Gastautor / 28.05.2019 / 16:00 / Foto: EPP / 35 / Seite ausdrucken

Der Kurzschluss

Von Roland Wolter.

Sebastian Kurz hat keineswegs wie ein Staatsmann gehandelt. Er hat mit der Auflösung einer Regierung, mit deren Arbeit der Großteil der Bevölkerung zufrieden war, eine kurzsichtige und unüberlegte Aktion gestartet. Kann sein, dass er anfangs glaubte, sehr schlau zu sein, am Ende hat er sich aber selbst ein Bein gestellt. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als unter die Fittiche des Bundespräsidenten kriechen, damit‘s der Opa wieder richtet, nämlich den Pallawatsch, den der Enkel angerichtet hat. Was die beiden zusammengeschustert haben, hat aber keine Woche gehalten. Gescheiter wäre es von Van der Bellen gewesen, die Rücktritte der FPÖ-Minister außer dem von Strache abzulehnen, und Kurz eine Nachdenkpause zu verordnen. Aber es wollte ja keiner nachdenken, alle wollten sich nur empören und nebenbei Kickl loswerden. 

Es war kein staatsmännisches Verhalten, dass Kurz unter fadenscheinigem Vorwand gegen Kickl, den besten Mann der FPÖ, vorging. Ein Staatsmann hat es nicht nötig, den Moralapostel zu spielen, und es war zu offensichtlich, dass Kurz nur versuchte, sein eigenes Süppchen zu kochen. Er hat geglaubt, die Partei wäre mit dem Ende Straches so angeschlagen, dass er ihr den finalen Punch versetzen und sie fortan am Nasenring durch die Manege ziehen könnte. Mit dem Hintreten auf den Koalitionspartner hat er keine Charakterstärke, sondern nur Opportunismus bewiesen. Aber allem Anschein nach konnten er und seine Berater keine drei Schritte voraus denken. Dass er sich verrechnet und eine Dummheit begangen hat, merkte er erst, als es zu spät war.

Viele sagen, Kurz hätte die FPÖ entzaubert. Davon kann keine Rede sein, das Gegenteil war der Fall. Die fähigen Minister waren jene der FPÖ, die haben ihre Hausaufgaben gemacht, allen voran Kickl, der unbeirrt alle Wahlversprechen der FPÖ abarbeitete. Als Innenminister hatte er naturgemäß am meisten mit den Problemen, die die unkontrollierte Migration geschaffen hatte, zu tun. Und er ging die Probleme im Sinn der Mehrheit der Österreicher an. Dass dabei ständig die Asyllobby aufjaulte, bewies nur, dass er die richtigen Maßnahmen einleitete, um das Chaos aus dem Jahr 2015 aufzuarbeiten. Kurzens Entscheidung, Kickl zu entlassen, obwohl er sich nichts zuschulden kommen ließ, kann nur als kalter Putsch bezeichnet werden. Der neue FPÖ-Parteichef Hofer sagte zu recht in einem Interview, dass die Menschen ein Gespür dafür haben, wann jemandem Unrecht getan wird.

Doch auch der Verkehrs- und der Verteidigungsminister machten einen guten Job. Ob die Entscheidung der Außenministerin klug war, nach dem Rückzug der FPÖ-Minister in der Regierung zu bleiben, kann bezweifelt werden, aber auch sie hat trotz Kritik durch Medien und Opposition ihre Sache nicht schlecht gemacht. Die unfähigen Minister fanden sich dagegen alle in den Reihen der ÖVP, und zwar weil Kurz viele Posten nur nach Loyalität und nicht nach Kompetenz besetzte. Unfähig bedeutet weniger, dass sie Fehler begangen hätten, sondern dass sie dort, wo Handeln erforderlich gewesen wäre, untätig geblieben sind. 

Sich bei Prominenten der Kultur- und Medienszene einschleimen

Allen voran ein Justizminister, der bei Amtsantritt groß von Reformen redete, aber während dessen Amtszeit ein Justizskandal den anderen jagte. Er hat es zugelassen, dass unter seinen Augen beim Verfassungsschutz eine Hausdurchsuchung durchgeführt wurde und anschließend beschlagnahmte Dokumente in der Öffentlichkeit auftauchten, womit der österreichische Verfassungsschutz international diskreditiert wurde. Er hat nichts getan, um diesen Geheimnisverrat aufzuklären. Doch um ihm Schützenhilfe zu geben, versuchte die Presse, die Sache dem Innenminister Kickl in die Schuhe zu schieben. Der war dafür aber gar nicht zuständig und für Staatsanwälte auch nicht weisungsbefugt. 

Dazu ein Bildungsminister, der zu skandalösen Vorkommen an österreichischen Schulen schweigt oder nur Wischiwaschi zu Protokoll gibt. In Wiener Schulen wurden Lehrer von Schülern mit Migrationshintergrund gemobbt, was zu tätlichen Angriffen im Unterricht führte. Aber die Lehrer sind dagegen machtlos, denn wenn sie sich wehren, dann drohen ihnen statt den Schülern Disziplinarverfahren. Andere Migranten bedrohten Mitschüler, stalkten und belästigten Mitschülerinnen, und die einzige Konsequenz war, dass sie in andere Klassen gesteckt wurden, damit auch die in den Genuss dieser Talente kommen. 

Eine besondere Figur ist aber der Kanzleramtsminister, der auch für Kunst, Kultur und Medien zuständig ist. Seine Hauptaufgabe sieht er darin, sich bei Prominenten der Kultur- und Medienszene einzuschleimen. Den ORF-Generaldirektor umschwänzelt er wie ein Pudel, der darauf wartet, Stöckchen zu apportieren. Und wenn sich die FPÖ gegen den ORF vorwagt, bellt er, um sich ein Leckerli zu verdienen. Worauf’s ankommt, kennt er nur vom Hörensagen, denn er besitzt gar kein Fernsehgerät. Darum hat er auch noch nicht bemerkt, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk seit Jahrzehnten eine einseitige politische Agenda verfolgt. Seit das ORF-Monopol gefallen ist, sinken zwar stetig die Zuschauerzahlen, aber dank solcher Verteidiger kann man üppig versorgt mit Zwangsgebühren weiter machen und braucht sich keinem Wettbewerb zu stellen. 

Die ÖVP-Minister führen alle Eiertänze auf, weil sie panische Angst vor den Medien haben. Kickl, dem diese Angst fremd war, wurde dagegen zum Vorwurf gemacht, dass er Missstände beim Namen nannte. Wer ist da also entzaubert worden? Strache hat sich selbst entzaubert, dazu trug Kurz nichts bei. Er wollte nur die Gunst der Stunde nutzen, um bei der nächsten Wahl noch ein paar Prozentpunkte herauszuschlagen. Ob er bei seiner Entscheidung wirklich das Wohl Österreichs und nicht nur sein eigenes im Auge hatte, muss sich erst herausstellen. Momentan spricht das Chaos, das er angerichtet hat, eher dafür, dass er sich und Österreich ein Eigentor geschossen hat. 

Eine Hand wäscht die andere

Die zur Schau getragene moralische Empörung Kurzens wirkt genauso verlogen wie die des Bundespräsidenten Van der Bellen. Mit der Behauptung, die „vierte Macht im Staat“ hätte ein Staatsverbrechen aufgedeckt, wollen sie die Methode vergessen machen, wie hier auf hinterhältigste Weise eine Falle gestellt wurde. Dass sich „seriöse“ Medien auf diese Weise als Handlanger von Kriminellen benutzen ließen, und das dann als „Investigationsjounalismus“ verkauften, zeigt nur, wie sich die Koordinaten dessen, was als Recht und Unrecht gilt, in diesen Kreisen verschoben haben. 

Den Gipfel stellt die Behauptung mancher Journalisten dar, Strache „inszeniere sich als Opfer“. Soll das heißen, dass die Regisseure des illegalen Lauschangriff zu bedauern sind, weil sie sich das antun mussten und dann trotz ihres aufopferungsvollen Bemühens zwei Jahre lang keine Abnehmer für ihr Video fanden? Zum Vergleich würde man gern ein ebenso konspirativ gedrehtes Video sehen, das Ex-Kanzler Kern mit Tal Silberstein zeigt, wie sie gerade ihre dirty campaining Aktionen besprechen. Das wäre nämlich echter Investigationsjournalismus gewesen. Im Unterschied zum verhinderten Täter Strache haben Kern und Silberstein ihren Plan in die Tat umgesetzt. Dazu meinte Kurz aber nur: „Schwamm drüber“. Dabei handelte es sich damals um den politischen Gegner. Auf den politischen Partner fühlte er sich dagegen bemüßigt, hinzudreschen und mit juristischen Konsequenzen zu drohen, während die Causa Kern-Silberstein völlig folgenlos blieb.

Dass die Politik in Österreich eine schmutzige Angelegenheit ist, wissen alle Wähler. In der österreichischen Politik herrscht seit jeher der Grundsatz: Eine Hand wäscht die andere. Daher kommt es, dass auch angebliche Saubermänner früher oder später Dreck an den Fingern haben. Die Medien werden von den politischen Parteien, die gerade an der Macht sind, schon seit vielen Jahren durch Einschaltungen teurer Inseratenwerbung gefüttert. Begonnen hat damit die SPÖ, aber inzwischen machen es alle, und zwar wohlgemerkt: Nicht mit eigenem, sondern mit Steuergeld. Und dabei geht man natürlich davon aus, dass die Hündchen nicht die Hand des Herrchens beißen. 

Ein besonders pikantes Detail in dem Zusammenhang ist, dass der Anteil der Kronenzeitung, von dem Strache im Ibiza-Video sprach, 2018 von René Benko übernommen wurde. Und dieser Mann steht nicht nur Kurz nahe. Er ist ein Spekulant, der sich von den Sozialisten über die Grünen bis zur ÖVP schon diverse politische Entscheidungen zu seinen Gunsten erkauft hat. Da erwirbt also ein Mann aus der Wirtschaft Anteile an Zeitungen – außer der Kronenzeitung auch beim Kurier – und bei letzterem Blatt erfolgt danach tatsächlich eine Neuausrichtung pro ÖVP. Dafür wurde sogar der Chefredakteur ausgetauscht. Was ist bei diesem Vorgehen anders als bei dem Plan, den Strache im Suff ausplauderte? Es bedeutet doch ein Messen mit zweierlei Maß, Strache das vorzuwerfen, was er nur geplant, aber die andere Seite realisiert hat. Die österreichischen Wähler lassen sich zuweilen Sand in die Augen streuen, aber blind sind sie nicht. Und es bleibt die Frage, was noch über die wahren Hintergründe bekannt wird. Dann könnte die Sache noch manchen auf die Füße fallen, die jetzt noch in den Empörungschor einstimmen. 

Mit beiden Beinen im Lager der Herz Jesu Sozialisten

Sollte Kurz der Versuchung erliegen, wieder die Einwanderungslobby mitreden zu lassen, und die FPÖ als ausländerfeindlich und islamophob zu verschreien, dann könnte der Lack bald ab sein. Dann steht er wieder als der Opportunist da, der er von Anfang an war. Die Österreicher erinnern sich sehr gut daran, dass er noch vor wenigen Jahren mit beiden Beinen im Lager der Herz Jesu Sozialisten stand. Mit Inbrunst tönte er im Wulff- und Merkel-Sprech, der Islam gehöre zu Österreich. Leider blieb er damals die Erklärung schuldig, ob er nur die Annexion Bosnien-Herzegowinas von 1908 meinte, oder auch die Türkenbelagerungen von 1529 und 1683 miteinbezog. Nur damit man besser einschätzen kann, was einem blüht, wenn‘s wieder ans Erobern geht. 

Kurz behauptete auch vor nicht langer Zeit, Zuwanderer wären gebildeter als autochtone Österreicher. Die Meldung hatte zwar kurze Beine, aber korrigiert wurde sie von ihm nie. Wahrscheinlich hatte Kurz dabei die höhere Mathematik im Kopf. Wenn man einen Doktor und einen Analphabeten zusammenrechnet, dann ergeben sich daraus statistisch zwei Abiturienten. Kommt noch ein Analphabet dazu, sinkt halt der Notendurchschnitt. Nur meldeten sich leider nicht genug Doktoren, dass die Rechnung aufgegangen wäre.

Nachdem Kurz an der Sperrung der Balkanroute beteiligt war, kam er drauf, dass solche Aktionen seine Popularität erhöhten, also näherte er sich der FPÖ an und kupferte ihre Themen ab. Inzwischen glaubt er aber schon genug profitiert zu haben und will sich in die Gegenrichtung absetzen. Er war, wie nun bekannt wurde, für den Migrationspakt, weil er Kritik von EU-Granden fürchtete. Und vor kurzem meinte er, feststellen zu müssen, dass von einem ‚Bevölkerungsaustausch‘ nicht gesprochen werden könne, weil keine Österreicher in die Türkei umsiedeln würden. Durch absichtliches Sich-dumm-stellen, wird sich das Problem der Migration aber nicht lösen lassen und auch die drohende Islamisierung nicht verhindert. 

Bisher hielten die österreichischen Patrioten Kurz noch für einen der ihren. Van der Bellen hat in seinem Wahlkampf mit plakatierter „Heimatliebe“ gepunktet, doch nach der Wahl allen Österreicherinnen empfohlen, Kopftücher zu tragen, damit die Muslimas nicht mehr so unangenehm auffallen. Die bewährte Taktik, rechts blinken und links abbiegen, scheint sich Kurz von ihm abgeschaut zu haben. In letzter Zeit bezeichnete er auch Leute, die die Zustände kritisieren, wie sie sich speziell in Wien zeigen, wiederholt als „widerlich“. Bei wem will er sich damit wohl anbiedern?

Von einer Schickeria angeführt

Und noch eins macht stutzig. Obwohl die Namen von mindestens zwei Hintermännern des Ibiza-Drehs bekannt sind, einer davon ein Anwalt, der in der Wiener High Society verkehrte – und der gegenüber der Familie Gudenus seine Vertrauensstellung ausnutzte –, haben weder der Justiz- noch der Innenminister in Kurzens Interimsregierung etwas unternommen, dieser beiden habhaft zu werden. Anstatt von Behörden einvernommen zu werden, können sie frech über Mittelsmänner Honorare für Interviews einfordern. Sollte sich bestätigen, dass – wie Kickl vermutet – auch Leute vom Verfassungsschutz ihre Finger im Spiel hatten, wäre das eine Bombe, die in der österreichischen Innenpolitik keinen Stein auf dem anderen ließe. Und das wäre auch eine Erklärung, worum die Minister keinen Aufklärungswillen an den Tag legten. 

Die Umfragewerte der FPÖ sind nicht eingebrochen, wenn man die Ergebnisse der EU-Wahl betrachtet. 2,5 Prozent minus für die FPÖ sind kein Einbruch, und der Zuwachs für die ÖVP ist nicht umwerfend. Nach dem Absprung Haiders waren die Umfragewerte tatsächlich eingebrochen. Aber warum ist die FPÖ wiedergekommen, obwohl fast alle Medien – angeführt vom ORF – gegen sie anschreiben? All das FPÖ-Bashing hat ihren Aufstieg zu einer Partei, die heute mit SPÖ und ÖVP auf Augenhöhe steht, nicht verhindert. Die FPÖ wird nicht gewählt, weil sie ein Spitzenpersonal hätte, sondern weil sie gegen alle Widerstände zu dem steht, was sie sagt und was ihre Wähler wollen. Die ÖVP dagegen ist als notorische Umfallerpartei bekannt. Was sie vor der Wahl verspricht und nach der Wahl macht, sind immer zwei paar Stiefel. 

Es könnte sich am Ende sogar als vorteilhaft herausstellen, dass Strache weg ist, denn viele Österreicher hatten Vorbehalte gegen ihn. Sie hätten die Linie der FPÖ unterstützt, wollten aber Strache nicht zum Bundeskanzler machen. Auch das Ibiza-Video scheint vorrangig den Zweck gehabt zu haben, Strache als Bundeskanzler zu verhindern. Deshalb konnte man zwei Jahre mit der Veröffentlichung zuwarten, denn als Vizekanzler unter Kurz wurde er gerade noch geduldet. 

Bei Norbert Hofer verhält sich das anders. Er tritt bürgerlicher und konzilianter auf als Strache, ist aber kein Opportunist, sondern hält glaubwürdig an seinen politischen Zielen fest. Das heißt nicht, dass er der nächste Bundeskanzler werden wird, aber er kann die Wählerzahlen für die FPÖ wieder stabilisieren. Kurz hat der FPÖ vielleicht ein paar Stimmen abgeluchst. Die meisten Wähler hat die FPÖ jedoch der SPÖ abspenstig gemacht, und die werden nicht zurück kommen, solange diese Partei von einer Schickeria angeführt wird, die nur für Asylwerber und Sozialhilfeempfänger Politik macht, nicht aber für die einheimische Bevölkerung, die das alles bezahlen soll.

Dazu kommt noch eine Nomenklatura, die ihre Vorteile aus einer SPÖ-Mitgliedschaft zieht. Das betrifft zum Beispiel die städtischen Bediensteten der Gemeinde Wien. Der Rest der Wähler, die der SPÖ treu geblieben sind, besteht aus Pensionisten, die schon zu Kreiskys seligen Zeiten „Für unsere starke Heimat Österreich“ ihr Kreuzerl gemacht haben. Die wollen sich auf ihre alten Tage nicht mehr umorientieren, auch wenn die heutige SPÖ das glatte Gegenteil von damals ist. 

Dem SPÖ-Politiker, der vorige Woche gesagt hat, Kurz bräuchte eine Erdung, kann aber nicht widersprochen werden. Sympathiewerte sind keine Wählerstimmen, und bis zur Neuwahl im September kann bei den Silbersteinmethoden, die inzwischen in Österreich üblich sind, noch viel passieren. Dagegen ist die bedeutungslose EU-Wahl nur eine Momentaufnahme. Vor zwei Wochen sahen die Umfragewerte für die FPÖ noch ganz anders aus, und jene, die bei der EU-Wahl von der Fahne gingen, könnten bald merken, dass ohne die FPÖ das Migrationstheater wieder prolongiert wird. 

Gutes Aussehen und eine gute Rednergabe sind hilfreich, aber keine Garantie für Wahlsiege. Dafür braucht Kurz auch glaubwürdige Inhalte. Oder will er wieder mit One-Man-Shows wie im Wahlkampf 2017 übertünchen, dass er nur eine substanzlose Truppe hinter sich hat? Sein Spitzenkanditat für die EU-Wahl war auch so einer. Das Ergebnis unterschied sich daher kaum von den Umfragewerten, die die ÖVP schon vor dem Ibiza-Video hatte. Wenn Kurz glaubt, die Bäume wachsen für ihn in den Himmel, könnte er sich wundern, wenn er in einer Koalition mit Grünen und NEOS landet. 

Kurzens bisheriger Aufstieg und abrupter Fall erinnert an das Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“. Da wollte auch jemand auf Kosten anderer hoch hinaus. Es ging eine Weile gut, am Ende aber sagte der Butt zum Fischer: Geh nur heim, sie sitzt schon wieder in ihrer alten Hütte. 

Der Autor ist ein langjähriger Beobachter der österreichischen Politszene

Lesen Sie zum Gleichen Thema auch von Wolfram Weimer: Sebastian Kurz wird der Gewinner sein.

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Leserpost

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Sabine Lotus / 28.05.2019

Sag ich doch. Habeck mit Schlips. Viel zu sehr Macron. Vielen Dank für die Zusammenfassung Herr Wolter.

Lutz Herzer / 28.05.2019

Ein wunderbar zu lesender und interessanter Einblick aus einer internen Perspektive, besten Dank. Das Tempo, mit dem Sebastian Kurz in gerade einmal 10 Tagen die Veränderungen in Österreich vorangetrieben hat, ist schon bemerkenswert. Er wirkt dabei allerdings selbst wie ein Getriebener. Fragt sich nur, von wem. Es gelingt ihm nicht wirklich, Ruhe und Souveränität auszustrahlen, obwohl die Kunst des Darstellens eher seine Domäne ist als das Anpacken der alltäglichen Dinge. In der Zeit bis zu den Ibiza-Enthüllungen ist es ihm recht gut gelungen, die Anderen machen zu lassen und nach außen repräsentativ über den Dingen zu stehen. Er hätte das laufen lassen können und sollen. Die wahren Gründe, warum er Herbert Kickl unbedingt loswerden wollte, wird er der Öffentlichkeit kaum freiwillig offenbaren. Und es ging offensichtlich nur um dessen Personalie. Vielleicht blickt er, Sebastian Kurz, der Selbstverliebte, auch argwöhnisch auf das Können und die Beliebtheit Herbert Kickls. Bei den beiden handelt es sich ohnehin um zwei völlig unterschiedliche Naturelle. Wenn Kurz jedoch damit nicht umgehen kann, ist er als Kanzler ungeeignet. Sollte er sich an Angela Merkel orientieren, wenn es darum geht, sich mit Mittelmäßigen zu umgeben, um bloß niemals in den Schatten anderer Protagonisten zu geraten, wäre dies ein gravierender Fehler. Das System Merkel ist beileibe nicht nachahmenswert. Den Niedergang eines Landes dermaßen in die Länge zu ziehen, das schafft - abgesehen von den üblichen Diktatoren - nur sie.

Stefan Ehinger / 28.05.2019

Hier war ein Ghostwriter der FPÖ am Werk.

Giovanni Brunner / 28.05.2019

Als Ösi kann ich nur sagen -brillant analysiert. Dem ist nichts hinzuzufügen!

Klaus Reichert / 28.05.2019

“Er hat es zugelassen, dass unter seinen Augen beim Verfassungsschutz eine Hausdurchsuchung durchgeführt wurde und anschließend beschlagnahmte Dokumente in der Öffentlichkeit auftauchten, womit der österreichische Verfassungsschutz international diskreditiert wurde.” Ist damit die Hausdurchsuchung bei Martin Sellner von der IB gemeint, oder gibt es noch einen anderen Skandal, den ich nicht kenne? Bin mit der Skandalfolge in Österreich nicht so bewandert. Wäre wohl auch ein Fulltime Job.

Dr. Gerhard Giesemann / 28.05.2019

Es kann gut sein, dass Kurz sein eigenes Süppchen kochen wollte, unter Einflüsterung seiner ÖVP-Spezln. Jetzt ist die Suppe übergekocht, ich habe mir den Zirkus im Nationalrat gestern angeschaut und nach der Rede von Kickl war klar: Kurz ist weg. Einen Gedanken möchte ich aber dennoch in die Debatte einbringen: Die Islamophilie der Deutschen wirkt ansteckend wegen der ungeheuren Geschäfte, die winken mit dem Riesenmarkt der Muslime, vollgestopft mit Rohstoffen zum Bezahlen, größer als China und rasch wachsend, wobei der Islam dafür sorgt, dass die nie zu Konkurrenten werden können. Die ideale win-win-Situation für Exportländer wie DE und AT ohne Rohstoffe, allenfalls Brainware. Und Österreich will mit verdienen, da ist sowas Islam-Skeptisches wie die FPÖ eher hinderlich, wegen “ein freundliches Gesicht zeigen” gegenüber der Kundschaft. Im Reich ist das die AfD. (Wehe, die begreifen das bald, womöglich, dann ist kein Halten mehr). Und bedenken wir: Die Deutschen (und die Österreicher nur bisschen Wien 16sonstwann)  hatten nie gegen die Muslime gestanden, gegen sie Krieg geführt, im Gegenteil, sie waren stets auf der Seite der Türken, Araber (ein wenig holzschnitzartig, aber im Prinzip stimmt’s). Die Engländer (und die Franzosen) haben das osmanische Reich auf Null gebracht, die Engländer haben den Saud die Trümmer daraus versprochen - gebrochen (Lawrence of Arabia WW I), Suezkrise 1956, der Völkermord in Algerien, Iran/Mossadegh (mit USA, o.k), Irak usw. Das haben die nicht vergessen und das bedeutet für die Deutschen einen klaren Wettbewerbsvorteil bei den Arabs. Da wollen die Ösis halt mitmachen. It’s the economy, stupid.

Sabine Heinrich / 28.05.2019

Hm - Herr Wolter…Ihr Beitrag hat mich sehr nachdenklich gemacht. Warum? Zu allererst wegen Ihrer Sprache, die zumindest bei mir als derart giftig angekommen ist, dass ich mich frage, wem oder welcher Partei Sie angehören - obwohl sich diese Frage eigentlich erübrigt. Ich habe vergebens versucht, per Google etwas über Sie zu erfahren, was mir leider nicht gelungen ist. Aber das liegt wahrscheinlich an mir. - Der Bundeskanzler Herr Kurz war für viele Menschen auch in Deutschland, die vor allem von der Merkelpolitik der offenen Grenzen zu Lasten von uns deutschen “Ureinwohnern” die Nase gestrichen voll haben und von dem “Anschleimen” - um einmal auf Ihre Wortwahl zurückzugreifen - an die erzkonservativen, unsere Kultur verachtenden (nicht aber die Wohltaten unseres Sozialsystems) Muslime und es furchtbar finden, dass Deutschland gegen die Wand gefahren wird (noch dazu von einer ehemaligen FDJ-Sekretärin und informellen Mitarbeiterin einer berüchtigten DDR-Einrichtung) - ein Lichtblick für Europa! So einen Kanzler habe nicht nur ich mir gewünscht. Herr Kurz ist klug und gebildet (was man wahrlich heute nur von wenigen Politikern - besonders den roten und grünen nicht behaupten kann), weltgewandt, spricht sachlich Klartext und ihm liegt - so mein Eindruck - Österreich am Herzen. Und daher war er wohl besonders den deutschen Linken ein Dorn im Auge. Was die Abstimmung gegen ihn betrifft: Peinlich! Da sehen Politiker offensichtlich wieder einmal nur sich selbst und ihre Vorteile. Ihr Land und dessen Einwohner sind ihnen offenbar schnurzegal. Da ich mich von den deutschen Medien (wieder einmal) unzureichend informiert fühle, werde ich mir bei meinem baldigen nächsten Österreichaufenthalt selbst ein Bild machen und mir vor Ort die Sichtweisen von Einheimischen anhören.  

Eleonore Weider / 28.05.2019

Nicht ganz zum Thema: Die „Krone“ kennt nun unglaubliche Details. Es ging in erster Linie um Geld, aber auch persönliche Rache wegen tiefer Abneigung der freiheitlichen Politik. Und so lief das filmreife Drehbuch zur Operation Strache: Im Jahr 2017 sollen zwei Sicherheitsexperten für Konzerne mit der Spezialität Industriespionage (einer von ihnen mit Geheimdiensthintergrund) zusammen mit dem schon bekannten Detektiv und dem Anwalt aus Wien die Idee zum Gaunerstück entwickelt haben. Der Jurist hatte über Straches Privatleben offenbar intime Detailkenntnisse von einem seiner damaligen Bodyguards. Mit diesen Infos plante das Quartett die raffinierte Videofalle im Stil einer nachrichtendienstlichen Aktion. Zuerst wurde der Frauentyp des FPÖ-Chefs gecastet. Die Hauptrolle erhielt eine bosnische Studentin der Agrarwissenschaften. Tagesgage bis zu 7000 Euro. Sie konnte Gudenus mit Detailwissen über Jagd- und Forstwirtschaft derart „einkochen“, dass es schließlich zum fatalen Treffen auf der Partyinsel Ibiza kam. In einer ohnehin verwanzten Villa, die schon für andere verdeckte Operationen genutzt worden sei. Neben Alkohol hätte es auch andere rauschhaltige Substanzen in hohem Reinheitsgrad, um Strache und Gudenus die Zunge zu lockern, gegeben. Mit dem brisanten Material, das das Quartett nach Angaben von Aufdecker Prof. Schmidt knapp 400.000 Euro gekostet hatte, plante es das große Geschäft. Doch Parteien oder ein großer Baukonzern hätten beim Preis von 1,5 bis 2 Millionen Euro abgewunken, die vier Männer blieben also vorerst auf dem Video sitzen. Jetzt der Knaller: Im Jahr 2019 kommt ein deutscher Verein mit Konten auf einer Steueroase ins Spiel. Dass sich dahinter das von Aktionskünstlern initiierte „Zentrum für politische Schönheit“ verbirgt, wird energisch dementiert. Schlussendlich wären für den Video-Kauf 600.000 Euro in Krügerrand-Goldmünzen, die sich die vier Drahtzieher aufteilten, geflossen. Bei EU-Infothek ist der ganze Skandal zu lesen.

Walter Wittmann / 28.05.2019

Ein sehr aufschlussreicher Artikel, an dem mir vieles sehr stimmig scheint. Vielen dank dafür.

Jörg Themlitz / 28.05.2019

Für einen Aussenstehenden wie mich sehr interessante Ausführungen. Herr Strache hat einen schweren Fehler begangen. Der Rücktritt war folgerichtig. Der Rausschmiss der FPÖ Minister auf wessen Initiative auch immer, war falsch. Ich scheine wohl der Einzige zu sein, der bei dem Video gehört und gelesen hat, wie Herr Strache mehrmals sagte, ´wir dürfen dabei nicht gegen Recht verstossen.` Wie gut zu wissen, dass Frau Merkel, Frau Springer, Frau Mohn und Herr Ackermann sich bei ihren Treffen, immer nur darüber unterhalten haben, wie sie ihre Gardinen weißer bekommen. Oder die Segel der Gorch Fock? Man FPÖ da müsst Ihr noch ne Menge lernen. Wieso bahnt sich gerade jetzt bei mir die Frage ihren Weg nach draußen, ob eine beliebige regierungsnahe Umfrageeinrichtung im Zusammenhang mit der #metoo Aktion die Menge der Frauen ermittelt hat, die sich nicht nach unten geschlafen haben. Sondern in die andere Richtung. Über unsere südlichen Nachbarn kenn ich da eine Aussage eines Professors. (den Namen bleibe ich mal schuldig, da ich unterwegs bin und das Buch nicht griffbereit habe) In DE gibt es so etwas glaube ich nicht.  

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