Die Jury des Henri-Nannen-Preises hat dem „Spiegel“-Redakteur René Pfister den am vergangenen Freitag zugesprochenen Preis für die beste Reportage des Jahres 2010 aberkannt. Das hätte vielleicht nicht sein müssen. Der „Henri“ für die beste Reportage hieß früher, vom „Stern“-Gründer Henri Nannen gestiftet, „Egon Erwin Kisch-Preis“. Dessen Namenspate wiederum, ein noch heute hübsch zu lesender kommunistischer Starreporter der bewegten Zwischenkriegszeit, hatte seine Karriere bereits mit einem Phantasieprodukt begonnen. Als Volontär einer Prager Lokalzeitung hatte Kisch ein Stück über den Brand der Schittkauer Mühlen abgeliefert, das Kollegen neidvoll lasen, der faktenreichen Opulenz wegen. Dummerweise, so eine wissenschaftliche Arbeit über das Wirken des „rasenden Reporters“, war Kisch „beim Brand der Mühlen als Prager Lokalreporter (...) zu spät gekommen; er ,dichtete’ in seinem Artikel Vorkommnisse zusammen, die gar nicht stattgefunden hatten, und beschloss am nächsten Morgen, so etwas nie wieder zu tun.“
So gesehen, bewegte sich der Schreiber vom Spiegel vollkommen im Rahmen des Preisgerechten. Lasst ihm seinen Henri, bitte! Es hatte alles seine gute Ordnung.
http://www.tagesspiegel.de/medien/jury-zieht-henri-nannen-preis-fuer-spiegel-redakteur-zurueck/4153058.html
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/kummer_beim_spiegel_ein_preisgericht/