Quentin Quencher / 20.09.2017 / 17:48 / 2 / Seite ausdrucken

Der Schiedsrichter muss ausgetauscht werden

Pluralismus bedeutet die friedliche Koexistenz von Richtig und Falsch. Was jeweils richtig und falsch ist, liegt im Auge des Betrachters. Aber die Regeln der Auseinandersetzung, des Streits darum was richtig und falsch ist, verlangen nicht nur die Gewaltfreiheit, sondern auch gegenseitigen Respekt. Heute, im Zeitalter des Postpluralismus, gelten diese Regeln der Auseinandersetzung nicht mehr, was richtig und falsch ist, wurde von der Moralkommission ÖR-Rundfunk, inklusive großen Teilen der Presse, festgelegt. Früher waren die mal nur neutrale Schiedsrichter, soweit das eben geht, bemühten sich aber zumindest die Regeln einzuhalten. Das ist vorbei.

Noch ist die Gewaltfreiheit nicht aufgekündigt, wohl aber der Respekt. Das Falsche verdient keinen Respekt. Mit dieser nun eintretenden Verachtung des Gegners beginnt der Postpluralismus. Er ist einer Religion gleich, das Falsche ist nicht mehr nur eine Meinung, es wird als Sünde gegenüber dem Richtigen empfunden. Der nächste Schritt, der zur Aufkündigung der Gewaltfreiheit, steht somit unmittelbar bevor. Moralisch legitimiert wird die Gewalt schon.

Die Anhänger des Pluralismus haben keine Mittel dagegen, außer sie machen sich das Verhalten der Postpluralisten zu eigen, kämpfen also mit den gleichen Mitteln, was sie dann selbst zu Postpluralisten macht. Das ist das Dilemma: Niemand kann sich an die Regeln halten, wenn es der Gegner nicht tut und der Schiedsrichter parteiisch ist.

Um die Antipoden wieder zu einen fairen Kampf zu zwingen, einen der nach pluralistischen Regeln geführt wird, mit Respekt also, ist es notwendig den Schiedsrichter auszutauschen. Gibt es jemanden der das zu tun verspricht? Den wähle ich, denn ich brauche das Spannungsfeld des Pluralismus, in dem sich die Gegner mit Respekt um Richtig und Falsch streiten. In diesem Spannungsfeld kann ich mir dann meine Position suchen, die nie ganz auf der einen oder der anderen Seite ist.

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Leserpost (2)
Helmut Driesel / 21.09.2017

Was richtig oder falsch ist, entscheidet sich in der Zukunft. Die Auffassungen aller, auch der Schiedsrichter sind also Prognosen, mithin Mutmaßungen, je nach Aufwand, der für Entscheidungen getrieben wurde. Die Zukunft aber ist offen, das heißt, man kann sie zwar beliebig austauschen, weiß aber nie, was man tatsächlich kriegt. Normal wäre, das darf man annehmen, dass alles Zukünftige optimierter ist als das Heutige, darunter auch wir Menschen, die Gesellschaften, die Technosphäre. Aber ein Blick in die Erdgeschichte zeigt, dass auch das letztlich eine Mutmaßung bleibt.

Thomas Nuszkowski / 20.09.2017

Noch ein Gedanke: Den Schiedsrichter auszutauschen bringt nichts. Der Gegner respektiert den Schiedsrichter ja nur dann, wenn der Schiedsrichter zugunsten des Gegners parteiisch ist. Deswegen ist der Schiedsrichter ja parteiisch. Die Lösung lautet: Der Gegner muss ausgetauscht oder (realistischer) entmachtet werden. Ich sage nur Sonntag.

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