Henryk M. Broder / 26.05.2017 / 11:59 / Foto: Bundesarchiv / 8 / Seite ausdrucken

Der rasende Erzengel und die Kraft der Religionen

Am 27. Januar, zwei Wochen vor seiner Wahl zum Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, übergab der amtierende Außenminister Frank-Walter Steinmeier sein Amt an Sigmar Gabriel, der einen Tag zuvor als Wirtschaftsminister zurückgetreten war. Einer der Gründe, warum Gabriel Außenminister werden wollte, war privater Natur: Um „mehr Zeit“ für seine Familie zu haben.

Kaum vereidigt, brach Gabriel zu seiner ersten Mission als Außenminister auf, nach Paris. Es folgten in kurzen Abständen Reisen in die USA, nach Österreich, Italien, Estland, Lettland, Litauen, in die Ukraine, nach Warschau, Moskau, Athen, London, Mali, Serbien, Kosovo; Gabriel besuchte Albanien, Kuweit, den Irak, Jordanien, Israel, Somalia, eröffnete den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig, nahm an einem Treffen der G20-Außenminister in Bonn teil und hielt eine Rede auf der 53. Münchner Sicherheitskonferenz.

Eine beachtliche Bilanz für einen, der „mehr Zeit“ für seine Familie haben wollte.

Umso erstaunlicher, dass Gabriel noch Zeit findet, „über einhundert Vertreterinnen und Vertreter des Judentums, des Christentums und des Islam sowie weiterer Religionen“ nach Berlin einzuladen, um mit ihnen zu beraten, „welche positive Kraft in Religionen steckt“ und „wie das Friedenspotenzial der Weltreligionen noch besser genutzt werden“ kann. Die Sache duldet keinen Aufschub, denn: „Von Paris bis Berlin haben Attentäter im Namen der Religion schändliche Anschläge verübt.“

Genau genommen haben die Attentäter, die von Paris bis Berlin schändliche Anschläge verübten, nicht im Namen der Religion gehandelt, sondern im Namen einer Religion. Es waren keine christlichen Pfadfinder, die ein Blutbad in einem Konzerthaus anrichteten, keine jüdischen Talmud-Studenten, die mit einem Laster einen Weihnachtsmarkt plattmachten und keine Buddhisten, die ihre Gefangenen enthaupteten und die Hinrichtungen ins Netz stellten.

Gabriel weiß es. Wenn er dennoch „Priester, Rabbiner und Imame aus der ganzen Welt“ nach Berlin holt, dann tut er es im Dienst „der strategischen Neuausrichtung unserer Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik... weg von einer Außenpolitik zwischen Staaten und hin zu einer Außenpolitik der Gesellschaften“.

Er hat vergessen, welchen Rat ihm sein Vorgänger auf den Weg gab: „Mach keinen Unsinn!“

Zuerst in der Zürcher Weltwoche erschienen

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Klaus Schneider / 27.05.2017

Was für ein weltfremdes Spektakel soll das werden, darf man sich fragen. Allen ist die Situation klar, von wem das Elend dieser Welt ausgeht; es ist die aggressive Ausweitung der als Religion daher kommenden Kampfideologie des Islams, die Gewalt einschließt und ihr konstituierendes Element darstellt. Die Taqiyya der Moslems wird bei dieser Zusammenkunft wieder die maßgebliche Rolle dabei spielen, die “Ungläubigen” zu täuschen und ihnen Honig um dem Bart zu schmieren. Dankbar wird es Gabriel aufnehmen und sich hinterher selbst auf die Schulter klopfen. An der Situation einer gewalttätigen Ausweitung und Terror bringenden Denk- und Handlungsweise wird sich nichts ändern. Fazit dürfte sein: Versucht haben wir es jedenfalls mal.

Anders Dairie / 27.05.2017

Was soll er denn machen?  Die BRD ist vergleichsweise reich, also verschenkt er “sein Geld” , das uns vorenthalten wird, an Dritte. Auf ein paar Exra-Milliönchen in zweistelligen Bereich kommt es dabei gar nicht an.  Die Beschenkten weden es postwendend vergessen, da Gabriel nicht der Einzige ist. Wenn er sich der “Familie widmet”, tut er das mit einem guten Gefühl.  Noch besser als zuvor.  Sind wir nicht genauso ?  Ein einziger Tsunami oder eine Überschwemmung und die Quellen fließen in Spendensendungen wie verrückt. So kaufen wir uns vom Elend in den Armutsgebieten frei.  Oder etwa nicht ? Die Frage, was haben die betreffenden Länder für Hochwasserschutz und Wasserbau-Projekte zuvor ausgegeben, kommt uns nicht.  Das ist falsch. Denn unser Verhalten führt dazu, dass diese Länder auch in Zukunft, weil Herrschende ihre Volk nicht achten,  noch weniger ausgegeben wird.  Es kommt ja dank den Gabriels mühelos Geld in die Privatkassen.

Wilfried Cremer / 27.05.2017

Wen meinen Sie jetzt mit dem rasenden Erzengel, Herr Broder, den einen, den anderen oder durch die Blume vielleicht sogar beide?

Leo Hohensee / 26.05.2017

Sehr geehrter Herr Broder, in der Tat ist man sehr irritiert über Gabriels Begründung für den Wechsel ins Amt des Außenministers. Er bedient sich eines ganz privaten Motivs und hat damit sicher auch bei seiner Familie einige Hoffnung und Erwartungen erzeugt - und enttäuscht. Die Anzahl der Reisen – allein ohne das andere – entlarven ihn doch als Fake News Produzent. Ich habe vor einigen Jahren schon für solche Menschen einen Terminus erfunden. Ich nenne Leute die nichts von dem meinen was sie sagen „Labertaschen-Phonetiker“: das reichliche Erzeugen von Worten ist ihre Sache, Worte, die sich anhören als sollten sie einen klugen Sinn ergeben, die aber nichts anderes sind als wertlose Töne und Geräusche. An deren Einhaltung ist überhaupt nicht gedacht. Und diese Geräuscherzeugung wird kultiviert und mit hohem Kunststreben zur reinen Lehre / Leere erhoben. Beste Grüße L.H

C. J. Schwede / 26.05.2017

Mal wieder versteigt sich ein Politiker in wildem Aktionismus statt die Sachlage zu analysieren und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Immer wieder werden die verschiedenen Religionen in den Ansprachen zur Relativierung herangezogen, statt klar auszusprechen, dass die diversen Anschläge alle im Namen einer bestimmten Religion verübt wurden.

Udo Kemmerling / 26.05.2017

Das Friedenspotential der Weltreligionen existiert sehr wohl. Es hat ein gewaltiges Ausmaß und ein ebenso eindeutiges NEGATIVES Vorzeichen. TRETEN SIE ZURÜCK, HERR GABRIEL!!!

Frank Holdergrün / 26.05.2017

Gelegentlich, um das Hauptfüllwort von Schröder und Steinmeier sinnvoll zu zitieren, erwächst sogar aus der SPD Vernunft. Darf ich an diese Aussage von Egon Bahr erinnern?: ” In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.”

Wolfgang Kaufmann / 26.05.2017

Auf dem Ponyhof Deutschland genügt es, ganz fest an das Gute zu glauben. Das Publikum ist so gläubig, dass der Unterschied nicht interessiert zwischen gut gemeint und gut gemacht. Warum besteht die SPD vor allem aus Lehrern? Suchen sie die klassenlose Gesellschaft und reizt es sie, dass dort die Allwissenden unter sich sind? Historischer Überblick und wache Erfahrungen mit anderen Kulturen würden in diesem Milieu jedenfalls nur stören.

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