einen mPower genannten 125 MW-Kleinreaktor in Entwickung und dazu bereits Verträge mit drei Versorgern (TVA, First Energy; Oglethorp Power). Auch Westinghouse (Toshiba) arbeitet am wassergekühlten 300 MW IRIS-Reaktor. Toshiba selbst entwickelt einen 10 MW (el.)/50 MW (therm.) Kleinreaktortyp 4S.  Allen diesen Kleinanlagen ist die “inhärente Sicherheit” gemeinsam, also die physikalische Unmöglichkeit einer Kernschmelze. (Vgl. das schwimmfähige russische Kraftwerk Akademik Lomonossow.)
Die Urenco Ltd. hat am 2.6.2010 ihre Anreicherungsanlage bei Eunice (New Mexico) eingeweiht und am 10.6. das O.K. für die Inbetriebnahme erhalten.

Vereinigte Arabische Emirate (VAE)
Politik:
Die VAE hatten 2007 die Errichtung eines KKW angekündigt. Im April 2008 haben die VAE ihre Nuklearenergie-Politik veröffentlicht und ihre Fachorganisation ENEC eingerichtet.
Die USA haben mit den VAE ein bilaterales Abkommen zur friedlichen Kernenergienutzung geschlossen. Die VAE haben dafür den 123-Vertrag unterzeichnet, der bei der Lieferung von US-Technologie die Anreicherung oder Wiederaufbereitung von abgebranntem nuklearen Brennstoff ausschließt. Das Abkommen hat eine Laufzeit von 30 Jahren und erlaubt die Weitergabe von Technologie, Material, Einrichtungen – einschließlich Reaktoren – sowie Komponenten für die nukleare Forschung und Energieerzeugung.
Projekte:
In den VAE soll ein Konsortium unter Führung der Korea Electric Power Comp. (KEPCO) bis 2020 vier Kernkraftwerke koreanischen Bautyps mit einer Leistung von je 1.400 MW bauen. Kosten: 20 Mrd Dollar. Dies wurde beim Besuch des südkoreanischen Präsidenten Lee Myung-bak Ende Dezember 2009 in den Emiraten vereinbart. Der Auftrag wurde von der kürzlich gegründeten staatlichen Emirates Nuclear Energy Corp. (ENEC) erteilt. ENEC-Generaldirektor Chaldun al-Mubarak begründete die Entscheidung mit den Worten: “Wir waren von der erstklassigen Sicherheitsphilosophie beeindruckt.” KEPCO hatte die konkurrierenden Anbieter General Electric und Areva ausgestochen; wie es heißt über den Preis. Der erste Reaktor soll 2017 ans Netz gehen, die weiteren bis 2020. Es bestünden Chancen für Anschlussaufträge für Korea.

Vietnam
Politik:
Die vietnamesische Nationalversammlung hat am 25.11.2009 eine Resolution zum Bau der ersten beiden KKW des Landes angenommen (s.u.)
Die USA und Vietnam haben Mitte 2010 eine Kooperation zur friedlichen Nutzung der Kernenergie vereinbart. Vietnam darf demnach Uran anreichern und will in den nächsten 20 Jahren 14 Kernkraftwerke in Betrieb nehmen. Vietnam hat den Nichtweiterverbreitungs-Vertrag unterzeichnet.
Projekte:
Die beiden o.e. KKW sollen in der Provinz Ninh Thuan an der südöstlichen Küste errichtet werden. Ninh-Thuan 1 am Standort Phuoc Dinh und Ninh-Thuan 2 am Standort Vinh Hai sollen je zwei Druckwasser-Reaktorblöcke von jeweils 1.000 MW erhalten. Der Baubeginn ist für 2014 geplant; die Inbetriebnahme des ersten Blocks 2020. Laut Handelsminister Vu Huy Hoang sollen 75 %  mit ausländischen Anleihen finanziert werden. Die Finanzierung war im Parlament das hauptsächliche Thema der Debatte.

Weißrussland
Politik:
Weißrussland will bereits 2020 einen Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung von 30 % erreichen.
Anlässlich eines Besuchs des Generaldirektors der russischen Staatsholding Rosatom Sergej Kirienko wurde am 21.1.2009 eine Vereinbarung zum Bau eines KKW im westlichen Weißrussland unterzeichnet.
Projekte:
Als Generalauftragnehmer für den o.e. Bau eines KKW im westlichen Landesteil wurde die russische Gesellschaft Atomstroiexport benannt. Geplant ist der Bau von zwei Blöcken á 1.000 MW der russischen WWER-Serie. Der Baubeginn war für Ende 2009 geplant. Inbetriebnahme des ersten Blocks bei Grodno soll 2016 erfolgen; die des zweiten Blocks 2018. Die Finanzierung soll durch die russische Seite erfolgen.
Am 8.5.2009 wurde in Minsk vom Vizechef von Rosatom, Alexander Loschkin, mitgeteilt, daß der Vertrag über den KKW-Bau im 3. Quartal 2009 abgeschlossen werde. Am Rande dieses Ministerratstreffens wurde auch ein Rahmenabkommen über Kooperation für die friedliche Kernenergienutzung unterzeichnet. Loschkin erklärte, dass diese beiden Reaktoren den Inlandsbedarf Weißrusslands decken werden, des weiteren könnte aber ein dritter Block errichtet werden, der dann Stromexport ermögliche.

Schlusskommentar
Im Lichte der hier aufgelisteten neuen, weltweiten Aktivitäten sowohl bei Kernkraftwerks-Neubauten als auch insbesondere angesichts der massiven und bereits sehr weit gekommenen Entwicklungen für die IV. Generation erscheint die deutsche Kernenergiepolitik als bemitleidernswerte Verirrung in eine ideologische Nische. Als besonders seltsam erweist sich die von Politikern erfundene Bezeichnung “Brückentechnologie”, die inzwischen den Charakter einer hilflosen Beschwörungsformel erreicht hat, was aber den Rest der Welt nicht daran hindert, die Kerntechnik als die ausschlaggebende und zukunftsträchtigste Energietechnologie voran zu treiben. Diese Brücke ist mindestens 300 Jahre lang. Für die deutsche Forschung und Industrie geradezu deprimierend ist der technologische Vorsprung derjenigen Länder, die zu keinem Zeitpunkt ihre Entwicklungsarbeiten eingestellt haben: Russland, China, Indien, Frankreich, Südkorea, Japan und auch die U.S.A.
Deutschland hatte niemals die Chance, diese Entwicklung mit seiner angstgesteuerten Verhinderungspolitik auch nur zu verzögern, geschweige denn aufzuhalten. Es sind nur Arbeitsplätze vernichtet und Marktchancen verspielt worden, wertvollstes Know-how ging verloren – sonst nichts.
Die im Nuklearbereich noch vorhandenen Restpotenziale in der deutschen Industrie und Forschung könnten bei jetzt wieder einsetzender staatlicher Unterstützung wenigstens einen bescheidenen Anteil am expandierenden Milliardenmarkt retten.
Man zeige uns aber die Politiker oder Gewerkschaftler, die diese Haltung zu vertreten wagen, selbst wenn sie so denken.
Weitaus mehr gilt heute der Satz von Fritz Vahrenholt, der 2006 als damaliger Chef des Windkraftunternehmens Repower Systems feststellte: “Der deutsche Atomausstieg, der als weltweites Vorbild gedacht war, bleibt ein Alleingang.”


Unter den zahlreichen Quellen sind hervorzuheben:
atw Internationale Zeitschrift für Kernenergie
bwk Brennstoff, Wärme, Kraft
http://www.atomwirtschaft.de
http://www.areva.com
http://www.nuklear-forum.ch
http://www.buerger-fuer-technik.de
http://www.gen-4.org
http://www.world-nuclear.org
http://www.kernfragen.de
vdi-nachrichten
DER SPIEGEL
FOCUS

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Günter Keil, Gastautor / 06.10.2017 / 10:57 / 15

Elektrisch um die Ecke biegen: Gas – die bessere Alternative (9)

Von Günter Keil. Die politische Verblendung, Autos unbedingt elektrisch antreiben zu wollen, ignoriert eine schon lange eingeführte und bewährte Technik, die unter Umweltgesichtspunkten weitaus besser…/ mehr

Günter Keil, Gastautor / 05.10.2017 / 10:57 / 2

Elektrisch um die Ecke biegen: Die Physik gibt keinen Idiotenrabatt (8)

Von Günter Keil. Die Physik gibt keinen Idiotenrabatt Viele Medien haben beschlossen, den von den Autokäufern weitgehend boykottierten Durchbruch der Elektroautos, den sie ständig beschwören,…/ mehr

Günter Keil, Gastautor / 04.10.2017 / 10:00 / 0

Elektrisch um die Ecke biegen: Bringen es neue Batterien?  (7)

Von Günter Keil. Bringen Batterie-Neuentwicklungen den Durchbruch ? Die zahlreichen in der Presse erwähnten neuen Batterieentwicklungen sollte man also vor dem Hintergrund der trotz ihrer…/ mehr

Günter Keil, Gastautor / 03.10.2017 / 10:42 / 0

Elektrisch um die Ecke biegen: U-Boote zeigen die Grenzen (6)

Von Günter Keil. Einen zwar indirekten, aber sehr klaren Beweis dafür, dass es bisher keine dem Blei-Säure-Akku in jeder Hinsicht überlegene Batterietechnik für Antriebszwecke gibt,…/ mehr

Günter Keil, Gastautor / 02.10.2017 / 10:00 / 0

Elektrisch um die Ecke biegen: Batterien als Umweltkiller (5)

Von Günter Keil. Die Batterieproduktion ist alles andere als umweltfreundlich. Bei allen Energie konsumierenden Geräten und Anlagen sollte man sich auch deren energetische Entstehungsgeschichte näher…/ mehr

Günter Keil, Gastautor / 01.10.2017 / 11:30 / 0

Elektrisch um die Ecke biegen: Ein 136 Jahre altes Dilemma (4)

Von Günter Keil. Das Bündel schwerwiegender Nachteile des Elektroautos hat eine 136 Jahre alte Ursache: Die Batterien. Die Angebote der Industrie an E-Autos überzeugten bisher…/ mehr

Günter Keil, Gastautor / 30.09.2017 / 06:05 / 0

Elektrisch um die Ecke biegen: Alte Idee, neues Etikett (3)

Von Günter Keil. Der nächste Versuch, das tote Pferd Elektromobilität wiederzubeleben, erfolgte durch das Kabinett Merkel I im August 2009, also gerade einmal zwei Monate…/ mehr

Günter Keil, Gastautor / 29.09.2017 / 12:35 / 4

Elektrisch um die Ecke biegen: Die Liebe der Politiker (2)

Von Günter Keil. Politiker, die gemeinhin von Technik wenig verstehen, zeigten stets ein großes Faible für Elektroautos. Es waren wohl dessen positive Eigenschaften, die einen…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com