Es war in den 80er und 90er Jahren üblich, Reden, Ansprachen, Predigten oder schriftlich veröffentlichte Texte von Papst Johannes Paul II. ganz schnell darauf zu scannen, ob er sich zu Pille und Kondomen geäußert hatte. Alles andere war egal. Die Meldung lautete dann: Papst immer noch gegen Kondome. Es ist eine gewisse Unsitte geblieben, Ansprachen des jeweiligen Papstes mit der für diesen Papst gültigen Brille zu lesen. Der Grund ist denkbar einfach. Medienschaffende sind selten mit Theologie vertraut. Zum großen Entsetzen der versammelten deutschen Medienwelt war es nie möglich, Papst Benedikt XVI. das Wort Kondom und eine Einschätzung dazu zu entlocken. Es fehlte eben an Kompetenz, Dogmatik von Moraltheologie zu unterscheiden. Und man hatte von 1978 bis 2025 einen Moraltheologen auf dem Stuhl Petri. Kleiner Tipp: Man hätte Benedikt zur Hypostatischen Union befragen müssen. Das wäre eine Schlagzeile geworden! Papst glaubt, Jesus ist Gott!
Nun, wir sind 20 Jahre und einen völlig unberechenbaren Papst Franziskus weiter, den kein Medienmann fassen konnte. Der heutige Papst heißt Leo XIV., ist Ordensmann und für die Meinungsfreiheit. Die Schlagzeile nach der Ansprache an die Diplomaten war klar. Und sie war so selektiv, wie die Aussage, dass Johannes Paul II. gegen Kondome war. Im Rahmen der Ansprache von Papst Leo XIV. an das diplomatische Korps am Heiligen Stuhl hat der Papst einen staatsphilosophischen Rahmen aufgezogen, der sich am Kirchenvater Augustinus orientiert und diesen Rahmen in fünf Aspekten entfaltet. Augustinus von Hippo war ein Bischof im römischen Nordafrika. Nach einer Reihe von Irrungen und Wirrungen kam er zum Glauben und wurde von Ambrosius von Mailand tiefer unterwiesen. Der Heilige Augustinus war ein in der Antike klassisch gebildeter Mann, der als Rechtsgelehrter natürlich mit den philosophischen Strömungen seiner Zeit vertraut war. Als Römer war er ein auch politischer Mensch. Sein Werk über den Staat, de civitate dei, wird in der Regel mit „Vom Gottesstaat“ übersetzt. Man darf beruhigt sein, es geht nicht um Mullahs oder regierende Bischöfe. Augustinus denkt tiefer. Unter Bezug auf Papst Benedikt XVI., der ein ausgewiesener Fachmann für die Theologie des Heiligen Augustinus war, betont Papst Leo XIV., das Werk von Augustinus sei „ein eindrucksvolles und für die Entwicklung des abendländischen politischen Denkens und für die christliche Geschichtstheologie entscheidendes Werk“. Es gehe von einer großen Verunsicherung aus. Mit den heidnischen Göttern war Rom nie gefallen, nun mit dem christlichen Gott wurde die Urbs, die Stadt, erobert.
Was wir heute Katholische Soziallehre nennen.
Diese große Verunsicherung interpretiert der Papst als Analogie zu unserer Zeit. Der Kirchenvater stellt die Wirklichkeit des Lebens eines Christen aus zwei Perspektiven dar. Da ist einmal die Stadt Gottes, die ewig ist und dem Prinzip der bedingungslosen Liebe folgt. Diese ewige Stadt ist das endgültige Ziel der Menschen. Zum anderen ist da die irdische Stadt, die dem egoistischen Prinzip der Selbstliebe folgt. Dies ist das Streben nach Macht, nach Ruhm, welches ins Verderben führt. Augustinus baut daraus keinen Gegensatz in der Art einer Jenseitsvertröstung. Im Gegenteil ist der Christ von Gott berufen in der irdischen Stadt zu leben, aber ihr Herz auf die Stadt Gottes – ihre ewige Heimat – auszurichten. Der Christ, der in der Welt lebt, steht der Politik nicht fremd gegenüber, vielmehr ist es sein Bestreben, aus einer christlichen Ethik, welche von der Heiligen Schrift inspiriert ist, gerade auf die weltliche Regierung anzuwenden. Was der Papst hier mit den Worten und Gedanken eines Kirchenvaters umschreibt ist dem Grunde nach nichts anderes als das, was wir heute Katholische Soziallehre nennen.
Das besondere ist, dass sich von Augustinus her kein konkretes politisches Programm entwickeln lässt, sondern er bietet uns, so Papst Leo, „wertvolle Überlegungen zu grundlegenden Fragen des gesellschaftlichen und politischen Lebens, wie beispielsweise die Suche nach einem gerechteren und friedlicheren Zusammenleben der Völker“. Augustinus, so der Heilige Vater, warne „auch vor den schwerwiegenden Gefahren für das politische Leben, die sich aus falschen Darstellungen der Geschichte, übertriebenem Nationalismus und der Verzerrung des Ideals eines Staatsmanns“ ergäben. Damit ist der gedankliche Bogen in unsere Zeit geschlagen. Noch einmal betont der Papst, dass es sich nicht um einen Vergleich zwischen dem fünften und dem 21. Jahrhundert handelt, sondern um Analogien. Diese sieht der Papst in den tiefgreifenden Migrationsbewegungen, den tiefgehenden Änderungen des geopolitischen Gleichgewichts und dem Wandel der kulturellen Paradigmen. Beides gilt damals wie heute.
Krise der Diplomatie
Vor dieser Folie zeigt der Papst die Krise des Multilateralismus auf. Diplomatie sucht nicht mehr Konsens, sondern folgt der Stärke. Krieg, so der Papst sei wieder in Mode gekommen. Und der Frieden, so der Papst, werde nicht mehr als Geschenk Gottes betrachtet, „sondern mit Waffen als Voraussetzung für die Durchsetzung der eigenen Herrschaft“ herbeigeführt. Diesen Sachverhalt analysiert der Papst mit einem Gedankenmodell von Augustinus. Frieden als Folge von Krieg, das bedeutet, wer im Krieg den Widersacher niederwerfe, sei ja kein Feind des Friedens, er wolle lediglich den Frieden zu seinen Bedingungen. Genau dies, so der Papst habe in den Zweiten Weltkrieg geführt, aus dessen Asche die UN hervorgegangen sei, so der Papst. Hier entwickelt der Papst dann seine Gedanken zu der umfassenden Friedensordnung der vergangenen Jahrzehnte, den Methoden des Multilateralismus und kommt schließlich zu den Gefahren für die globale Friedensordnung in unseren Tagen.
Erst an dieser Stelle bewegt er sich – auf dem Weg über eine Theorie der Sprache – auf die Meinungsfreiheit zu. Die Sprache, so der Papst, verliere an Eindeutigkeit und sei „nicht mehr das bevorzugte Mittel der Menschen, um sich kennenzulernen und sich zu begegnen“, sondern werde in den Windungen der semantischen Mehrdeutigkeit immer mehr zu einer Waffe, mit der man Gegner täuschen oder aber treffen und beleidigen könne. Er fordert dazu auf, dass Worte wieder „unzweideutig klare und deutliche Wirklichkeiten ausdrücken“. Nur so könne ein Dialog gelingen.
Von daher entwickelt der Papst seine Gedanken zur Meinungsfreiheit. Er soll hier einmal mit einer längeren Passage selbst zu Wort kommen:
„Es muss auch angemerkt werden, dass das Paradox dieser Entkräftung des Wortes oft im Namen der Meinungsfreiheit selbst befördert wird. Bei genauerer Betrachtung gilt jedoch das Gegenteil: Die Rede- und Meinungsfreiheit wird gerade durch die Gewissheit der Sprache und die Tatsache garantiert, dass jeder Begriff in der Wahrheit wurzelt. Es ist daher bedauerlich festzustellen, dass insbesondere im Westen der Raum für echte Meinungsfreiheit immer mehr eingeschränkt wird, während sich eine neue Sprache mit orwellschem Beigeschmack entwickelt, die in ihrem Bestreben, immer inklusiver zu sein, darin mündet, diejenigen auszuschließen, die sich nicht den Ideologien anpassen, von denen sie beseelt ist.“
Hier einfach nur zu sagen, der Papst ist für Meinungsfreiheit, greift eindeutig zu kurz. Es ist ein Postulat der Wahrhaftigkeit, weil eine Klarheit in den Begriffen gefordert wird. Es ist eine ganz klare Absage an jede Form der Ideologisierung der Sprache. Unter echter Meinungsfreiheit wird hier verlangt, dass die Sprache authentisch ist. Es ist in gleicher Weise eine Ablehnung von Gendersprache, wie es eine Ablehnung von Wokeismus oder von Rassismus und letztendlich jeder, wirklich jeder Form von ausgrenzender Sprache ist.
Eine Freiheitsagenda
Die diesem Gedankengang folgende Freiheitsagenda, die der Papst hieraus entwickelt ist umfassend. Es ist eine Freiheit zum Leben, es ist eine Freiheit der unveräußerlichen Würde, die auch der Migrant hat. Es ist Freiheit des religiösen Bekenntnisses und dem was daraus folgt, nämlich der Freiheit des Gewissens. Aus dem ganzen Komplex, den der Papst hier vor dem diplomatischen Korps entwickelt, vielleicht noch ein Aspekt, der gerade in unserem Land in unseren Tagen nur schwarzweiß gezeichnet wird und den der Papst in geradezu vorbildlicher Weise entfaltet. Zur Migration betont der Papst, dass nicht alle Migranten ihr Land freiwillig verlassen. Er zählt eine Reihe von Gründen auf, die man kontrovers diskutieren kann, wenn man in den Begriffen klar bleibt. Hier kommt ein klares Bekenntnis zur Menschenwürde, aber es kommt auch eine gewisse Klarheit, dass die Staaten Maßnahmen gegen Illegalität und Menschenhandel ergreifen dürfen. Was nicht geschehen darf, so der Papst, dies zu einem Vorwand werden zu lassen, um die Würde von Migranten und Flüchtlingen zu verletzen. So klar hätte man es gerne mal von einem deutschen Politiker. Es ist im Kern ein Dreisatz: Einem Menschen ist Not ist zu helfen. Primär ist ihm dort zu helfen, wo er lebt, denn jeder Mensch braucht seine Heimat und jede Heimat braucht ihre Menschen. Erst wenn ein Mensch in seiner Heimat – aus welchem Grund auch immer – nicht mehr leben kann, ist ihm Aufnahme im fremden Land zu gewähren und jede Hilfe zu leisten, die seine Würde wahrt.
Den fünf Aspekten der Ansprache des Papstes, Sicht auf die Welt mit Augustinus, Krieg und Frieden, die Krise der Menschenrechte, die Krise der Familie und letztendlich die Krise der Transzendenz etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen, als aus einem Triggerwort eine Schlagzeile zu machen, wäre der angemessene Umgang mit der Ansprache gewesen. Als Papst der römischen Kirche wird übrigens auch Papst Leo XIV. voll und ganz hinter der Enzyklika „Humanae vitae“ von Paul VI. stehen, wofür es viele gute Gründe gibt und womit dann auch die obige Überschrift zwar stimmt, aber eben mit der Neujahrsansprache nichts, wirklich gar nichts zu tun hat. Diese wird von Franz-Josef Bormann als ein päpstlicher Aufschlag mit zeitdiagnostischer Schärfe und einer Vielzahl konstruktiver Hinweise auf mögliche Problemlösungen gewertet. Der Theologe und Ethiker meint, dass dieser Grundlegung eine Menge Potential innewohnt, das weiter entfaltet werden sollte.
Augustinus „De civitate Dei“ in klarer Sprache:
„…die Stadt Gottes, die ewig ist und dem Prinzip der bedingungslosen Liebe folgt…“
Das ist nicht wahr.
Augustinus definiert die Liebe zu Gott – Gottes Liebe als einen totalitären Führerkult.
Augustinus in klarer Sprache:
Christen kommen in den Himmel, alle anderen Menschen kommen in Gottes KZ die Hölle.
Es geht ihm nicht darum ein guter Mensch zu sein, es geht ihm nicht um Liebe. Es geht ihm ausschließlich um einen kriecherischen Führerkult um Gott. Das ist seine Definition von Gottesliebe – Liebe.
Gute Menschen die keine Christen sind kommen in die Hölle. Schlechte Menschen – gute Christen – die das gut heißen, kommen in den Himmel.
Gute Menschen kommen in die Hölle, schlechte Menschen kommen in den Himmel.
Das ist die Kernlehre des Christentum nach Augustinus.
Somit ist bewiesen, dass Christen (die so denken) schlechte Menschen sind.
Augustinus verantwortet auch die KZ-Wärter-Theologie des Islam. Denn der Islam orientierte sich an seiner Bibel-Fassung. Somit hat Augustinus 2 Weltreligionen auf dem Gewissen. Er hatte sie moralisch pervertiert.
Augustinus: Ungetaufte Säuglinge kommen in den höllischen Hochofen. Ihre Mütter dürfen aus dem Himmel zuschauen.
War es Augustinus oder Thomas von Aquin der sagte, im Himmel gäbe es nur 2 Freuden: Gott anzubeten und sich am Leid der Hölle zu erfreuen.
Kriecherei & Sadismus.
„De civitate Dei“ ist die himmlische Version von Nordkorea.
Das ändert nichts daran, dass Augustinus auch sehr viel kluges, weises, wahres, gutes, liebevolles gesagt hatte.
Er war eben ein sehr begabter Mensch „gesegnet mit den Gaben von oben und von unten“, frei nach Thomas Mann „Josef und seine Brüder“.
Kluges, weises, wahres, gutes, liebevolles finden wir auch bei Khomeini.
Wir wollen Augustinus aber nicht auf seine KZ-Wärter-Theologie reduzieren. Er war ein Kind seiner Zeit, mit den Fehlern seiner Zeit.
Er war trotz allem ein großer Lehrer. Aber nicht unfehlbar.
Ich predige schon seit Jahren die Klarheit der Begriffe.
Unklare Begriffe bedingen unklare Gedanken. Sie benebeln die Probleme, statt sie zu erhellen.
Unklare, verwaschene, zwiespältige Begriffe gebären entsprechende orwellsche Gedanken.
Sie berauben einem der Fähigkeit unabhängig zu Denken. Sie bringen eine eigene innere Logik abseits der Realität hervor.
Eine unklare Sprache konterkariert ihre Funktion der Kommunikation. Eine ideologisierte Sprache dient der Indoktrination, der Unterwerfung.
Es freut mich, dass der Papst auf diese Problematik aufmerksam macht.
Schon die griechischen Philosophen setzten sich für die Klarheit, also die Wahrhaftigkeit der Sprache ein.
Wir wissen doch, dass alle derartigen Meinungen für die Tonne sind, ob sie nun der Papst oder der Obdachlose verbreitet. Dem herrschenden Filz fehlt jede Möglichkeit zur Selbstreflektion. Da kann man nichts machen. Es hat ja auch keinen Sinn, einen Farbenblinden immer wieder aufzufordern, doch mal richtig hinzuschauen. Es ist auch nicht nötig. Die Filzokratie ist am Ende. Man sieht es daran, dass von diesen Leuten in aller Offenheit jetzt Ansichten geäußert werden, die man noch vor kurzem vermieden hätte. Die Masken sind gefallen, die Zeit der Wahrheit ist angebrochen, es herrscht nackte Panik. Man hat alles versucht, nichts hat geholfen. Es wird auch nichts mehr helfen. Man kann noch immer Schaden anrichten, aber damit beschleunigt man nur alles. Am Ende dieses Jahres werden wir in einer anderen Welt leben. Deutschland als Letzter in der Schlange vielleicht noch nicht, aber die Länder um uns herum.