Von Jacques Offenburg.
Am 23. März des Jahres 1819 suchte der Student Karl Ludwig Sand den Dichter August von Kotzebue in dessen Mannheimer Wohnung auf und tötete ihn mit mehreren Dolchstichen. Kotzebue galt als ein Sympathisant jener reaktionären Kräfte, welche die demokratischen und liberalen Bewegungen in ganz Europa zu bekämpfen suchten. Seine Ermordung, die im konservativen Bürgertum und erst recht im Adel großes Entsetzen auslöste, nahm der österreichische Staatskanzler Metternich zum Anlass, noch im selben Jahr auf einer Versammlung der deutschen Bundesfürsten in Karlsbad Beschlüsse durchzusetzen, die auf die Unterdrückung aller nationalen und liberalen Freiheitsbewegungen zielten: Auflösung der damals republikanisch-liberalen Burschenschaften, Verschärfung der Zensur, Lehrverbot für unliebsame Professoren und Ausbau des polizeilichen Überwachungsstaates.
Am schwersten aber wog die rigorose Verfolgung der sogenannten Demagogen. Hatte dieser Begriff unter Perikles noch für die Führer und Interessenvertreter des Volkes gestanden, so wurde er nunmehr im Sinne eines Volkverführers, populistischen Aufrührers und agitatorischen Hetzers gedeutet. Bekanntlich hatte Metternich diese restriktiven Maßnahmen schon seit längerem geplant, aber noch auf einen günstigen Anlass gewartet. Dieser bot sich ihm mit Sands Attentat.
Am 11. Mai 1878 gab der arbeitslose Klempnergeselle Max Hödel auf Kaiser Wilhelm I. mit dem Revolver mehrere Schüsse ab, ohne den Monarchen zu treffen. Bei Hödels Verhaftung fand die Polizei die Mitgliedskarten mehrerer Parteien, auch der sozialdemokratischen. Bismarck sah eine Gelegenheit, im Reichstag ein „Gesetz zur Abwehr sozialdemokratischer Ausschreitungen“ einzubringen. Der Antrag scheiterte jedoch. Nur drei Wochen später, am 2. Juni, verübte der promovierte Landwirt Karl Eduard Nobiling ein weiteres Attentat auf den Kaiser, das diesmal zu lebensgefährlichen Verletzungen führte. Nun konnte Bismarck die allgemeine Empörung nutzen und seine Sozialistengesetzgebung durchbringen. Die Sozialdemokraten wurden als „vaterlandslose Gesellen“ und Reichsfeinde gebrandmarkt. Arbeitervereine und Gewerkschaften wurden verboten, führende Funktionäre verhaftet. Viele Parteimitglieder wurden materiell entrechtet, am Arbeitsplatz verfolgt oder gar ausgebürgert.
Am 13. März 1881 verübte die sozialrevolutionäre Geheimorganisation Narodnaja Wolja („Volkswille“) einen Sprengstoffanschlag auf Zar Alexander II. Unmittelbar darauf kam es vor allem in Südrussland zu Judenprogromen. Diese Ausschreitungen erklärte Innenminister Nikolai Pawlowitsch Ignatiew damit, dass die vergleichsweise liberale und reformorientierte Politik des verstorbenen Zaren den Juden die Möglichkeiten gegeben habe, sich auf Kosten des Volkes zu bereichern. Verstärkt wurden diese Vorwürfe durch Pressekampagnen, an denen sich ausgerechnet auch die Organisation Narodnaja Wolja beteiligte.
In der Folge betrieb der neue Zar Alexander III. eine autokratische Politik, die auf nationale Homogenisierung, Deportation von Oppositionellen in sibirische Arbeitslager und Russifizierung der fremdsprachigen Volksgruppen (Polen, Balten, Deutsche) setzte. Um diesen Politikwechsel herbeiführen zu können, hatten die reaktionären Systemeliten die ursprünglichen Motive des Anschlags umgedeutet und dabei genau jene zu Sündenböcken gemacht (infamerweise unter Mitwirkung der eigentlichen Attentäter), die von der Politik des ermordeten Zaren am meisten profitiert hatten und für die es somit am wenigsten Grund für ein Komplott gab. Dennoch erließ Alexander III. gegen die Juden die sogenannten Maigesetze. Diese schränkten die Freizügigkeit und die Möglichkeit beruflicher Tätigkeit stark ein. Das Attentat bot also auch die hochwillkommene Gelegenheit, die in Russland seit dem 18. Jahrhundert virulente ‚Judenfrage’ zu ‚lösen’.
Kritiker als Feinde der Gesellschaft
Am 7. November 1938 suchte der polnische Jude Herschel Grynszpan die deutsche Gesandtschaft in Paris auf und erschoss den Botschaftssekretär Ernst vom Rath aus Protest gegen die widerrechtliche Deportation seiner Eltern aus Berlin sowie die allgemeine Diskriminierung der Juden in Deutschland. Diesen Vorfall instrumentalisierte Joseph Goebbels für die Rechtfertigung seiner Theorie einer jüdischen Weltverschwörung und für eine längst geplante ‚Strafaktion’ gegen die deutschen Juden, die dann zwei Tage später unter dem Namen ‚Reichskristallnacht’ stattfand – mit den bekannten weiteren Folgen.
Am 27. November 2017 verletzte der arbeitslose Werner S. den Altenaer Bürgermeister Andreas Hollstein, dem er an einem Dönerstand zufällig begegnete, mit einem Messer am Hals. Nach eigenen Angaben handelte der Täter aus Wut darüber, dass ihm die Gemeinde wegen Zahlungsunfähigkeit Wasser und Strom abgestellt hatte, während sie zugleich keine Kosten scheuen würde, illegal eingereiste Migranten zu versorgen. Die Presse versuchte, die im Affekt und unter Alkoholeinfluss begangene Tat, die zu einer 1,5 Zentimeter langen leichten Schnittwunde geführt hatte, zu einem lebensgefährlichen Attentat mit rassistischem Hintergrund umzudeuten. Jedoch blieb das negative Echo in der Öffentlichkeit, das man sich erhofft hatte, aus. Dieses ließ sich erst anderthalb Jahre später herstellen, am 2. Juni 2019.
An diesem Tag tötete nach gegenwärtigem Stand der Ermittlungen der mutmaßliche Rechtsextremist Stefan Ernst den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Dieser war in die Schlagzeilen geraten, weil er Kritikern der Merkelschen Migrationspolitik empfohlen hatte, das Land zu verlassen, was letztlich die (Selbst-)Ausbürgerung implizierte. Seit seinem Tod wird Lübcke in fast allen Medien als ein Verfechter der Menschenrechte gefeiert. Für seine Ermordung mitverantwortlich gemacht werden die Alternative für Deutschland, aber auch Konservative innerhalb der CDU. Sigmar Gabriel erklärte im Bundestag die Abgeordneten von der AfD sogar zu „Haupttätern“.
Als Konsequenz erwog der ehemalige Generalsekretär der CDU Peter Tauber, „Rechtsextremen“ (die er nicht näher definiert) bürgerliche Grundrechte zu entziehen, wozu die Presse-, die Lehr- und die Versammlungsfreiheit, das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis sowie das Eigentum gehören.
Darüber hinaus brandmarken immer mehr Repräsentanten des politischen und medialen Establishments die Kritiker der gegenwärtigen Regierung als Feinde der Gesellschaft, als populistische Hetzer und als Demagogen, die es sozial und politisch zu ächten und mit Berufsverboten zu belegen gelte.
Wie die Geschichte lehrt: Zur Bekämpfung des politischen Gegners braucht es einen Vorwand. Und manchmal ist der beste Vorwand ein Attentat.
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"Zur Bekämpfung des politischen Gegners braucht es einen Vorwand. " Stimmt. Wiederholt sich ständig. Und klappt (fast) immer. Hitler: Reichstagsbrand. Erdogan: Putsch (= "Geschenk des Himmels"). Und immer ist unklar, ob es die Protagonisten nicht selbst "angezettelt" haben ...
Ich spreche immer vom mangelhaften bzw. überhaupt nicht vorhandenem politischen Bewußtsein der Deutschen, meinen Landsleuten. Die "Angelegenheit Lübcke-Mobilisierung im Kampf gegen Rechts" spricht wieder einmal für meine These, die anglo-amerik. Umer= ziehung sowie der jahrzehntelange, aber doch erst seit 1990 außerordentlich scharfe Kampf gegen Patriotismus, vulgo "rechts" ge= heißen, hat meinen Landsleuten wirklich alle politisch-kognitiven Sinne vernebelt, sie sind allermeist Opfer der pathologischen Schuld= neurose geworden! Und alles aufgrund der diktierten Begriffsverwirrungen, z.B. mit dem Begriff "Populismus", auch dieser wurde natür= lich negativ verfälscht. Was heißt er ins Deutsche übertragen? Fürs Volk, sollte man meinen, nein, unsere Großbösen machen daraus das Negativum "lügenhafte Argumentation im politischen Kampf, so sollen Völker gegen ihre demokratischen Herrscher mißbraucht werden", also die positive "vox populi" wird eindeutig fehlbesetzt mit "rechter Hetze gegen unsere Gesellschaftsordnung, gegen unsere Verfassung!
Die Herrschaften hierzulqnde an den Schaltstellen politischer und publizistischer Macht wechseln je nach Gusto und eigenem Vorteil die Parameter wie Gräfin Friederike ihre Unterwäsche. Im übrigen bin ich der Meinung, man sollte sich - auch den Autoren auf der Achse hier anempfohlen - wieder einmal intensiver mit dem politischen Werden von Fischer, Trittin, Ströbele, Joscha Schmierer, Hans Joachim Klein (Putztrupppe) und all den übrigen, die erst in den K-Gruppen zuhause waren und dann die Grünen okkupierten, beschäftigen. Eine Geschichte von Huldigung des Totalitären bis hin zu den direkten Linien, die man so gerne als Finger am Abzug verortet.
Es gibt einen Unterschied zwischen von Mächtigen (Politikern und ihren Helfern, den Medien und Globalisten) betriebener politischer Instrumentalisierung und der, die die mehr oder minder Ohnmächtigen (Opposition inner- und außerhalb des Parlaments), wütend über einen Mord an einem Mitbürger, betreiben: Während die politisch Mächtigen IMMER Attentate, Morde, Kriegshandlungen missbrauchen, um ihre finsteren politischen Pläne zu verwirklichen, um Repression und Gewalt gegen zuvor auserkorene Feindbilder (Buhmänner) hemmungslos und "legitim" ausüben zu können (denn des machtbesessenen Menschen Seele ist eine Mördergrube, Sadismus, der Wunsch nach Folter, Qual am Mitmenschen und sich daran ergötzen zu können, ist das übermächtige Monster in ihnen), steht die im Grunde positive Intention der Ohnmächtigen dem klar entgegen. Wenn AfD-Politiker die nicht seltenen Messermorde etc. im BT zur Sprache bringen und viele Tausende Bürger protestieren, instrumentalisieren die solche Taten zwar auch, doch nur in der Hoffnung, die politisch Schuldigen und Verantwortlichen zum Umdenken zu bewegen, sodass weitere Morde evtl verhindert werden können. Deshalb goutiere ich die letztere Instrumentalisierung, während ich die politisch folgenreiche, generell mörderische Instrumentalisierung der politisch Mächtigen zutiefst und aus gutem Grund verachte!
Mit ähnlichem Eifer verschwinden die nicht-nützlichen Mörder in der Versenkung, weil sie der blutige Beweis dafür sind, dass die real existierende Immigrationspolitik die innere Sicherheit gefährdet. In Chemnitz werden wieder einmal Trauer und Empörung über einen Mord durch Immigrantenhand kriminalisiert. Zur Ablenkung werden vom politisch-medialen Komplex "Hetzjagden" auf Immigranten behauptet und die Einheimischen - zumal Sachsen! - bezichtigt, "Fremdenfeinde" und "Rassisten" zu sein. Sogar der Chef des Verfassungsschutzes muss gehen, weil er sich von dieser dreisten, deutschenfeindlichen Propagandalüge unserer Bundeskanzlerin distanziert. Die Zahl der "unnützlichen" (immigrierten) Mörder/Attentäter übersteigt indes ganz sicher jene der "nützlichen". Es kommt immer darauf an, ob die Staatspropaganda mit dem jeweiligen "Ereignis" etwas anfangen kann. Die Mainstream-Aktivsten liegen schon üauf der Lauer, um nach dem nächsten "Fliegenschiss" ihre Hetz- und Desinformationsmaschinen anzuwerfen. Das Protokoll ihrer journalistischen Verkommenheit steht den Historikern zur späteren Bewertung zur Verfügung.
Es gibt da noch einen wichtigen Unterschied zwischen der Ermordung Lübckes durch einen mutmaßlichen Rechtsradikalen und den Anschlägen auf die Monarchen. Selbst wenn wir annehmen, dass der mutmaßliche Rechtsradikale aus politischen und nicht aus persönlichen Rachemotiven mordete, mußte er doch wissen, dass er mit seinem Mord politisch nichts erreichen würde. Er mußte doch wissen, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Es läuft die maximale Ausschlachtung der Tat. Wir haben nun den Narrativ eines "neuen Rechtsterrorismus", der der islamistischen Bedrohung gleichgestellt wird, die Auswirkungen von Merkels Politik überlagert und die öffentliche Diskussion dominiert. Die völlig vernünftigen Argumente ganz klar rechtsstaatlicher, kritischer Konservativer sollen diskreditiert werden. Die Ausschlachtung ist noch längst nicht abgeschlossen. Grünen-Chefin Annalena Baerbock fordert "vor dem Hintergrund wachsender rechtsextremistischer Bedrohungen", im Bezug auf Lübcke, aktuell zum Beispiel "einen kompletten Umbau des Verfassungsschutzes". Als wenn jeder durchgeknallte Einzeltäter "im Vorfeld vom Verfassungsschutz erkannt" werden könnte. Unser Land verroht, verliert zunehmend den Verstand und driftet auseinander. Verantwortlich dafür sind nicht irgendwelche Mörder oder Terroristen, sondern die regierenden Herrschaften in Berlin, die mit all ihrer Macht ihre politische Agenda durchdrücken wollen.
Die Auslassung von Peter Tauber passt wirklich in das Schema, Grundrechte auszuhebeln. Nur steht in dem Artikel 18 des GG (noch) drin, daß das Bundesverfassungsgericht darüber zu urteilen hat. Und es gab in den 70 Jahren nur ein Antrag, dem aber das Gericht nicht entsprochen hat. Übrigens führten die Aktionen der RAF 1977 (Deutscher Herbst) zu einer Verschärfung des Waffengesetzes.