Wolfgang Röhl / 10.04.2021 / 06:00 / Foto: Olivier Luma / 26 / Seite ausdrucken

Der NDR und der Fall „Lovemobil“

"Für mich ist es ziemlich egal, mit welchen Mitteln ein Film arbeitet, ob er ein Schauspielerfilm ist mit inszenierten Bildern oder ein Dokumentarfilm. In einem guten Film geht es um die Wahrheit, nicht um die Wirklichkeit." 

(Sergej Eisenstein, Großmeister des sowjetischen Propagandafilms, 1925)

Im Großen und Ganzen ist der Staatsfunk, in diesem Fall vertreten durch den NDR, noch mal mit einem Veilchen aus der Affäre rausgekommen. Zwar, die meisten Medien haben über seine hinreißend gefälschte Dokumentation Lovemobil berichtet. An echter oder geheuchelter Empörung der lieben Kollegen herrschte kein Mangel. Das „Grimme-Institut“, welches die NDR-Ente für einen Fernsehpreis nominiert hatte, ließ die Regisseurin wie eine heiße Kartoffel fallen.

Ebenso verfuhr die pikierte Jury des „Deutschen Dokumentarfilmpreises“, der vom SWR vergeben wird – dieses Lametta hatte die Fälscherin schon charmant lächelnd abgeräumt. Schwer angefasst auch die Leiter von Festivals, auf denen der Film gefeiert worden war. In linken Medien- und Filmemacherzirkeln wurde ebenfalls über die Causa gegrummelt. Tenor: Die Regisseurin von Lovemobil hat uns, hat das Genre Dokumentarfilm, ja die ganze gute Sache, für die es doch kämpft, in den Dreck gezogen. Dass sich die Dame nicht mal entblödete, die verkratzte Platte des Serienfälschers Tom Kummer aufzulegen („Die Realität in meinem Film ist eine viel authentischere Realität“), trug ihr keine Ovationen ein. Shame on her!

Doch im Vergleich zur Aufregung beim Fall des Fälschertitanen Relotius vom Spiegel, ganz zu schweigen von den Hitlertagebüchern des Stern, hielt sich das mediale Interesse in Grenzen. Bereits nach ein paar Tagen, spätestens nach einer Woche, war die Sache von den meisten populären Druck- und Netzseiten verschwunden.

Erstaunlich, denn die kapitale Fälschung ging ja nicht auf das Konto von Druckerzeugnissen wie Stern oder Spiegel, die im Laufe der Jahrzehnte immer wieder mal mit dicken Enten Schlagzeilen generierten. Auch nicht auf das Konto von Halligalli-Sendern, bei denen man Viertel-, Halb- oder Komplettfälschungen, Inszenierungen und Gaukeleien als quasi naturgegeben voraussetzen darf. Diese Fälschung wurde von einem durch die Gebührenzahler alimentierten Staatssender bestellt und ausgestrahlt; eine Anstalt, die sich permanent anmaßt, Fakten zu „checken“ und anderen Medien angebliche Fake News um die Ohren zu hauen. Also, gemessen an der selbstgehängten, selbstgerechten Messlatte fiel das veröffentlichte Echo auf die Schwindeldoku des NDR denn doch recht zahm aus.

Der Film macht mal Gänsehaut, mal rührt er zu Tränen

Worum ging es? Im Jahre 2014 beauftragten die Hamburger eine freie Dokumentarfilmerin namens Elke Lehrenkrauss mit der Erstellung einer Dokumentation über das traurige Schicksal von Prostituierten, die in Wohnmobilen am Landstraßenrand anschaffen. Verabredet war eine Langzeitbeobachtung. 2019 wurde der Film gezeigt, zuerst auf Filmfestivals. Der NDR, also der Gebührenzahler, hatte den Streifen mit 36.000 Euro kofinanziert. Weitere 82.000 Euro für Produktionshilfe wurden Filmförderungstöpfen entnommen, sprich den Taschen der Steuerzahler.

Lehrenkrauss, Jahrgang 1979, war damals im Doku-Genre keine bekannte Adresse. Sie hatte an Filmschulen studiert, eine Reihe von Stipendien absolviert, sich auch mal auf Kuba umgesehen, ein paar Dokus verfertigt, ohne größere Resonanz. Umso imposanter der jähe Durchbruch in die A-Liga der Doku-Zunft. Lovemobil begeisterte nicht nur die den Film abnehmenden NDR-Redakteure, sondern auch Festivalteilnehmer, Juroren, Journalisten. Der Film, angeblich nach jahrelangen Recherchen im Milieu ambulanter Sexarbeiterinnen entstanden, zeigt hauptsächlich die schwarze Prostituierte Rita aus Nigeria und ihre bulgarische Kollegin Milena beim trostlosen Geschäft mit einer Wohnmobilvermieterin, einem Zuhälter und deutschen Freiern, die sich allesamt teilweise zynisch oder gar menschenverachtend benehmen.

Dabei hatten beide Frauen auf ein besseres Leben in Deutschland gehofft. Rita war dafür sogar, wie sie in einer bewegenden Sequenz erzählt, auf einem Boot übers Mittelmeer nach Europa geschippert, obwohl sie große Angst hatte, da Nichtschwimmerin. Auch der Job selber ist nicht ungefährlich. Einmal fährt die Wohnmobilvermieterin Uschi, begleitet von der Kamera der Dokumentarfilmer, an einer Blaulicht-Szene vorbei. Es scheint, dass dort just eine andere, ungenannte Prostituierte in einem Lovemobil ermordet wurde. Der Film macht mal Gänsehaut, mal rührt er zu Tränen. Krasse Dialoge wechseln mit leisen, erschöpften Sätzen der ausgepowerten Frauen. Die Bilder von den Sexmobilen sind perfekt ausgeleuchtet, die Musik dazu passgenau. Kein Mitwirkender ist gepixelt.

Nahezu alles gefälscht, inszeniert und bis in die Dialoge hinein vorgegeben

Der Film bekam einen „Frauenfilmpreis“, einen „Friedensfilmpreis“ und weiteres Ausgepreistes. Journalisten rissen sich um die Regisseurin: Wie hatte sie es hingekriegt, dass Menschen in prekären Situationen sich ihr gegenüber derart geöffnet hatten? Sie gab Interviews in Reihe. Alles echt, beteuerte sie.

Da begab es sich, dass eine Cutterin, die bei der finalen Filmerstellung am Rande mitgewirkt hatte, den NDR tippte. Das Werk sei wohl nicht ganz sauber, sie habe das schon bei der Produktion geahnt. Dass es die Cutterin war, welche Lovemobil in die Tonne trat, kann der gemeine Medienkonsument nicht unbedingt wissen. Viele Berichte über den Fall waren nämlich so gehalten, als sei der NDR selber es gewesen, der den Betrug aufgedeckt hatte.

Tatsächlich verhielt es sich so, dass nach dem Hinweis der Cutterin beim Sender die Alarmsirenen schrillten. Die Sache ignorieren? Konnten die Verantwortlichen sich nicht leisten. Die Filmschneiderin wäre sehr wahrscheinlich zu einem anderen Medium gegangen und hätte dort ausgepackt. So wurde – quasi zur Schadensbegrenzung durch Selbstreinigungsvortäuschung – das hauseigene NDR-Rechercheportal STRG_F in Marsch gesetzt, um die Mitwirkenden des Films zu befragen und die Regisseurin in die Mangel zu nehmen.

Heraus kam, dass nahezu alles in dem moralisch überkronten Film gefälscht, inszeniert und bis in die Dialoge hinein vorgegeben war. Die „Prostituierten“: bezahlte Darstellerinnen, die nie den Strich betreten hatten. „Freier“ und „Zuhälter“: bezahlte Darsteller, zum Teil Bekannte der Regisseurin. Der Mord an einer Lovemobil-Prostituierten, den der Film insinuiert, hatte nicht stattgefunden; die Idee entstammt wohl einem Regionalkrimi.

Langes Schweigen, dünne Ausflüchte

Die Darsteller gaben sich bass erstaunt, als ihnen die peinliche Angelegenheit eröffnet wurde. Sie hätten geglaubt, sagten sie, kleine Rollen in einem Spielfilm zu besetzen, nicht aber als echte Personen über den Bildschirm zu flimmern. Inzwischen würden sie von ahnungslosen Zuschauern schwer angemacht. Ein bisschen gegrillt wurde im STGR_F-Bericht der Redakteur, der den fertigen Film in Berlin abgenommen hatte. Warum ihm nicht aufgefallen war, dass alles doch viel zu schön aussah, um wahr zu sein? Warum er nicht nachgehakt hatte? Langes Schweigen, dünne Ausflüchte.

Der NDR zog flugs die Notbremse, distanzierte sich von seiner Auftragsarbeit und entfernte sie aus der Mediathek. Der Sender stellte sich bekümmert als Opfer einer Betrügerin dar. So, wie es der Spiegel getan hatte, als dessen hochpotente Fälscherkraft Relotius aufgeflogen war. Die Ablenkungsfütterung funktionierte ganz gut, ebenso wie vor rund zwei Jahren im Fall Relotius. Auch damals hatten ja Teile der interessierten Öffentlichkeit dem Spiegel die Mär abgekauft, das Magazin selber habe, wenn auch erst nach einigem Sträuben, den hauseigenen Lügenbaron enttarnt. In Wirklichkeit war dies keineswegs allein den Hinweisen seines Kollegen Juan Moreno zu verdanken. Der Spiegel zog seine Notbremse am Tag des Erscheinens eines pfiffigen Stücks auf einer US-Website, das dem Spiegel-Reporter dreiste Lügen nachwies.

Der Grund, weshalb Lovemobil ebenso passieren konnte wie die gefühligen Fakes von Relotius, liegt natürlich tiefer. Er ist struktureller Art, was ausgerechnet jene Leute partout nicht wahrhaben wollen, die ständig von rassistischen, sexistischen und sonstwieistischen Strukturen reden. Dass Lovemobil keine Fälschung à la Relotius sei, wurde jedenfalls zumal in linken Medienblasen als Parole ausgegeben. Stattdessen kaute man dort die üblichen Fachnebensächlichkeiten durch: Was darf eine Doku? Auch mal O-Töne nachsprechen lassen, wenn Befragte zum Beispiel fürchten, an ihrer Stimme erkannt zu werden? Geht das in Ordnung, sofern es per Einblendung gekennzeichnet wird? Darf man spektakuläre Szenen nachstellen und – mit Kenntlichmachung – ausstrahlen, wenn es technisch oder rechtlich nicht möglich oder zu gefährlich ist, diese Szenen in echt aufzunehmen?

Darauf berief sich übrigens der berühmte TV-Fälscher Michael Born, der TV-Formaten wie Stern TV, Spiegel TV Magazin, ZAK und anderen in den 1990er Jahren die haarsträubendsten Storys angedreht hatte. Seine Fakes, etwa ein Ku-Klux-Klan-Mummenschanz aus einer Sandkuhle in der Eifel, wurden von den angeblich ahnungslosen Sendern als echt verkauft, ohne Hinweise auf Nachstellung. Born hat später vor Gericht behauptet, dass viele dieser Geschichten im Kern wahr gewesen seien. Er habe sie selber erlebt oder aus verlässlicher Quelle davon erfahren, nur eben nicht mit der Kamera einfangen können. Deshalb habe er sie nachgebaut. So ungefähr lautete auch eine Einlassung der Lovemobil-Regisseurin. Ob sie auch in dieser Hinsicht gelogen hat – heißt, ob überhaupt nennenswerte Recherchen im Landstraßenstrichmilieu stattgefunden haben –, ist wohl kaum noch verifizierbar.

Die Preisvergabeszene ist ein bestens vernetzter Haltungsnudelbetrieb

Alles Branchengeschnatter und alle diskursiven Nebelkerzen können aber nicht verdecken: Lovemobil ist sehr wohl ein Fall Relotius reloaded. Was denn sonst? Hier wie dort verdankten hochglänzend polierte, verdächtig perfekte („runde“) Stücke ihre enthusiastische Aufnahme seitens der Redaktionen, aber auch vieler Rezipienten, vor allem einer Tatsache. Nämlich, dass sie, die Stücke, die richtige Haltung transportieren. War es im Spiegel-Fall zum Beispiel das ins rotgründeutsche Hirn passende Porträt eines amerikanischen Hinterwäldler-Kaffs, dessen tumbe Bewohner Trump-Fans sind und am liebsten Ballerfilme gucken, so versammelt Lovemobil alle Klischees über das Sexgeschäft.

Danach sind Prostituierte grundsätzlich arme ausgebeutete Wesen, Freier müssen elende Drecksäcke sein, der Rest ist Kapitalismus in Form von Luden und Vermieterinnen. Wird das Ganze noch zusätzlich mit einer dicken Schicht klebriger Hypermoral überzogen (die gedemütigten Frauen sind im NDR-Fake zu allem Überfluss mehr oder weniger hilflose Migrantinnen, eine davon ist gar eine Geflüchtete und dazu – Tusch! – auch noch eine PoC), dann läuft das woke Zeug ruckzuck über den Sender, ohne dass groß nachgecheckt wird.

Schon deshalb, weil solche Moritaten beste Aussichten haben, von einschlägigen Haltungsbelohnungseinrichtungen wie dem „Grimme-Institut“ mit Preisen beworfen zu werden. Und Preise, Preisverleihungen, das Schwingen von zivilgesellschaftlich bedeutsamen Reden bei ebenjenen Verleihungen und die anschließenden Partys des Glotzenjustemilieus – immer wieder zu und zu schön! Die Preisvergabeszene ist ein bestens vernetzter Haltungsnudelbetrieb, aufrechterhalten mit dem Geld der Anderen.

Unter dem Doku-Deckmäntelchen wird eine ideologische Agenda bespielt

Kleines Gedankenexperiment. Stellen wir uns statt Lovemobil ein Filmprojekt vor, in dem es, sagen wir, um Regierungskritiker geht, die von Medien zum Abschuss freigegeben werden. Die man denunziert und von Unibühnen mobbt, denen man Tagungsräume verweigert, die von Antifa-Schlägertrupps angegriffen werden. Natürlich unwahrscheinlich, dass ein derartiges Projekt von einem Staatssender angenommen würde, nicht mal von einem Privatkanal. Aber stellen wir uns einfach vor, irgendein Dussel hätte nicht aufgepasst und ein solches Ding wäre durchgerutscht.

Irgendwann steht die Abnahme des Streifens durch die Redaktion auf dem Zettel. Man kann sich unschwer ausmalen, was da los wäre. Noch die unwichtigsten Details würden gecheckt, nach Möglichkeit zerpflückt. Undenkbar, dass nicht rauskäme, wenn etwa ein im Film chargierender Rechtspopulist in Wahrheit gar kein Rechtspopulist ist, sondern der Freund des Dokumentarfilmers. Oh, sie würden jede Person, jede Einstellung, jeden Buchstaben im Text dreimal beäugen, umdrehen, googeln, die Jungs und Deerns vom Funk. Narrenfreiheit hat dort nur, wer stramm auf Linie liegt.

Der Fall Lovemobil wirft – und das ist vielleicht der Grund, warum er die Branche so erzürnt hat – kritische Fragen zum Genre Dokumentarfilm auf. Was an der Gattung ist eigentlich dokumentarisch? Und was sind bloß listige Montagen von Bildfolgen? Letztere können durchaus authentisch sein, durch ihre An- und Zuordnung jedoch eine erwünschte Haltung ergeben. Und unter dem scheinbar objektiven, vermeintlich neutralen Doku-Deckmäntelchen um so besser eine bestimmte ideologische Agenda bespielen.

Hochgelobt, preisgekrönt, leider gefaked

Das Paradebeispiel für einen selbsternannten Dokumentarfilmer, der in Wahrheit nie etwas anderes gedreht hat als Propaganda, ist der Amerikaner Michael Moore. Der langgediente Darling der Liberals, wie US-Linke sich fälschlicherweise nennen, hat unter der ebenso falschen Dachmarke Documentary reihenweise Polemiken und Satiren gegen US-Präsidenten, Waffenlobbys oder Konzerne zusammengebastelt, wie‘s ihm grad gefiel.

Bereits sein filmischer Durchbruch „Roger & me“ über General Motors und den damaligen GM-Chef Roger Smith basiert auf einer eklatanten Fälschung. Der Running Gag des Films – Moore versucht immer wieder vergeblich, Smith im Gespräch zu nageln – ist nicht doku, sondern fake. Tatsächlich hatte Moore den Manager sogar zweimal interviewen dürfen. Das Material unterschlug er jedoch in seinem Film, da es ganz offenbar nicht zu Moores Tendenz passte.

Doch warum in die Ferne schweifen? Der deutsche Skaterfilm „This Ain’t California“ über angeblich rebellische DDR-Jugendliche: hochgelobt, preisgekrönt, leider gefaked. Abgesehen von wunderbaren Tierfilmen hinterlassen die meisten der sogenannten Dokumentationen im deutschen Fernsehen – egal auf welchem Sender – einen ranzigen Geschmack. Eine ZDF-„Doku“ unter dem Titel „Frauenprotest und Widerstand“ über den „Kampf“ amerikanischer Frauen, ausgestrahlt am Weltfrauentag? Der Inhalt, erwartbar wie Sodbrennen nach zu viel saurem Wein: eine Reihung handelsüblicher Jeremiaden gegen die schlimme Männerwelt.

Und wenn die im Dezember 2020 ausgestrahlte ARD-Doku „Ein Neonazi-Aussteiger erzählt“ mit den Worten anhebt: „In fast allen größeren Städten gibt es Wehrsportgruppen“ und zu Beginn einen Ausschnitt aus einem Film von 1992 zeigt, auf dem ein paar junge Männer durch den Wald rennen, rumschreien und Platzpatronen abfeuern – alles klar. Wozu noch weitergucken?

Im Staatsfunksystem sitzt ein dicker Wurm

Eine im Februar dieses Jahres gesendete Dokumentation der ARD trug den Titel: „Kampf um Strom – Welchen Preis zahlen wir für die Energiewende?“. Klingt spannend, oder? Erfährt man darin etwas über die irrwitzigen Kosten der Zappelstromerzeugung, über deren Profiteure und über den tatsächlichen Beitrag der „Erneuerbaren“ zur Stromversorgung? Null, nada, nix.

Die Sendung stellt gleich zu Anfang einen der durch das EEG gemästeten Fat Cats der Solarbranche vor, mit der Laudatio, dieser Mann wolle „Verantwortung zeigen als Unternehmer und etwas tun gegen die Klimakrise“. Den cleveren Mann, der in der Lausitz ein riesiges Solarareal baut, lassen die Pseudodokumentaristen über das gesamte Stück hinweg immer wieder zu Wort kommen.

Ihr Film enthält keinen Moment lang eine auch nur halbkritische Betrachtung der Idee von der „Energiewende“. Dafür unablässig Werbung für noch mehr Wind- und Solarindustrie und die dafür benötigten monströsen Infrastrukturen. Die Wende sei ins Stocken geraten, wegen aufsässiger Bürger und zögerlicher Politiker. Nunmehr müsse unbedingt Gas gegeben werden. Der Agitpropstreifen hätte auch direktemang vom „Bundesverband Erneuerbare Energie e.V.“ auf ARD-Computer eingespeist werden können. Nebenbei ist er handwerklich zum Fremdschämen. Szenen, in denen sich eine gutsituierte Familie aus Konstanz Solarpanels aufs Dach schwätzen lässt (O-Ton Filmsprecher: „Konstanz hat den Klimanotstand ausgerufen“) und später beglückt auf das Stromeinspeiseergebnis schaut, so etwas würde nicht mal ein Erstsemester an einer Filmhochschule dermaßen plump schustern.

Welche Anstaltsaufseher haben dieses dilettantische Machwerk durchgewinkt? Und wer, in den Anstalten oder außerhalb, kann danach anklagend mit dem Finger auf das immerhin professionell inszenierte Machwerk Lovemobil zeigen?

Im Staatsfunksystem sitzt ein dicker Wurm. Aber, wie pflegten die Achtundsechziger zu sagen? Das System macht keine Fehler. Das System ist der Fehler.

 

Postscriptum:

Der nächste Fall liegt schon vor: Die ZEIT findet Ungereimtheiten bei der für den Grimme-Preis nominierten Dokumentation "Die Unbeugsamen – gefährdete Pressefreiheit auf den Philippinen".

Foto: Olivier Luma CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons

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Leserpost

netiquette:

Rolf Mainz / 10.04.2021

Das Schlimmste: unfähige Politiker/innen können immerhin abgewählt werden, “Medienschaffende” hingegen nicht. Die bleiben uns zeitlebens erhalten und ändern ihre Prägung nur dann, wenn hinreichend “Fähnchen aus anderer Windrichtung wehen”. Zudem unterrichten die betreffenden Ausbilungsstätten ebenfalls stur so weiter, Generation um Generation. Und genauso ist es gedacht.

Zdenek Wagner / 10.04.2021

Tja und diese Herrschaft*innen regen sich maßlos auf, wenn man sie als Lügenpresse bezeichnet. Wir leben in einem Sumpf aus Lügen. Mir wird nur noch angst und bange, wenn ich ein Weiterleben in diesem Land denke.

Gudrun Meyer / 10.04.2021

Im Fall von “Lovemobil” könnte man das Nebelrideau etwas lüften, indem man die Schmiere von echten Prostituierten beurteilen ließe, die einigermaßen objektiv und nicht drogenabhängig sind, jedenfalls nicht so abhängig, dass sie gezwungen wären, auf bessere Erpressungen einzugehen (“du sagst unserem Fernsehsprecher mit freiem Gesicht oder auch unter einem Schleier aus dem arabischen Geschäft, “alles stimmt, ich kenne sogar eine der Frauen, über den Loddel habe ich auch schon was gehört, und das hier ist eine galaktisch gute Doku”.  Für den Satz kriegst du Geld oder gleich dein Kokain”). Nach demselben Muster könnte man echte Naturschützer über Windkraft-Reklame"dokus” urteilen lassen, und in diesem Fall wären die Auskünfte noch weit verlässlicher als die von “nur” mäßig erpressbaren Prostituierten. Aber JEDE Sendung, die über ein ideologisch relevantes Thema berichtet, ist auf Manipulationen und Kitsch angewiesen, sogar “Tatort”-Folgen und weitere Unterhaltungsfilme, die offen fiktiv sind. In Einzelheiten mögen die “Doku”-Regisseure und ihre Mitarbeiter “nur” zu faul sein, etwas auszuleuchten, das sie ausleuchten könnten und dessen Darstellung nicht ihrer Aufgabe widersprechen würde, Propaganda herzustellen. Aber je mehr sich die Kernhandlung einer “Doku” an die “Haltung” anpasst statt umgekehrt, desto zwingender muss das meiste in ihr fake sein. Einzelheiten und die Umstände ihrer Herstellung werden dann tatsächlich unwichtig. Es gibt unpolitische Dokus, alle anderen sind sind Agitprop und auch so gemeint. Und wie wir von Anja Reschke wissen, hat der dt. Staatsfunk in Ewigkeit die Aufgabe, uns “Nazis” umzuerziehen (eine Nachkriegsabsicht, die von britischen Verantwortlichen ausdrücklich als vorübergehende Maßnahme geplant war. Die dachten ja nicht totalitär).  Nebelrideaus sind kein Spezifikum gefälschter “Dokus”, sondern gehören zu den grundlegenden Techniken bei der Produktion und Ausstrahlung politischer “Nachrichten” und Kommentare.

Volker Kleinophorst / 10.04.2021

Leitende Redakteure sollten den Unterschied zwischen gefaked und real erkennen können. Nach den Ausschnitten, die ich aus dieser Doku sah, konnte man da wirklich keine Zweifel haben. Schon optisch Doku-Fiction. Sieht ein Blinder. Genau wie wie bei Born, Relotius, Kummer… Es ist einfach peinlich dieses: “Wir wurden getäuscht.” Geschadet hat es den Vorturner ja nicht. Born arbeitete für Jauch, hat dem nicht geschadet. Relotius? Ressortleiter Ulrich Fichtner konnte zwar nicht mehr Chefredakteur werden, ist immer noch beim Spiegel. “Für besondere Aufgaben.” Tom Kummer? Ulf Poschard und Christian Kämmerling mussten beim der SZ gehen, fielen aber weich: Poschard ist heute Chefredakteur von Welt/N24, Kämmerling fiel auch weich.  “Roger Köppel, einer der geschädigten Abnehmer solcher Interviews, sagte 2011, er habe sich nicht vorstellen können, „dass jemand so dreist vorgeht.” (Wikipedia). Falls Herr Köppel, den ich sonst schätze,  das wirklich entschuldigend findet: Genau sich nicht verarschen zu lassen, ist der Job, Burschi. Beim Volontariat gefehlt? Fangen wir mit einer einfachen Frage an (gilt für alle “Betrogenen”): Was heißt wohl verantwortlich im Sinne des Presserechts.

dr. michael kubina / 10.04.2021

Wir können dankbar sein, für jeden dreisten Fälscher, da er das Problem offenlegt. Viel schlimmer und gefährlicher sind die weniger dreisten. Irgendwann wird sich durchsetzen, dass man z.B. in Zeiten fast grenzenloser Möglichkeiten der Bildfälschung Bildern nicht mehr glauben darf. In Zeiten eines pandemisch grassierenden Zeitgeistes ist es aber nahezu unmöglich, Fakes regelmäßig aufzudecken. Nur der Wettbewerb kann solche Auswüchse systematisch verhindern oder aufdecken. Den werden wir erst wieder haben, wenn wir soetwas wie Regierung auf der einen und Oppostion auf der anderen Seite haben, weil sich das dann auch in den Medien spiegeln wird.  Deshalb AfD-Wählen! Nicht weil die AfD uns rettet, bessere Politiker hat oder ein stringente Politik verfolgt, sondern wiel sie konsequente Opposition zum Mainstream ist.

Detlef Rogge / 10.04.2021

Geschichtsdokus, insbesonders solche über das Dritte Reich, sind ein Kapitel für sich. Ich würde den Machern nicht unbedingt bewußte Manipulation von Fakten unterstellen, vielmehr ein tendenziöses Ansinnen in Diktion und Auswahl des Filmmaterials, also mehr volkspädagogische, vielleicht sogar aus ihrer Sicht hehre Absichten. Neben verzerrten Darstellungen werden zudem Bewertungen mitgeliefert, die dem Betrachter die eigene Meinungsbildung weitgehend abnehmen. Das bleibt natürlich nicht ohne langfristige Wirkung, wenn man unterstellt, daß der Zeitgenosse seine Kenntnisse zur Vergangenheit wohl ausschließlich derartigen Dokus und einschlägigen Zeitungsartikeln entnimmt. Bei der Fachliteratur imponieren im Verkauf populärwissenschaftliche Werke, deren Existenz meist über Medien vermittelt werden und entweder mit exotischen Interpretationen imponieren oder in Dokus vermitteltes Halbwissen wiederkäuen. Ernsthafte Standardwerke werden vermutlich nur von einer höchst überschaubaren Leserschaft konsumiert, was am unattraktiven, meist öden Terminus der Vertreter meiner Zunft liegen dürfte und dem Leser somit einiges an Überwindung abverlangt. So bleibt es bei verzerrter, einseitiger Sicht auf die Vergangenheit, zu der zwar die wenigsten Kenntnisse mitbringen aber alle eine vorgekaute Meinung haben. Was ich eigentlich sagen wollte, Geschichtsdokus, denen es oft genug an Nüchternheit und Ausgewogenheit mangelt, mit ihrem Quasimonopol bei der Reflexion der Historie bleiben fragwürdig, wenn nicht sogar gefährlich, weil sie auf die Einschätzung der Gegenwart durchschlagen.

Arno Josef / 10.04.2021

Wer extern denken lässt und es Politik und Medien das Volk aufzuklären, an den Lippen des ÖRR hängt wird die Wirklichkeit nicht mehr erkennen. Corona befördert heute schon das Leben in der Blase, da wirkliche Kontakte, auch eher zufälliger Art, z.B. bei Veranstaltung nicht mehr möglich sind. Auslandsreisen finden so gut wie nicht mehr statt, womit die Kenntnis anderer Kulturen schwindet und das gegenseitige Verständnis schwindet. Und so wird es weiter Auftragsarbeiten, tatsächliche und vorauseilende, geben, die erzieherisch den Narrativen der Politik folgen. Nachprüfbar wird das immer weniger sein und so wächst der Einfluss staatlicher Propaganda, die die Gesellschaft aushöhlt und lenkbar machen soll. Das ist das große Ziel aller Diktaturen gewesen und so wird es immer sein. Wir sind auf dem Weg schon weit vorgedrungen, da die Medien heute staatsfinanziert oder parteiabhängig sind. Die Frage ist, wie lange es noch dauert, bis auch die letzten freien Medien verschwinden oder die Medien sich wieder die Mühe machen, ihren Müll sauber zu recherchieren. Denn eins muss auch dem letzten depperten Journalisten klar sein, irgendwann sind auch sie dran. Und sie werden die Ersten sein, die gehängt werden.

Boris Büche / 10.04.2021

Zum Thema Prostitution läuft seit Jahren eine organisierte Desinformationskampagne, auf die bisher sämtliche Print- und TV-Medien angesprungen sind, weniger der Hörfunk. Zentral agiert SISTERS e.V., eine Schöpfung der Großen Schwester (A.S.), Vereinssitz Stuttgart, Gründungsort Köln. Allerdings wird darauf geachtet, dass diese Verbindung öffentlich unsichtbar bleibt. Der Verein wurde der Öffentlichkeit 2014 im Haus der Bundespressekonferenz (Berlin) präsentiert, die Große Schwester war hierbei nicht anwesend - wohl aber zum vorbereitenden Briefing in Berlin. Die Aufmerksamkeit “der Medien” war mit dieser Positionierung gesichert. Für gute Verbindung “zur Politik” sorgt die Mitgliedin MdB Leni Breymaier (SPD). Ein besonderes Highlight, und zentrales Element der “Pressearbeit”, sind mehrere Personen, die unter der Vorgabe, ehemalige Prostituierte zu sein, das Narrativ der Schwestern so richtig zum Laufen bringen. Am prominentesten sind “Huschke Mau” und “Sandra Norak” (Pseudonyme). Die zweitgenannte trat schon mehrfach im ÖR-TV auf ( darunter ein Special eines sehr populären ZDF-Formats), mindestens einmal bei einer Veranstaltung im Bundestag, und hat sogar die Ehre eines WIKI-Eintrags erhalten. Ich habe mehrfach Journalisten, die mit diesen Personen “gearbeitet” haben, kontaktiert. Insofern eine Antwort kam: Reality-check fand nicht statt. Die nehmen das Futter, wie es kommt. ARD, ZDF, Süddeutsche - alle. Wer Fake landen will, der kann, es ist einfach. Eine Verbindung von Frau Lehrenkraus zu Sisters e.V. scheint es nicht zu geben.

Marion Knorr / 10.04.2021

Und selbst bei Tierdokumentationen wird feste nachgeholfen…

Joerg Machan / 10.04.2021

Nicht, dass es noch heißt, dass die beliebten Schulmädchenreport - Filme in den 60ern gar nicht echt, sondern nur gestellt waren. Oder ist Report etwas anderes als Doku?

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