Seit Monaten muss sich Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) im nordrhein-westfälischen Landtag immer wieder deutliche Kritik für seine Islamismus-Politik anhören. Warum tut er so wenig gegen Graue Wölfe und Co.?
„Sie inszenieren sich als ,Law and Order'-Mann, aber hinter der Fassade ist nichts", kritisierte ihn die SPD-Politikerin Christina Kampmann. „Sie tun nichts, und das wird Ihnen eines Tages auf die Füße fallen." Die FDP-Fraktion warf Reul einen „Mangel an Entschlossenheit" vor. Es müsse mehr getan werden, damit Salafisten-Prediger dem Staat „nicht auf der Nase herumtanzen", forderte deren Abgeordneter Marc Lürbke. Was die schwarz-grüne Landesregierung dem zu erwidern hatte, wirkte eher kläglich: So verteidigten seine Parteikollegen Reul mit dem Hinweis auf dessen Beliebtheitswerte. Die Grünen-Politikerin Julia Höller empörte sich über Lürbkes Wortwahl, verzichtete aber auf eine inhaltliche Reaktion.
Auslöser der Erörterungen waren Berichte über eine „Scharia-Polizei" an einer Neusser Gesamtschule sowie bundesweit bekannte Salafisten-Prediger, die immer häufiger ungehindert durch das Land touren und dabei vor Tausenden ihrer Anhänger auftreten. Damit stand auch Reuls Politik, sich bei der Bekämpfung des Islamismus faktisch ausschließlich auf Prävention zu verlassen und repressive Maßnahmen abzulehnen, erstmals im Parlament zur Debatte.
Herbert Reul selbst tat, was er immer tut, wenn er auf wachsenden Islamismus angesprochen wird: Er verwies darauf, das 2014 gestartete Islamismus-Präventionsprogramm „Wegweiser" in seiner Amtszeit deutlich ausgebaut zu haben. Dass das Programm erfolgreich sei, sei an der steigenden Zahl der Beratungsfälle ersichtlich, argumentierte der CDU-Politiker. Tatsächlich sagt diese Zahl aber nur etwas über die wachsende Größe des Problems und nichts über den Erfolg des auf Freiwilligkeit basierenden Programms aus. Zahlen erfolgreich abgeschlossener Beratungsfälle gibt es bis heute nicht. Damit verwundert nicht, dass einzelne Fachleute das Programm, das den Steuerzahler zuletzt mehr als 5,5 Millionen Euro jährlich gekostet hat, für wirkungslos halten.
Beginnt für Reul Islamismus erst beim Sprenggürtel?
Dennoch bleibt Herbert Reul dabei, sich nur auf Prävention zu verlassen: Als Christina Kampmann nach einem Auftritt des Mönchengladbacher Salafisten-Predigers „Abu Alia" alias Efsthathios T. in Minden von ihm wissen wollte, mit welchen Maßnahmen er solchen Veranstaltungen entgegenwirke, verwies er erneut auf „Wegweiser" und fügte hinzu: „Sensibilisierungsmaßnahmen und Medienkompetenzworkshops, die beispielsweise von Schulen angefragt werden können, ergänzen das Angebot." Dass sich Hardcore-Salafisten wie „Abu Alia" und dessen Anhängerschaft von derlei Maßnahmen nicht beeindrucken lassen, dürfte jedoch auf der Hand liegen.
Über die Gründe von Reuls starrer Haltung wird selbst in seiner eigenen Partei bis heute nur hinter vorgehaltener Hand spekuliert. Für ihn „beginne Islamismus erst beim Sprenggürtel", munkelt so mancher Beobachter. Für diese Theorie spricht, dass sich Reul unaufgefordert stets nur dann zu Islamismus äußert, wenn es um die Verhinderung jihadistischer Anschläge geht. Dass ihm diese große Sorgen machen, war seinen nervösen Auftritten vor der Fußball-Europameisterschaft deutlich anzumerken. Oder seinen Ausführungen zum Duisburger Messer-Attentäter Maan D.: Der Flüchtling hatte sich im April 2023 selbst zum IS-Mitglied gemacht, ein Zufallsopfer mit 28 Messerstichen getötet und Tage später mehrere Männer in einem Fitness-Studio schwer verletzt. Vor Gericht kündigte der Syrer an, weitere „Ungläubige" töten zu wollen. Dass Reul auch mehr als ein Jahr später bei seinen Ausführungen noch immer auf diesen Anschlag zurückkommt, lässt erahnen, welchen Schock ihm das versetzt haben muss.
Wenn es jedoch um legalistischen Islamismus geht, etwa den der in NRW besonders aktiven Anhänger der Muslimbruderschaft oder den der türkisch-rechtsextremen Grauen Wölfe, äußert sich Reul stets nur dann, wenn er direkt darauf angesprochen wird. Diese Bewegungen scheinen ihm also nur wenig Kopfschmerzen zu bereiten. Für Experten wie auch für Verfassungsschützer ist das unverständlich, denn Jihadisten und legalistische Islamisten mögen völlig unterschiedliche Vorgehensweisen haben – in ihren Zielen aber unterscheiden sie sich kaum.
Eine andere Theorie besagt, es sei der ehemalige Lehrer in Herbert Reul, der so fest an padägogische Ansätze glaube. Tatsächlich hatte Reul Erziehungs- sowie Sozialwissenschaft studiert und war vor seiner politischen Karriere als Studienrat tätig. Kaum erörtert wird jedoch, welche Lage er vorfand, als ihn der damalige CDU-Landeschef Armin Laschet 2017 zum Innenminister machte.
Unter Armin Laschet traten immer mehr Graue Wölfe in die CDU ein
Laschet stand in dem Ruf, nicht zwischen Islam und Islamismus zu unterscheiden. Damit wurde es bereits lange vor 2017 möglich, dass immer mehr Graue Wölfe in die NRW-CDU eintraten. Dass die Delegierten beim Bundesparteitag 2016 in Essen auf Laschets Empfehlung hin mehrheitlich gegen einen entsprechenden Unvereinbarkeitsbeschluss stimmten, erlaubte ihnen auch die CDU-Mitgliedschaft. Parallel dazu sorgten Laschet und seine Vertraute Serap Güler für gute Kontakte der Landespartei zum Zentralrat der Muslime (ZMD). Gründungs- und größtes Mitglied im ZMD aber ist die vom Verfassungsschutz beobachtete Graue-Wölfe-Organisation Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa (ATIB). Und auch wegen der Bezüge einzelner Mitglieder zum Spektrum der Muslimbruderschaft gilt der ZMD als umstritten. Vermutlich wegen solcher Verbindungen gibt der Verband seit 2016 keine Mitgliedsliste mehr bekannt.
Damit war Herbert Reul, der zum Zeitpunkt seines Amtsantritts deutlich weniger innerparteiliche Macht als Laschet oder Güler hatte, von Anfang an in der Position, diese leichtsinnig anmutende Politik gegen Kritik verteidigen zu müssen. Und dem kam der heute 71-Jährige mit schon fast beeindruckender Chuzpe nach: Wenn etwa die AfD-Landtagsfraktion nachfragte, wie er dazu stehe, dass Graue Wölfe in seiner Partei kommunalpolitisch aktiv sind, antwortete Reul stereotyp, die CDU sei „kein Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes". Seine kurzen und lapidaren Antworten wirkten stets, als ob ihn derlei Verstrickungen seiner eigenen Partei nicht weiter interessierten.
Als die NRW-Regierung 2019 zunehmend für ihre Zusammenarbeit mit dem ZMD kritisiert wurde, lief Reul gar zur Hochform auf und verteidigte die Kooperation im Plenum mit der Begründung, der ZMD habe gemeinsam mit Juden ein Projekt gegen muslimischen Antisemitismus initiiert. Dabei verschwieg er die Tatsache, dass die muslimischen Initiatoren des Projekts auffällige Bezüge zum Spektrum der Muslimbruderschaft hatten, ebenso wie den Umstand, dass Serap Güler erst im Jahr zuvor dafür gesorgt hatte, dass das fragwürdige Projekt, das sich später als nutzlos erwies, mit Steuermitteln in Höhe von 160.000 Euro jährlich finanziert wurde.
Ähnlich reagierte er, als 2023 bekannt wurde, dass die ATIB-Generalsekretärin und ZMD-Vizevorsitzende Özlem Basöz Mitglied der CDU Hagen ist. Durch eine Nachfrage eines Journalisten aufgeschreckt, leitete der Hagener Kreisverband schnell ein bis heute andauerndes Parteiausschlussverfahren ein. Reul aber antwortete auf die Frage, wie er den Vorgang bewerte, gewohnt lapidar: „Die Landesregierung hat die Mitgliedschaft einer Person in einer politischen Partei nicht zu bewerten."
Landesverfassungsschutz warnt, ohne CDU zu nennen
Dass Laschet und Güler 2021 nach Berlin gingen, änderte nichts an den Rahmenbedingungen. So machte Laschets Amtsnachfolger Hendrik Wüst schnell deutlich, dass auch ihm an einem guten Verhältnis zum ZMD gelegen sei. Und auch daran, mit den Grauen Wölfen in seinem Landesverband aufzuräumen, zeigte Wüst keinerlei Interesse. So darf etwa ein türkischstämmiger Kommunalpolitiker, dessen Bezüge zu den Grauen Wölfen bereits mehrfach Gegenstand medialer Berichterstattung waren, die CDU bis heute im Duisburger Stadtrat vertreten. Und auch in Neuss trennte sich die CDU erst von einem bekannten Graue-Wölfe-Funktionär, nachdem dessen Moschee 2023 wegen der Hetzrede eines türkischen Politikers in bundesweite Schlagzeilen geriet.
Derlei Entwicklungen riefen jedoch den Landesverfassungsschutz auf den Plan. So warnte dessen Chef Jürgen Kayser Anfang des Jahres vor einer Unterwanderung demokratischer Institutionen durch die Grauen Wölfe. Ähnlich wie die Muslimbruderschaft versuchen sie, an Parteien anzudocken oder eigene Protagonisten in Kommunalparlamente oder den Landtag zu bringen, erläuterte er. Dazu, über welche Parteimitgliedschaften Graue Wölfe oder Muslimbrüder Anschluss an das demokratische Spektrum suchen, sagte Kayser jedoch kein Wort. Das wäre für einen Verfassungsschutzchef in einem CDU-geführten Innenministerium auch kaum karriereförderlich gewesen.
Nur waren in den letzten zehn Jahren fast alle kommunalpolitisch aktiven Grauen Wölfe, die in NRW „aufgeflogen" sind, CDU-Mitglieder. Und damit wirkte Kaysers Warnung wie eine versteckte Botschaft, dass der Verfassungsschutz Reuls Politik, Islamisten mit CDU-Parteibuch zu verschonen, nicht mehr mitzutragen bereit ist.
Spätestens damit könnte die Strategie des ehemaligen Lehrers, bei der Islamismus-Bekämpfung voll und ganz auf Prävention und damit auf Einsicht zu setzen, sich gleichzeitig nach außen hin als Hardliner zu präsentieren und obendrein auch noch die eigene Partei zu schützen, nach sieben Jahren nun doch noch ins Wanken geraten. Denn inzwischen muss Herbert Reul bei jeder neuen Nachrichtenlage zum Islamismus fürchten, wieder im Landtag „gegrillt" zu werden. Und darauf, dass der Verfassungsschutz weiter wegschaut, wenn ihm bekannte Graue Wölfe oder andere Islamisten auf CDU-Listen auftauchen, kann sich Reul auch nicht mehr verlassen.
Peter Hemmelrath arbeitet als Journalist und Gerichtsreporter.
Beitragsbild: Foto-AG Gymnasium Melle, CC BY-SA 3.0, Link>via Wikimedia Commons

Ja, vielen Dank! Ich erkenne daraus, dass es Hellgrau und Dunkelgrau gibt. NRW, wo liegt das eigentlich. Und wie wird man dort Innenminister? Wenn ich das Bild sehe, bleibt sogar meine Funkuhr stehen. Das ist wirklich jetzt erst vor Kurzem passiert? Und hat man ihn denn aus dem Treibsand wieder befreien können, oder ist er jetzt ganz verschwunden. Die Wölfe können ihm ja offensichtlich nicht helfen. Die haben ja gar keine Hände frei. Deshalb sicher sein schmerzhaftes Gesicht. Bei uns sagt man immer: Seine Eltern kann man sich nicht aussuchen, aber seine Freunde.
Der Islamismus ist weder eine gewalttätige Variante des Islam noch seine Perversion, sondern schlicht die konsequente Praktizierung all der Regeln und Anweisungen, die in den schriftlichen Quellen dieser Ideologie als unveränderbar niedergelegt sind.
Der Begriff wird im Polit-Sprachgebrauch gern im Sinne einer bad bank genutzt, in die alle problematischen Aspekte des Islam ausgelagert werden können. Damit erspart man sich die Peinlichkeit einer Erklärung, warum eigentlich dringend notwendige Konsequenzen nicht auf’s Gleis gesetzt wurden und noch immer nicht werden, obwohl die Not immer größer wird.
Irgendwie habe ich den Eindruck, dass bei der Fotomontage noch Luft nach oben ist … wenn man liest, dass „irgendwas mit Wölfen“ kommt, finde ich grinsende Huskies einfach fehl am Platz.
Die „Grauen Wölfe“ sind Nationalisten, Chauvinisten und Faschisten – was absolut nichts mit dem Islam zu tun hat. Der spielt bei denen, wie auch ähnlichen Bewegungen (Baath-Partei) nur eine untergeordnete Rolle als Bestandteil der Kultur und Geschichte, oder gilt gar als rückständig und mittelalterlich. Zweitens: „Islamismus“ gibt es ebenso wenig, wie Christianismus oder Buddhistismus. Es gibt Menschen, die den Glauben fanatisch ernst nehmen und andere, die ihn nur lax betreiben. Drittens: Die faschistischen Wolfsgrüße anderer Leute gehen uns einen feuchten Kehricht an. Haben die Linksgrünwoken nicht mit dem Verfolgen von Döp-Dödö-Döp-Sängern und Herrn Höcke genug zu tun? Und sollten wir nicht zuallererst die Linksgrünwoken entmachten, ehe wir uns mit Islam und Wolfsgrüßern ablenken lassen?
Während der Staat und seine Organe „Döp-Dö-Dö-Döp“-Gesänge strafrechtlich verfolgen, damit die Bevölkerung wunderbar ablenkt, bereitet die EU und Deutschland einen Angriffs-Krieg vor. Das FDP Brechmittel freut sich über die Stationierung von Langstreckenwaffen „…Die USA in Deutschland von 2026 an zeitweise Marschflugkörper vom Typ Tomahawk und andere weitreichende Waffen stationieren. Das wurde am Mittwoch in Washington vereinbart.“ Klar mit dem grenzdebilen Biden, solange er noch da ist, kann man es machen. Damit nicht genug. Die Kriegswirtschaft wird mächtig angekurbelt. „Die EU-Kommission legt eine Industriestrategie (EDIS) und ein Industrieprogramm (EDIP) für den Rüstungsbereich vor…Dabei entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet die ansonsten neoliberal bis ins Mark daherkommende EU-Kommission damit Befugnisse erhalten will, um “Eingriffe in die Grundrechte der Unternehmen„ (EDIP: Artikel 61) vornehmen zu können – augenscheinlich stoßen die vielbeschworenen Freiheiten des Marktes bei Aufrüstungsfragen inzwischen an ihre Grenzen.“ Selbstverständlich wird mit den NATO Grauen Wölfen erst recht seitens Adenauer Zentrum gereult und die Industrie flüchtet vor der Enteignung vorausschauend. Da muss Deutschland die Sprengstoffe/Dünger mit Devisen bezahlen.
@Leo Hohensee : „Der mutige und verantwortungsbewusste Herr Orban wird verunglimpft“ . Ja, das ist deprimierend ! Noch viel deprimierender freilich ist , daß der mutige und verantwortungsbewußte Herr Schröder hierzulande so verunglimpft wird . Diese beiden lieben doch alle, alle Menschen und setzen sich doch dafür ein ! Für solche Mutproben gibt es historische Vorbilder : „Am 10. Mai 1941 flog Rudolf Heß in das Vereinigte Königreich, um die britische Regierung zu einem Friedensschluss zu bewegen“(Quelle Wikipedia) . Schon damals kein Dank von keiner Seite !
Herbert Reul ist genau so ein Schaumschläger wie Boris Pistorius. Als niedersächsischer Innenminister erklärte Boris Pistorius man müsse „den Menschen“ nur den Unterschied zwischen Islam und Islamismus erklären dann wäre alles gut. Auf diese Erklärung VON IHM warten die Menschen noch heute! Als niedersächsischer Innenminister hat er, meiner Meinung nach, versagt. Die Salafistenhochburgen Hildesheim, Wolfenbüttel und Salzgitter sprechen eine überdeutliche Sprache. Apropos: Wenn ich mir Wissen aneignen will höre ich mir echte Wissenschaftler an die sich mit einem Thema auskennen. Dazu gehört in diesem Fall der emeritierte Islamwissenschaftler Prof. Tilman Nagel. Seine Vorträge und Bücher sind Rosen in einem Distelwald. Zu Erklärung von Politikern in den letzten Jahren äußerte sich Rolf-Dieter Krause, nachhaltig Zitat: „Politiker haben uns belogen das es nur so krachte!“. Deswegen: Glaubt den Lügnern einfach nichts mehr….