Selbst wenn es Bewegungen und Trends in den Parteien, den NGOs und den Medien gibt, die diese Institutionen aushöhlen: Das müssen „wir alle“ nicht mitmachen. Etwas Anderes ist möglich: Mehr Demokratie wiederherstellen.
Franziskus in Assisi hatte im Jahr 1206 auf das väterliche Eigentum verzichtet. Er wollte, dass die Leute Luxus ablehnen, und den Gürtel enger schnallen und überhaupt auf Eigentum verzichten. Die Polemik des Franziskus gegen das Eigentum war gegen die aufstrebenden italienischen Städte gerichtet: Siena, Perugia, Città della Pieve – und entfernter Orvieto, Florenz –, deren herrschende Familien Märkte und Banken gründeten. Den Päpsten war die Diffamierung „der Reichen“ und des Eigentums durch den Franziskanerorden zunächst recht. Nur Papst Johannes XXII. fand das 1322 versponnen. Denn wer ein Ei oder einen Käse esse, so sagte er, müsse doch wohl eine entsprechende Rechtsposition innehaben. Also ein Eigentumsrecht auf das Ei oder den Käse. (siehe Kurt Seelmann: Relativierung von Recht und Gerechtigkeit. In: Wolfgang Pleister und Wolfgang Schild [Hrsg.]: Recht und Gerechtigkeit im Spiegel der europäischen Kunst).
Johannes XXII. war 1315 am damaligen Papstsitz in Lyon zum Papst ernannt worden und nahm dann seinen Amtssitz in Avignon. Auch abgesehen von Ei und Käse war er ein Papst des Rechts und des Gesetzes – was auch bedeutete, dass er den kirchlichen Besitz gegen die Angriffe des Franziskanerordens verteidigte.
Über den Kirchenbesitz kann man streiten. Aber richtig ist bis heute: Es gibt kein Ei ohne Rechtsposition. Rechtspositionen können auf formell gesetztem Recht und Gesetz beruhen oder auf Gewohnheitsrecht. Abgesehen vom Recht der Kirche auf ihr Eigentum gibt es auch ein Recht, das den gemeinsamen Besitz von Eigentum regelt. Oder ein Gewohnheitsrecht, das Gemeinsamkeit regelt. So kann es in einem Dorf zur Gewohnheit geworden sein, dass alle Dorfbewohner sich bei einem Bauern bei dessen Hühnern und in dessen Käserei bedienen, ohne den Bauern zu fragen und ohne zu bezahlen. So wie der heilige Franziskus das bei den Vögeln feststellte und für gut befand.
Aber man hätte bei genauerem Hinsehen wohl festgestellt, dass dieses Gewohnheitsrecht in jenem Dorf auch auf eingeübten Verpflichtungen der Dorfbewohner gegenüber jenem Bauern beruhte. Also auf Tauschbeziehungen. So hätte es sein können, dass der Nachbar vielleicht dem Hühner-Besitzer und Käse-Macher die Körner für dessen Hühner oder das Stroh für dessen Schafe lieferte. Denn es ist doch klar, dass kein Eier- und Käse-Bauer sich von den Anderen im Dorf beklauen lässt. Ebenso klar ist es bis heute, dass die Vögel, die sich bei Jemandem auf dessen Aprikosenbäume stürzen sobald die Früchte reif sind, nicht vom Herrn ernährt werden, sondern Räuber sind.
Herrchen oder Frauchen aus deren Bett schmeißen
Die ganze Welt moralisch im Blick hat bei Friedrich Schiller der stark idealisierte Räuber Moor, der sich selbst als „Bevollmächtigter des Weltgerichts" sieht. (Die Räuber, 5. Aufz., 6. Auftr. 20. Zeile) Da muss es immer die ganze Welt sein. – Wie bescheiden ist dagegen bei Lawrence Sterne der „Wichtigkeitskreis“ des Tristram Shandy. Er ist auf 4 bis 5 Meilen Umfang beschränkt: „So daß nicht nur das ganze Kirchspiel, sondern auch noch 2–3 Meilen innerhalb der Grenzen des anstoßenden Sprengels mit einbegriffen waren [...].“ (13. Kap.)
Deshalb kann der nüchterne Tristram auch in aller Bescheidenheit feststellen: „Es ist ein besonderer Segen, daß die Natur des Menschen das Gemüt des Menschen mit derselben glücklichen Abgeneigtheit und Widerspenstigkeit gegen Überzeugung ausgestattet [hat], wie man an alten Hunden bemerkt, – daß sie keine neuen Kunststücke mehr lernen wollen.“ (34. Kap.) Dem Räuber Moor ist diese glückliche Abgeneigtheit und Widerspenstigkeit gegen Überzeugung nicht gegeben. – Den Räuber*innen Moor bis heute nicht.
„Alle Grundbesitzer sollten sich vereinigen und allen Tieren die grenzenlose Bewegung auf ihren Grundstücken ermöglichen“, sagt ein gutwilliger Mensch. Aber wenn alle Grundbesitzer den Tieren die grenzenlose Verfügung über ihr Eigentum gestatten, müssen sie damit rechnen, dass sie draußen schlafen müssen. Denn nichts gefällt einem Tier besser als ein frisch überzogenes Bett. Jeder Hundesbesitzer weiß, dass sein Hund nichts lieber täte, als sein Herrchen oder Frauchen aus deren Bett zu schmeißen und selbst darin zu schlafen. Schon bei den Flintstones, den Feuersteins, ist es so, dass im Abspann jeder Flintstone-Folge Herr Feuerstein, der Hausbesitzer, abends seinen Hund vor die Tür setzt – worauf der Hund durchs Fenster wieder ins Haus zurückspringt und dann den Mr. Feuerstein rauswirft. Draußen ruft der ausgesperrte Hausbesitzer gotterbärmlich nach seiner Frau: "Wiiiiilmaaaaa!!!“
Doch, man kann!
Tobias Rapp, Spiegel-Autor im Kulturressort, schreibt über „den Klimawandel": „Es wird nicht reichen, dass ein paar gesellschaftliche Gruppen ihre Konsumgewohnheiten ändern, kein Fleisch mehr essen und E-Auto fahren. Alle müssen es tun. Die gesamte Wirtschaftsweise muss sich ändern, die Kultur – überall in der industrialisierten Welt.“ (Der Spiegel 22. Januar 2022, Seite 53)
Alle müssen es tun? Warum? Weil der Staat es will, jedenfalls der Staat, wie Rapp glaubt, den Hobbes sich vorstellte. Rapp fährt so fort: „Das ikonische Titelblatt der Originalausgabe des 'Leviathan' aus dem Jahr 1651 zeigt einen Stich. Er stellt einen König dar, der Schwert und Zepter schwingt. Der Körper des Königs aber besteht aus unzähligen Menschen. Der König, der Staat, der Leviathan, das sind wir, das sind alle. Nur deshalb kann der Staat funktionieren. Man kann es sich nicht aussuchen, ob man mitmacht.“ (Ebd.)
Doch, man kann es sich aussuchen! Hobbes selbst sah in seinem Modell ein Recht der Bevölkerung vor, den König abzusetzen, wenn er seine Macht missbraucht. Und ein paar Jahre später wies Locke auf die Macht des Parlaments hin, und danach stellte Montesquieu die Arbeitsteilung zwischen Legislative und Exekutive und auch Judikative als Voraussetzung aller Demokratie dar. Selbst wenn also der Spiegel-Redakteur genau weiß, was sich überall ändern muss, – es gibt Parlamente, es gibt freie Wahlen, und es gibt eine unabhängige Justiz. Es gibt Meinungsfreiheit und Pressefreiheit. Selbst wenn es Bewegungen und Trends in den Parteien, den NGOs und den Medien gibt, die diese Institutionen aushöhlen: Das müssen „wir alle“ nicht mitmachen. Etwas Anderes ist möglich: Mehr Demokratie wiederherstellen.
Dieter Prokop ist Prof. em. für Soziologie an der Goethe-Universität Frankfurt. Die hier präsentierten Artikel sind vom Autor bearbeitete Auszüge aus seinem neuesten Buch: „Bevollmächtigte des Weltgerichts".
Beitragsbild: Pixabay
Der Spiegel-Schreiberling mag formal gebildet sein und sicher fühlt er sich moralisch überlegen, aber er ist auch nur ein weiteres Beispiel dafür, wie man „smart but stupid“ sein kann. Diese Typen sind im Grunde Schmarotzer, die von anderer Leute echter Arbeit leben und zum Dank genau diese Leute, da kleinbürgerlich zurückgeblieben, beschimpfen. Die Position zur De-Industrialisierung, sprich zur Plan-Verarmung der westlichen Länder, ist auf so vielen Ebenen gleichzeitig extrem ignorant, oder auf deutsch strunzdumm. Die ganze Intellektualität führt nur zu grobkörnigem geiferndem Geschwätz. Damit werden die Öko-Terroristen geistig vorangetrieben, als Sturmtruppen des Öko-Stalinismus. M.a.W., aber wem sage ich das in diesem Forum, er ist ein autoritärer Brandstifter, der gesellschaftlich geächtet gehört. Oder auch einfach komplett missachtet, gar nicht erst ignoriert. Wer liest denn eigentlich überhaupt noch das Magazin? Wie schmerzfrei muss man dafür sein? Kommen die überhaupt noch über die Runden ohne reichlich Staatsknete? Und wie ist der Brennwert? Oder kann man wenigstens Fisch darin einwickeln? Aber welchem Fisch will man das schon zumuten.
Das müssen „wir alle“ nicht mitmachen. Etwas Anderes ist möglich: Mehr Demokratie wiederherstellen: Tatsächlich? Wie denn? Denn dafür ist kein Umsturz oder Hinwegfegen nötig, sondern gezielte Änderungen. Und zwar nicht hier ein Flöckchen und dort ein Flöckchen, sondern ineinandergreifend und übergreifend. Das Parlament hat kein Interesse und kein Wissen, die Gerichte lassen der Politik als der Legislative freien Lauf und die Medien? Lieben Planwirtschaft und haben kein Wissen.
Klar, kann ich mich über einzelne Regeln hinwegsetzen. Aber das macht unsere Demokratie an sich ja nicht besser. Es erhöht den Pegel der Freiheit nicht, nur weil ich sie mir nehme.
Was heißt hier, „alter Hund will nix mehr lernen“? Wir Alten können durchaus „einen sehr bissigen Schweinehund haben“ und „den politischen Arschgeigen das Gesäß aufreissen“, die uns „mit Maskenpflicht“ knicken wollten, ohne damit zu rechenen „dass wir Alten eine Souveränität im Leben erreichten“, und „den Arschgeigen im Club der Anonymen Multimillionäre“ die „mühsamen GEZ-Images von der Fresse fetzen“ können, „weil wir es echt drauf haben“. Die Oberidioten haben doch „den Streit mit uns förmlich täglich gesucht“ und das über 2,5 Jahre lang. Das sind „solche mickrigen Idioten, die glauben, das hätte keine Folgen für sie“ und wir würden ihnen etwa die Füsse küssen? Eher werden wir sie hetzen, als uns weiter ver@rschen lassen, „wohlan ich geh voran mit`m guten Hammer zum Amboss, das Lebensglück zu schmieden“. Auch das Klima hat Thor zu allen Zeiten selbst geschmiedet, „als souveräne Originale ihr Schicksal in Eigenregie organisierten“, „da brauchte keine Sau Klima-Schweine-Prister“ aus „London und New York“ die „als Schutzgelderpresser die Mafia kopieren“.
Ich leiste meinen Beitrag zur re-demokratisierung der Gesellschaft indem ich immer meine ehrliche Meinung sage und dadurch als moralisches Vorbild diene. Bei uns in Wien herrscht noch die Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln, aber ich gehe stets mit gutem Vorbild voran und zeige stolz mein Gesicht. Wenn ich den Kontrolleur ganz böse ansehe, dann traut er sich nicht mich anzusprechen. Immer mehr freie Menschen tragen keine Maske mehr und die Kontrolleure ignorieren sie, vor allem wenn sie in kleinen Gruppen auftreten. So dienen wir wenigen weißen alternden Männer freien Geistes und frohen Mutes der irregeführten Jugend zur moralischen Erbauung.
Es ist ein Kennzeichen von autoritären Regimen, dass alle mitmachen müssen!……In der Demokratie kann man mitmachen, aber auch einfach Nein sagen und das Gegenteil machen – ohne dass man dafür geächtet oder bestraft wird. Demokratie ist Kür, nicht Pflicht!
Mit dem Kauf eines E-Autos kann man sich heute den „Guten“ zurechnen und findet man Anerkennung
in gleichgesinnten Kreisen.
Natürlich ist es dann möglich, auch weiterhin eine große Villa zu beheizen, eine Yacht mit Dieselmotor zu fahren
und mit Kerosin betrieben um die Welt zu jetten, seinen Teil hat man ja getan.
Zitat: „Das müssen “wir alle„ nicht mitmachen. Etwas Anderes ist möglich: Mehr Demokratie wiederherstellen.“
Diese Aussagen sind ein schönes Märchen. Das, was der Autor oben schreibt, kann man vielleicht den Kindern in der Schule erzählen. In der Realität aber haben die Bürger keine Möglichkeit, die aktuelle Entwicklung zu stoppen oder sogar umzukehren, zurück zur Demokratie. Bestes Beispiel ist doch die DDR. Über 40 Jahre ließen sich hier die Bürger einsperren. Das war erst dann zu Ende, als die DDR wirtschaftlich am Ende war und die politische Führung gleichzeitig keine Unterstützung mehr aus der Sowjetunion bekam. Es waren ursächlich nicht die Bürger der DDR, die das Ende der DDR herbeigeführt haben, auch wenn man das heute so verkaufen will. Und wenn die einzelnen Bürger ihr finanzielle Existenz einigermaßen sichern wollen, dann „müssen sie alle sehr, sehr viel mitmachen“, und sie tun es deshalb logischerweise auch.