Auch in der letzten Woche geschah wieder Kurioses, das tiefer blicken lässt. Udo, der Hofberichterstatter aus Brüssel, hat sich im Ton vergriffen. Daraus, dass er der jeweiligen Regierung von Herzen zugetan ist, wollte der prominente Fernsehmann zwar nie ein Geheimnis machen, erst recht nicht, seit er Angela Merkel zu Diensten sein darf.
Unter ihren journalistisch getarnten Schildknappen ist er einer der treuesten. Als Leiter des ZDF-Studios in Brüssel sagt Udo van Kampen seit Jahren auf, was die Bundesregierung in Sachen EU und NATO verbreiten möchte. Herzig spitzt sich sein Mündchen, wenn er die Kanzlerin beim Namen nennen darf. Dass er seinen Gefühlen irgendwann freien Lauf lassen würde, war länger schon zu befürchten.
Doch erst am vergangenen Donnerstag, dem 17. Juli 2014, brach es dann heftig aus ihm heraus, in aller Öffentlichkeit auf einer Pressekonferenz anlässlich der gescheiterten Verhandlungen über die Berufung des EU-Außenkommissars. Kurz nach Mitternacht, in der Stunde null des sechzigsten Kanzlerinnen-Geburtstags, griff der strahlende Udo im überfüllten Pressesaal zum Mikrofon. Der Rest ist bekannt. Tausende haben inzwischen das Video im Internet angeklickt und gesehen, wie der Getreue, einstmals Drummer einer Rockband, seiner Kanzlerin eins singt: „Happy Birthday to You, happy Birthday liebe Bundeskanzlerin, happy Birthday to You.“
Die Angesungene ertrug es lächelnd und bedankte sich höflich, während die Kollegen betreten auf ihre Fußspitzen schauten.
Bei aller Liebe, das ging nun doch zu weit. Binnen weniger Sekunden mutierte der stolze Minnesänger zum begossenen Pudel. Wie konnte das nur geschehen, wie konnte der Mann seine Verehrte derart kompromittieren? Schließlich ist er lange genug beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen angestellt, um zu wissen, dass sich so etwas nicht geziemt. Hat er nie die Bildungsangebote seines Senders wahrgenommen? Aus der Adelsserie „Downton Abbey“ hätte er lernen können, dass Diskretion, die Bezähmung der eigenen Leidenschaft, das oberste Gebot im Umgang mit der „Ladyschaft“ ist. Seit jeher zählt die plumpe Vertraulichkeit zu den Todsünden der Dienerschaft. Unverzeihlich, wenn sie öffentlich wird.
Oder sollten da beim ZDF überhaupt ein bisschen lockere Sitten eingezogen sein? Man denke nur an das Ranking der „Besten Deutschen“, bei dem die Redaktion etwa Frank- Walter Steinmeier und Hannelore Kraft so dilettantisch auf die vorderen Ränge bugsierte, dass der Schwindel aufflog. So etwas darf einer öffentlich-rechtlichen Anstalt hierzulande nicht unterlaufen. Da sollte endlich wieder jemand ans Ruder kommen, der etwas von der Sache versteht. Wie wäre es beispielsweise mit dem TV-erfahrene Regierungssprecher Steffen Seibert? Könnte er nicht die ZDF-Intendanz als Nebenerwerb übernehmen, um unter anderem Udo van Kampen die nötige Lektion zu erteilen?
Der Kanzlerin wenigstens blieben dann Peinlichkeiten wie das Brüsseler Geburtstagsständchen erspart.