Peter Grimm / 08.11.2018 / 11:00 / Foto: Bildarchiv Pieterman / 11 / Seite ausdrucken

Der MDR spart sich Nachrichten

Eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt mit derzeit acht Radioprogrammen möchte beim Hörfunk Geld sparen. Man könnte nun überlegen, sich vielleicht von einer Welle zu verabschieden, weil vergleichbare Inhalte von privaten Stationen hinreichend angeboten werden und ein gebührenfinanziertes Programm für die entsprechende Zielgruppe nicht unbedingt nötig sei. Gelegentlich wurde ein solcher Vorschlag früher auch mal laut geäußert. Wer das tat, bekam umgehend eine klare Antwort: Jede Welle gehöre zum öffentlich-rechtlichen Programmauftrag, denn nur so kämen auch Zielgruppen in den Genuss von für sie eigens zugeschnittenen Informationsformaten. Sonst wären diese Hörer ja nahezu nachrichtenfreien Musikprogrammen ausgeliefert, quasi inhaltsleerem Dudelfunk.

Die MDR-Jugendwelle Sputnik ist nun Ziel von Sparmaßnahmen des Hauses. Aber keine Angst, der Sender soll nicht abgeschaltet werden, nur eigene Nachrichten soll es nicht mehr geben. Ausgerechnet die könne man sich sparen, heißt es. Nur noch morgens zwischen fünf und neun Uhr wird der Sputnik-Hörer künftig mit Informationen belästigt, danach soll sich offenbar keiner mehr darum kümmern, Informationen für die Sputnik-Zielgruppe aufzubereiten und diese dann zu verbreiten. Der Dresdener Medienblog Flurfunk berichtet:

„Werktags werden nur noch eigenproduzierte Nachrichten während der Morningshow "SPUTNIK TAG und WACH" zwischen 5 und 9 Uhr gesendet. Danach wird es weiterhin den Infoblock mit Wetter und Verkehr halbstündig geben – eigene Nachrichten sind aber nach 9 Uhr nicht mehr vorgesehen. Auch am Wochenende will die Welle keine eigenproduzierten Nachrichten mehr bringen.

Über diesen Schritt sind die Mitarbeitenden am vergangenen Dienstag, 30.10.2018, während einer kurzfristig einberufenen Redaktionskonferenz von Hörfunkdirektorin Nathalie Wappler Hagen, Kathrin Ruther, die die Jungen Angebote im MDR koordiniert, und Sputnik-Programmchefin Jana Cebulla unterrichtet worden.“

Der MDR habe dem „Flurfunk“ bestätigt, dass Sparbemühungen ein Grund für diese Maßnahme seien.

Abschiedsgeschenk an den MDR?

Nun fällt diese Art des Sparens der Frau Wappler Hagen sicher nicht so schwer, denn das ist ja gewissermaßen ihr Abschiedsgeschenk an den MDR, bevor sie ihn für die nächste Karrierestufe wieder in Richtung ihrer Schweizer Heimat verlässt. Im Hause soll es unter den Mitarbeitern – kaum überraschend – einigen Unmut geben. Dabei ist die Anhänglichkeit an frühere Informationsgewohnheiten wahrscheinlich nicht nur teuer, sondern beinahe reaktionär. Gerade in den heutigen Zeiten, in denen Journalisten dazu aufgefordert werden, vor allem die richtige Haltung zu zeigen und nicht einfach Informationen zu verbreiten, darunter vielleicht sogar solche, die zwar stimmen, aber von den Falschen für sich genutzt werden könnten.

MDR-Sputnik ist selbstverständlich nicht reaktionär. Damit keiner auf die Idee kommt, das nachrichtenbefreite Programm wäre dann ein Dudelfunk, auf den die Gebührenzahler verzichten könnten, teilt die MDR-Pressestelle mit, wie die weitere inhaltliche Betreuung der jungen Hörer aussehen soll. In der Antwort auf entsprechende „Flurfunk“-Anfragen heiße es, dass MDR-Sputnik in Zukunft verstärkt auf hintergründige Inhalte und Einschätzungen im Programm setze, "um seinem Publikum Orientierung zu geben und einzuordnen, was politische und gesellschaftliche Ereignisse für das eigene Leben bedeuten."

Also Orientierung und Einordnung statt Information? Kann also gespart werden und gleichzeitig ist das Ergebnis noch volkspädagogisch sinnvoll? Nein, genug solcher Fragen. Es ist auch ungerecht, denn der MDR-Hörfunk spart nicht nur an den Nachrichten. Betroffen von den Kürzungen sei beispielsweise auch MDR Kultur. Dort dürften künftig weniger Beiträge und Hörspiele produziert werden. Vielleicht haben die MDR-Sparkommissarinnen irgendwie vergessen, dass es in ihrem Programmauftrag, der die Zwangsabgabe zu ihren Gunsten legitimiert, vor allem um Angebote geht, die Information, Bildung und Kultur dienen und nicht um vormundschaftliches „Haltung zeigen“.

Der Beitrag erschien auch hier auf sichtplatz.de

Foto: Bildarchiv Pieterman

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Leserpost (11)
Wiebke Lenz / 08.11.2018

Sie sehen das vollkommen falsch, Herr Grimm. Zwischen 05:00 und 09:00 h hören die meisten der angesprochenen Zielgruppe den Sender. Und den Rest des Tages bzw. am Wochenende sollen die Hörer doch nicht von unschönen Bildern - äh, Nachrichten selbstredend - verstört werden ...

Andreas Rochow / 08.11.2018

Mirko Drotschmann, als YouTuber “MisterWissenToGo” ist der Prototyp des Prototyp öffentlich-rechtlicher Propaganda. Selbstverständlich tritt er bei YouTube als Privatmann auf und verrät nicht, dass er ein Mitarbeiter des MDR ist. Seine Videos sind professionell und aufwendig produziert. Das Geld des Zwangsgebührenzahlers muss ja irgendwo herkommen. Die Verlockung, anhand der Klickzahlen die Reichweite und anhand der Kommentare die Wirkung kontrollieren zu können, reizt auch die öffentlich Rechtlichen. Sie wuchern in die gängigen Netze, und betreiben in kognito auf YouTube eine zunehmende Anzahl von Kanälen. Das ist nicht kostenneutral. Da muss an anderer Stelle gespart werden.

Jeremias Germar / 08.11.2018

Hallo Peter Grimm und die, die es betrifft: „Die Deutsche Welle schaltet ihre Kommentarfunktion im Netz wegen zu vieler Hassbotschaften ab. In letzter Zeit sei der Diskurs von persönlichen Beschimpfungen, Beleidigungen und rassistischen Äußerungen geprägt worden, die auf der DW-Seite nichts zu suchen hätten, erklärte Chefredakteurin Ines Pohl. Die Entscheidung sei schwergefallen. Denn gerade die Deutsche Welle kämpfe für einen offenen Austausch von Argumenten. Unter Alias-Namen hätten zuletzt aber die immer gleichen User die DW-Kommentarfunktion genutzt, um ihre Hassbotschaften zu verbreiten.“ Unternehmen, die in Achgut inserieren, einem Hassblog der besonderen Art, angeheizt durch Broder, Maxeiner, Lengsfeld und andere Schwindsüchtige, als auch einem Klientel, das sich in Hasstiraden gegenseitig übertrifft, sollten wissen, wen sie unterstützen, wenn sie in Achgut Inserate schalten.

Hjalmar Kreutzer / 08.11.2018

Ich bin dafür. STEUERFINANZIERT 1 (ein) UKW- bzw. Digital-Nachrichtenradio, einen Fernsehsender, gespeist durch RND. „Kommunique der Partei- und Staatsführung“. Alles andere, wenn gewünscht per Bezahlfernsehen oder -Rundfunk, buchbar als Paket oder flatrate mit Smartcard oder log in im www oder werbefinanziert. Muss sich am Markt bewähren oder pleite gehen. Ich lebe sehr gut mit Dudelfunk oder Klassik via Internetradio oder youtube. Für Informationen lese ich hier die „Morgenlage“, schön, wenn da mal nichts dudelt, für lokale Nachrichten bin ich dann leider wieder auf eine RND-Zeitung angewiesen. Was brauche ich also NICHT? GEZ! Auch der Alternativvorschlag des bösen, bösen Populisten Lutz Bachmann hatbseinen Reiz. Die politischen Parteien erhalten prozentual zu ihren Wahlergebnissen öffentlich-rechtliche Sendezeit, auch reihum zur Primetime, um ihre jeweiligen Meinungen und Kommentare kundzutun. Dazu ein offenes Bürgermikrofon, wo jeder seine Meinung als podcast oder videoclip veröffentlichen kann.

Karla Kuhn / 08.11.2018

Mal ganz ehrlich. welcher Jugendliche hört noch Nachrichten ?? Ich bin oft mit der S Bahn unterwegs,wenn Schüler verschiedener Schulen Schulschluß haben. Ich habe noch nie mitbekomme, daß auch nur ein Schüler Nachrichten hört. Entweder spielen sie auf ihrem Smartphone, hören Musik oder unterhalten sich. Die Jugendlichen, die ich kenne , werden in ihrem Elternhaus informiert, manchmal nebenbei, manchmal mit Interesse. Das merke ich auch an manchen Gesprächen. von anderen Jugendlichen.  Ich wurde schon als kleines Kind -indirekt- mit einbezogen. Wenn mein Vater und seine Verlagskollegen heftig debattiert haben, habe ich meine Ohrwascheln aufgesperrt und mitgehört.

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