Eugen Sorg, Gastautor / 14.01.2017 / 12:21 / 0 / Seite ausdrucken

Der Rassismus der Anderen

Von Eugen Sorg.

Das neue Jahr begann in Chicago mit einem schockierenden Vorfall. Vier junge Schwarze entführten einen jungen Weissen und folterten ihn in der Wohnung einer Blocksiedlung während 24 Stunden. Die Kidnapper, zwei Männer (beide 18) und zwei Frauen (18 und 24), fesselten und knebelten das Opfer (18), malträtierten es mit Fäusten und Fusstritten, schnitten ihm mit einem Messer Haarbüschel ab, zwangen es, aus der Toilettenschüssel zu trinken, den Boden zu küssen und dabei zu sagen: «Ich liebe schwarze Menschen.» Und während sie prügelten, riefen sie: «Fickt euch, Weis­­se», «Fick dich, Donald Trump.» 

Live auf Facebook

Dass man dies erfuhr, verdankt sich einem Umstand, der das ganze Geschehen noch verstörender macht, als es ohnehin schon ist. Die Peiniger filmten ihr Tun und stellten es live auf Facebook. Offensichtlich genossen sie es. Sie lachten die ganze Zeit über. Das Opfer, ein Jugendlicher, der an Schizophrenie und anderen psychischen Störungen ­leidet, konnte fliehen, als die Entführer mit den Nachbarn aus dem unteren Stock stritten, die sich über den Lärm beschwert hatten. Der Teenager wurde von der Polizei aufgelesen, als er verstört, blutig und spärlich gekleidet auf den winterlichen Strassen im Westen Chicagos herumirrte.

Gemessen an der Abscheulichkeit der Taten, reagierten die meisten Medien erstaunlich diskret. Wenn sie anfänglich überhaupt darüber berichteten, vermieden sie es, die Hautfarbe der Beteiligten zu erwähnen. Die erste Meldung, ein Bericht der Associated Press, informierte, die Polizei von Chicago «ermittle im Fall eines Videos, das auf Social Media zirkuliert und das mehrere Personen zeigt, die in einer Wohnung einen Mann schlagen». Kein Wort über die Ethnie der Beteiligten, keines über die unüberhörbaren rassistischen Beschimpfungen.

«This Week in Hate»

Oder die New York Times: Nach der Wahl von Donald Trump im letzten November führte das globale Flaggschiff des linkselitären Journalismus die neue Rubrik «This Week in Hate» (Hass der Woche) ein. Dort sollten möglichst umfassend «Hass»-motivierte Verbrechen und Vorfälle fest­gehalten werden. Rassismus, Schwulenfeindlichkeit, Islamophobie, diese angeblichen Kernüberzeugungen der dummen, republikanisch stimmenden weissen Hinterwäldler würden sich durch die Wahl Trumps bestätigt fühlen und ­vermehrt ihr hässliches Gesicht zeigen. So die ­Prognose der NYT-Macher. 

Am 4. Januar hatte die Polizei Existenz und Inhalt des Folter-Videos bekannt gegeben. In der Kolumne «This Week in Hate» vom 5. Januar fand das Folter-Video keine Erwähnung. Aufmacher-­Opfer war ein schwarzer Transgender-Mann, dem in der U-Bahn eine Frau ins Gesicht geschlagen haben soll. Am 6. Januar schreibt die Times erstmals über die Foltergeschichte. Es sei ein «hate crime», ein Hassverbrechen gewesen, allerdings ein Hassverbrechen gegen «Behinderte». «Die Gewalt gegen den behinderten Teenager», titelt sie, «wirft ein grelles Licht auf ein Verbrechen, das häufig ungestraft bleibt.» 

Schwarze Täter passen nicht ins Bild

Es ist nicht allzu kühn, zu behaupten, die Times hätte anders berichtet, wären die Täter weiss und das Opfer schwarz gewesen. Ein schwarzer behinderter Teenager, der von einer johlenden Bande weisser Schläger über Stunden gequält und gezwungen wird, auf dem Boden zu kriechen, «fick dich, Obama» und «ich liebe weisse Menschen» zu rufen, eine solche Geschichte wäre nicht nur zuoberst in «This Week in Hate» gestanden, sondern auf der Titelseite der Times und der meisten anderen Blätter des Landes. Und sie wäre um die Welt gegangen als weiterer Beweis für ein rassistisches Amerika.

Schwarze Täter passen nicht in dieses Bild, schwarzer Rassismus ebenso wenig. In den links­liberalen Milieus der Universitäten und Medien hat sich die Auffassung durchgesetzt, dass Schwarze Opfer sind, Opfer eines weissen Unrechtssystems. Die Opferpassion verstellt jedoch den Blick auf die Realität in Teilen der schwarzen Community: Auf die tödliche Gang-Kultur; auf die Heroisierung des gewalttätigen «bad boys», des Gangsters; auf weissenfeindliche Ressentiments, «kill the white people, but buy my record first» (Apache), wie sie in der Rap-Musik zelebriert werden. Die Skrupellosigkeit der vier Folterer, die fröhliche Selbstverständlichkeit, mit der sie ihr Tun filmten und online stellten, öffnet die Tür in eine verkommene Welt. Wer sich als Opfer sieht, verliert sein Gewissen.

Zuerst erschienen in der Basler Zeitung

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